P-riÄ diertckjährig 1 fL 12 fr. «rt Brlngeclshn. Durch dir ^ost brzozen vierteljährig §1 fL 29 fr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Luv» nähme Sonntags.
Expedition: Eanzleiberg, 8it. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen.
Ur. Z7Ä Donnerstag dm 2L Novcmhcr 1873.
I ' Amtl Lcher T heil.
Gieren am 20. November 1872. Betreffend: Die Wahlen für den XXI. Landtag.
i Das Gr aß!) ermögliche Kreisam! G i e ß c n
an die Großher^oglichen Bürgermeistereien des Kreises- mit Ausnahme non Gießen und Trohe.
Mit Bezugnahme auf unser Amtsblatt ohne Nr. vom 16 l. Mts. benachrichtigen wir Sie, daß wir die Formularien zum Wahlgeschäft (Wahlprotokoll nebst Anlagen A, B, D, F, G, H ii. J) heute an Sie abgehen lassen. Sollten dieselben nicht bis zum 23. l. Mts. in ihren Händen sein, so wollen Sie per Expressen an uns Bericht erstatten. Das Formular C. haben Sie bereits früher erhalten; Formular E. wird Ihnen durch das betr. Steuercommissariat znkomnwn. Das Formular A ist bereits iustructionsmäßig von uns ausgefüllt und ersehen Sie daraus, bezw. aus §. 8 der Wahlinstruction,wie viele Wahlmänncr in jeder Wahlgemeinde zu wählen sind.
Einlagebogen zu Formular D, H u. J sind, wenn nöthig, mit der Feder anzulegen. Sollten Sie in die Lage kommen, ein weiteres Exemplar des einen oder anderen Formulars zu bedürfen, so wollen Sie sich schleunigst an uns wenden, wie wir überhaupt thunlichste Beschleunigung wiederholt anempfehlen.
v. Röder.
P o l t t «scher $ he i 1.
Deutschland.
Darmstadt, 19. Novbr. Der Entwurf einer dem näästen Landtage vor- zulegenden Kreisorvnung ist tm Ministerium deö Innern auSgearbertet worden un6 haben die Beratungen über denselben im Gesammtministerium ihren An- fang genommen.
Nachdem zu Anfang dieses Monats der Verein der hiesigen öffentlichen Anwälte der Provinz Oberhessen in motirckten Eingaben bei Großh. Ministerium "ter Justiz um eine entsprechende Erhöhung dir Anwaltgebühren nachgesucht haben, hat daS gedachte Ministerium im Hinblick auf die Z'itverhältn ffe die Bedürfniß- ,-frage im bejahenden Sinne entschieden und die Hofgerichte der Provinzen Starkenburg und Oberhcffcu zum thunlichst zu beschleunigenden Berichte über die Art vnd Weise der Ausführung aufgefordert.
Mainz, 17. Novbr. (Entfernung der Jesuiten.) Das Ministerium dcs Innern hat, endlich der Umtriebe und Protestationen müde, die Auflösung der Jesuiten verfügt. Von den fünf in die Christoph-Pfarrei seit 1858 eingeschmuggel- tm Vätern der Gesellschaft waren drei feit einigen Wochen schon abgereist; ein Hier ter (P. Zöller von Seligenstadt) hat sich an einen unbekannten Ort zurückgezogen, fo daß nur dem Pater Superior A. von Doß die Augweisungsordre zugestellt werden konnte. Während Vater Zöller ein geborener Seligenstadter ist, hat die Gemeinde Viernheim (bei Mannheim) den Vater von Doß aus unbe- kannte Ordre hin in den Gemeindeverband als Ortsbürger aufgenommen, wc-ge- g-n das Ministerium das Staatsbürgerrecht zu ertheilen verweigert, die Ausnahme ii|» unwirksam ist. Auch die Berufung des Vaters auf das Gesetz über den UnterstützungSwohnsttz ist als unstichhaltig abgewiefen worden. Es sind ihm 14 !age, dem Vater Zöller 8 Tage zur Wahl des künftigen Aufenthaltsortes ge- laffrn worden. Letzterer darf sich nicht in Seligenstadt niederlassen, sondern hat tlnen Ort zu wählen, wo ihm zur Ausübung der Ordenöthätigkeit die Gelegen- Helt fehlt. So Wird denn nächstens der letzte Jesuit von Mainz scheiden. Ueber ihre unheilvolle Wirksamkeit in Schule und Familie ließe sich ein ganzes Buch lirciben. Wie die „Väter" ihrem Beruf zu leben wußten, geht aus der einen r-atfache hervor, daß, um „ihre" Kirche und die Beichtstühle anziehend zu rachen, sie erstere mit ausgesuchter Bequemlichkeit und Pracht nach dem bekann- lin mystischen Schnitte auszustatten, mehr als 25,000 fl. in den letzten Jahren tufwendete,!. Wie viel mag ihnen ihre „Seelsorge" noch eingetragen haben, wo- cn nur das „Gewissen" der Väter weiß? Es ist wenigstens auch Thatsache, ich zur Zeit des Krieges die französischen Gefangenen und dergleichen Betrübte ^deutende Unterstützungen von ihnen erhielten. (D. Pr.)
Berlin. Vor einigen Tagen wurde die Notiz veröffentlicht, daß dle w'ffen- süaftlichen Anforderungen für die Berechtigung zum einjährigen freiwilligen Mili tardienst erhöht werden sollten. Der einjährige Aufenthalt in der Sekunda e«n«s Gymnasiums oder einer Realschule erster Ordnung solle lünsttg nicht mehr ge- 'lügen. Mit Rücksicht auf jene Notiz geht der „Spen. Ztg." von einem Mtt- -iied der im Oktober in Dresden abgehaltenen Consrrenz deutscher Schulbeamten lie Mittheilung zu, daß jene Erhöhung der Anforderungen, und zwar nur für Tymnasium und Realschule erster Ordnung, rom Vorsitzenden der Conserenz, Geh.
all Vorschlag eines namhaften Schulmannes, gleichsam -b« b-kämpst und oit weit überwiegender Majorität abgelehnt wurde. ^le „vcordd. Allg. Ztg. bringt einen Bericht über ihre Freisprechung durch das Stadtgericht in der In- llnm.Proiebsnche W Dowh'rrn Kozmian. Jnt-r-ffnnt ist der Umstand, datz |lr Domherr Kozmian in seiner Replik eingeräumi hat, an der Bank ju Hom. iura espielt iu Haden, aber — nur ,um Zeiiverireib, und dabei nicht rmen ,wh,n Verlust erlitten, sondern sogar «inen unbedeutenden Gewinn erjielt
ai$crlitt 17. Novbr. Officio« wird gemeldet: »Di« gerichtliche Unter-
suchung über die Ereign ffe am Abend des Zapfenstreiches am 7. September ist jetzt geschloffen und wird das Ergebniß derselben 'demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden. Vorläufig erfahren wir darüber von unterrichteter Seite, daß die Beschuldigungen gegen die Polizeibehörde sich nicht als begründet herausge- stellt haben."
Nach der „Spen. Ztg." ist die Gesundheit des Fürsten Bismarck seit mehr als sieben Jahren durch das Uebermaß von Arbeit derart angegriffen, daß die Aerzte eine längere Ruhe als durchaus nothwendig erklären. Für diesmal war die Enthaltung von den Geschäften, die früher r.ie Vollständig zu Stande kam, bis in den Winter hinein von den Arrzten onbrsohlen, ist aber durch die bekannten Ereignisse der letzten Wochen und die daran sich knüpfende lebhafte Corresponden; wieder vereitelt worden. Die „Spen. Ztg." klagt dann wieder übcr die Rücksichtslosigkeit der Correspoudenten, die den Fürsten unnütz belästigen und meint: Die Berufung des Arztes nach Varzin hatte wesentlich den Za>eck, durch das Urthei» des Dr. Struck, welcher den Fürsten feit zwanzig Jahren behandelt, fefizustcllcn, ob Letzterem ärztlich gestattet werden könne, sich schon jetzt wieder nach Berlin zu begeben und ob von der Fortsetzung des Aufenthalts auf dem Lande unter diesen Umständen noch ein Nutzen erwartet werden könne. Be- sorgniß aber erregt der Zustand in keiner Weife und nach ärztlicher Berathung wird von der Rückkehr der früheren Enthaltung die Fortentwickelung der Bkffe- rung, welche im Monat Oktober bereits sehr sichtlich eingetreten war, mit Bestimmtheit erwartet. Es ist nur zu wünschen, daß man dem Kanzler, wie anderen Menschen, die nöthige Zeit und Ruhe lasse, krank zu sein und wieder gesund zu werden.
Berlin, 18. November. Der Fürst Chlodwig von Hohenlohe, der frühere bayerische Mlnister-P.asident und jetzige zweite Präsident des deutschen Reichstages, hat die Herrschaft Grabowo Inder Provinz Posen gekauft. Das „Deutsche Wochenblatt" schreibt darüber: „In hiesigen politischen Kreisen zweifelt man nicht, daß der gedachte Führer der national-liberalen Partei in Bayern jetzt auch das preußische Jndigenat erwerben und dadurch die formelle Voraussetzung schaffen werde, in den inneren preußischen Angelegenheiten eine hervorragende Rolle zu spielen."
Berlin, 18. November. Die Aufmerksamkeit, welche die englischen Blätter seit einiger Zeit unserer inneren Krisis geschenkt haben, mag zum Theil dem Umstande zu verdanken sein, daß ihre heimischen Angelegenheiten dazu die erforderliche Muße gerade jetzt gewährt haben, andererseits aber auch sicherlich der Bedeutung des Staates, dessen Anspruch aus die Führung Deutschlands überall anerkannt ist. Deese Aufmerksamkeit hat den Vortheck, daß das englische Publikum auch die deutschen Zustände besser studi.t und verstehen lernt. Daß der erste Cursus noch nicht eine erschöpfende Kunde gewinnen ließ und noch manche Verwechslungen Vorkommen, kann nicht Wunder nehmen. Ein angeblich Brüsseler Correspondent des „Daily Tckegraph", der aber wohl von einem anderen Observatorium aus die politischen Sterne beobachtet und darnach weissagt, sieht schon unsere beiden Kammern vollständig beseitigt oder mediatisirt, während der Reichstag mit einem Oberhause beglückt wird. Bei dieser Combination läßt der Correspondent eine hochgestellte Person eine Rolle spielen, was der Peophezeihung ein größeres Relief giebt. Solche Zukunststräume können bei dem Engländer, wo er auch wecken mag, um so weniger überraschen, als es ja auch hier zu Lande nicht an Tageöchronisien gefehlt hat, die sich darüber ereifern, wenn man ihre Phantasien, Die das Abgeordnetenhaus mit einer Reform bedachten und das Herrenhaus auf den Kopf stellten, als verfrüht und voreilig zu bezeichnen sich herausnahm, während sie jetzt nach wenigen Tagen jede Herrenhausreform als so gut wie aufgehoben bezeichnen. Wer in Anknüpfung an politische Möglichkeiten uuo Wahrscheinlichkeiten sich mit Der Vermuthung begnügt, daß es sich zunächst um eine Beschränkung der AdelS- verbände handeln werde, war eines so raschen Wechsels der Ansichten übcrhoben. Die Zwischenst^dicn der KreiSorbnung und des Pairefchubs sind überdies nicht


