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dem Staate war ungefähr so viel verblieben, als der Bischof ihm lassen wollte.i Und daher sagt denn Herr Hoffmann auch treffend, es komme darauf an, dies Verhaltniß, soweit erforderlich auf dem Wege der Gesetzgebung,wieder klar und sicher zu stellen." Es sind Auswüchse zu beseitigen, zum Theil auf dem Wege der Verwaltung, es sind neue Grundlagen zu finden; und dazu wird die Mit­wirkung der Landesvertretung nicht umgangen werden können. Aehnlich wie in Preußen. Allerdings hat die preußische Regierung die Rechte des Staates nie­mals ausdrücklich preisgegeben; aber sie hat doch durch Nachsicht gefehlt. Sie hat es geschehen lassen, daß die Bischöfe Verfaffungsartikel, die nur einen abstrakten Grundsatz aussprachen, ganz willkürlich interpretirten und nach dieser Interpreta­tion, die auf nichts weniger als Authcnticität Anspruch machen konnte, auch wirk- lich verfuhren.

So bieten also die Verhältnisse in Preußen und Hessen, bet großen Ver- schiedenheiten, doch manche Analogien, und das Bedürfniß einer gesetzlichen Rege- lung der Beziehungen des Staates zur Kirche ist in beiden Ländern gleich groß. Hessen ist daher auf ein Zusammengehen mit Preußen in der kirchlichen Frage durch die Verhältnisse selbst angewiesen, umsomehr, da Mainz der eigentliche Brennpunkt der ultramontanen Bewegung ist. Das kräftige Zusammenwirken Hessens mit dem preußischen Staate wird des heilsamen und stärkenden Eindruckes auf die übrigen deutschen Staaten, deren Gesammtheit ja der UltramontaniSmuö den Krieg erklärt hat, nicht verfehlen. Daß Hessen, bis das Reich selbst die Regelung der kirchlichen Verhältnisse in die Hand nimmt, sich jetzt an Preußens Seite in die erste Reihe der Kämpfenden gestellt hat, gereicht dem Staate zur Ehre und zum Gewinn. Denn gerade in der thättgen Theilnahme an dem gro­ßen weltgeschichtlichen Kampfe ist ihm die trefflichste Gelegenheit geboten, sich als lebenskräftiges, das Wohl des Ganzen förderndes Glied des deutschen Reiches zu erweisen.

Deutschland.

Friedberg, 16. October. Seit Kurzem hatte sich eine Polemik zwischen Lehrern des hiisigen Seminars über die Leitung und die Leistungen des gegen­wärtigen Direktors entsponnen. Dieser erläßt nun in derMainzeitung" folgende Erklärung:

Zur Beruhigung meiner Freunde und Bekannten erkläre ich auf den in diesen Blättern in Angelegenheiten des hiesigen Seminars erschienenen Artikel Folgendes:

Es sind allerdings von verschiedenen Seminar-Lehrern mehrfache Beschuldi­gungen gegen mich erhoben worden. O) diese Beschuldigungen begründet oder unbegründet sind, das ist die Frage, um die es sich handelt. Die Entscheidung dieser Frage ist die Aufgabe der von der kompetenten Behörde eingeleiteten Untersuchung. Daß ich dem Ausgang dieser Untersuchung meinerseits nicht vor­greifen kann und darf, wird jeder unbefangen Urtheilende zug^ben müßen und es darum nicht mißdeuten, wenn ich den in dieser Angelegenheit bisher durch d.e Presse veröffentlichten Erörterungen gegenüber vorerst ein unbedingtes Stillschweigen beobachte. Steinberger.

Berlin, 17. Oct. Während sich die Ultramontanen anstrengen, die Mensch, ltche Cultur zu unterdrücken, hat dieselbe durch die am 12. October in Paris mit günstigem Erfolg beendigten Sitzungen der internationalen Maß- und Gewichts- commtssion einen bedeutenden Fortschritt gemacht. Er ist nämlich remReichs- anzetger" in den letzten Sitzungen, nachdem die ersten Wochen der Verhandlungen der neuen Einrichtung des künftigen gemeinsamen Urmaaßes und Urgewtchtes aller Nationen gewidmet waren, fast einstimmig der Beschluß gefaßt worden, die Re­gierungen sämmtltcher auf der Conferenz vertretenen Staaten, d. h. fast aller Culturvölker der Erde, zu ersuchen, ein internationales Bureau für Maaße und Gewichte zu errichten, welchem unter der Leitung eines permanenten internationalen Comites übertragen werden soll: die definitive Feststellung des gemeinsamen Ur­maaßes und Urgewichtes; 2) die definitive Ausgabe der an die einzelnen Na­tionen zu verabfolgenden, möglichst identischen Eopieen dieses neuen Urmaaßes und Urgewichtes; 3) die Aufbewahrung des gemeinsamen Urmaaßes und Urge­wichtes; 4) die in gewissen Zitträumen zu wiederholende Vergleichung aller den einzelnen Staaten zu übergebenden Eopieen des Urmaaßes und Urgewichtes unter einander und mit den Originalen; 5) die fernere Ausgabe genauer Eopieen an Staatsregierungen, sowie an Interessenten jeder Art; 6) die Ausführung aller derjenigen gemeinsamen Arbeiten und Untersuchungen auf dem Gebiete des inter­nationalen Maaß- und Gewichtswesens, welche im Interesse der Entwicklung und Befestigung seiner Grundlagen und der Ausbreitung seiner Geltung erforderlich sein werden. Das zur Leitung dieser internationalen Institution, d. h. zur Er­nennung und Ueberwachung ihrer Beamten, berufene Comite wird aus 12 Mit­gliedern bestehen, und als Sitz der ganzen Institution ist zunächst Paris ins Auge gefaßt. Die Versammlung hat in dieses permanente Eomite gewählt je einen Vertreter von Nordamerika, Rußland, Schweden, Norwegen, Deutschland, Oester- reich, Türkei, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Belgien und den Nieder­landen.

Schlüchtern, 17. Oktober. Bet der kürzlichen Inspicirung des Terrains um Schlüchtern durch den königlichen Stab des 11. Armeecorps erregte die An­lage der Bebra - Hanauer Eisenbahn um den Distelrasen herum dessen besondere Aufmerksamkeit. Sein Urthetl soll keineswegs zu Gunsten dieser Anlage aus­gefallen, vielmehr die Ansicht dahin ausgesprochen worden sein, daß die diesseits des Distelrasens mit der unteren parallel laufende obere Bahnlinie ganz in Weg- fall kommen und mittelst eines Tunnels durch den Distelrasen direkt auf die untere Linie geführt werden müsse. Es scheint diese Ausführung um so wahr­scheinlicher, als sich der projectirten Anlage des Bahnhofes bet Elm fortwährend Erdschwiertgkeiten in den Weg stellen. Statt bei Elm würde dann der Haupt­bahnhof nach der unteren Bahnlinie an der Leipziger Straße der Stadt Schlüchtern gegenüber angelegt werden und der jetzige Bahnhof Schlüchtern in Wegfall kommen.

Aus Bayern, 16. Oktober. Aus Pforzheim ist eine nachahmungswerthe Thai der Humanität und des Patriotismus zugleich zu berichten. Bald nach Beginn des deutfch-französtschen Krieges wurde nämlich nach dem Vorgehen der Bewohner dieser Stadt auch in den Landgemeinden der Beschluß gefaßt, nach Bedürfniß eine Umlage bis zu 2 fl. per 1000 Gulden Steuercapital von allen Steuerpflichtigen zu erheben, um den invalid gewordenen Kriegern oder deren mittellosen Hinterlassenen neben der von dem Staate gewährten Pension noch eine ständige Unterstützung zukommen zu lassen. Soeben wird nun in Pforzheim

zu diesem Zwecke eine Umlage von 1 fl. per 1000 fl. Steuercapital erhoben. Die dadurch aufzubringende Summe, welche sich in unserer Stadt auf 24,000 fl., im ganzen Bezirk aber auf 40,000 fl. belaufen wird, genügt, um das voihandene Bedürfniß zu decken.

Metz, 17. Oktober. Die hiesigen Jesuiten, 34 an der Zahl, hatten bisher in ihrem Klystergebäude eine Studienanstalt höherer Ordnung mit und ohne Pension geführt, welche am Schlüsse des letzten Schuljahres 600 Schüler zählte. Oie Fächer, in denen der Unterricht ertheilt wurde, waren: Religion, Philosophie, Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte, Literatur, Rhetorik, Humanität, Grammatik, lateinische, griechische, deutsche und englische Sprache, dann Zeichnen und Musik. Mit dem Verbot des Jesuitenordens hörte zwar auch diese Anstalt auf, allein vier bisherige Lehrer derselben, die dem Orden selbst nicht angehörten, aber als dessen gehorsame Schüler in seinen Ideen erzogen und gebildet wurden, haben es unternommen, in Errichtung von vier Klassen, die beute schon von 50 Knaben besucht werden, die frühere Schule thatsächlich und zw rr auch in dem nämlichen Klostergebäude fortzusetzen, so daß ziemlich Alles, mit Ausnahme der l.hrenden Patres, beim Alten geblieben ist.

Frankreich.

Paris, 17. Oktober. Verschiedene Journale melden die Ankunft des Maires von Nancy. Derselbe sei nach Paris gekommen, um Herrn Thiers vor­zustellen, daß die Lügen und Verleumdungen, mit welchen die Pariser Blätter bemahe täglich die deutsche Armee überschütten (die Journale nennen espatriotische Correspondenzen"), für die occupirten Provinzen eine große Gefahr zu werden drohen, daß er daher die Regierung anflehen müsse, diesem Treiben ein Ziel zu setzen. Diese Mittheilung beweist, daß General v. Manteuffel sich endlich ver­anlaßt gesehen hat, mit den Behörden in Nancy ein ernstliche- Wort zu sprechen und denselben begreiflich zu machen, daß selbst deutsche Geduld ein Ende nehmen kann. Jedenfalls dürfen wir erwarten, daß in nächster Zeit energische Schritte geschehen werden, um dem Scandal ein Ende zu machen, der schon zu "lange gedauert hat.

Der Präsident der französischen Republtck soll wirklich Beweise von den Um­trieben der bonapartisttschen Führer in Händen haben, die auch zu der Auswei­sung des Prinzen Napoleon die nächste Veranlassung gegeben hätten. Diese Um­triebe, so behauptet man wenigstens im republikanischen Lager, wären noch viel gefährlicher, wenn die Bonapartisten selbst unter sich einig wären. Sie seien aber <n zwei feindliche Parteien getheilt; die eine stehe unter dem Einflüsse Rouher's, der mehr znm Handeln geneigt sei und überall bonapartistische Canvidaten auf­stellen wolle, selbst tn jenen Departements, wo sic keine Aussicht haben, gewählt zu werden; die andere unter der Führung Olliviec's, der eine Politik der Zurück­haltung anempfehle. Letzterer scheint noch immer auf die Wirkung eines Plebiscits zu rechnen, während der Premier- und spätere Senat-Präsident des zweiten Kaiser­reichs wahrscheinlich durch Weisungen aus Chiselhurst hierzu veranlaßt, den Augen­blick für eine Action schon jetzt gekommen glaubt. Diese Nachrichten mögen aus nicht sehr verläßlichen Quellen stammen; wenn tn ihnen ein Körnchen Wahrheit steckt, so würden allerdings die Befürchtungen Thiers einen realen Hintergrund haben, obschon gegen die politische Sagacität seiner jüngsten, gegen den Exprinzen Jerome getroffenen Maßregel verschiedene, wie es scheint, nicht ganz unbegründete Bedenken laut werden.

Local-Notizen.

Gießen, 19. October. In den weiter vor Großherzoglichem Schwurgerichtshof verhandelten Anklagesachen wurde erkannt, nämlich:

Den 12. October gegen Marie Weitpal aus Bönstadt, wegen dreier ausgezeichneter Diebstähle, wegen einfachen Diebstahls und Hehlerei, Gefängnißstrafe von 6 Monaten.

Denselben gegen Rudolph Mitscher auS Enkirch, Kreises Zell in Rheinpreußen, zuletzt Kaiserlicher Postanwärter zu Schlitz, wegen Verbrechen im Amte und Urkundenfälschung in contumaciam eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 4 Jahren.

Den 14.October gegen Robert Stabe! von Garbenteich, wegen Versuchs eines schweren Diebstahls, eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Denselben gegen Johannes Reuel von Lauterbach, wegen schweren Diebstahls, eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Bezüglich eines zum Nachtheil seines Vaters und Bruders begangenen Diebstahls wurde die Anllage unter der Bedingung zurückgenommen, daß Angeklagter die erwachsenen Kosten berichtige, wozu sich derselbe bereit erklärte und deshalb Einstellung des Verfahrens verordnet wurde.

Den 15. October gegen Wilhelm A mend aus Battenfeld, wohnhaft zu Gießen, wegen zweier einfacher Diebstähle, eine Gefängnißstrafe von 6 Monaten, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Wegen dreier schwerer Gelddiebstahle wurde der Angeklagte von den Geschworenen für Nichtschuldig" erklärt und deshalb von dem Gerichtshof fretgesprochen.

Den 16. October gegen

a) Karl Bischoff auS Bönstadt wegen zweier schwerer Diebstähle, sowie wegen eines einfachen Diebstahls, eine Gefängnißstrafe von einem Jahr und 8 Monaten -und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

b) Friedrich Bischoff von da, wegen Theilnahme an einem schweren Diebstahl, Gefängnißstrafe von zwei Monaten.

Den 17. Oktober gegen Gerson Katz I. von EinartShausen, wegen Urkundenfälschung, eine Gefängnißstrafe von 9 Monaten, sowie Geldstrafe von 200 Thaler.

Den 18. October gegen

a) stud. med. Georg Fayett aus St. Gabriel in Brasilien, wegen Tödtung im Duell, Festungsstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten.

b) stud. jur. Otto Hoffma nn aus Darmstadt, wegen Beihülfe an jenem Verbrechen, Festungsstrafe von 8 Tagen.

Den 19. October gegen Sebastian Jost II. von Herchenhain, wegen Meineids, Zucht­hausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, an welcher jedoch 2 Monate, als durch die unverschuldet erlittene Untersuchungshaft bereits verbüßt, in Abzug zu bringen sind.

Außerdem wurde Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren, sowie dauernde Unfähigkeit als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen.

Gießen, 21. Oktober. Der GesangvereinLiederkranz" veranstaltete am gestrigen Abend eine Unterhaltung im Wenzel'schen Garten, wie sie gelungener noch nie dagewesen sein dürfte. Den Glanzpunkt der Unterhaltung bildete die Ballade: Der Gang nach dem Eisen­hammer, ein Werk unseres Dichterfürsten Fr. Schiller, Das Chor der Sänger bestand aus Damen und Herren und wurden die einzelnen Piöcen vortrefflich ausgeführt. Der Vortrag der Dichtung selbst war rein und ausdrucksvoll. Was die Musik zu dieser Ballade anbelangt, so war dieselbe vortrefflich erecutirt von einem Theil unserer RegtmentSmufik. Ueberhaupt müssen wir in neuerer Zeit der hiesigen ReglmcntSmufik unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Krausse alle Ehre widerfahren lassen. Herr Krausse hat die Musik wieder zu dem gemacht, waS man füglich von einer RegimentSmusik verlangen kann. An ihm lebt Alles, wenn er seinen Tactstock in Händen hat und dirlgtrt. Die übrigen GesangSpiöcen desLiederkranzeS" waren ebenfalls als sehr befriedigend zu bezeichnen; auch die Cithervorträge verdienen alle Anerkennung. Den Schluß bildete wie in der Regel ein solennes Tänzchen. Möge der wackere Verein auf dem vorqe- zeichneten Wege rüstig weiter arbeiten und sich stets vervollkommnen. Der Dank seiner Zuhörer

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