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Frankreich:

Mülhausen, 29. Juni.

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Italien.

Rom, 12. Juli. Die Clerikalen wenden bereits alle längst bekannten Kniffe der ihrer Minderzahl und Ohnmacht bewußten Parteien an, um ihre mit Be­stimmtheit vorauszusehende Niederlage zu beschönigen. Sie schreien über Verfol­gung und Hinterlist, sie jammern, daß man ihren Leuten die Eintragung in die Wählerlisten verweigere und daß die Regierung das ganze Rudel ihrer Beamten loslaffen wolle, um eine künstliche Majorität zu erzielen. Man weiß, was von solchen Redensarten zu halten ist. Eine Regierung der Verfolgung zu bezichtigen, welche den offenen Aufruf zur Felonie und zum LandeSverrath, wie ihn das Pro­gramm der drei clerikalen Blätter enthielt, ruhig und ohne Repressalien hingehen läßt, dazu gehört schon eine gute Dosis von Unverschämtheit. Ehrlicher ist es gemeint, wenn unsere Clerikalen unter sich die plötzliche Sinnesänderung des Papstes verwünschen.So ist er!" heißt es in engeren clerikalen Kreisen.Näch­stens werden wir ihn über den Corso fahren sehen, escortirt von den Husaren Victor Emanuel's!" Auch manche Cardinäle haben erklärt, daß sie unter keiner Bedingung sich an der Wahl betheiligen oder ihren Leuten eine solche Betheiligung gestatten würden.

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sagen, ThierS habe auf das Ultimatum der Royalisten vom 20. Juni damit ge­antwortet, daß er auch zur Anerkennung der Republik aufforderte. Die radikalen Blätter jubeln; dieRepublique Francaise" sagt:ThierS wird den Royalisten den Kommentar zu seiner gestrigen feierlichen Erklärung geben; die Sache wird ihm leicht werden, da er den gesunden Menschenverstand, den Patriotismus und die Zustimmung des Landes, die Treue für das von ihm begonnene Werk und den Erfolg für sich hat. Von heute an besteht die Republik für jeden vernünfti­gen Menschen thatsächlich und von Rechtswegen. Der loyale Versuch ist gelungen, das Provisorium ist zu Ende." DerRappel" sagt:Vorgestern wurde die Rechte besiegt, gestern nahm Thiers mit Hilfe der Republikaner das Schlachtfeld in Besitz." DasSiecle" drückt sich ähnlich aus:Thiers'Worte werden durch das Land gehen und ihm die Todesstunde der Nationalversammlung verkünden." Die gestrige Rede, welche wohl auch für Thiers selber ganz unverhofft kam, ist jedenfalls ein harter Schlag für die Royalisten. Sie nennen ThiersCanaille" undmeineidiger Verschwörer". Aber das monarchische Bündniß ist gewaltig erschüttert und ein Theil der Royalisten, an deren Spitze Audtffret-PaSquier steht, ist der Ansicht, daß man sich für die Republik entscheivkn müsse, selbst der Herzog von Aumale soll dieser Ansicht sein. Er findet, daß die Royalisten zu weit ge­gangen sind und auf das Empire lossteuern. Wenn dem wirklich so ist, so wird der Sieg des Herrn Thiers jedenfalls ein endgiltiger sein und die Republik für den Augenblick den Sieg über die Monarchie dovongetragen haben. Das ThierS'scheBien Public" drückt sich einstweilen sehr bescheiden aus; es enthält folgende Mittheilung:Nach der gestrigen Sitzung blieb ThierS eine Stunde inmitten einer Gruppe der Rechten, in welcher sich Baragnon und Kerdrel be-

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Frankreich.

Paris, H. Juli. DerMoniteur" veröffentlicht folgendes Schreiben als Beweis für die Anhänglichkeit der elsässischen und lothringischen Städte an

Paris, 12. Juli. In der Commission, welche die Handlungen der Re- gterung der Natioual-Vertheidigung zu prüfen hat, trug gestern St. Marc Girardin den ersten Theil des von ihm verfaßten allgemeinen Berichtes vor, der auf die diplomatischen Zwischenfälle, welche dem Kriege vorhergingen, und auf die Ereig­nisse Bezug hat, die sich bis zum 4. September zutrugen. Wie es scheint, hat St. Marc Girardin es sich zur Aufgabe gestellt, das Lügensystem, welches der 2. Decemder in Frankreich eingeführt, getreulich fortzusetzen. Derselbe behauptet nämlich, nachdem er an die historischen Einzelheiten erinnert, welche auf die Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern Bezug haben, daß diese Candidatur keineswegs eine spanische gewesen sei, wie Marschall Prim behauptet, sondern eine preußische, deren Zweck war, Zwietracht herbeizuführen und so in ein'm gegebenen Augenblicke zum Kriege gelangen zu können. Der Krieg sei nämlich für Preußen das einzige Mittel gewesen, um zur deutschen Einheit zu gelangen, welche mehrere deutsche Staatsmänner angestrebt hätten. Ich sagte, daß St. Marc Girardin » fli ,|1r w.*.» t- - 1 -v,r 'c*. I* vvm«

man rann doch unmöglich annehmen, daß er naiv genug ist, um an die Ammen- märchen zu glauben, welche nach Sedan die Imperialisten für den unwissenden Haufen erfanden, um demselben zu beweisen, daß derEmpereur" ganz gegen seinen Willen den Krieg begonnen, und diesen so in den Augen desselben weniger schuldig erscheinen zu lassen. Man muß im Interesse der französischen Nation bedauern, daß trotz der vielen parlamentarischen Commissionen, die zu ihrer Auf­klärung ernannt wurden, es nicht viel anders werden wird, als es vor dem Aus­bruche des Krieges von 1870 war.

Die Untersuchung gegen Bazaine wird jeden Tag verwickelter und schwieriger, und man glaubt nicht, daß derselbe vor September vor das Kriegsgericht kommen wird. Der Marschall empfing gestern den Besuch des amerikanischen Generals Sherman, den er von früher her kennt.

Nach Privatbriefen aus Rom hat die letzte Erklärung des Herrn Thiers in Betreff der Beziehungen Frankreichs zu Italien den päpstlichen Hof fo verstimmt, daß derselbe beschlossen hat, den französischen Bischöfen die Aufforderung zugehen zu lassen, alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel aufzuwenden, den Sturz des Präsidenten so schnell als möglich herbeizuführeu. DerUnivers" läßt es an seiner Unterstützung nicht fehlen. In seiner Nummer vom 14. Juli nennt er den Präsidenten der Republik, ThierS,den vollendeten Typus der Bourgeois von 89, welcher die Bastille zerstörte."

Indem das Blatt aus den Artikeln derRopublique francaise" den Beweis zu führen sucht, daß die modernen Sansculotten mit der Feier des 14. Juli in Wirklichkeit die Ermordung Louis XVI. feiern, weist er auf den SyllabuS als das einzige Rettungsmittel gegenüber der revolutionären Strömung hin. Die Conservativen müßten endlich einsehen, daß es durchaus nothwendig sei, die Principien von 89 wie Gift zu verwerfen, um zum SyllabuS zu kommen, weil nur dieser allein retten und das große sociale Principden Respect" (scilicel Autorität) befestigen kann.

Man schreibt demEvenement" aus Bar-le-Duc vom 12. Juli: Montag sollen die Barackenbauten beginnen. Die Besprechungen zwischen Herrn von Saint-Vallier und dem General Manteuffel haben, wie es scheint, zum Ziele geführt; man versichert, daß für die Offictere das Princip der Baracken nach dem Muster der OfficierShütten im Lager von Chulons angenommen sei. Die Ge­meindeverwaltung von Bar-le-Duc ist bedeutet worden, daß bie deutsche Garnison der Stadt sich nach Räumung der beiden Marne-DepartemeotS, wie folgt, stellen würde: 2500 Mann Infanterie und 110 Mann Verpflegungstruppen, 57 Offictere, eine Bäckerei, eine Ambulanz und 185 Pferde. Der Platz wirb von einem Divistonsgeneral befehligt sein, dem ein Generalstab von 31 Osficteren zur Seite stehen wird. In der Umgebung der Stadt sollen Baracken für eine Batterie Artillerie, eine Schwadron Cavallerie und ein Regiment Infanterie angelegt werden.

Paris, 13. Juli. Die Scenen in der gestrigen Kammersttzung haben großes Aufsehen in Parts gemacht; die Royalisten sind ganz außer sich, ihre Blätter ' bringen die Erklärungen, welche Thiers in Bordeaux abgegeben hat, in Erinnerung und beschuldigen ihn des Treubruchs. Die gemäßigt republikanischen Blätter i

Spanien.

1 Madrid. 12. Juli. Der EarliftcnsUhrer Chuchurru hat gestern seine , Unterwerfung angezeigt; dasselbe that die in Baracaldo ausgehobene Bande, welche , sich aufgelöst hat. Die Bande Valdas, 50 Mann stark, ist geschlagen worden. ! In der Nähe von Zornoza treiben sich noch mehrere Bruchstücke der Bande Goiriena herum, welche jetzt von anderen Geistlichen befebligt werden und mit-

; unter die Postwagen überfallen. Einige Flintenschüsse genügen meist, sie in die Flucht zu jagen.

Madrid, 12. Juli. DerCorrespondencia" zufolge hat die Regierung keine Kenntniß davon, daß die französische Regierung Don Carlos aufgefordert hat, Frankreich zu verlassen. Man weiß überhaupt nicht bestimmt, wo Don Carlos sich befindet; man glaubt, er halte sich bei einem Legitimisten an der Grenze auf. Die Correspondencia dementirt das Gerücht von der Ernennung Cordoba's zum Generalcapitän von Cuba und dessen Ersatz im Kriegsministerium durch General Moriones. Die amtlicheGaeetta" veröffentlicht ein Decret, welches Sanz mit der interimistischen Leitung des Justizministeriums während der Abwesenheit des Senor Montero Rios betraut.

England.

London, 11. Juli. Der Kaiser Napoleon hat in Chtselhurst die erste Gartengesellschaft seit seinem Aufenthalte in England gegeben. Etwa 800 Gäste der englischen Aristokratie wurden mit zwei Extrazügen von London nach Ort und Stelle befördert, und die birmanische Gesandtschaft bediente sich der könig- lichen Hofequipagen.

London, 12. Juli. Es hat nicht an Leuten gefehlt, welche die Begegnung Stanley'- und Livingstone'- für eine Erfindung gehalten haben. Den Glauben werden sie wohl nun aufgeben müssen, da Herr Ansell, der Director der unter­seeischen Telegraphenleitung nach Indien, am 11. d. M. folgendes Telegramm aus Aden erhalten hat: Stanley ist angekommen und geht mit Livingstone's Sohn auf einem französischen Dampfer nach Suez. Er hat Briefe von Livingstone an die Regierung und an seine Freunde. Livingstone war unpäßlich, aber entschlossen, auszuharren und nicht vor Vollendung seiner Aufgabe heimzukehren. Stanley's Leute kommen zurück und begleiten ihn.

Loudon, 13. Juli. Der Versailler Correspondent desTelegraph" schreibt: Thiers hat das Ansinnen Bismarck's, bei der Papstwahl eventuell von dem Veto Gebrauch zu machen, entschieden abgelehnt, weil das Recht bereits verjährt fei. Der Correspondent will einen von einem hohen Prälaten geschriebenen Privat- brief gesehen haben, dem zufolge das Collegium der Cardinäle für den Fall, daß der Versuch gemacht werden sollte, die Papstwahl zu beeinflussen, entschlossen wäre, nach Malta überzusiedeln und dort die Wahl vorzunehmen. Demselben Briefe zufolge soll der Papst beabsichtigen, am Allerheiligenfeste mehrere Prälaten zur Cardinalswürde zu erheben; unter anderen den Erzbischof Manning, den Erzbischof von Paris und den Primas der Vereinigten Staaten, den Erzbischof von Bal- timore.

DerMoruing Post" zufolge hat die Königin dem Sohne Louis Napoleon's t>(e «Erlaubnis gegeben, auf der Militär-Akademie in Woolwich ju studieren.

An den Herrn Präsidenten der Republik. Das Mülhaustner Cowite des. Werkes der französischen Frauen", da« Comite, welches da« Wluck hatte, die patriotische Subskription zur Befreiung des Territoriums ins Leben zu rufen, hatte feit de» 1. Januar 1872, da« heißt nach feiner ersten Wabe an das Vaterland, iu demselben Zwecke eine Bolkt-ollekte organisirt von einem Sou per Woche und unter dem Namen des Sou Francais. Mehr als 14,000 Subskribenten sowohl von Mülhausen als von den umliegenden Dörfern Haben zu diesem Werke bei- getragen; alle, reich oder arm, haben sich glücklich geschätzt, in dieser Welse noch einmal ihre unveränderliche Anhänglichkeit an Frankreich bestätigen zu können und ihre Treue im Unglück wie im Glück. Trotz der Bescheidenheit unserer Samm- lung, die sowohl vom Nothwendtgste« als vom Ueberflusse erhoben worden, sind wir glücklich und stolz, dieselbe unserem theuren und so sehr bedauerten Vater- lande darbieten zu können. Wir baben die Ehre, Ihnen einliegend eine Anwn- sung auf Paris von 12,573 Fr. 25 Cent, zu überreichen, den Ertrag der bts zum heutigen Tage gesammelte« Summe. Genehmigen Sie u. s. w.

4 y 8 Für das Cowite: die Präsidentin.

Paris, 12. Juli. Die gestrige Abstimmung, welche die Geschäftsumschlags' Steuervorlage zu Falle gebracht, hat die Rechte vollständig entmuthigt. Das Journal de Paris" klagt die äußerste Rechte an, für Thiers gestimmt und so dessen Steg ermöglicht zu haben. Dieses ist aber nicht der Fall, sondern dle Royalisten aller Farben, die ihre Principien der Politik nicht zum Opfer bringen wollten, stimmten für Thiers. Die Linke triumphirt selbstverständlich; die Ab- sttmmung gereicht ihr aber gerade nicht zur Ehre, da sie ihre Grundsätze zum Opfer brachte. ThierS selbst war so außer sich vor Freude, daß ein Theil seiner Anhänger sich zu ihm begab, um ihn zu ersuchen, er möge seinen Sieg nicht miß- brauchen und die Steuer auf die Rohstoffe fallen lassen. ThierS erwiderte, die weitere DiScussion könne keine Gefahr darbieten, da er unter keinen Umständen seine Entlassung nehmen werde. Mac Mahon begibt sich morgen nach Lyon, wo er als einer der Richter im Prozeß gegen den General Cremer eintreten soll.