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Preis vierteljährig 1 fL 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Lanz leib er Ltt. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
Nr. 71. Freitag freu 22. März 1872.
Einladung zum Abonnement
auf den
Gietzener Anzeiger.
Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags, und kostet für die Abonnenten in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 fl- 12 kr., frei ins Haus geliefert.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im II. Quartal 1872 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quartal.
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__Die Redaction.
T h e i l. .
Bekanntmachung,
die gesetzlichen Forderungen an Studirende aus dem Winter-Semester 1871/72 betreffend.
Die in diesem Semester entstandenen gesetzlichen Forderungen an studirende müssen bis den 23. b. Mts. mittelst specificirter Rechnungen zur 'Anzeige gebracht und längstens bis den 4. Mai d. I. geltend gemacht werden, widrigenfalls dieselben den ihnen durch Art. 136 der Disciplinar- Statuten zugewiesenen Vorzug verlieren.
Gießen, den 19. März 1872. Großherzogliches Universitäts-Gericht.
Politischer Theil.
Das französische Armecbudget.
Die Budgetdebatte in der französischen Nationalversammlung hat Herrn Thiers Veranlassung gegeben, wieder einmal das Wort zu ergreifen, um dir enormen Anforderungen für die Armee zu vertheidigen.
Herr Thilrs, welcher ein Militärbudget ausgestellt hat, welches über tat des Kaiserreichs weit hinausgeht, rechnet diese extravagante Forderung seinem Patriotismus zu Gute, denn es gehöre „ein wahrer Patriotismus, ein wahrer Muth dazu, von einem schon so belasteten Londe zu verlangen, daß es sich noch mehr belaste, um eine Armee zu haben!"
Die Nationalversammlung nahm diese Phrase mit lebhaftem Beifall auf, zum Beweise, daß man die Bildung einer formidablen Armee wirklich für eine patriotische Pflicht halte, und, an und für sich betrachtet, kann man mit dieser Auffassung nicht rechten.
Abgesehen von den Kosmopoliten, von den „Weltbürgern", welche eben auf Grund ihrer Meltbürgerfchaft auf ein Vaterland verzichten, muß jeder Nation daran liegen, iw internationalen Verkehr eine seinen Interessen entsprechende Rolle zu spielen, und da die internationalen Fragen Maütfragen sind, so muß jedem Staate daran liegen, sich in den Besitz der materiellen HilsSmtttel zu setzen, durch welche er seinen Interessen Achtung verschossen kann. Die Zeit, internationale Streitigkeiten durch Schiedsgerichte zum Austrog zu bringen, ist eben noch nicht gekommen — wie die Geschichte der Alabamafrage zeigt.
Und diesen Gedanken wollte wohl auch Herr Thiers zur Geltung bringen, als er in feiner Rede für dos Armeebudget sagte: daß er eine starke Armee haben wolle, „nicht für den Krieg, nicht für die Revanche..." Vielleicht hätte Herr Thiers cs bei diesem Grundsatz bewenden lassen sollen: bei dieser in ollen Kammerverhandlungen über das Kriegsbudget vorkommenden Hindeutung auf den ölten Grundsatz des: para bellum, si vis pacem.
Herr Thiers aber fügte zur Erläuterung feiner Friedenspolitik noch hinzu, daß Frankreich eine starke Armee haben wolle, „damit Frankreich die Stellung wieder einnehme, welche es immer in der Welt gehabt hat, damit wenn Frankreich eine Armee zu haben glaubt, es nicht statt deren nur eine Illusion habe"— und in diesem Zusatz muß die Pariser Börse einen Hintergedanken gewittert haben, so daß in Folge der ThierS'schen Rede und trotzdem, daß Herr Thiers sein Wort zum Pfände der französischen Friedenspolitik einsttzte, der EourS der Rente zu fallen begann.
Hat Herr Thiers wirklich einen bestimmten Fall im Auge, für welchen er eine wirkliche, d. h. schlagfertige Armee bereit haben will?
Wir können diese Frage natürlich nur aus der allgemeinen Situation Frank- rtichS und der persönlichen Politik des Herrn Thiers beurtheilen.
Die nächste Aufgabe Frankreichs ist feine Auseinandersetzung mit Deutschland; braucht Herr ThierS zu derselben eine Armee? Nein. Er braucht dazu Geld, viel Geld; so viel Geld, daß er alle Ursache hätte, an dem Militärbudget zm sparen, statt es zu erhöhen.
Aber das Verhältniß Frankreichs zu Deutschland läßt sich allerdings auch unter einem andern GestchiSpunkt auffoffcn, als unter dem einer schlichten und rechten Ausführung des FriedensvertrageS, und dieser GtsichtSpunkt ist in der französischen Presse allerdings schon erörtert worden. „Deutschland — sagt man — hat bis zum 2. März 1874 von Frankreich nichts weiter zu fordern, als die Zahlung der Zinsen. Machen wir ober der deutschen Regierung einen uns con- renirenden Vorschlag zur sofortigen Abwickelung der Kriegsschuld. Geht dieselbe nicht darauf ein, so bleibt uns nichts übrig, als die Occupation unserer östlichen Provinzen mit Geduld zu tragen, die nächsten zwei Jahre darauf zu verwenden, linsere politische und militärische Situation wieder herzustellcn. Wenn dann der fatale 2. März herankcmwt, wird Deutschland mit einem Frankreich zu verhandeln haben, das eine Armee von 600,000 Mann hinter sich hat — und bann werden wir sehen!"
In der Thct scheint Herr ThierS einen ihm „convenirenden" Vorschlag in petto zu haben; ob er ober im Fall der Zurückweisung am Verfalltage sich hinter 600,000 Bcyonnette zurückzuziehen gedenkt — das können wir freilich nicht wissen; aber die Beunruhigung, welche die Pariser Börse schon bet der bloßen Möglichkeit solcher Gedanken zeigte, beweist deutlich, wie solche Phantasien den Credit und also die Wiederaufrichtung Frankreichs zu gefährden geeignet ist.
Aber es gibt noch einen anderen Gedanken, welcher durchaus in der Richtung der ThierS'schen Politik liegt und zu dessen Jnscenirung Frankreich allerdings auf eine nicht blos illusorische, sondern auf eine reale Kriegsmacht zu verweisen im Stande fein müßte.
Man weiß, wie Herr ThierS über die Stellung Frankreichs zu Italien denkt und wie schwer es hielt, ehe er sich entschloß, sich auf den Boden der That- sack?en zu stellen, wie lange Zeit er sich ließ, bevor er die Gesandtschaft bei dem Könige von Italien in Rom, welche er als eine Gesandtschaft in parlibus behandelte, eine wirkliche Existenz verlieh, und wiederum spricht man jetzt davon, daß Herr ThierS jetzt für den Gedanken Propaganda zu machen sucht: Frankreich mit dem Schutze der katholischen Mächte zu betrauen, Deutschland gegenüber, welches den Protestantismus vertrete.
Unter den „katholischen Interessen", zu deren Schutz Frankreich verpflichtet werden soll, kann Herr Thiers nur die weltliche Papstmacht verstehen, und der Punkt, an welchem er seine Politik einzusetzen gedenkt, wäre klar bezeichnet, wenn Oie ihm in den Mund gelegten Aeußerungen richtig wiedergegeben wären.
Die Welt wird hoffentlich bald darüber ins Klare gesetzt werden, da Bischof Dupanloup unablässig daran arbeitet, die „katholischen Petitionen" baldmöglichst auf die Tagesordnung der Nationalversammlung zu bringen.
Deutschland.
Darmstadt, 19. März. Zum Zwecke der Berathung und Beschlußfassung über das L>taatsbudget für 1872 und der Vorlage der Regierung, die Aufbesserung der Gehalte der Beamten, trat die erste Kammer heute zu einer Sitzung


