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liche Würde nicht berührt werden. Mag cs auch auffallend sein, daß alle Päpste nach dem Dogma vom 18. Juli 1870 nicht bloS in Bezug auf den Glauben, sondern auch auf die Sitte unfehlbare Lehrer gewesen sind, während einzelne doch, stttenlos waren, so läßt sich diese Abweichung von Theorie und Praxis doch allen-' falls für möglich halten. Aber da die Päpste Menschen sind und bleiben, was soll dann aus der Unfehlbarkeit werden, wenn etwa ein Papst schwach- oder irr­sinnig werden sollte- Pius IX. ist ein feiner und gebildeter Mann, und das Alter hat ihm auch nicht viel mehr angehabt, als daß er etwas redselig geworden ist. Wie aber, wenn ein hochbctagter Papst einem sehr gewöhnlichen Loose der Sterblichkeit verfallen und kindisch im Alter werden sollte- Die Anhänger des Dogma's freilich sind auch auf diese Frage nicht verlegen um eine Antwort; denn beantworten läßt sich schließlich alles, wenn man sich über die gewöhnlichsten Denkgesetze hinwegsetzt. Aber eine Regierung, welche für das Geschick einer Nation verantwortlich ist, kann sich mit solchen in der Noth aus dem Aermel geschüttelten Erklärungen und Auslegungen nicht zufrieden stellen.

Berlin, 18. Juli. Auf die neueste Drohung derProvinzialcorrespondenz", betreffend eine nachdrückliche Behandlung der kirchlichen Vereine, erwidert die Germania" (die übrigens augenblicklich von einem Stellvertreter des auf Reisen befindlichen Caplans Majunke redigirt wird):

Derbittere Ernst" wird schon kommen, darauf find wir gefaßt. Ist ja doch die Regierung nach officiösen Geständnissen unrettbar verloren, wenn sie auch nur einen Schritt zurückgeht. Also muß sie vorwärts, denn die Kirche kann nicht wanken und nicht weichen. Das aber sagen wir Denjenigen, die denbitteren Ernst" zur Anwendung bringen, als zweifellos sicher und gewiß voraus, daß nach, demselben die bittere Reue sich sehr bald bei ihnen ctnstellen und länger Vor­halten wird, als sie es jemals in ihrembitteren Ernste" geglaubt haben.

Berlin, 19. Juli. Wie dieDeutsche landwirthschaftl. Zeitung" berichtet, hat das StaatSministerium, auf Antrag des Ministers für die landwirthfchaft- l'chen Angelegenheiten, am 4. d. M. einstimmig beschlossen, den Kriegs-Minister zu bitten, daß er die Cowmandeure der verschiedenen Truppentheile ermächtigen möge, drm in diesem Jahre in einigen Landeslheilen ganz besonders hervortreten- den Mangel an ländlichen Arbeitern, welcher während der Erntezeit zu einem ganz empfindlichen Rothstande sich zu steigern drohe, durch Beurlaubung von Mannschaften des Dicnststanves fo weit entgegen zu wirken, als das Interesse des Dienstes dies gestattet. Auf dieses Gesuch ist der Kriegs-Minister bereitwillig eingegangen und hat die GeneralcommandoS mit Anweisung versehen.

Berlin, 19. Juli. Das Gltichniß vom Steinchen, durch das der Koloß zertrümmert werde, hat begreiflicherweise auf die höchsten Persönlichkeiten im deut» schen Reiche den übelsten Eindruck gemacht, und die römischen Staatsmänner haben es gerathen gefunden, diesen Eindruck möglichst abzufchwächen. Sie haben zu be­denken gegeben, daß Pius IX. ein alter Mann fei. Da- soll wohl heißen, ein schwache», fehlbarer Mann. Aber solche EntschulbigungSgründe sind einigermaßen auffallend nach der Unfehlbarkeitserklärung; wenigstens stellen sich dabet in psycho» logischer Beziehung eigenthümlich'e Schwierigkeiten heraus. Die katholische Kirche hat für ihre P.icster und für den Papst selbst niemals den Anspruch erhoben, daß sie mehr seien, als der Sünde unterworfene Menschen. Durch alle Laster und

für uns, daß nur ein Staat Neigung hat, den Einflüsterungen des Jesuitismus Gehör zu schenken, Frankreich, während alle übrigen Siaaten in dem Ultramon- tanismus, grade wie auch wir, den bittersten Feind ihrer Souveräneiät sehen. Frankreich ober ist noch auf Jahre hin nicht in der Lage, sich der Curie al- bewaffneter Bundesgenosse zur Verfügung zu stellen. Sobald es sich aber in der Lage befinden wird, wird es, gleichviel wer dann in Frankreich an der Spitze stehen mag, ohne Zweifel der Curie zu Diensten stehen vorausgesetzt, daß man dann noch im Vatikan den Willen und die Macht hat, einen bewaffneten Angriff gegen Deutschland herbeizuführen.

Möglich ist es allerdings auch, daß während der Zeit, deren Frankreich zu seiner Wiederherstellung bedarf, sich die Leidenschaft des Haffes gegen Deutschland abkühlt. Auf diese günstigste Wendung können wir aber grade durchaus nicht rechnen, so lange Frankreich die Hoffnung hat, in der Curie einen Verbündeten zu sehen, so lange es darauf baut, daß die jesuitischen Jntriguen die Saaten der Zwietracht auf deutschem Boden ausstrcuen und daß diese Saaten am Tage der Revanche üppig aufkeimen werden. Man sehe doch nur, wie eifrig die radikalsten Organe, die in allen inneren Fragen den CleruS als den unversöhn­lichen Feind der Freiheit und Cultur bekämpfen, in den deutschen kirchlichen Streitigkeiten für die Jesuiten Partei nehmen, wie offen sie eingestehcn, daß sie die Jesuiten Deutschland gegenüber als unschätzbare Verbündete betrachten.

Dazu kommt nun noch, daß Frankreich, ehe die inneren Zustände sich voll- ständig consolidirt haben, schon aus Rücksichten der Parteipolitik immer den Leidenschaften des CleruS schmeicheln, und es sorgfältig vermeiden wird, ihm unumwunden jede Hoffnung abzuschnetven. Selbst Gambctta, als Regent, würde den Clerus, um ihn nicht in das bonapartistische Lager zu. drängen, .mit Rücksicht behandeln.

Ajir wiederholen: so lange Frankreich in der Curie einen künftigen 93er- bündeten steht, so lange wird auch der Chauvinismus, trotz aller inneren Kämpfe, trotz des Haffes, mit dem die Parteien sich gegenseitig befehden, die Grundbe- stimmung des französischen Volkes bleiben. Eine -vesöhnliche Stimmung kann erst dann etntreten, wenn die Hoffnung auf Revanche abgeschnttien tst, wenn Frank- reich die Ergebnisse des Kriegs als ebenso unwiderruflich anfleht, wie Oesterreich gegenwärtig diejenigen des Kriegs von 1866. Oesterreich ist uns erst dann befreundet geworden, als es sich überzeugt hat, daß es Thorheit wäre, die vollendeten Thatsachen rückgängig machen zu wollen.

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Landau, 22. Juli. Der Erzbischof von Utrecht, welcher am Samstag hier ntraf, hat gestern in der Katharinenkirche ein Pont'ficalamt abgehalten und an t. " " Dem Erzbischöfe - wurden Seiten« des alt-

Darmstadt, 22. Juli. In Folge des Frtedensfchluffes mit Frankreich sind durch Vermittlung des deutschen Reichskanzler-Amt,S eine Anzahl hessischer Staats- angehörigen, welche in die sranzöstiche Fremdenlegion in Algier eingereiht waren, aus dem fremden Kriegsdienste erlöst uno, mit Reifemitteln versehen, in ihre Heimath zurückbefördert worden. Die hierdurch entstandenen Kosten wurden all­dem Fond« für öffentliche und gemeinnützige Zwecke bestritten.

Darmstadt, 22. Juli. Der Buchdruckereibksttzer Wallau in Mainz ist zum Bürgermeister daselbst ernannt worden.

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-Z3crl21. Juli. Wie dieD. R. C." hört, hat die Reichsregierung sofort nach Veröffentlichung des Gesetzes, betreffend die Gesellschaft Jesu, sowie die Ausdehnung desselben aus Elsaß-Lothringen, direkt sich mit den 28 Bundes- regierungcn und dem Oberpräsidium der Reichslande in Verbindung gesetzt und dieselben ersucht, ihr baldmöglichst statistische Mittheilungen darüber zugehen zu lassen, wie viel besondere Niederlassungen dieses Ordens und wie viel einzelne Mitglieder dlsselbcn sich in dem betreffenden,' der Einzclregierung untergebenen Staate befinden, wie viel Mitglieder des Ordens ausgewiesen und bezüglich wo­hin dieselben gegangen, wie viel im Jnlande, wie viel in das Ausland sich ge­wendet haben u. s. w. ö

Nach hierher gelangten amtlichen Nachrichten ist . in den GouvernementS Kalisch, Petrikau, Radom und Siedlce in Polen theils die sibirische Pest unter dem Rindvieh, theils die Rinderpest avsgebrochen. Mit Rücksicht hierauf ist an­geordnet worden, daß der Uebertritt von Rindviehtransporten über die preußische Grenze nur dann gestattet werden darf, wenn die anzuordnlnve thierärztliche Unter- fuchung die vollständige Unverdächtigkett des Transportes herausgestellt hat.

DieGenfer Korrespondenz" schreibt: Das ganze Rheinland gährt, die Kinder der rothcn Erde sind empört, der Schwarzwald schafft seiner Entrüstung in feiner derben Sprache Luft, die Schwaben spotten über solche legislative Mei- sierstücke, uno der bayerische Löwe?er schläft noch und wir wollen ihn schlafen laff.n, Denn wenn er erwacht, der katholische Leu, dann möchte ich den Karthäuser von Varzin doch gebeten haben, ihm aus dem Wege zu gehen und auch seine Armeekörper auf anderem Wege nach Italien zu schicken, als auf jenen, die über die Brücken der Donau führen. Wahrscheinlich wird man auch wieder diese Nummer DerGenfer Corrcspondenz" durch Famulus Wagener Sr. Maj dem Kaiser zum Frühstück vorlegen lassen, damit sich Allerhöchst dieselben Überzeugen, wie wir Revolution predigen. Um dem vorzubeugen, erklären wir, baß wir nicht den Auf- rühr predigen und ihn nicht wollen, sondern daß wir einfach die Wand bc- jeidjnfn, an welcher sich Über kurz oder lang ein System den verkehrten Schädel­einrennen muß, das nicht zu rechnen versteht mit Der Ueberzeugung von Millionen.

Berlin, 22. Juli. Amtliche Depeschen aus ElberfelD melDen Die gänzliche Beendigung des StrtkeS Der Bergleute im Bezirk Der Bergisch . Märkischen Eisenbahnen. Die Kohlenabfuhr ist von heute ab wieder reaelmävia. Der 91». drang von Wagen ist groß.

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i . Darmstadt, 20. Juli. Laut einer Bekanntmachung in dem gestrigen Re- gierungsblatte sind demMainzer Journal" die gerichtlichen Anzeigen des Be- zirksgerichts Mainz entzogen worden. Als Grund bezeichnet man die feindliche Haltung, welche dieses Blatt in neuerer Zelt gegen das deutsche Reich und dessen Bestand, sowie gegen die oberste Reichsbehörde angenommen hat. Charakteristisch für diese Richtung war unter Anderen ein vor Kurzem von diesem Blatte gebrachter aus der Unua Cattolica" entlehnter Artikel: Heute mir, morgen dir. Zwar ist dieserhall sowie überhaupt in dieser Angelegenheit eine auswärtige Beschwerde ober Reklamation nicht erfolgt, aber dieses ändert nichts an der Pflicht Der zu- PänDlöcn Behörden, aus eigener Entschließung das Erforderliche vorzuk.hren. Denn wenn auch die Behörden des Landes an und für sich keine Veranlassung haben, sich mit den publicistischcn Expektorationen eines Tageblattes, sofern die- C Strafgesetze verstoßen, von AmtSwegen zu befassen, so ge- staltet sich ditses doch anders, wenn solche maßlosen Invektiven von einem Blatte ausgehen, welches von einer Gerichtsbehörde unter Genehmigung des Justizmini- ifÜr 0trri*,,(c',tn An,eig-n eint« Gerichtsbezirks bestimmt Worten ist. K« liegt nahe, daß der einem Blatte durch die Zuwendung dieier Anzeichen erwachsende pceuniäre Boriheil al« eine (ncireete Subvention ausaesabt unt^ Oierflu«, wenn auch mit Unrecht, gefolgert wird, datz die Behörde mit der Methode und dem Ziele eines solchen Blattes einverstanden sei, und selbstverständ- lich wurde derartigen, wenn auch auf anderem Grunde beruhenden Argumentationen ebensowenig begegnet werden, wenn der nämliche Vortheil einem entschiedenen »arte blatte der entgegengesetzten Richtung bewilligt würde. E« wäre indessen verfehlt, wenn man dieser Schwierigfeiten wegen zu dem Resultate kommen wollte von der Wahl eine« bestimmten Organ« für die gerichtlichen Anzeigen überhanvt abzusehen, denn die« würde den großen Mißstand und Nachtheil zur Folge haben daß derartige Anzeigen in verschiedenen Blättern zersplittert und dadurch den Hypolhekarglaub gern, Steiglirbhabern und sonstigen Interessenten mehr oder we- v"*6tr unzugänglich gemacht würden. Diese« ist um so mehr zu befürchten, al« n®,flHlUbh r 3tU' in 6ie d-rmalige Gesetzgebung der Provinz Rhein- 1

« "<.L a nt', ^-man vergleiche u. a. das Dekret vom 3. August 1810) die Prell- CntUd> t)träut,ert unt bie in dieser Provinz erscheinenden öffent- oACn c?,tr u.nÜfmc,n vermehrt haben.. Darum wird cs für die Zukunft die 1 Aufgabe fdn "üssen, zu dem angegebenen Zwecke ein in seiner allgemeinen Leitung

- Möglichst objektiv gehaltenes Blatt, welches im übrigen den gesetzlichen Bestim- chungen knisprfcht und auch eine genügende Verbreitung besitzt, ins Auge zu fassen, i Mainzer Togblatt" au ß c w IJ n J ab I u df bit (Benebmf^ hl?3 Einbau die Firmung vollzogen Dem Erzbi^chofe^w Justizministeriums erhalten. (Darmst ^ta) C1^un0 Der Bevölkerung große Ehrinbezrigungen

v 0 J lderfelbe über Mainz und Köln nach Utrecht zurück.'

Hieraus ergiebt sich also für uns die unbedingte Nothwendigkeit, unseren Conflict mit Rom so gründlich zum Austrag zu bringen, daß Frankreich jede Hoffnung auf ein Zukunftsbündniß mit Der Curie völlig abgcfchnitten wird. Wenn wir Das jesuitische Kirchenprincip treffen nicht Die Kirche, Deren Wesen m ( , -----------.....

himmelweit von jenem Princip verschieden ist so treffen wir zugleich den Chauvi- ^'vrechen, ^^lche die Geschichte von einzelnen Päpsten berichtet, kann die päpst- nismus, und indem wir für Das Recht Der Staatsgewalt kämpfen, kämpfen wir A - - - -- -

zugleich für die Sicherheit des Vaterlandes und befestigen wir ben Weltfrieden. Daß auch Die große Mehrzahl unserer katholischen Mitbürger Die Sachlage so auffaßt, Daß sie von Dem Wohlwollen Der Staatsgewalt gegen Die Kirche überzeugt ist, Daran zwejfeln wir nicht. Aber wir beklagen es, Daß bis j tzt nur sehr vereinzelt Stimmen im katholischen Lager laut werden, Die sich offen gegen d e vaterlandSseindlichen Hetzereien Der Jesuiten augsprechcn. Möge Die Staatsgewalt durch di. F-stigk-tt ihrer Haltung den zahllosen vaterländisch gesinnten Katholiken Den Muth geben, sich immer offener gegen Die ultramontanen Tendenzen auSzu- sprechen und sich unumwunden von Führer loszusagen, deren Entwürfe, wenn der Staat sie nicht m Keime erstickt, Deutschland in einigen Jahren zu einem neuen Waffengange zwingen würden.