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Paris, 20. Oct. Aus der Provinz wird von mehr oder weniger starken

begrüßen zu können.

Betrachtungen:

Frankreich unterscheidet sich in diesem Augenblicke von allen Nationen durch seine Wunder und Wallfahrten, weil es zugleich sehr reizbar und sehr unwissend t Wir dürfen und nicht verwundern, daß man zum Aberglauben des Mittel- lterS zurückkehrt, wir gehören dem Mittelalter noch durch den verwahrlosten Zu- and an, in welchem sich ein bedeutender Theil unserer Bevölkerung befindet. Wahr ist cs, die höheren Klaffen beweisen eine gleiche oder annähernde Leicht­gläubigkeit wie das Landvolk, weil sie auf ihre Art und im Bereiche ihrer Ideen eine ebenso mangelhafte Erziehung erhalten haben. Ihre Neugierde wurde nie erweckt, ihre Vernunft nie gestärkt. Unsere Gebildeten haben gelernt, lateinische Verse zu machen, aber nie gelernt, das Wahre und Falsche bei historischen That- fachen zu unterscheiden. In allen Dingen sind sie der Ueberlieferung ergeben. Sie haben keine persönliche Meinung, weil ihre Meinungen mit ihrem Glauben zusammenhangen und sie gewohnt sind, jeden nur etwas individuellen Glauben wie eine Kühnheit anzusehen. Das Demüthigendste dabei aber ist, daß wir in dieser Hinsicht tiefer als früher stehen. Wo ist der leuchtende Verstand des acht- zehnten Jahrhunderts geblieben? Was ist aus der Begeisterung der liberalen Opposition unter der Restauration geworden? Wer gibt uns Voltaire und Eourrier zurück? Sind wir unfähig geworden, Entrüstung zu zeigen? Haben wir den Sinn für das Lächerliche verloren? Wird stch denn Niemand mehr finden lassen, um mit hellem uns freudigem Lachen den erbärmlichen Aberglauben, mittelst dessen die Reaktion geschworen zu haben scheint, das französische Genie zu Grunde zu richten, fortzujagen?

die Schiffe nicht mehr unter der Brücke von Macon durchfahren konnten.

DerTemps" schließt einen Artikel über die Wallfahrten mit folgenden

DieGazzetta b'Italia", welche dieses Factum hervorhebt, (D. Pr.)

Belgien.

Brüssel, 21. Oct. Das officiöseJournal de Bruxelles" hatte die An- deutung gemacht, daß die Liberalen die Urheber der neulichen deutschfeindlichen Kundgebung in Lüttich gewesen seien. Darauf erwidert dieMeuse", eine Unter­suchung würde vielleicht beweisen, daß die rothe und schwarze Internationale die Hände im Spiel gehabt.

Türkei.

Aus Konstantinopel wird uns die Katastrophe gemeldet, deren Eintritt wir an dieser Stelle schon vor längerer Zett vorhersagten: Midhav Pascha, beffen Be­rufung als der Beginn einer erfreulichen Reform-Aera begrüßt wurde, ist seiner Würden enthoben und durch Mehemrd Ruschdi Pascha ersetzt. Damit fällt natür- lich wieder das Ganze und beginnen wieder unabsehbare Veränderungen in allen Zweigen der Verwaltung. Ueber die Ursachen dieser abermaligen Krise fehlen noch Andeutungen. Man nimmt an, daß Midhad Pascha dem Sultan anti- pathisch war und daß der jüngste Besuch des russischen Großfürsten beim Sultan zum Sturze dieses reformfreundlichen und Rußland verhaßten Staatsmannes bei­getragen hat. Vielleicht auch vermochte der Großvezir den finanziellen Ansprüchen des gegen ihn unablässig conspirirenden Serails nicht nachzukommen und beschleunigte seine Unfähigkeit, Geld zu schaffen, seinen Fall. Ja unterrichteten Kreisen hegt man die Ansicht, daß Mehcmed Ruschdi Pascha gleichfalls nicht lange Großvezir bleiben und nur der Platzhalter für den abermals zu berufenden Mahmud Pascha sein würde.

Frankreich.

Die Ausweisung des Prinzen Napoleon aus Frankreich hat eine Wirkung gehabt, von welcher sich der Präsident bei Anordnung der Maßregel nichts träumen ließ. Der Umstand, daß die italienische Königstochter Clotilde, die Gemahlin des Prinzen Napoleon, mit in der per GenSd'armen vollzogene Zwangsmaßregel ver- wickelt wurde, weil sie sich nicht von ihrem Mann trennen wollte, hat in Italien eine allgemeine Entrüstung hcrvorgerufen. Sie ist, wie man derA. 3 " schreibt, dieselbe in allen Parteien, und gerade in der gemäßigten Partei, die am engsten mit der Familie Bonaparte verbrüdert war, mehr als in allen andern. Jeder­mann empfindet die Expulston der italienischen Königstochter als eine ganz Italien angethane Beleidigung, für die auch nicht ein Schatten von Entschuldigung zu entdecken ist. Man vergesse nicht, daß dteses Ereigniß, daß die Gemuther dort so aufregt, eben nur ein hundertstes ist, und daß alle andern bis jetzt von der gemäßigten Partei mit engelhafter Geduld und bestmöglicher Miene hinunter- geschluckt worden sind. Alle die Nadelstiche, die Italien seit einem Jahre von Frankreich erhalten, sind immer von der RegierungSpresse beschönigt, entschuldigt, abgeschwächt worben, und wer zählt sie alle, diese Nadelstiche, die den den Parteien fernstehenden Italiener durchaus nicht gleichgültig gelassen habenr Da ist erst die Gegenwart des französischen Kriegsschiffe-l'Oresnoque" in Civita vecchia und die verschiedenen Conflicte, zu denen seine Gegenwart Anlaß gegeben, vor allen die eigenmächtige Schließung einer Schule durch den französischen Consul im vergangenen Jahre; dann ganz kürzlich durch die Minenlegung am Tunnel de- Mont-Cenis, welche dieses großartige Werk, den Stolz ver Italiener, mit vandalischer Zerstörung im Kriegsfälle bedrohte, diewohlgemeinten Rath­schläge" in der Angelegenheit der geistlichen Körperschaften Rom», M. Fourniers Protcstation gegen das Anschlägen einer äußerst bescheiden gehaltenen Gedenktafel für den Ketzer Galilei an der Villa Medici-; die Verhaftung des Herrn Sevez, eines angesehenen Beamten des auswärtigen Amtes, der die Unvorsichtigkeit hatte, im vollen Frieden archäologischen und epigraphischen Studien auf den Alpenstraßen vachzugehen, dabei als Spion ergriffen, nach Marseille und von da nach Dole geschleppt, auf- roheste mißhandelt und trotz aller telegraphischen Proteste Visconli- Denosta'S erst nach acht Tagen auf das dringende Verwenden Ntgra's hin frei- gegeben wurde, ein Fall, den man dem Studium der englischen Preffe, die sich so sehr für Edmund AboutS Unglück interessirte, anempfehlcn möchte. Man sieht, es sind nicht die französischen Journale allein, die cs mit Italien haben, noch die Obrigkeiten, namentlich die richterlichen und polizeilichen Obrigkeiten, wie sich'S in des Herrn Sevez und der Prinzessin Clotilde Fall zeigt. Ja, die französische Regierung selbst ist so taktvoll, an den Hof des Papstes einen attachd militaire zu schicken! Nicht- wäre leichter, als diese Aufzählung der Neckereien fortzusetzen, welche sich Regierung und öffentliche Meinung in Frankreich gegen Italien erlauben; nur durch ihre fortwährende Wiederholung und die lange zurückgehaltene Empfind­lichkeit läßt sich die Gereiztheit erklären, mit welcher das italienische Publikum die Nachricht von der Vertreibung der Tochter des Königs vom französischen Boden vernommen hat. Der Minister des Acußern, Herr ViSconti-Denosta thut da- Möglichste, damit die Angelegenheit nicht zu einer ärgerlichen Polemik zwischen italienischen und französischen Blättern führe. Er hat die Absendung aller Tele­gramme nach Frankreich verhindert, welche über die Aeußerungen der italienischen

Serbien.

Belgrad, 18. Oct. Große- Aussehen erregt der von einem Abgeordneten in der Skuptschina gestellte Antrag, man solle die Juden vom Dienste in der Landwehr au-schließen. Die Regierung bekämpfte diesen Antrag energisch, und die Versammlung ging zur Tagesordnung über.

Amerika.

Newyork, 20. Oct. Der Schatzkecretär Boutwell hat angeordnet, daß die Vorausbezahlung der im November fälligen Staatsschuldencoupons ohne Rabatt erfolgen soll. Nach dem Berichte des Departements für Lanbwirthschaft pro Monat Oktober haben sich die Ernteaussichten bezüglich der Baumwolle nicht wesentlich geändert. Durchschnittlich ist der Stand derselben 6 Pcocent bester, al- im Vorjahre; das Bepflanzungsgebiet für Baumwolle hat sich gegen da- Vorjahr um 13 Procent vergrößert.

Vermischtes.

(Rendezvous von Officieren.) Am 9. October feierten Stabs - Offnere de- 14. Armeecorps, an der Spitze General v. Werder, mit Stabsofftcieren der Garnison Darmstadt, Mainz, Frankfurt eine kameradschaftliche Zusammenkunft in Heidelberg. Von Darmstadt waren Prinz Ludwig, die Generale Winkler und Wichmann, Oberst t». Linker rc. erschienen.

* In Altona ist nach den2L N." das städtische Budget durch eine neue AuS- gäbe belastet roorben. Man hat sich nämlich veranlaßt gesehen, -ine Katze °"iu>chaff-n auf deren Halsband der NameRathhauskatze" zu lesen tit Als Verzebrungskosten sind dem Ttssere außer den Mäusen, die ihm als Nebenemkommen in reicher Anzahl zu Gebote stehen, neun Pfennige pro Tag zugestanden worden.

(Farbe des Glaubens.) Ein katholischer Schulinspector wohnte einer Katechisation eines jungen, höchst strebsamen Schulmeisters bei und horte zu seinem Erstaunen die Frage an die Kinder:Kann man wohl sagen, daß der heilige Glaube em. Farbe hat?" Antwort:£) ja!" Frage:Nun, nicht wahr, dann ist er goldglanzend w e die Sonne?" Antwort (sehr pfiffig vorgetragen):Nein, der heilige Glaube ist braun! Der gute Jnspector konnte sich darauf nicht enthalten, nach der Lection den Streber zu interpelliren:Sagen Sie mir doch um Gotteswillen, mem Lieber, rote kommen Sie beim iu bembrünetten" Glauben?" Der Lehrer suchte ble Sache klar zu machen wurde aber ausgelacht. Jetzt berief er sich auf eine Autorität, holte des B schofS Dr. Martin v. Paderborn BüchleinNock ein Wort" hervor, schlug ee^e 9 auf und hielt dem Director folgende Stelle vor:Und es gilt daher von dem Glauben dasselbe, was der Bräutigam im hohen Liede von seiner Braut sagt:sie sei braun, aberSchorn Der Glaube ist braun, dunkel, nicht belle, er birgt sich m dunkle und unbegrufliche Geheimnisse, aber er ist schön." Da zuckte der Jnspector die Achseln und wgte:Da- ist etwas anderes, aber für die Kinder ist es doch etwas zu geistreich.

(Galantes aus dem Volksleben) Nachbem <8olf5botcn" marck's Wechselbalg,Her an der galoppirenden Krepirsuckt laborirenbe A(lt)ratholicismus , Freimaurer, Döllingerianer, Anglikaner, Puritaner, Nihilisten^, Griechen, Protestanten, Juden, Apostaten und sonstiger ungläubiger Pack, bei dem Nudelbrette von Mermg, welches Renftle und fein Adjutant anstatt Hölzle der zehn Gebote mttgebracht.

(Aus dem Leben Karls xv. von Schweden.) Der kürzlich verstorbene König Karl XV. von Schweden war seiner Gemahlin von Herzen ergeben. Sie war eine sanfte, gute Natur, welche ganz von Erfüllung der zwei sckonen weiblichen Aufgaben aufgenommen war: eine würdige Mutter zu sein und den Armen wohl zu thun. Sie wandte sich nicht häufig mit einem Wunsche an den König, aber wenn sie es that, war ihr die Erfüllung gewiß. Einst hatte ein Verleumder sich erfrecht, dem Komge und der Königin Böses nachzusagen. Karl, der Umwege nicht liebte, ließ die betreffende

mMS ÄeetmSE"af »idtntt>ortHrfleno etwa« meift, toffeWe^ebürfe fe(nc«"S®mmentai«.

»U'eSÄVtt" w7Ä"' lu der Sao'ne', d-i Don». und de- Pa.llon (bei Nizza)

^'a« wtk n den letzten drliJahrenerlebt haben, hinweg, al« °d In der gemeldet. Aus der S-°ne mutzte der Dampsschiffve.kehr eingestellt werden, we.l ?atb°lsich.° KUcht all-?b-im «<t-n g-blieb-n wäre; Sie ignorir.n in Ihrem r-........ - kannten.

HMenwort- die Neuerung, die Sie vor Ihrer Erhebung M Bischofswürde so schmerzlich als eine solche empfunden und so offen bekannt haben. Ja Sie .

»rechen von Ihrem bischöflichen Amte mit Vorliebe al« einer von Gott Ihnen übertragenen Mission, da Sie doch wiffen muffen, daß Sie nach der vaitcantschen Lehre Ihre Mission nicht mehr, wie die srühcrcn Bischöfe al« Nachfolger der i Avostel in Wieklichleit von Gott und von Christus, sondern von dem Papste empfangen haben; daß Sie durch Ihren dem Papste geleisteten E d sich ver- pflichtet haben, nicht zunächst da« Reich Christi, wie Sie sagen, fonttt« da« Reich de- als der absolute Stellvertreter Christi mit nicht zu rechtfertigender Anmaßung sich in die kirchliche Ordnung einschiebenden Papste- zu erweitern, zu erhalten und zu vermehren. n Arrif _ ,

Wie sollen wir uns dese-Ihr Verhalten erklären? Wir verstehen es, wenn vir Sie als Diplomaten oder Politiker betrachten, aber wir verstehen es nicht von Ihnen als Bischof. Haben Sie uns keine Beruhigung geben wollen\ < Dann müßten wir ja Ihre so warm ausgedrückte Hirtenliebe für Heuchelei halten, was wir weit entfernt sind, uns zu erlauben. Haben Sie uns keine Beruhrgung «eben tonnen, etwa, weil Sie selbst ju tief überzeugt waren von der Richiigletl jener sophistischen Schringründe, womit man die Neuerung al« keine N uerunz hinzustillen sich abmüht, wie konnten Sie dann mit dem Widerspruch in der eigenen Brust Bischof werden? Die fromme Ergebung, aus dir Sie un« »er- weisen, können wir al« ein sündhafte« Blendwerk betrachten, wo sie an die Stelle der klar erkannten Gewissen«pflicht sich stellen soll. Noch weniger kann die Mahnung, der Einheit der Kirche zu Liebe den Hochmuth der eigenen Ueber,eugung zu brechen, un« berühren, welche Sie nicht freilich in dem Hirtenbriefe, wohl aber in dem ersten mündlichen Hirtenworte an die Gläubigen gerichtet haben. Treue« Fest- halten an der Wahrheit und am Gewissen ist kein Hochmuth, und die Einhelt in der Unwahrheit kann wohl der vollendete Abfall von Christus, nie aber die Einheit sein, um welche Christus für seine Kirche gebetet hat.

Wir erinnern uns in der Nolh der Zeit des Arianismus, wo der Papst und die große Mehrzahl der Bischöfe im Glauben schwach geworden waren, der aber doch im Bewußtsein der Kirche nicht untergegangen ist und schließen im Hinblick auf jene Zeit mit dem sehnlichen Wunsche, in Ihnen noch, wenn auch nicht mehr einen hl. Athanasius, so doch einen sich wieder ermannenden hl. Servaitu«