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Belgien.
Brüssel, 17. Juli. Der Strikt der Grubenarbeiter in Borinag<(Hennegau) gewinnt eine bedenkliche Ausdehnung. Gestern sind bereits von Mons Gendarmerie unv Truppen abgegangen. Die Haltung der Arbeiter ist drohend.
Frankreich.
Brest, 14. Juli. Der „Times" wird telegraphirt: In Folge von fcanda- lösen Gerüchten in Bezug auf einen Jesuitenpater fanden in den letzten Tagen tumultuarische Manifestationen vor dem Ordenöhaus der Gesellschaft Jesu statt. Gestern Abend wurde Gensd'armerie requirirt, um die Ansammlungen zu zerstreuen; einige Verhaftungen fanden statt. Eine Proclamation des Magistrates empfiehlt Ruhe und erklärt, es werde eine gerichtliche Untersuchung in Bezug auf die fraglichen Gerüchte stattfinden.
Italien.
Rom, 13. Juli. In Neapel herrscht Verwirrung. Der seitherige Präsect Marchese d'Affitto hat seine Entlassung gegeben; nach der einen Lesart, weil er zu streng gegen die Radikalen verfuhr, nach der andern, weil er die Elertkalen zu sehr aufkommen ließ. Thatsache ist, daß hier wie anderwärts die Radikalen und die Slerikalen zusammengehen, so lauge es Opposition gegen die Regierung gilt In den Municipalwahlen Venedigs haben die Clerikalen, welche daselbst ihre Probeversuche machten, eine vollständige Niederlage erlitten. Alle sieben Candi- taten, welche für den Provinzialrath von den Liberalen vorgeschlagen waren, wurden gewählt, und von vierzehn Liberalen, die für den Communalrath borge- schlagen waren, wurden dreizehn gewählt. Der „Times" wird gemeldet, daß man den letzten Brief des Papstes an den Cardinal Antonelli als ein Werk des Car- dinalcollegiums betrachtet und Monsignore Franchi für dessen Verfasser hält.
Rom, 16. Juli. Das Resultat der Gemeindewahlen ist bis jetzt^meist den Liberalen günstig. Mehrere Personen des päpstlichen Hofes schrieben sich in die Wahllisten ein. Die Opinione bespricht die gegenwärtige Sachlage nnd die conspirirende Haltung der Clericalen. Sie erklärt, die vollständige Lösung der Frage wegen der religiösen Orden sei zum Schutze des Staates unentbehrlich. Durch eine Bomben-xplosion auf der Piazza Navona wurden drei Personen leicht verwundet; man nahm zwei verdächtige Matrosen fest.
Amerika.
Rewyork, 15. Juli. 1500 geborene Elsässer und Lothringer begaben sich heute in geordnetem Aufzuge zum französischen Consulate, um sich als französische Bürger einschreiben zu lassen.
Rewyork, 15. Juli. Die neue Verwaltung der Erie - Eisenbahn beschloß die strengste Untersuchung aller unter Goulv'S Verwaltung geschlossenen Contracte.
Jüchen, 12. Juli. Eine schreckliche Schauderaeschichte durchzittert die Herzen in hiesiger Umgegend. Die Leiche eines seit dem 29. v. Mts. vermißten 17jährigen Jünglings, eines Ackerknechts, wurde in einem Kornfelde schrecklich zugerichtet gefunden. Nun stellt sich heraus und ist bereits durch Geständniß belegt, daß ein 20jähriger Mitknecht die Mordthat ausgesührt, um 1 Thlr. 25 Sgr. willen, die der Ermordete, um sie den Eltern zu bringen, in der Tasche trug. Am Hellen Morgen auf dem Wege nach der Kirche, als der Bursche eines Bedürfnisses wegen in ein Kornfeld trat, folgte ihm der Mörder und tödtete ihn durch Messerschnitte und Fußtritte. Die Beiden, Söhne armer, aber braver Eltern aus Neuenhausen, waren zusammen aufgewachsen und standen in freundlichem Verkehr. Der Mörder verjubelte dieses Geld auf dem Tanzboden. Jetzt ist er in Haft.
Local-Notiz.
Gießen, 17. Juli. Durch die öffentlichen Blätter geht von Jena aus die Nachricht, daß der hiesige ordentliche Professor der alttestamentlichen Theologie, Dr. Schrader, einen von Jena an ihn ergangenen Ruf in die Stelle des nach Tübingen an Oehler's Statt gegangenen Professors Diestel angenommen habe Hier weiß man nichts davon, am wenigsten von der Annahme.
Landwirthsch aftliches.
Die Ameise scheint den Feldraupen der gefährlichste und erbittertste Feind zu sein, der sie nicht nur verfolgt und erwürgt, sondern den sie auch in blinder Hast fliehen, wenn schon sie darüber verhungern. Ein Bericht des Oekonomie-Commiffarius Sterneborg aus Lippstadt über die Erfahrungen, welche über das Auftreten der Ameisen gegen die Feldraupen gemacht worden sind, meldet: Im Jahre 1861 war der Garten des Posthalters Ludwig zu Rüthen arg von Raupen heimgesucht. Dem Kohl und Weißkohl drohte gänzliche Vernichtung. Da holte ein Arbeitsmann einen Sack voll großer Waldameisen und streute dieselben über den Kohl. Sofort ergriffen die Raupen die Flucht; in der größten Angst eilten sie über Mauern und Zäune und am anderen Tage war im ganzen Garten keine einzige mehr zu sehen.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 17. Juli. „Wenig Geschäft", das ist die ständige Signatur aller Börsenberichte von auswärts wie von hier, und Ihr Berichterstatter vermag auch heute keine andere zu geben. Zwar zeigt sich jetzt Geld wieder flüssig, ja sogar angeboten; nichtsdestoweniger aber will sich Niemand auf größere Engagements einlassen. Epecielle Motive hierfür liegen eigentlich keine vor, man muß eben dem um diese Jahreszeit immer sehr schwachen Börsenbesuch und den Vorbereitungen auf die französische Anleihe zunächst die Schuld an der herrschenden Stille zuschreiben. SpeculationSpapiere stellten sich durchschnittlich 1 fl. höher als die gestrige Schlußnotiz, verriethen aber dabei eher Tendenz zum Nachgeben. Das Geschäft in Bahnen schlich träge dahin und vermochte in Folge dessen weder nach ab- noch nach aufwärts besondere CourSvaria- tionen hervorzubringen. Die morgen zur Subscription gelangenden Actien und Prioritäten dey mährischen Grenzbahn gingen heute in Posten, erstere zu 187 und letztere zu 85, um. DioS Papier sieht bei der zu Tage liegenden einstigen Rentabilität der die reichsten Kohlengebiete Böhmens durchschneidenden Bahn einer guten Zukunft entgegen. Auch die neuesten Prioritäten der Elisabethbahn gingen in Posten auS dem Markt, und ist durch dieses Papier unsere Börse um ein solides Effect reicher. Banken ohne Animo und eher nachgebend. Nur Baubank wurde heute um 2 Procrnt in die Höhe getrieben. Oesterreichische StaatSloose billiger zu haben. Silber- rcnte desgleichen. Von amerikanischen Prioritäten verkehrten Oregon bei 65, Omahabrücke bei 90.
Wechsel.
82V4
Oberhessen
Ämerik. Bonds
156
1864r
1882r 96% 1885r 973/g 1887r 973/4
981/2 93 100i/2
BSrseBnachrichten.
17. Juli 1872.
Aetleii.
50/q östr. F. St. E. B. 3531/2
Lombard. Bahn 220
Ludwigsh.-Bexbach 2001/2
Maxbahn 145
Bayer. Ostbahn 140 Rhein-Nahebahn-Act. 46 Hess. Ludwigsb.-Aot. 178
Aetlen.
Frankf. Bank 1413/4
Frankf. Vereins-Kasse 140
Darmst. Bankaot. 480
Wien Bankaotien 894
Oest. Oreditact. 347
Galizien 257
» 4O/o 1jährige 94Vs Würtemb. 41/j% Obi. 995/g Baden 41/2% Obi. c. E. L. 993/4 Oesterr. Silberrente 645/8
Geldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 41—43
„ doppelte 9 41—43 Holl. fl. lOSt. 9 53—55 Duoaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 22—23 Engi. Sover. 11 49—51 Russ. Imper. 9 42—44 Dollar in Gold 2 25i/2—26«/,
40/o „
3V»% „
„ Papierrente 58
Spanier, neuest. 3% 29
“ ~ ' 1881r 991/3
Preuss. 41/3% Oblig. 1031/9
Frankf. 31/a°/o Obi- 871/3 Nass. 41/30/0 ObL 997/s Kurhess. 4% „ 93% Gr. Hess. 5% Obi. —
Bayer. 5%
„ 41/3 o/o 1jährige —
Vermischtes.
Berlin. Der Polizei-Präsident v. Madai in Frankfurt a. M- macht bekannt, daß der dortige Auswanderungs-Unteragent Georg Seffson, Gallusgaffe 7 wohnhaft, im „Mainzer Anzeiger" vom 30. Juni d. I. unter der ihm nicht zukommenden Firma: Johanning und Behmer" angekündigt, daß er am 24. Juli d. I. Dienstmädchen von 16 bis 35 Jahren für 5 Thlr., junge Männer von 16 bis 40 Jahren für zehn Thaler. Familien zu sehr mäßigen Preisen nach Australien expedire. — Nach näherer Feststellung finden diese Expeditionen nach Neu-Seeland und Queensland statt und werden die Auswanderer keineswegs zu den erwähnten Preisen befördert. Vielmehr haben dieselben den obigen Betrag nur als Anzahlung zu entrichten, der Restbetrag der vollen Passage wird ihnen dagegen erst creditirt gegen Unterzeichnung eines der Reaierung von Queensland, resp. Neu-Seeland auszustellenden Schuldscheines, .in welchem sie sich verpflichten, binnen 2 Jahren sich ihrer vollen Verbindlichkeit zu entledigen. Es werden daher alle Auswanderungslustige dringend gewarnt, derartige Verträge abzuschließen, durch welche sic in Bezug auf ihr künftiges Fortkommen in überseeischen Landern gebunden werden.
Berlin. Ein Exemplar der gefälschten Reichsgoldmünzen ist der B. u. H.-Ztg. zu Händen gekommen." Dieselben sind am Klange sofort erkennbar, die Farbe ist etwas dunkler als bei den echten. Das Gepräge auf Avers und Revers ist fehlerfrei und von dem echten in nichts zu unterscheiden. Dagegen ist die Legende des Randes, deren Ausführung auch auf den echten zu wünschen übrig läßt, vollständig mißlungen. Die Lettern des Wortes UNS sind kaum kenntlich, das Wort GOTT zeigt statt des Anfangsbuchstabens einen liegenden Strich, der Mittelbuchstabe im Worte MT ist der einzige ziemlich regulär geformte. Die gefälschten Münzen tragen das Bild des Kaisers und das Münzzeichen C.
Ein paar Meilen von Königsberg, in der Domaine Brandenburg, auf dem einzigen Wege, welcher zum Damenbad im Frisching führt, befindet sich seit einigen Wochen eine Warnungstafel mit folgender Inschrift: „Wer diesen Steig betrit, bekommt eine schicht Priegel " Deutlicher kann man sich dem schonen Geschlecht gegenüber — im 19. Jahrhundert nicht ausdrücken. _____________________________
Prioritäten.
30/g öster. Stsb.-Prior. 59 3% öst. s. Lombard 503/4 30/0 Livomeser 391/4 5% Toscaner 613/4 50/g Elisabeth.-Prior. 84*/2 do. H. Emiss. 841/4________
Anlehensloose.
Darmstädter fl.50Loose
„ „25 „ -
Kurh. 40 Thlr. Loose 71 Nassau 25 fl. 45V2 Braunschweiger 215/8 30/0 Oldenburg, ä 40Thir. 39 40/0 bayr. Präm.-Anl. 1133/s 40/0 badische Loose 1103/< Badische fl. 35 Loose 69 J/2 Oestr. fl. 250 v. 1854 84‘/t 1858r Prioritätsloose 203 1860r Loose 94
Amsterdam
k.
8.
981/°
Augsburg
k. s. 993/4
Berlin
k.
8.
104Vg
Bremen
k.
8.
—
Brüssel
k. S.
93i/2
Hamburg
k.
8.
87-Vs
Leipzig
k.
8.
105
London
k.
8.
118V2
Lyon
k.
8.
—
Paris
k.
8.
93-/8
Wien
k.
8.
106
ditto
m.
8.
1057r
ditto Disoonto
1. 8.
4 0/o
1053/4
Allgem einer A n z e i g e r.
Besondere Bekanntmachungen.
3379) Frequenz und Einnahme ans den
Oberhe ssischen Eisenbahnen.____________
Monat.
Meilen- zahl.
Personen-Verkehr.
Güter - Verkehr.
Neben- erträg- niffe.
Summe im Juni.
Total vom
Januar bis incl. Juni.
Anzahl.
MvnatS. ’jlbonne' mentS
Ertrag.
Ctr.
Ertrag.
Juni 1872.
23,47
33655
27
ft.
16539
kr.
34
210752
fl-
13558
kr.
38
ft.
493
kr-
7
ft.
30591
kr.
19
fl- 163726
rr.
57
Juni 1871.
19,88
34345
13
18125
54
154967
10006
14
408
32
28540
40
157796
25
Differenz.
Vorbehaltlich Gießen,
+ 3,59
definitiver im Juli U
— 690
Feststellung 372.
+ 14
•
—1586
20
+ 55785
+3552 24
+84
35
4-2050
Die
39
Dire
+ 5930
ction.
32
Concurrenz-Eröffmmg.
3376) In dem Landeszuchthaus Marien» schloß ist eine Aufseherstelle mit einem Gehalte von mindestens 325 Gulden zu besetzen. Der Anzunehmende muß ein Handwerk können (Schneider werden bevorzugt), kräftig und unverheirathet, auch im Rechnen und Schreiben bewandert sein. Bei seiner persönlichen Anmeldung dahier hat er sich mit den Zeugnissen seiner Orts- und Militärbehörde zu versehen.
Marienschloß, den 16. Juli 1872. Großherzogliche Landeszuchthaus-Direction.
S cri b a.
Versteigerungen.
3362) Montag den 22. Juli, Morgens 10 Uhr,
sollen die Weidenanlagen der Domäne Altenberg, ca. 10 Morgen, in geeigneten Parzellen auf mehrere Jahre unter den im Termin bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich verpachtet werden.
Altenberg, den 9. Juli 1872.
C. Bene.


