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Folgendes: DieBrazil and River Plate Mail" gibt sich Besorgnissen in Be­treff Oer Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien hin, welche, wenn auch die deutsche Presse sie nicht mehr theilt, bündig und unzweideutig widerlegt sein wollen. Die Beziehungen beider Lander sind so freundlich, wie sie je gewesen. Der Zwischenfall, welcher eine Trübung hätte herbeisühren können, ist durch das Entgegenkommen der kaiserlich brasilianischen Regierung in einer Weise erledigt, die nur die Erinnerung an dieses entgegenkommende Verhalten zurückgelassen hat. Daher wird die in Aussicht stehende UebungSfahrt unserer Schiffe, selbst wenn sie eine Richtung nach den brasilianischen Gewässern einschlüge, des demonstrativen oder gar feindlichen Charakters, welchen dieBrazil and River Plate Mail" darin erblickt, durchaus entrathen. Von irgend welcher Verstimmung gegen Bra- silien kann, wie wiederholt zu versichern i|t, keine Rede sein.

München, 18. Jan. DerA. A. Z." wird von hier gemeldet: Dem Ver- nehmen nach hat der deutsche Kaiser Sr. Majestät dem König die Kette des Schwarzen Adlerordens, begleitet von einem eigenhändigen Schreiben, verliehen.

Aus Dresden, 17. Jan., wird der WienerPr." telegraphisch gemeldet: Auf Grund der während der socialdemokratischen Lanvesversammlung gesammelten Erfahrungen hat die Regierung die Auflösung sämmtiichcr in Sachsen bestehenden internationalen Gewerkegenossenschaften (Chemnitz, Mittweida, Crimmitschau, Lim- bad), Rottluff, Altendorf, Ober- und Rieder-Radenstein rc.) verfügt.

Oesterreich.

Wien, 19. Januar. DieWiener Zeitung" schreibt: Die glückliche, durch eigene Entschlossenheit und Geistesgegenwart erfolgte Lebensrettung Sr. Majestät

des Kaisers von Rußlanv aus der drohenden Gefahr hat Sr. Majestät dem Kaiser und König Veranlassung geboten, den warmen Ausdruck Allerhöchstsciner Theilnahme sofort im telegraphischen Wege zur Kenntniß Sr. Maj. des Kaisers von Ruhiand zu bringen, (s. unter Rußlanv Petersburg.)

Die Kaiserin ist an der Grippe erkrankt.

Wien, 22. Jan. Grillparzer ist gestorben.

Pesch, 18. Jan. Im ungarischen Reichstage wurde am 13. Januar von dem Adg. Majoros ein Gesetzentwurf über die politische Emancipation der Frauen eingebracht; derselbe lautet:

1. Die dem weiblichen Geschlecht Angehörigen, die in diesem Lande geboren oder hier naturalistrt wurden, sind ohne Ausnahme im Genüsse aller Po­litiken Rechte dm Männern gleichgestellt. §.2. Alle bisher bestandenen Gesetze, die den Frauen die Ausübung bürgerlicher und politischer Rechte verbieten, werden hiermit außer Kraft gesetzt. §. 3. Mit dem Vollzüge dieses Gesetzes wird der Justiz-Minister betraut.

Das Haus beschloß, diesen Gesetzentwurf in Druck legen und vertheilen zu lassen.

Graz, 17. Jan. Eine kaiserliche Entschließung ordnet an, daß der Fam-lle des ermordeten Bürgermeisters Hangt von Stainz das demselben verliehene goldene Verdienstkreuz mit der Krone ohne Vergütung des Werlhes der Decoration be­lassen werde.

Frankreich.

Variä 18. Januar- w« vcuqajcn övivuuu ln rUNeVille

rrnnnuei ycu, ist in EhalonS für Saone verhaftet worden. Er wollte dort über­nachten und am nächsten Tage nach der Schweiz abreisen. Widerstand leistete er nicht und läugnete auch sein Verbrechen nicht, das er aus Patriotismus begangen haben will. In einer Eingabe, die er an den Präsidenten der Republik gerichtet, bittet er, bei dem Urtheile mildernde Umstände gelten zu lassen. Die Commis­sion, welche die Ursache des Aufstandes vom 18. März zu untersuchen hat, ist damit fertig. Der Berichterstatter ist der Marquis de la Rochetoulon. Thiers wird in dem Berichte, welcher der Oeffentlichkeit übergeben werden soll, ziemlich scharf mitgenommen. Eine eigene Petition wird dieser Tage der Kammer über­reicht werden. Dieselbe ist von 50,000 Unterschriften bedeckt, geht von der clerf- falen Partei aus und verlangt die Abberufung des französischen Gesandten bei Oer italienischen Regierung.

Paris, 19. Jan. Wie verlautet, sind die Truppen des Lagers von Ville- neuve-L'Etang bei Paris nach dem Süden abgegangen. Die Stimmung in Mar­seille und im Süden überhaupt soll nämlich eine sehr erregte sein und man des­halb Vorsichtsmaßregeln ergriffen haben. In Lyon, von wo Truppen nach Riömes abgegangen sein sollen, ist die Stimmung ebenfalls eine sehr unruhige. Näheres darüber erfährt man noch nicht. Der französische Kriegsminister hat einen Aus­ruf an die französischen Unteroffiziere erlassen, welche das Deutsche correct über­setzen können. Dieselben sollen nämlich den Militär-Intendanten beigegeben wer­den, welche sich in den occupirten Provinzen befinden, und die oft in Verlegenheit kommen, weil fast Keiner von ihnen Deutsch versteht.

Paris, 20. Jan. Der gestrige Leitartikel der France ist in einen schwarzen Trauerflor gehüllt.Der 19. Januar ist der Markstein, Oer das Ende des Krieges bezeichnete. An diesem Tage erlosch der letzte Hoffnungsstrahl, der uns geleuchtet hatte. Nichts blieb als eine Wirklichkeit voller Schrecken: die Niederlage, die erdrückende allgemeine Niederlage mit ihrer ganzen Demütigung und ihrer ganzen Verzweiflung. Am 12. Januar hatte Chanzy die Linie von Le Mans verloren, am 16. (vielmehr am 19.) war Faidherbe bei Saint Quentin geschlagen worden, am 18. mußte Bourbaki nach den unfruchtbaren Tagen des 15., 16. und 17. Januar sich zurückziehen, seine Verbindungslinie, die der durch feine angeblichen Triumphe bei Dijon festgehaltene Garibaldi nicht hatte schützen können, war ab- geschnitten und die unglückliche Expedition endigte mit einem Mißgeschicke, das die edle Gastfreundschaft der Schweiz sich zu lindern bemühte." So resumirt die France selbst die Lage der Dinge, an welcher, wie sie sagt, auch der letzte heroische, aber selbst in den Augen derer, welche damals die Leitung in Händen hatten, hoffnungslose Versuch, Paris zu befreien, nichts zu ändern vermochte. Die France wünscht, daß eine moralische Verjüngung Frankreichs die Enkel vor ähnlichen Un­fällen bewahren möge. Sie wünscht, das Gefühl der persönlichen Verantwort- lichkeit möge in jedem Franzosen wieder lebendig werden.Hören wir auf, uns gegenseitig anzuklagen, klagen wir uns selbst an, unsere Zwietracht, unsere Un­verträglichkeit, unsere Eifersüchteleien, unsere Unvorsichtigkeit, unseren tollen Stolz, unsere unerträgliche Anmaßung. Klagen wir die verkehrte Richtung dcS öffent­lichen Geistes an, die Tendenz unserer Literatur, den SkepticiSmuS, den sie ver­breitet und welcher die Ursache der inneren Fäulniß ist, welche uns entkräftet. Es ist die moralische Wiedergeburt, welchcr wir bedürfen."

Paris, 20. Jan. Die meisten Mächte machten der französischen Regierung!

Vorstellungen in Betreff der unliebsamen Folgen einer Kündigung der Handels­verträge.

Versailles, 22. Jan, Morgens. Sämmtliche Mitglieder des diplomatischen Corps drückten ,hre Freude über die glückliche Lösung der Krisis aus. In den Versammlungen der parlamentarischen Gruppen herrschte durchaus der Wunsch, daß eine dauernde Verständigung 'wischen Thiers und der Nationalversammlung cintreten möge. Man versichert, daß Thiers künftighin seltener in die Berathungen der Nationalversammlung eingreifen werde. Die Frage der Rückkehr der Re­gierung und Nationalversammlung nach Paris scheint auf lange Zeit vertagt zu sein. Die Ruhe wurde nirgends gestört. ThierS hat nach einer Unterredung mit fern Fürsten Orloff denselben nach Paris begleitet.

England.

London, 20. Januar. Die Expedition zur Aufsuchung Livingstone's wird am 2. Februar in dem Dampfer AbydoS durch den Suezcanal nach Zanzibar ab­gehen. An ihrer Spitze steht der Seelieutenant Llewellyn Dawson, welcher sich vor drei Jahren bei den schwierigen VermeffungSarbeiten an den Stromschnellen des oberen Iangtsekiang auSzeichnete; ibn begleitet außer einem zweiten Offiziere, einem Handwerker und einem in Zanzibar anzunehmenden Dolmetsch auch ein zwanzigjähriger Sohn des verschollenen W. Oswell Livingstone, welcher selbst in Afrika, in Der Nähe des Nganiisee's geboren ist und gegenwärtig in London Medicin studirt. In Zanzibar wird Lieutenant Dawson schon ein bewaffnetes Geleit von 50 auserlesenen Eingeborenen und die nothwendigen Träger antreffen, für welche Vorbereitungen Dr. Kirk sorgt, und von Dort wird der Weg über Udschidfchi und Den Tanganyikasee in Der Richtung eingeschlagen, in welcher man Den Manyemasee und Den letzten bekannten Aufenthaltsort Livingstones ver- muthet.

Rußland.

Aus Petersburg, 17. Jan., wird der Wiener Zeitung telegraphirt:Der Kaiser ist gestern durch eigene Kaltblütigkeit und Geistesgegenwart einer ihm auf der Jagd drohenden Gefahr entgangen. Ein verwundeter Bär, der gegen den kaiserlichen Stand losstürzte, brachte das Leben des Kaisers in die höchste Ge­fahr, wurde aber durch einen Schuß Sr. Maj. getödtet."

Australien.

Man erinnert sich, daß auf einer der melanesischen Inseln unlängst der Bischof Patteson erschlagen worden, und zwar als ein unschuldiges Opfer des Rachegefühls, welches durch europäische und amerikanische Menschenräuber in jenen Insulanern entzündet worden ist. Von Den Fidschi-Jnseln kommt jetzt eine ähn- liebe Nachricht, nur daß die Opfer nicht so unschuldig waren wie jener Bischof. 40 geraubte Salomon-Insulaner, welche auf einem Schooner von Seruka zu einer Pflanzung gebracht worden, überfielen ihre weißen Aufseher und tödteten vier derselben mit Namen Warburton, Whitaker, Keystone und Robinson, so wie einen Pflanzer von Fidschi. Der Capitän und ein Matrose der Barke Cambria, welche zwischen den Salomon-Inseln kreuzte, um Kulis zu fangen, sind ebenfalls er- leurven. lLs i|t nicht im Geringsten zu bedauern, daß die Eingeborenen sich solcher Maßen mit Gewalt der weißen Räuber erwehren. Die Generalver­tretung von Neuseeland hat an die britische Regierung jetzt von Neuem das Ge­such gerichtet, dem Menschenraub in dem süDpacifischen Jnselmeer ein Ende zu machen.

Handelsberichte.

Frankfurter Bank. Die Dividende für daS abgelaufene Geschäftsjahr ist auf 41 fl. festgesetzt.

Manufacture imperiale de tabacs de Strasbourg. Man schreibt vom Rhein darüber Folgendes: Die van den größeren süddeutschen TabakSsabrikanten gegen daö Vorgehen der Manufacture imperiale de Strasbourg gerichtete Agitation ist fast von allen deutschen Firmen sdic Zahl übersteigt bereits 200] gut geheißen worden. Die betreffende Eingabe an daS Reichs­kanzleramt enthält folgende Petita :

1) daß die kaiserliche Tabaksmanufactur in Straßburg, sobald als es mit den Interessen des deutschen Reiches irgend vereinbarlich ist, aufgehoben resp. dem Erwerbe von Pri­vaten zugänglich gemacht werde,

2) daß, wenn überwiegende Gründe dafür sprechen sollten, die Manufactur noch längere Zeit im Staatsbetriebe zu belassen, der Termin der Aufhebung find und bekannt ge­macht, und auf Grund einer über den bisherigen Betrieb unter Zuziehung von Privat- Tabaks-Jndustriellen anzustellenben Untersuchung die völlige Gleichheit in den Concur- renzbedingungen zwischen der Manufactur und der Privatinduftrie hergestellt, ins­besondere

3) die Manufactur wie jedes andere Privatgeschäft zu den entsprechenden gleichen Abgaben an den Staat, wie sie durch Zölle und Steuern jeder Art bedingt sind, heran- gezogen werbe.

Es scheint in der Absicht zu liegen, womöglich alle deutschen Tabaksfirmen zu dieser Er- kiä rung zu vereinigen und ist das Haus Carl Äraeff in Bingen a. Rh. und in Creuzuach erbötig, etw ige Zustimmungserklärungen Seitens der Concurrenz in Empfang zu nehmen.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 22. Januar. Die Börse constatirte mit dem heutigen Tage, daß sie den Weg der Hausse nicht nur nicht zu verlassen, sondern im Gegentheil weiter auf demselben vorzugehen gesonnen sei. Die Stimmung war eine sehr animirte und daS Geschäft in fast all' fernen Theilen ein recht lebhaftes. Staatsbahnen wurden bis zu 421 bezahlt, Creditactien mit 357 und Lombarden auf gute Berliner Notizen hin bis 221, nachdem sie lange nicht über 217 hiiiauskommen konnten. Nur Nationalbank war heute matt, 898, da man wissen will, daß die österreichische Regierung den neuen Statuten derselben die Genehmigung verweigern werde. Silber­rente lebhaft gehandelt und mit 645,4 bezahlt. DaS größte Geschäft außer in obigen Specula- tionswerthen fand aber entschieden in Loosen statt, von denen österreichische 1860er mit 94y8 bis 943/4 bezahlt und 1854er sehr begehrt waren. Raab-Grazer bei lebhafter Nachfrage 86, ebenso Donau-RegulirungSloose und Finnländer gesucht. Ungarlsose 117H^. Auch die kleineren Gattun­gen dieser Branche im Verkehr.

Von Banken waren Darmstädter wieder höher, 491, auf daSman sagt" einer sehr guten Dividende hin; ferner waren Provinzial-DiSconto, würltembergische Notenbank und die hiesigen Institute beliebt und theilweise besser bezahlt. Bahnen dagegen erfreuten sich weniger Beachtung, und sind nur Oberhessen österreichische Franz-Joseph, junge Staatsbahnen, ungarische Ost und Alfold in größeren Posten umgeseyt worben. Von Prioritäten Elbthal fest bei 96. Pfand­briefe, russische wie preußische, anhaltend beliebt. In Amerikaner« verhältnißmäßig beschränkter Umsatz, 1874er 95/4, California-Ertension 99^, Union Pacific 70. Sehr gute Meinung bringt man der durch Rothschild zur Auflage kommenden neuen Anleihe von 15 Millionen Dollars der Stadt Newyork entgegen.