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sterben theils aus, theils ziehen sie sich freiwillig in einen wohlverdienten Ruhe­stand zurück, theils endlich verlieren sie das Uebergcwicht, welches sie früher de- saßen. Ein Mann von Otto Gildemeister's eminenter politischer Urtheilskraft und Fähigkeit präiidirender Bürgermeister für 1872, jüngster Senator aber (wenigstens dis zu der Wahl eines noch jüngeren am 9. Januar) der mit dem Eisernen Kreuze vom Kriege heimgekehrte eifrige und energische Albert Gröning das ist eine Gutes verkündende Konstellation, zumal noch mancher andere tüchtige Mann zwischen ihnen mitteninne sitzt." Zwischen Senat und Bürgerschaft herrscht in Bremen übrigens ein besseres Einverständniß als in Hamburg. Der Präsident der Hamburger Bürgerschaft, ObergerichtSrath Dr. Baumeister, hat das Geschäftsjahr 1871 mit einer das Verhalten des Senats zur Bürgerschaft und namentlich Vie Verzögerung seiner Bescheide scharf kritisirenden Rede geschloffen, der Präsident der Bremer Bürgerschaft dagegen, Notar Dr. Meinertzhagen, das Geschäftsjahr 1872 begonnen, indem er das gute Verhältniß zum Senate pries und diesem dafür Anerkennung ausdrückte. (Mit der Abschneidung eines althergebrachten Zopfes wäre auch noch in mancher anderen Stadt als Bremen der Bürgerschaft gedient. Anm. d. Red.)

Oesterreich.

Agram, 19. Jan. In der heutigen Sitzung des Landtags verlas der Bonus ein kaiserliches Rescript, worin betont wird, daß im Hinblick auf die iw September beschlossene Manifestation der LandtagSmitglieder und die darin negirte Legalität des Ausglcichgefetzes von diesem Landtage kein gedeihliches Wirken zu erhoffen ist, weshalb der Landtag für aufgelöst erklärt wird.

Frankreich.

Paris, 16. Jan. Sechstes Kriegsgericht von Versailles. Proceß der Mörder der Geißeln von La Roquette. Sitzung vom 15. Januar. Das Zeugenverhör wird fortgesetzt. Lamotte, Gefangenwärter von La Roquette, hat der Plünderung der Zellen der Ermordeten beigewohnt. Man nahm eine Anzahl von Uhren, Portemonnaies und anderen Werthgegenstäaden; ein Föderirter riß sogar die Schnallen von den Schuhen des Erzbischofs los, indem er, da ihm dies Schwierig, keilen machte, ausrief:Hund von einem Pfaffen, willst du mich auch nach dem Tode noch ärgern!" Plnet, ein Unterbrigadier der Polizeipräfectur, erzählt folgen« den grotesken Auftritt: An dem Tage, da die Guillotine am Boulevard Prince« Eugene öffentlich verbrannt wurde, ging der Direktor Francois in die Zelle Pas« quiers, eines zum Tobe verurtheilten gemeinen Mörders, und zeigte ihm dies frohe Ereigniß an.Nicht möglich!" rief PaSquier aus, nahm Franyois beim Arm und nun tanzten die Beiden in der Zelle, in welcher Tropmann seine letzten Tage verbracht hatte, eine Ronde. Francois: Ich habe niemals mit einem dieser Herren (sic) getanzt. Costat, ein in La Roquette verhaftet gewesener Ingenieur, sah der Hinrichtung von seiner Zelle zu.Ranvier", sagt er,das flüchtige Mitglied der Commune, begleitete den Zug und insultirte den Erzbischof; Francois gab nach der Execution Befehl, die Effecten der Füsilirten zu verbrennen: Werft nur, sagte er, diese Lumpen ins Feuer! RegierungS-Commissär (zum Zeugen): Haben Sie auch Ferr6 in La Roquette gesehen? Zeuge: Ja wohl, am Tage der Exe­kution selbst. Er besprach sich leise mit FranyoiS und sagte dann: Gehen mir frühstücken! Es nahmen viele Personen an diesem Dejeuner Theil. Einige sog. Entlastungszeugen bringen nichts Erhebliches bei.

Versailles, 20. Jan., Nachmittag 4 Uhr. In der Nationalversammlung gelangte eine Botschaft ThierS' zur Verlesung, worin derselbe anzeigte, daß er seine Demission als Präsident der Republik gleichzeitig mit der Demission der Minister gebe. Der Deputirte Batbie führte hierauf im Namen der Rechten und des rechten Centrums aus, baß das gestrige Votum kein Mißtrauensvotum ge­wesen sei, und beantragte, baß bie Versammlung in ihren Bureaux zusammen­trete, um eine Commission zu ernennen, welche eine Versöhnung versuchen unb darauf hinwirken sollte, daß Thiers seine Demission zurücknehme. Falls die Com­mission in diesem Bestreben scheitere, solle dieselbe sich mit der Frage beschäftigen, welche Maßregeln weiter zu ergreifen seien. Es herrscht eine große Aufregung in der Versammlung. Die Linke unb das linke Centrum scheinen zu wollen, daß in öffentlicher Sitzung ein Beschluß gefaßt werde.

Versailles, 20. Jan., 5^ Uhr Nachm. Die Nationalversammlung spricht sich einstimmig, mit Ausnahme von sechs Mitgliedern der Rechten, für die neue von Batbie vorgeschlagene Tagesordnung aus, dahingehend, daß der gestrige Be­schluß in keiner Weise ein Mißtrauensvotum gegen ThierS bedeute unv bie Ver­sammlung sich an den Patriotismus desselben wende, indem sie die Annahme seiner Demission verweigere. Eine Deputation begibt sich hieraus zu ThierS, um ihm diesen Beschluß der Versammlung zur Kenntniß zu bringen. Die Sitzung wird indessen aufgehoben.

Versailles, 20. Jan. Der gestern Abend zusammengetretene Ministerraih hat ThierS seine Demission übergeben. Letzterer besteht ebenfalls darauf, sich zu­rückzuziehen. Alle parlamentarischen Vereinigungen haben bereits gestern Abend Abgeordnete an den Präsidenten geschickt, um ihn zu bestimmen, von dem Rück­tritte abzusehen. Die Delegirten des rechten Centrums hoben hervor, daß der Zwiespalt keineswegs politischer, sondern lediglich ökonomisch - finanzieller Natur sei. Man hofft, daß diese Schritte von dem gewünschten Erfolg begleitet sein werden.

Versailles, 20. Jan., 7% Uhr. Nationalversammlung. Benoist d'Azv theilt mit, ThierS habe der Deputation geantwortet, er willige ein, im Dienste der Nationalversammlung und des Vaterlandes zu bleiben. Ueber bie Demission der Minister habe er Nichts geäußert.

England.

London, 19. Jan. Anläßlich des gestern in Berlin stattgcfundenen Capffkls des schwarzen Adlerorven unb bes sich daran reihenden Orbensfefies bespricht Daily Telegraph" die Verhältnisse des deutschen Reiches in anerkennendster Weise und sieht in der Verleihung des schwarzen AvlerordenS an den Prinzen Arthur eine neue Bürgschaft für die vielversprechende Einigung zwischen Deutschland und England.

Handelsberichte.

Darmstädter Bank für Handel und Industrie. An Stelle deS verstorbenen Baron Moritz v. Haber ist der älteste (5bef deS HauseS Grunelius u. Comp. in Frankfurt, Herr GeorgeSv. Heyder, in die Verwaltung eingetreten. Wir können dem Institute nur Glück wünschen,

daß sich ihm hierdurch «ine ia allen Kreisen hochangesehene und beliebte Persönlichkeit, und damit eine der ältesten und b deutendsten Bankfirmen angeschlossen hat.

Darmstädter Zettelbank. Der AufsichtSralh der Bank für Süddeutschland bat in seiner letzten Sitzung vom 15. d. M. beschlossen, mit der Organisation der Bankagenturen in Offenbach unb Gießen, nachdem alle Personenfragen erledigt sind, in allernächster Zeit voranzu­gehen. Die Vertretung der Bank in Mainz und Worms wird dort bereits bestehenden Bank­häusern übertragen werden. Die deSfallsigen vfficiellen Verkündigungen der Bank werden binnen Kurzem erfolgen.

Die neuen Postmarken. Das Generalpostamt macht Folgendes bekannt: Mit Bezug auf die wiederholt veröffentlichten früheren Bekanntmachungen, macht das Generalpostamt bei d-n vorliegenden Erfahrungen nochmals darauf aufmerksam, daß bie Enbe 1871 außer Geltung ge­kommenen nordbeutschen Freimarken, FraneocouvertS unb gestempelten Streifbänder nur bis ein­schließlich 15. Februar b. I. bei ben deutschen Reichspostanstalten gegen neue Postwertzeichen umgetauscht werden. Vom 16. Februar d. I. ab werden die früheren norddeutschen Freimarken u. s. w. zum Umtausch nicht mehr angenommen und verlieren ihren Werth. Berlin, den 15. Januar 1872.

Die ersten deutschen Goldmünzen. Die von der Berliner Münze ausgeprägten ersten de utschen Zwanzigmarkstücke circuliren gegenwärtig schon in größeren Mengen und haben sich in der That ihrer Leichtigkeit und Handlichkeit wegen schnell genug eine gewisse Beliebtheit erworben. Leider aber ist bie äußere Ausstattung bieser Münzen bemB. B.-Conrier" zufolge eine berartige, baß Preußen alle Ursache hat, sich ob solcher Leistung seiner Berliner Münze vor ganz Deutschland zu schämen. W r sehen davon ab, daß die neuen Münzen sich nicht rühmen dürfen, ein wohlgetroffeues Bildniß des deutschen Kaisers zu bringen, denn die Kürze der der Münze gelassenen Zeit mag Vieles entschuldigen, obgleich auch schon hier die Behandlung deS Kopf- und BarthaareS über das entschuldbare Maß hinauSzugehen scheint. Aber wirklich bewun- dernSwerth ist der Rand der neuen Münzen! So ungefähr denken wir uns das Aussehen einer Goldmünze, die ein Grobschmted abgefeilt. Die beiden letzten Buchstaben deS SatzesGott mit uns" sind nicht zu lesen.

Außer Cours gefetztes Papiergeld.

Anhalt-Bernburger Kassenscheine ä Thlr. 1, 5 und 25 von 1850, 1852, 1856 und 1859. Anhalt Kvthen'sche Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 1. Juni 1848.

Anhalt-Köthen-Bernburger Kassenscheine ä Thlr. 1 unb 5 vom 2. März 1848. Anhalt-Köthen Bernburger Gisenbahnscheine ä Thlr. 1, 5 unb 25.

Anhalt-Dessauer Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 1. August 1849 und ä Thlr. 10 vom 1. October 1855.

Anhalt-Dessauer LanbeSbanknoten ä Thlr. 1 unb 5 vom 2. Januar 1847.

Bautzener slausitzer lanbstänbischej Banknoten ä Thlr. 5 von 1850.

Bayerische Hypotheken- unb Wechselbanknoten ä st. 10 von 1859, 1850.

Braunschweigische Bank- unb Darlehensbankscheine ä Thlr. 1, 5 und 20 von 1842. Braunschweigische Banknoten ä Thlr. 10 Golb vom 1. Juni 1856.

Breslauer städtisch.- Banknoten ä Thlr. 1, 5, 25 und 50 vom 10. Juni 1848.

Dänische 5-Neichsbankrhalerzettel älterer Emission von 1835, unb auf einer Seite blau bebruckt. Gothaische Kaffe.scheine ä Thlr. 1 unb 5 vom 30. September 1848.

Holsteinische Kassenanweisungen von 1854.

Kurhessische Leih- unb Commerzbanknoten.

Leipziger Banknoten, alle vor bem 2. November 1851 erschienenen.

Oesterreichische Banknoten, auf Cor.venkionSmünze lautend unb bie in Österreich. Währ, ä st. 10 vom 1. Januar 1858, rr fl. 100 vom 1. März 1858.

Polnische Bankscheine grüne ä 1 Rubel, weiße unb rothe ä 3 Silberrubel.

Posener Provinzialbanknoten vom 1. December 1857.

Potsdamer Stabtscheine ä Thlr. 1 vom 8. September 1819.

Reuß ältere Linie Kassenanweisungen ä Thlr. 1 vom 15. Mai 1858.

Reuß jüngere Linie Kassenanweisungen ä Thlr. 1 vom 2). März 1849.

Rostocker Banknoten vom 1. Juli 1850.

Sachsen-Weimar-Kaffenanweisungen ä Thlr. 1 unb 5 von 1847.

Schleswig-Holsteinische Kassenscheine ä Thlr. 1 [2/2 M j vom 31. Juli 1848. Schwarzburg-Rubolstäbter Kassenscheine ä Thlr. 1 unb 5 von 1848.

Schwarzburg-SonberShausener Kassenscheine ä Thlr. 1, 5 unb 10 vom 11. März 1854, vom 20. December 1856 unb vom 25. October 1859.

Württembergische 2-, 10- unb 35 Guldenscheine von 1849 und 1850.

Vorläufig noch eingelöst werden an ben betreffenden Hauptkassen:

Bautzener landständische Banknoten ä Thlr. 5 ohne Datum, ä Thlr. 10 von 1861.

Chemnitzer Stabtscheine ä Thlr. 1 von 1848 unb ohne Datum.

Großherzoglich Hessische Grunbrentenscheine ä fl. 1, 5, 10, 35 unb 70.

Kurhesfische Kassenscheine ä Thlr. 1, 5 unb 20.

Magbeburger Privatbanknoten ä Thlr. 10, 20. 50 unb 100 vom 30. Juni 1856.

Nassauer LanbeSbanknoten unb LanbeScreditkaffenscheine.

Oesterreichische Banknoten in österreichischer Währung ä fl. 1 vom 1. Januar 1858 unb s fl. 5 vom 1. Mai 1859.

Preußische Banknoten ä Thlr. 25 unb 50 von 1846.

Preußische Kassenanweisungen ä Thlr. 1 unb 5 vom 2. Januar 1835 unb Preußische DarlehenS- kaffenscheine ä Thlr. 1 unb 5 vom 15. April 1848.

Sächsische [fönigl.J Kaffenbillets von 1840, 1843, 1846, 1848 unb 1855.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 20. Januar. Die heutige Börse ei öffnete trotz guter Wiener Notlrun- gen etwas matter, da bie Nachricht, daß Thieis in Paris seine Entlassung nehmen wolle, eine gewisse Verstimmung bervorrief, bie etwas auf die Couise brückte. Es kam zwar einiges Leben in ben Markt, als Berlin vortreffliche Coursnotizen schickte, jeboch hielt baffelbe nicht bis zum Schluffe staub. Das war besonders bei Natwnalbankactien bemerkbar, welche mit 903 eröffneten unb mit 901 schlossen. Am besten hielt sich Staatsbahn, deren Beliebtheit den Cours von 4191/2 zu behaupten vermochte, während Creditactien. für welche auch viel Jnclination herrschte, nach 3561/2, 3551/2 blieben. Lombarden konnten heute ihren seit mehreren Tagen innegehaltenen Stand von 217 nicht behaupten unb mußten auf 2163/4 zurückweichen, wofür sie angeboten wür­ben. Silberrente gleichfalls niebriger, 633/4, woran speciell auswärtige Realisationen schulb sind. Relativ starker Umsatz war toi eher in Loosen unb in specie in österreichischen Staatsloosen, von denen 1860er unb 1854. sowie 1858er Creditloose gefragt waren, sodann Raab-Grazer. Auch die neuen Meininger Prämienpfanbbriefe gingen lebhaft zu 98yp, also circa 1 Proc. über Emis- sionScourS um. Banken stille; nur in Darmstäbtern großes Geschäft, bei bis zu 486 steigenben (Sourfen, auf die Nachricht, daß bie Bank junge Actien emittiren wolle; Oesterreich.-deutsche be­gehrt bei 116%, Provinzial-DiSconto dagegen bei 138*/2 auqeboten. Von Bahnartien sind Köln-Mindener Lit. B. Oberhessen, Alföld und Galizier als beliebt zu nennen, von Prioritäten Nordwestprioritäten.

In Anlagewerthen wenig Geschäft, wie denn überhaupt heute als an einem Samstag der Verkehr minder belangreich war. Doch fanden in amerikanischen Werthen nicht unbedeutende Umsätze statt, wie sich denn diese Kategorie deS Courszettels neuerdmgS wieder größerer Beliebt­heit erfreut. Am 22. b. M. kommen auch wieder 250,000 Dollars 6procenl. erste Mortgage Bonds der Central-Pacific-Eifenbahn in (Salifomien zur Snbscriprion, der Rest der im Jahre 1869 coutrahirten Anleihe dieser Bahn. Der Emissionspreis von 85Procent läßt gegenüber dem TageScourS der Central-Pacisir-BondS eine Marge von mehreren Procenten. Lerington die von der Miffouribahn garantirt find unb bisher ungerechtfertigter Weise vernachlässigt waren, traten heute in mehrfachen Verkehr zu fisten (Sourfen.

322) Die deutsche Hypothekenbank in Meiningen bringt am 22. und 23. d. Mts. die zweite Hälfte ihrer 4procenttgen Prämien-Pfandbriefe im Betrag von 5 Millionen Th al er zum Emissionspreis von 79'/rpCt. auf den Markt. Da durch das Reichsgesetz über die Prämien-Auleihen dem deutschen Markt nur noch selten die Gelegen­heit geboten, sich an einer ©ubfcriptinn auf Papiere mit Prämien zu betheiligen, so wird voraussichtlich der Andrang von Speculation und Capital zu dieser Subscription ein bedeutender sein, besonders weil die Pfandbriefe der deutschen Hypothekenbank eine unantastbare Sicherheit bieten, da jedem derselben eine vollkommene sichere hypothe­karische Activ-Forderung gegenüber steht und bie Ausgabe unter Regierungseontrolle erfoglt. Ziehungen finden im Ganzen 56 statt und zwar die Sericnziehung am 1. December eines jeden Jahres, die Gewinnziehungen an dem darauf folgenden 2. Januar und die Auszahlung der Treffer an dem darauf folgenden 1. Februar. Die Haupttreffer betragen 100,000, 80,000, 85,000, 80,000, rc. Thaler.