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Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Nuv» nähme DonntagS.

Expeditton : Lanz leib er g, Sit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Ur. 273, Freitag den 22. November 1872

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Bekanntmachung.

Bezugnehmend auf das Ausschreiben Großh. Kreisamtes vom 10. October d. I. bringen wir zur Kenntniß, daß nunmehr die Hufbeschlagwerkstätte in der Veterinäraustalt eröffnet ist und Pferde und Rindvieh durch den Lehrschmied Herrn I. H ö ß beschlagen werden.

Die Direction der Großh. Veterinäranstalt.

Prof. Dr. P fl u g. (5394)

Politischer

T b « i l.

Deutschland.

Aus dem Großherzogthum Hessen, 20. November. In Folge einer Ver­ständigung zwischen der Foltjchrtttspartei und den Liberalconservativen sind nach derM. Ztg." für die Stadt Darmstadt Dr. K. I. Hoffmann und Commerzten- rath Fink als Candidotcn aufgesteUt. In Zwingenberg-Bensheim ist der Candidat der Fortschrittspartei BcziikSstrafrichter Heinzerling. Nach der neuen DecanatS- einthe'lung des Großherzogthums zerfällt das ganze Land in 23 evangelische Dekanate, von denen 8 auf Starkenburg, 10 aus Oberheffen und 5 auf Rheins dessen kommen. In Starkenburg sind unter den 8 muernannten Dccanen 4, die es schon waren. Sämmtliche gehören der freieren Richtung der protestantischen Theologie an, bi« auf einen, mehr nach Rechts hin neigenden. Von den 10 OberhlffrnS bekleideten früher schon 8 dieses Amt. Unter diesen 10 besteht eint Anzahl mehr auf der positiven Seite; doch huldigen alle einer milderen Auffassung in theologischer Beziehung und find friedlich, duldsam gegen andere Richtung. Die 5 Dccane Rheinhessens stehen affe auf der freieren Seite der Theologie; 2 *baoon gehören dem Protestantenverein an. Mit dem nächsten 1. December soff die Awtsthaiigkeit der neuen Dekane beginnen.

Darmstadt, 20. Novbr. Der Vertrag über die Erweiterung der Stadt Mainz, welcher am 21. Septbr. v. I. zwischen der Stadt und dem Festungs- Gouvernement abgeschlossen worden ist, hat am Heutigen die vorbehaltene Ge­nehmigung des Ministeriums des Innern erhalten, nachdem die Stände des Großherzogthums sich damit einverstanden erklärt hatten, daß auf den Eigen- thumsanspruch des Großherzogthums auf das freiwerdende Festungsgelände zu Gunsten der Stabt Mainz unentgeltlich verzichtet und daß der Stadt Mainz aus den Mitteln Großherzoglicher Staatsschulden Tilgungskaffe die Summe von 1,508,000 fl. gegen eine TilgungSrente von 4 pCt. während 47 Jahren darge- lithen werde. Die Publikation des Gesetzes über die Belastung des GartenfelbS mit einer außerordentlichen Communalsteuer dürfte in der Kürze zu erwarten fein.

Berlin, 19. Novbr. Die Wahl des Landrathr Mayer (Marbu g) wird jedenfalls angefochten werden. Die Art, wie sein Gegenkandidat, der frühere Abgeordnete Professor Mangold, verdächtigt worden ist, hat in Abg-ordneten kreisen große Indignation hervorgeruftn. Es ist als sicher anzujehrn, daß die Regierung, der Vorlage über Erhöhung der Tagegelder uno Reisekosten der Staatsbeamten entsprechend, die Initiat-ve zur Erhöhung der Diäten der Land- taaS-Abgeorvneten, und zwar auf 20 Mark pro Tag ergreifen wird.

Berlin, 20. November. DieN. A. Z." erhält über die Angelegenheit der katholiichen Militärgeistlichen folgende Mittheilung:Die am 5. d. zu Münster am Stein versammelten Militärgeistlichen des Reichs- und Rheinlandes inclusive Mainz haben sich alle den Bischöfen ihrer Garnisonorte unterst-llt, und schein, uerabe dieses das Hauptresultat ihrer Berathung gewesen zu fein. Diesen gegen- über haben mehrere M'litärqeistliche dem Kriegsmtsister ihre völlige Unterwerfung unter die Verfügung vom 29. Mat erklärt und bis jrtzt sich noch nicht den betreffenden Diöcefanbischöfen unterstellt werden es auch nicht thun. Es ist sehr auffallend, daß gerade Diejenigen, welche den Soldaten Treue gegen btt Obrigkeit predigen sollen, zuerst, wenn auch sehr heimlich, Verfügungen ihrer militärischen Behörden illusorisch machen. Im Kreise jener zu Münster a. St versammelt gewesenen glaubt man auf Nachricht von Berlin her fest, der Feldprobst Namffanowski werde bald sämmtlichen Mtlitärgeistlichen die ihnen von ihm bei ihrer Anstellung ertheilte Jurisdiction entziehen. Dadurch würben die Multar- geistlichen, auch ohne Vorgehen von Seiten des Kriegsministeriums, genothigi werden. Farbe zu bekennen." , v .

20. Novbr. Abgeordnetenhaus. Vom Eultusminister wird ein Gefftz-Entwurf, betreffend die Grenzen des Rechts zum Gebrauche kirchlicher Straf- und Zuchtmittel; vom Finanzminister ein Gesetz-Entwurf, betreffend die Eautionen der Staatsbeamten, eingcbracht. Das Haus tritt sodann in die erste Gerathung der Kreisorvnung ein. 12 Redner haben sich für, U gegen dieselbe eingefchrte- bm Nachdem Blankenburg für, Sczuman und Mallinckrodt gegen die Vorlage gesprochen, erklärt der Minister des Innern gegenüber den Ausßrhrungen des Letzteren: Die Negierung muffe auf dem Ausschlüsse der Provinz Posen von der Kreisordnung bestehen, sie wolle nicht den Ungehorsam organisiren. Der Mm - Ser fctltcfet Das Interesse für das Zustandekommen des Gesetzes habe ihn be- "chtt'g. Mahnu»g.n an da« H-rr-nhau- zu richten. U-ber ble ZulMgke!. --ne- Pairsichub könnte er sich im Abgeordnetenhause nicht interpcviren lassen, ebenso-

wenig wie es ihm einfallen würde, Rede zu stehen, wenn er im Herrenhause über die Auflösung des Abgeordnetenhauses interpellirt würde. Die Regierung müsse in dieser Beziehung ihren freien Stand wahren. Die Sitzung dauert fort.

Berlin, 20. Novbr. In ihremVolle Verständigung mit dem Abgeorb- netenhause" überfchriebenen Leitartikel weist die neuesteProv.-Eorresp." darauf hin, daß die Regierung, nachdem der Versuch, bezüglich der KreiSorduung allseitiges Einverständniß mit dem Herrenhause, sowie mit dem Abgcordnetenhause zu vermitteln, gescheitert ist, durch die unbedingt ablehnende Haltung zuerst der Commission des Herrenhauses und dann der Mehrheit des Hauses selbst genöthigt war, alles Gewicht auf die vollständige Verständigung mit dem Abgeordncteu- hanse zu legen. Das halbamtliche Blatt weist dann die nachträglich von den Dertheidigern des Herrenhauses gemachten Versuche zurück, dis Stellung de? Com­mission als ein sehr weites Entgegenkommen der Regierung gegenüber hinzu­stellen. Hätte die R gierung ihre Entschließungen nur mit Rücksicht auf die

Eommisfion des Herrenhauses zu fassen gehabt, so hätte sie bei der grundsätzlich ablehnenden Haltung derselben schon im vorigen Sommer überhaupt auf jede weitere Berathung verzichten müssen. Wenn die Regierung trotzdem auf das Ge­lingen der Vereinbarung rechnete, so geschah dies in der Meinung, daß die Com­mission des Herrenhauffs nicht den Sinn und Willen der wirklichen Mehrheit ui« Hauffs darstelle. Hätte das Herrenhaus in seiner Mehrheit wirklich den Willen bekundet, zur Durchführung der Reform ausrichtig mitzuwirken, so würde die Regierung unfehlbar ihre Aufgabe eines vermittelnden Wirkens zwischen den beiden Häusern, mit voller Hingebung und Entschiedenheit geübt haben, und das Herrenhaus hätte dann in der Thai einen bedeutenden Einfluß auf die schließ­liche Gestaltung dcs Gesetzes haben können. Je wehr es aber hervortrat, daß der Geist des Hauffs vollständig dem Geiste der Commission entsprach, daß, weit entfernt von dem Wunsche und Streben nach einer Verständigung, vielmehr die Hoffnung maßgebend war,recht viele Beschlüsse zu fassen, welche dem Ministe- rium als unannehmbar gelten", desto weniger konnte die Regierung in ihrer Haltung und Stellung bei den Verhandlungen noch die Verständigung mit dem Herrenhause als den leitenden Gisichtspunkt festhalten, desto entschiedener wußte sie vielmehr als die Grundlage alles weiteren Gelingens die im Wesentlichen be­reits versicherte Verständigung mit dem Abgeordnetenhauff ffsthalten." Der Ar­tikel schließt mit folgenden Worten:Bei ihrem jetzigen Vorgehen ist die Regierung erfüllt von dem Vertrauen auf den entgegenkommenden und versöhn­lichen Geist, welchen die Mehrheit deS Abgeordnetenhauses in dieser Frage seither bcthäti'gt hat. Dieses Vertrauen wird sich nach allen Anzeichen vollauf bewähren, und es werden damit dem Zustandekommen des wichtigen Reformgefftzes eudgül- tig die Wege gebahnt fein."

Berlin, 21. Novbr. Von dem freiconfervativen Abgeordneten Knesebeck und Genossen wurde in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses folgende Interpellation eingereicht:Welche Schritte gedenkt die Regierung zur Linde- rung der Noth der von Sturmfluth beschädigten Bewohner der Ostffeküsie.l zu thun?"

Berlin, 21. Novbr. Der Bruch innerhalb der konservativen Partei im Abgeorvnttenhause ist in der gestrigen Fractionssitzung erfolgt. Die Gouverne- mentalen nennen sich von nun anNational-Conffrvative" und haben ein Redac- tione-Comite ernannt zur Entwerfung eines förmlichen Programmes. Der Ministerrath designirte bisher dreißig neue Pairs. Die Herrenhaus-Majorität ist geneigt zur Annahme der Kreisordnung.

Basel, 19. Novbr. DieBasler Nachrichten melden aus Solothurn vom heutigen Tage: Die Diöcesan-Conffrenz des BiSthumS Base! faßte gegen das UnffylbarkcitSdogma angemessene Beschlüsse, erklärte Censuren gegen anti-infallible Geistliche für unstatthaft, sprach dem Bischoff die Berechtigung zur Absetzung von Geistlichen ohne Mitwirkung der CantonSbehörden ab und erklärte sich gegen die Exkommunikation der Pfarrer Egly (Luzern) und Gschwiud (Starrkirch.)

Dresden, 20. Novbr. Die Negierung hat in Folge des stärkeren Aus- tretens der Rinderpest in Böhmen sofort einen militärischen Cordon längs der ganzen Grenze angeordnet.

München, 17. November. Anstatt morgen zu dem Mirakel nach Deggen­dorf zu wallfahrten, um mit dem Baron v. Hafenbrädl für die vom Passauer Bischof verfolgten Bauernvereine Fürbitte einzulegen und sich in der Erinnerung an den Deggenvorser Iudenmord (vgl. Steub'S altbayertsche Culturbilder) der ehemals besseren Zeiten zu freuen, hat jetzt eine förmliche ländliche Pilgerschaft