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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Au^ nähme SonntagS.

Expedition: Canzletberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Sieben.

Nr. 170. Dienstag den 23. Juli M72.

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Amtlicher T h e i l.

Bekanntmachun g.

Dem Unterzeichneten ist von der Großherzoglichen Centralstelle für die Landwirthschaft und die landwüthschaftlichen Vereine eine Anzahl Exemplare des Programms der landwirthschaftlichen Ausstellung zu Mainz und Anmeldebogen für

1) landwirthschaftliche Producte,

2) Producte des Garten- und Obstbaues,

3) landwirthschaftliche Fabrikate,

4) Maschinen und Geräthe

mitgetheilt worden, um dieselben in geigneter Weise zu verbreiten. Die Herren Bürgermeister des Kreises, denen Exemplare des Programms zugehen werden werden ersucht, dieselben bei dem landwirthschaftlichen Publikum in möglichst umfassender Weise zu verbreiten. Außerdem können Exemplare des Programms sowie auch Anmeldebogen auf dem Bureau Großh. Kreisamts Gießen jederzeit in Empfang genommen werden.

Zum Schluß wird bemerkt, daß die fragliche Ausstellung zu Mainz vom 25.-29. September stattfindet und alle für die Ausstellung bestimmten Gegenstände längstens bis zum 15. August d. I. angemeldet werden müssen.

Gießen, den 15. Juli 1872. Der 1. Director des landw. Bezlrksvereins Gießen.

v. Röder.

B H d ii n t m a chu n g,

den Ankauf von Remontcn pro 1872 betreffend.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahmsweise vier und fünf Jahren, sind im Großherzogthum Hessen nachstehende Morgens 8 Uhr resp. 12 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar:

den 23.

August in Alsfeld,

den 21. September

in Biblis,

24.

Rieder-Gemünden,

. 23.

Gernsheim,

26.

Nidda,

,, 24.

Goddelau,

27.

Nieder-Wöllstadt,

25.

Groß-Gerau,

29.

Lich,

26.

Bickenbach,

20.

September in Lorsch (8 Uhr),

. 27.

Groß-Bieberau (8 Uhr),

. 20.

Bürstadt (12 Uhr),

27.

Groß-Umstadt (12 Uhr.)

Die von der Militär-Commission nach gegenseitigem Uebereinkommen erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und gegen Quittung so­fort baar bezahlt.

Sogenannte Luxuspferde werden bei zu hohen Preisforderungen vom Handel ausgeschlossen, ebenso die zu wenig entwickelten, oder solche, die zu schwach, schwerfällig und ordinär, den Ansprüchen au ein Militär-, Zug- oder Reitpferd nicht entsprechen, auch Pferde, welche durch zu frühen Gebrauch gelitten haben, mangelhaft gebaut, mit bedeutenden Knochen oder anderen erheblichen Fehlern behaftet und nicht gängig sind.

Pferde mit olchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der sämmtlichen Unkosten zurückzunehmen. Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem zweckmäßigem Gebiß, eine starke Kopshalfter, von Leder oder Hanf, mit zwei mindestens sechs Fuß langen starken Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben. Kriegs-Ministerium Abtheilung für das Remonte-Wesen.

gez. von Schön. Schmich.

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Politischer

T h e i l.

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Deutschland, Frankreich und der Ultramontanismus.

Das Papstthum hat sich durch seine geistliche Universalität, als Spitze des die Welt umfassenden Kirchenthuws, niemals hinbein lassen, an den politischen Händeln dieser Welt den lebhaftesten Antheil zu nehmen und Paittt zu ergreifen in den Kämpfen der Staaten und Nationen. Im Gegentheil, wir finden wieder­holt den Papst als Glied, selbst als Stifter und Leiter großer Coalitioncn, deren Bestrebungen mit kirchlichen Fragen unmittelbar gar Nichts zu thun hatten, die ausschließlich politische Zwecke mit politischen Mitteln verfolgten, mochte auch die Curie selbst neben dem politischen noch ein kirchliches mit Hülfe der Bundesgenossen zu erreichendes Ziel vor Augen haben. Es log dies in der Natur der Dinge; eine central (fit te Kirche, die außer den Staaten fleht, wird zu dem Anspruch gedrängt, über den Staaten zu stehen. Dieser Anspruch mußte sie bald mit diesem, bald mit jenem Staate in Conflict bringen, und da ihre eigenen weltlichen Machtmittel unzulänglich waren, die geistlichen Waffen aber, Bannstrahl und Aufwiegelung der Vasallen und Unteithanen gegen ihren Lehns- und LandeSh^rrn, auch nicht immer zum Ziele führten, so sah sie sich auf den Beistand weltlicher Mächte angewiesen, die sich zur Ausführung ihrer Dccrete herbeiließen, gegen eine Entschädigung an Privilegien, nutzbaren Rechten und Landbesitz, den sie sich aller- dingS selbst erobern mußten.

So war es nicht nur in der mittelalterlichen Blüthezeit der päpstlichen Gewalt, sondern auch in neueren Zeiten; so ist es noch in der Gegenwart. «Dtets bemühte sich die Curie, eine einflußreiche Stelle im Staatenfystem einzunehmen; stets trat sie zu den Mächten in nähere Beziehung, von denen sie einen Schutz ihrer Interessen erwarten konnte, zu den Mächten, in deren Vortheil cs lag, sie dem Drucke anderer Staaten zu entziehen. Die Annexion des Kirchenstaates an das Königreich Italien hat in dieser Beziehung gar nichts geändert und wird auch dann selbst nichts darin ändern, wenn die Curie 'sich in den Verlust der weltlichen Macht gefügt und die Hoffnung aufgegeben haben wird, sie mit Unterstützung einer verbündeten Großmacht wtederzugewinnen. Denn die universale Weltstellung des Papstthums ist ganz unabhängig von dem weltlichen Besitz, und

grade diese Weltstellung ist es, die das Papstthum stets zu einer Parteinahme an J den Welthändeln verleitet, oft gradezu genöthigt hat. ^re*

Für den Augenblick indessen denkt die Curie noch gar nicht daran, ihren , weltlichen Besitz aufzugeben. Sie verfolgt mit gleichem Eifer die Wiederherstellung * des Kirchenstaats und die Durchführung der wieder aufgenommenen kirchlichen 1 Weltherrschaftspläne, und es ist schwer zu sagen, welches der beiden Ziele ihr als Zweck, welches als Mittel, um das andere zu erreichen, gilt. Nur das Eine _r steht fest, daß sie nach beiden Richtungen hin mit gleichem Eifer arbeitet und grade in der Combination der beiden Ziele die Stärke ihrer Stellung steht, daßt* sie jeden Fortschritt in der einen Richtung zugleich als einen Erfolg in der )e', anderen betrachtet.

Daß sie für die Verwirklichung ihrer Pläne auf den Beistand Frankreichs - hofft, daraus macht man in Rom durchaus kein Geheimniß. Und grade dadurch hat die kirchliche Frage für Deutschland eine zweifache Bedeutung erhalten.

Wir vertheidigen den von Rom geleiteten Bischöfen gegenüber das Recht des Staates, der weltlichen Obrigkeit, gegen die geistlichen, dabei jedoch immer auch dtnn die Gebiete lassen sich gar nicht absolut von einander trennen politische Wcltherrschofsansprüche der Kirche. Aber die Kirche, indem sie in *1

Deutschland die Grundsätze des SyllabuS zur Geltung und somit den .großen Principienstreit über das Verhältnis von Staat und Kirche zur Entscheidung bringen will, bekämpft zugleich das Reich als concrete politische Macht. Sie- 1 führt wider Deutschland einen Kampf um die Principienfrage, einen politischen Kampf um die'Existenz des deutschen Reiches. Denn in diesem politischen Kampfe ist ja die Zertrümmerung des Reiches das durch keine sophistischen Verdrehungen ' der Worte des Papstes und seiner nächsten Organe abzuleugnende Ziel ihres W Strebens.

Alle Anstrengungen der Curie gehen dahin, eine anti-deutsche Liga zu stiften, und folglich werden unsere Anstrengungen dahin gehen müssen, der Gründung einer solchen Liga zuvorzukommen, eventuell uns in der Verfassung zu halten, z

dieselben zu bekämpfen.

Wir haben in diesem Ringen gegen die Curie den einen großen Vortheil? ;