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Preis vierteljährig 1 fL 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzletberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 196. Donnerstag heu 22. August 1872.

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Amt! icher T heil.

Bekanntmachung. ~

Der landwirthfchaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird

Samstag den 24. l. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Schiffenberg eine Generalversammlung abhalten, zu welcher die Mitglieder des Vereins und alle Freunde der Landwirthschaft, insbesondere die Herren Ortsvorstände und Lehrer, eingeladen werden. T a q e s o r-d. n u n a :

1) Rechnungsablage für 1871.

2) Verwendung der dem Verein zur Verfügung stehenden Mittel.

3) Vortrag des Herrn Professor Dr. Thaerüber die Kartoffel." .

4) Liegt nach dem Stand der Pferdezucht im Kreis Gießen ein Bedürfniß für Errichtung einer Beschälstation innerhalb des Kreises oder in dessen Nähe vor?

5) Beschickung der Wiener Weltausstellung.

6) Verschiedene Mittheilungen. Sollten einzelne Mitglieder noch andere Gegenstände zur Berathung ausgesetzt wünschen, so wird gebeten, dies vor Beginn der Versammlung dem Unterzeichneten mitzutheilen.

Die Herren Bürgermeister werden gebeten, von dieser Einladung den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins speciell Kennt- niß zu geben. Gießen, den 19. August 1872. Der Director des landwirthschaftlichen Vezirksvereins für den Kreis Gießen:

v. Röder.

NB. Nach der Versammlung findet ein gemeinschaftliches einfaches Mittagessen Statt.

Gießen, am 20. August 1872. Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die

Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien zu Allendorf a. Lda., Bersrod, Eberstadt, Ettingshausen, Garbenteich, Heuchelheim, Klein-Linden, Lollar, Watzenborn und Wieseck. Wir erinnern Sie abermals an die Erledigung unserer Verfügullg vom 6. August 187'2 binnen drei Tagen bei 3 fl. Strafe, v. Röder.

Gießen, am 20. August 1872. B etreffend: Die Ausführung des Gesetzes wegen der Kriegsleistungen und deren Vergütung, insbesondere die Vergütung für Leistung von Kriegsfuhren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien, mit Ausnahme von Albach, Groß-Linden, Holzheim, Leihgestern, Lich, Oppenrod, Rödgen und Staufenberg. Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 7. August 1872 binnen drei Tagen, v. Röder.

Nr. 27 des Reichs>Gefetzblattes, ausgegeben am 12. August 1872, enthält: (Nr. 873.) Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn wegen Herstellung einer Eisenbahn zwischen Görlitz und Neichenberg. Vom 21. Mai 1872. (Nr. 874.) Bekanntmachung, betr. Abänderungen des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 5. August 1872. Gießen, den 20. August 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen,

v. Röder.

Politisch

Die Curie und das Königreich Italien.

Einem über römische Verhältnisse nicht selten gut unterrichteten englischen Blatte wird au« Nom gemeldet, daß Antonelli dem Papst erklärt habe, er werde seine Demission geben, fall« der Papst auf seiner feinvlichen Stellung gegen die italienische Regierung beharre; die Kirche werbe nur noch größeren Leiden au«, gesetzt sein, wenn eine Einigung zwischen dem Papste und der italienischen Negierung nicht zu Stande komme.

Jedenfalls spiegelt sich in dieser Mittheilung, mag sie begründet sein oder nicht, die Thatsache wider, daß im Vatikan zwei Strömungen gegeneinander kämpfen: eine Thatsache, die sich auch sonst schon in einer Reihe unzweideutiger Symptome kund gegeben hat, und die nothwendiger Weise früher oder später zu einer Katastrophe führen muß, so sehr die Freunde der Curie sich auch bemühen, den Intriguenkampf in der Umgebung des Papstes als eitles Gerede darzuftellen oder ihm wenigstens jede ernsthafte Bedeutung abzusprechen.

Es liegt mit Rothwendigkeit in der Natur der Dinge begründet, daß, sobald eine lange mit Zähigkeit eingenommene Position sich als augenscheinlich unhaltbar ergiebt, der gesunde Menschenverstand sich gegen die Behauptung der- selben auflehnt, und einen festeren Standpunkt zu gewinnen sucht. In einer solchen Lage befindet man sich gegenwärtig in Rom. Die Curie hat sich der italienischen Nattonalbeweguug, sobald dieselbe auf da« Gebiet des damaligen Kirchenstaat- Übergriff, feindlich entgegengestellt; allerdings nur mit halbem Erfolg; ste konnte nicht hindern, daß das im Entstehen begriffene Königreich Italien die

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nach dem österreichisch-französischen Kriege annectirten Provinzen des Kirchenstaats behielt. Aber sie bewirkte wenigstens durch ihre Proteste, daß Italien vor den Thoren Roms Halt wachen wußte. Hätte der Papst damals seinen principiellen Widerspruch gegen bas italienische Nattoualprogramm aufgegeben, so wäre er unvermeidlich auch in Bezug auf Rom selbst auf den Weg des Nachgebens ge­drängt worden, da Italien seinerseits nimmermehr endgiltig auf Rom als Haupt- stabt verzichten konnte. Der Papst mußte, um den Cosequenzen des Systems vorzubeugen, gegen das ganze System protesttren. Dieser Standpunkt war un­erschütterlich, so lange Napoleon im Besitze seiner Macht blieb. Denn einen gewaltsamen Angriff Victor Emanuel's gegen Rom konnte Napoleon nicht dulden, und grabe der principielle Widerstand der Curie machte ihm schon den bloßen Versuch unmöglich, auf dem Wege freundschaftlicher Vermittelung einen Ausgleich über Rom herbeizusühren, dem die Curie auf's Aeußerste widerstrebte. Napoleou'S clericale Politik war von der römischen Starrheit wesentlich bedingt und das Niemals" Rouher's war nur der Widerhall, gewissermaßen die Ergänzung des päpstlichen non possumus.

Mit Napoleon'S Fall, mit der thatsä'chlichen Annexion Rom'S war aber dieser Politik des Widerstandes der Boden unter den Füßen fortgezogeu. Der Protest gegen bas Princip war wirkungsvoll gewesen, so lange cs galt, der äußersten Consequenz desselben vorzubeugen. Die gefürchtete äußerste Consequenz war jetzt zur vollendeten Thatsache geworden. Zu verhindern war Nichts mehr: man stand im Vatikan jetzt vor der Frage, ob man sich mit der Thatsache ab­zufinden habe, oder ob man Alles daran setzen solle, sie rückgängig zu machen.