Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen
Nr. 90
Mittwoch den 17. April
1872.
Preis vierteljährig 1 fl. 12 kr mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
ff:
Erscheint täglich, mit Aul nähme Sonntags. >
Expedition: Canzleiberf Lit. B. Nr. 1.
Bekanntmachung,
den Faselmarkt zu Bad-Nauheim betreffend.
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r , r. , Freitag den 26. Avril d. I.
abgehalten werden. r
Silbern roir uns im Uebrigen auf unsre Bekanntmachung vom 22. Februar d. I. beziehen, laden wir zu reckt zahlreicher Beibeiliauna ein f i e® blr fli0® 10 STfe72elen ^7"tniß der Laudwirthe ihrer Gemeinden Bringen.
^rievoerg, ocn iu. Apm i»72. Großherzogliches Kreisamt Friedberg.
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Bestellungen auf den Gießener Anzeiger NÄL-« «
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P s k i tifcher T h eil.
Deutschland.
Ulrichstein. Die „Frkf. Pr." blingt von hier folgende Nachricht: Wir erhalten ein deutsches Reichs-Rimonte-Depot. Der Vertrag hierüber ist von der deutschen Reichsregieruug mit der hejsischen Regierung und dem Grafen von Sülms- daubach in diesen Tagen abgeschlossen worden und langen die eisten Hunderte von Pferden am 1. Juli hier auf dem Selgen- und Wiesenhof an.
^llrmstadt, 12. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 19 enthalt:
1) Bekanntmachung Großh. Provinzialdirecticn Starkenburg, die Wahl der Geschworenen m der Provinz Starkenburg für das Iabr 1873 betreffend
2) Uebersicht der für dos Jahr 1872 von Großh. Ministerium des Innern zur Bestreitung der Communalbedürsnisse in den Gemeinden des Kreises Wimpfen genehmigten Umlagen.
. Übersicht der für das Jahr 1872 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnissen der israelitischen Religirnsgemeinden des Kreises Vilbel.
4) Uebersicht der für das Jahr 1872 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bekurfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Neustadt.
5) Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens. b) Namensveränderungen.
Fulda, 12. April. Gestern ist nachstehende Adresse an den Fürsten Bis- marck von hier abgesandt worden:
«... . DEe unterzeichneten Burger Fulda's, den verschiedenen Eonfessionen ange- horig, suhlen sich gedrungen, Ew. Durchlaucht in dem Augenblick, in welchem der dkutjche Episcopat dahier zu einer Eonferenz versammelt ist, die auch wohl eine Berathung über das SchulaussichtS. Gesetz zum Gegenstände haben wild, ihren tiefgefühlten Dank für die Durchführung dieses nach ihrer Ueberzeugung durchaus nothwendkgen Gesetzes auSzusprechen und zugleich den Wunsch hinzuzufügen, es möge Ihrer Durchlaucht vergönnt fein, noch lange die Flüchte Ihres Wirkens für Deutschlands Größe und geistige Befreiung zu genießen.
Die Adresse war mit über 300 Unterschriften bedeckt, welche der Elite der Bürgerschaft angehören.
. 12. April. In der am 12. abgehaltenen Schlußsitzung des Land'
wirthschastsrathes wurden der Antrag von Langsdorff (Darmstadt): „der Land- wirthschaftSrath wolle beschließen, den Vorstand zu beauftragen, eine möglichst voll- ständige Statistik der landwirthfchaftlichen centralisirten Vereine Deutschlands, sowie der aus öffentlichen Fonds zu Gunsten der Landwirthschaft in den einzelnen Staaten und Landestheilen gemachten Verwendungen zu veranstalten," sowie der Antrag Schulz: „der Landwirthschaftsrath beschließt, durch das Präsidium den Herrn Bundeskanzler bitten zu laffrn, dafür sorgen zu wollen, daß statistisches Material den Mitgliedern des LanvwirthfchaftörathcS von Seiten der Regierungen mitgetheilt werde, soweit dieses das staatliche Interesse nicht schädigt", dem Aus- fchusse zur Erledigung überwiesen. Die noch zu erledigende Position VIII., de- tnffenb die Spiritussteuer, wurde von der Tagesordnung obgesetzt, da es nicht möglich gewesen, genügendes Material zu sammeln. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende gab unter Rückblick auf die erledigten Geschäfte der Ansicht Ausdruck, daß diese erste Versammlung des deutschen LandwrrthschastSraths die Grundlage für eine weitere gedeihliche Entwickelung der Vertretung der land- wirthschaftlichen Interessen in Deutschland sein werde. Da diese Versammlung eine Folge der großen politischen Ereignisse gewesen, so fei es eine Pflicht des Eollegiums, denjenigen Männern zu danken, welche den Anstoß zu diesem Zu- sammenwirkcn aller deutschen Stämme gegeben, Sr. Majestät dem deutschen Kaiser und seinen erhabenen Bundesgenossen. Er brachte denselben ein Hoch aus, in das die Ver^mmlung begeistert einstimmte. Der Alterspräsident Herr v. Decken- h m rl'-c „cn* ver Versammlung dem Präsidenten für die umsichtige Leitung der Geschäfte wahrend der Verhandlungen, womit die Sitzungen des ersten deutschen Landwirthschaftsrath- geschlossen wurden.
Berlin, 13. April. Der Reichskanzler macht bekannt, daß bei Gibrauch und Abbilcung des kaiserlichen Adlers zur Bezeichnung von Waaren oder aus Etiketten die Form des Wappenschildes ausgeschlossen ist.
Wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, circulirt eine Subskriptionsliste zum Zeichnen von Geldbeiträgen sür die Familien der Vcrurtheilten Bebel und Liebknecht. Auch im Reichstagsgebäude ließ man eine solche Liste circuliren. Es befinden sich auf derselben die Namen von Mitgliedern aller politischen Parteien und es sind einzelne Beiträge zu 100 und über 100 Thaler gezeichnet worden.
Berlin, 13. April. lieber das Signiren ton Paketen ist kürzlich eine Zeitungebttannlmachung des Gcneralpcstamts ergangen und die darin getroffene Bestimmung (daß nöthigenfalls ein Paket auch ohne den Begleitbrief bestellt werden kann) bildet ein weiteres Glied in einer Reihe von Maßregeln, welche auf ein bestimmtes, durch allmähliche Uebergänge zu erreichendes Ziel gerichtet sind. Die Postonstalten sind nun angewiesen worden, darauf zu halten, daß die Vermerke über Frankirung und Vorschußentnahme auf den Signaturen der betreff. Pakete vorhanden sind. Fehlen die entsprechenden Vermerke, so ist der Einlieferer auf die Unvollständigkeit der Signatur besonders aufmerksam zu machen und die Vervollständigung entweder von Seiten der Postanstalten zu bewirken oder dem Einlieferer Gelegenheit zu geben, die fehlenden Angaben nochzuholen. „Namentlich in der ersten Zeit haben die Postanstalten sich der Vervollständigung der Signaturen bcreitwilligst zu unterziehen, eine Gebühr darf dafür nicht in Anspruch genommen werden. Auch darf kein Paket deshalb, weil etwa jene Angaben fehlen, zurückgewiesen werden." Die Beaufsichtigung der in Straßen und öffentlichen Platzen angebrachten Postbrieskasten ist den Postanstalten zu besonderer Pflicht gewacht worden, weil Fälle vorgekcmmen sind, daß aus diesen Kasten Briefe ent- wendet worden sind. Lassen sich diese Fälle, wie die oberste Postbehörde auSdrück- lich bemerkt, auch meist auf die Schuld derer zurücksühren, welche die Briefe in die Kasten gesteckt haben, indem sie nicht dafür sorgten, daß die Briefe gehörig zu Boden fielen und mit keinem Theile in der Oeffnung stecken blieben, so ist es doch Pflicht der Postverwaltung, thunlichst Vorsorge zu treffen, damit ähnliche Fälle sich nicht wiederholen.
Berlin, 14. April. Nachdem bereits im Herbste v. I. Mittheilungen eines frühkreu Fremtenlegionärs Salomon Rothschild über die angebliche Zurückhaltung deutscher Kriegsgefangener in Algier durch die Presse Verbreitung gefunden hatten, sind neuerdings ähnliche Nachrichten in den Zeitungen wieder aufgetaucht. Diese Nachrichten entbehren jedoch der thatfächlichen Begründung. Es haben die sorgfältigsten Nachforschungen in Algier, namentlich auch durch einen besonderen Agenten, stattgefunden. Diese Nachforschungen, welche auf fämmtliche Provinzen, Plätze und Gefängnisse Algiers erstreckt worden sind, haben ergeben, daß daselbst durchaus keine deutschen Kriegsgefangenen zurückgeholten werden, und daß in den Gefängnissen des Landes nur solche Fremdenlegionäre deutscher Nationalität noch detinirt sind, welche in Folge kriegsgerichtlicher, resp. gerichtlicher Verurtheilung strafen verbüßen. In der Fremdenlegion dienen zur Zeit noch eine große Anzahl von Deutschen, welche theils vor, theils nach Ausbruch des Krieges in die Legion eingetreten sind und nunmehr, dieses Dienstes müde, ihre Entlassung wünschen. Die französische Regierung hat indeß mit Bestimmtheit in Abrede grillt, daß die Einstellung Deutscher in die Fremdenlegion jemals im Wege des Zwangeö erfolgt sei. Die angeordneten Nachforschungen haben auch bestätigt, baß die Gerüchte, welche über eine solche zwangsweise Einstellung Deutscher in die Fremdenlegion wiederholt in Umlauf gesetzt worden sind, durchweg der Begründung ermangeln. Einzelne sind durch mangelnden Verdienst und in Folge dessen eingetretener Noth bestimmt worden, sich zum Eintritt in ditse Truppe zu melden, aber eine Nöthigung von Seiten der französischen Behörden hat nirgends stattgcsunden. Uebrigens hat die französische Regierung sich principiell bereit erklärt, allen auf diplomatischem Wege befürworteten Anträgen auf Entlassung Deutscher


