Ausgabe 
16.11.1872
 
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in der das Werk beginnen soll.

Denselben. Maximilian Loos, des Bürgers und Schriftsetzers, Theodor Loos, ehelicher Sohn, alt 2 I. 2 M- 11 T-, gestorben den 10. November.

Den 14. November. Marie Louise Ferber, geborne Herbert, Ehefrau des Bürgers und Magazinverwalters an der Oberhessischen Bahn, Heinrich Ferber, alt 50 I. 23 T-, gestorben den 12. November.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Kopnlirte.

Den 9. November. Joseph Otto, Bürger und Küfermeister zu Mainz, de? verstorbenen Bürgers und Lackirers daselbst, Laurenz Otto, ehelicher Sohn; und Jobannette Karoline Weidig, des Bürgers und Bierbrauerei-Besitzers, auch Mitglieds des Schulvorstandes, Andreas Weidig, eheliche Tochter.

Getaufte.

Den 10. November. Dem Bürger zu Sellnrod, Kreis Schotten, und Tag­löhner dahier, Johannes Müller IX., ein Sohn, Johannes, geboren den 20. October.

Denselben. Dem Bürger zu Bad Nauheim und Schlosser an der Main- Weser-Bahn dahier, Hartmann Babel, eine Tochter, Katharine Margarethe, geboren den 19. October.

Beerdigte,

Den 11. November. Valentin Nafziger aus Ober-Gladenbach, im Ober- Lahnkreise, alt 50 I., gestorben den 8. November.

Denselben. Elisabeth Herbert aus Watzenborn, alt 34 I., gestorben den 9. November.

Italien.

Rom. Der CardinalVicar Patrizi hatte aus den Professoren des Apolllna,- Lyceums eine Commission ernannt, welche berathschlagen sollte, ob vaS JnstitU sich den das UnterrichtSwksen regulirenden Staatsgesetzen unterwerfen solle. Die Commission hatte sich einstimmig dafür erklärt, aber der Cardinal ist dagegen und besteht darauf, daß man sich nicht unterwirft. Man sagt, daß er auf fpe» c'rllen Befehl des Papstes so verfährt, und bleibt das Apolltnar-Lyceum also geschlossen.

Der heilige Vater hat dem Könige und der Königin von Sachsen durch einen hochgestellten Prälaten, der bereits unterwegs ist, ein eigenhändiges Gratu- lationsschreiben zur Feier ihrer goldenen Hochzeit geschickt.

Amerika.

Boston, 12. Novbr. (Per Kabel.) Im Ganzen sind 930 Geschäftshäu­ser, 60 Privathäuser, 21 Banken, 46 Bersicherungö - Gesellschaften und 27 Zet, tungsburcaux abgebrannt. Von allen Seiten kommen Unterstützungen. Chicago sandte 20,000 Dollars. Die Panik im Geschäft läßt nach.

L_ _ elben. Kerl Georg Fürst, des Bürgers und Möbelfabrtkanten, Friedrich Negierung «Fürst, ehelicher Sohn, alt 1 I. 7 M. 22 T-, gestorben den 13. November.

dulden können, welche ihm nicht die Aufrechterhaltung der Ruhe sicherte. Eine Regierung, welche nur das Werk einer Partei wäre, würde nicht von Bestand sein, sie würde wie in früheren Zeiten erst die Anarchie, dann den Despotismus und endlich neue Unglücksfälle heraufbeschrvvren. Die Republik muß die Regierung sein, der Alle sich fügen, sie darf nicht die Regierung einer Partei, nicht der Triumph nur einer Klaffe der Bevölkerung sein. Zwei Jahre fast vollständiger Ruhe dürfen uns die Hoffnung geben, daß es gelingen wird, eine konservative Republik zu begründen, aber auch nur die Hoffnung, denn der geringste Fehler würbe genügen, um sie wieder verschwinden zu machen und trostlose Zustände an ihre Stelle zu sitzen. Nicht Frankreich allein, sondern die ganze Wtlt ist cd, welcher die Republik Vertrauen einflößen muß. Obgleich besiegt, zieht Frankreich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich. Diese unruhige Aufmerksamkeit ist dic Huldigung, die man dem Einfluffe erweist, den Frankreich auf die Völker auSübt. Die Behauptung, daß Frankreich isolirt sei, wird von dem Präsidenten der Republik zurückgewiesen; die Regierungen des Auslandes dächten in unserer Zeit nicht mehr daran, sich in die inneren Angelegenheiten ihrer Nachbarländer emzumischen. Es werke der Tag kommen, wo man mindestens einer moralischen Stütze bedürfe und diese finde man nur, wenn man derselben würdig sei. Die Regierungen beS Auslandes seien aufgeklärt genug, um in Frankreich nichts als das Frankreich zu sehen, wie es in Wahrheit sei. Halte Frankreich auf Ordnung bei sich, so werde es Allen Recht siin, halte es nicht blos auf O.dnung, sondern werde auch wieder stark, so werde es vor Allen denen recht sein, welche ein gerechtes Gleichgewicht unter den Machten des Erdballs hergestellt sehen möchten.Ich glaube sagen zu dürfen, erklärt der Prästvent, daß die Anstrengungen, die Frank­reich feit 2 Jahren gemacht Hai, die Achtung ihm eingetragen haben, von der ich !o zahlreiche Beweise erhielt. Frankreich ist nicht isolirt; es hängt lediglich von ihm selbst ab, sich von Freunden umgeben zu sehen, welche auf Frankreich ver- trauen und welche ihm Vorthcil bringen. Ist Frankreich unter der Herrschaft der Republik vom friedlichen Geiste getragen, so wird es Niemand von sich ab­stoßen; ist es unter der Herrschaft einer wankenden Monarchie von innerer Be- wegung ergriffen, so wird es vereinsamt sein. Alle Welt wartet darauf, welchen Tag und welche Stunde Sie wählen werden, um der Republik diese konservative Macht und Stärke zu eben, deren dieselbe nicht entbehren kann: An Ihnen ist es, die Wahl zu treffen, Sie habm die Mission, das Land zu retten, indem Sie ihm Frieden, Ordnung und eine regelmäßige Regierung geben, Ihre Sache ist es, die Stunde zu bestimmen, in der das Werk beginnen soll. Wir wollen uns nicht an Ihre Stelle drängen, aber wenn Sie zur Berathung dieser Cardinalfrage eine Commission niedersetzen, so werden wir freimüthig und mit Entschiedenheit unsere Ansicht aussprechen. Eine große entscheidende Session begannt, unser Eifer und unsere Ergcbenhtit werden nicht fehlen, um dieser Ihrer Aufgabe einen Erfolg ;u sichern, welchen Gott segnen und zu einem vollkommenen, dauernden ae- statten wolle."

ralversammlung, in welcher öffentlich gegen das Unfeblbarkeitsdogma Protest er­hoben, die CantonSregierung zur Ergreifung energischer Maßregeln, um die Ein­führung dieser Lehre in Schule und Kirche zu verhindern, aufgefordert, und den Gemeinden Starrkirch und Dulltkon die Sympathie für ihre Zustimmung zur Haltung des Pfarrers Gschwind ausgesprochen werden soll, mit Einstimmigkeit bc- schloffen. Den gleichen Schritt wird neuestem Vernehmen nach auch die Gemeinde Grenchen, das größte Pfarrdorf des CantonS Solothurn, ihn» und unzweifelhaft wird die Mehrzahl der Gemeinden des Cantons diesem Beispiele Folge leisten. Allen diesen Gemeinden und eben so auch der Regierung stellt das in Luzern er­scheinendeVaterland", das Hauptorgan der Ultramontanen in der Schweiz, wegen ihrer Auflehnung gegen die kirchlichen Behörden und gegen das Unfehl­barkeitsdogma als Mitschuldigen der Häresie des Häretikers Gschwind das Inter« dict und Exkommunikation in Aussicht. DieN. Z. Ztg." erinnert anläßlich an den sog.Pfaffenbrief" von 1370 zum Schutze der Stoatsgrundsätze gegen die Uebergriffe Der Clerlker. Damals schon beschlossen die Eidgenossen,wider alle fremde geistliche und weltliche Macht und wider alle Prtvatmacht ihre Ge­setze zu behaupten." Alle Eigenqewalt, alle Macht ausländischer Gerichte, alle hinterlistige Uebertragung eines Rechtshandels (etwa an einen mächkigeren Mann) war verboten, und wenn ein Geistlicher das Gesetz brach, war demselben aller Genuß der menschlichen Gesellschaft, Nahrung, Bekl.idung, Wohnung, Herberge, Handel, Wandel und Schirm der Gesetze versagt. Die weltliche Macht bediente sich damals auch eines Interdikts der Clerisii gegenüber.

Frankreich.

Paris. 12. Novbr. Die Interpellation Changarnier's wegen Gambetta'ö Reise durch Savoyen ist auf den Montag festgesetzt. Gz6vy wurde mit 462 von 505 Stimmen wiedergewählt, desgleichen die bisherigen Vicepräsioenten. In der Versammlung des linken Centrums, dessen Vorsitzender Chanzy bisher gewesen, erklärte dieser brieflich seinen Rücktritt von diesem Vorsitz, weil sich diese Stellung nicht mit seinem Militärposten vertrage. Zwischen der Linken und dem linken Centrum scheint sich eine Spaltung vorzubereiten.

Im Marne-Departement steht heute kein einziger deutscher Soldat mehr. Thier» hat heute dem Ministerrath seine Botschaft vorgetragen. Das linke Cen­trum rechnet darauf, daß nur 250280 Mitglieder der Versammlung gegen seine konstitutionellen Anträge stimmen würden. Die Rechte hielt gestern aber­mals unter dem Vorsitze de Larcy's Rath, und beschloß, die Bonapartisten zu unterstützen, falls diese die Negierung wegen der Ausweisung des Prinzen Napo- leon interpeüircn werden. Sie hegen zwar einen großen W.derwillen gegen den- selben, aber sie wollen für ihn eintreten, weil in seiner Person das Recht und die Freiheit verletzt worden ist. Selbstverständlich sind die Royalisten nur für den Prinzen, weil sie fürchten, daß man gegen ihre Prinzen ähnliche Maßregeln ergreifen könnte. Wahrscheinlich wird Picard an General Chanzy's Stelle Füh­rer des linken Centrums werden. Er ist ein intimer Freund von Thiers, und dieser wünscht. Heute hatten beide eine lange Unterredung mit einander. (K. 3/

Versailles, 13. November. Ueber die heutige Botschaft des Präsidenten der Republik wird ausführlicher Folgendes mitgetheilt: Die Botschaft constatirt zunächst die im Lande herrschende Ruhe und das ernste Bestreben der Regierung, der Vertretung der Nation Achtung zu verschaffen. ES wird sodann Der ganz außerordentliche Erfolg der letzten Anleihe hervorgehoben, dabei mitgetheilt, daß dir daraus erfolgten Einzahlungen den Betrag von 1750 Millionen jetzt schon erreichen, und der von der Regierung getroffenen Vorsichtsmaßregeln gedacht, durch welche einer Vertheuerung der Wechsel vorgebeugt werden soll.Wir haben, wird in der Botschaft erklärt, 1500 Millionen in Wechseln auf Deutschland, wir haben ferner Preußen bereits 800 Millionen bezahlt, wir werden weitere 200 Millionen im Monat December bezahlen, uns es bleiben uns immer noch 500

bis 600 Millionen in Wechseln zur Leistung weiterer Zahlungen zur Verfügung." Die Botschaft gedenkt demnächst des günstigen Zustandes vrr Bank von Frankreich, deren Metallvorrath 900 Millionen beträgt, verbreitet sich über den ausgezeich­neten Aufschwung, welchen der französische Handel genommen habe, dessen Umsatz im Jahre 1872 dic Summe von 7 Milliarden übersteigen werde und setzt, au die Budgetverhältniffe eingehend, auseinander, daß nur vorübergehende Ursachen in Den Steuererträgen zu einem Deficit von 132 Millionen geführt hätten. Es wird dabei hervorgehoben, daß man in Voraussicht dieses Deficite schon eine die Ausgaben übersteigende Summe in den Voranschlag aufgenommen habe; das Gleichgewicht in Einnahme und Ausgabe werde 1873 vollständig hergestellt und wahrscheinlich würden 1874 Ueberschüsse vorhanden sein. Das L.quioationsconto für die noch aus dem Kriege herrührenden Ausgaben wird unter anderen mehrere hundert Millionen erfordern, welche zu Der Wiederherstellung des Kriegsmaterials nothwendig sind. Im Ganzen Dürften etwa 700 Millionen erforderlich fein, zu deren Deckung jedoch schon ein Acttvum von ca. 639 Millionen vorhanden sei. Des neuerding- abgeschlossenen Handelsvertrages mit England wird mit großer Befriedigung gedacht, da ohne denselben es nicht möglich sein würde, mit den übrigen Mächten, mit denen Frankreich in Handelsbeziehungen stehe, ein Einver­nehmen aufrecht zu halten. Die Botschaft gedenkt alsdann des Aufschwungs, den der Credit Frankreich- genommen habe, sowie Der andern großen Resultate, welche in den letzten zwei Jahren erreicht seien und weist darauf hm, daß alles diese- nur der Aufrechterhaltung der Ordnung zu danken sei. Die Rothwendigkett, die Ordnung aufrecht zu erhalten, wird sehr lebhaft betont; die Botschaft wendet sich direkt an die Republikaner und erklärt:Sie sind es vor Allen, welche am eifrigsten die Aufrechterhaltung der Ordnung wünschen müssen. Wenn die Republik jetzt als solche sich halten kann, so werden Sie cs nur ter Aufrechterhaltung der Ordnung verdanken, lassen Sie das vor Allem Ihre Sorge sein, die Ordnung und deren Aufrechterhaltung ist das wesentliche Interesse der republikanischen Partei. Die Ereignisse haben die Republik geschaffen; den Ursprung derselben zu discutiren, wäre gefährlich und unnütz. Die Republik cxistirt, sie ist die gesetzliche Regierun^ssorm des Landes; etwas Anderes zu wollen, würde aufs Neue die furchtbarste Resolution hcrbeiführen. Verlieren wir nicht unsere Zeit, indem wir die Republik proclawiren, sondern versuchen wir, ihr das Gepräge zu geben, welche- wünschenewerth und nothwendig für sie ist. Eine parlamentarische Com- Mission würde dieser Regierungsform die Bezeichnung einer konservativen Republik geben. Bemühen wir uns, zu bewirken, daß diese Bezeichnung auch verdient wird. Die Gesellschaft wurde nicht unter einer Regierung bestehen können, welche nicht konservativ wäre. Frankreich will nicht unter beständiger Beunruhigung lrben, es will die Ruh:, um zu arbeiten, um Den ungeheueren Aufgaben gerecht! zu werden, die auf ihm lasten. Frankreich würde nicht lange eine Regierung!

der evangelischen Gemeinde zu Gießen. Gottesdienst.

Ami 7. November < Morgens: Pfarrer Landmann.

m ^covemver. * Nachmittags: Pfarr-Assistent Walz.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 17. bis 23. November 1872 besorgt Pfarrer Landmann.

Frischbscker ju Gießen.

,, Sonntag den 17. November. Karl Löber Wtttwe am Lindenplatz, Geora Busch am Kreuz und Wilhelm Hartman in der Neustadt.

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