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schäfte der Botschaft besorgen. Wir sagen „Abwesenheit", weil man hoffen muß, daß der deutsche Botschafter von den Gründen, welche ihm den Weggang von Paris wünschenswerth machen, absehen und das Werk nicht unvollendet lassen wird, welches er bis heute mit so vielem Tact geleitet hat." — Die Regierung scheint doch nicht gegen den Bischof von Nantes einschreiten zu wollen; wenigsten«, meldet die „Agentur Havas", obgleich sein Schreiben an den Kultusminister und der Hirtenbrief, den er später veröffentlicht habe, gar lebhaft gewesen seien, werde doch die Sache keine ernstlichen Folgen haben; allerdings sei eine Untersuchung in Nantes eingeleitet worden, aber nur, um die Sache zum Abschluß zu bringen. — „Bien public" zieht heute wieder gegen Gambctta zu Felde, den es auf eine etwas wegwerfende Weife behandelt, indem es sagt, der ganze Scandal, bet welchem die Regierung ganz ruhig und die öffentliche Meinung gleichzilttg geblieben sei, werde mit einigen stürmischen Kammerscenen und einigen heftigen Zeitungsartikeln seinen Abschluß finden. Zugleich zieht ein anderes öffentliches Blatt, der „National", gegen den Grafen von Paris und dessen Reisen in Frankreich los. Der Graf benehme sich ja gerade so wie Gambetta und sei eben so tadelnSwerth wie jener; der einzige Unterschied zwischen beiden sei, daß der Exdictator mehr Aufsehen mache, weil er populärer sei. Nach diesen Andeutungen zu schließen, scheint Thierö sich zwischen die äußersten Parteien stellen, d. h. den Standpunkt einnehmen zu wollen, der ihm seit einiger Zeit von den „DebatS" angerathen wird. — Heute fand die erste Sitzung des neuen OberkriegSrothes statt. Thier« präsidirte. Mit Ausnahme von Mac Mahon, der in Civil erschien, waren alle anderen Mitglieder in großer Uniform.
Paris, 11. Oct. Aussehen erregt in Paris der officielle Bruch von Thiers mit Gambetta und die Ankunft und Ausweisung des Prinzen Napoleon, die fast zu gleicher Zeit erfolgte. Der Prinz kam nämlich vorgestern auf Cerney, dem Landgute Rouher'S an, wo er aber sofort den Befehl erhielt, unverzüglich Frankreich zu verlassen, wenn er nicht wünsche, daß man die strengsten Maßregeln gegen ihn ergreife. Wie ThierS in der Sitzung der Permanenzcommisston andeutete, war der Prinz nach Frankreich gekommen, um zu Gunsten der abgesetzten Dynastie zu conspiriren. Nach dem „Soir" sollte sogar gestern in Paris eine Art von bona- partistischem Pronunciamento stattfinden. Man hätte diesen Tag gewählt, weil man gehofft, baß bei der Rückkehr der Pariser Pilger aus Lourdes Kundgebungen stattfinden würden, und man diese zum Losschlagen hätte benutzen wollen. Diese Gerüchte sind wohl in Umlauf gesetzt, um die Ausweisung des Prinzen Napoleon mundgerechter zu machen. Es besteht nämlich kein Gesetz, welches die Bonaparte« verbannt. Die royalistische Majorität der Nationalversammlung, welche die Ver- bannungSdecrete gegen die beiden Bourbonenlinien aufheben wollte, ergriff näm-
Frankreich.
Paris, 9. Oct. Das officiöse „Bien publique" sagt in Betreff der Abreise Grafen Arnim: „Während seiner Abwesenheit wird Graf WeSdehlen die Ge-
genug, sich um die Folgen ihrer Agitation nicht zu kümmern, außer nach Seiten der demonstrativen Wirkung derselben.
Aber die Regierung Frankreichs, vor deren Augen die Agitation sich vollzog; die Regierung, welche doch sicherlich in der Lage war, sich zu informiren, und deren Pflicht e« war, sich auf das Ergebniß vorzubereiten?
Run, dte Thatsachen haben gelehrt, daß sie nichts vorbereitet hatte. Tausende von Emigranten, mittellos, rathlos, betreten den Boden Frankreichs, welches sich an jede Regung ihres Herzens, ihres Geistes und ihres Charakters mit den dringendsten Mahnungen gewandt hatte, um ihren Entschluß zu bestimmen — und diese« Frankreich hatte nichts zu ihrer Aufnahme vorbereitet. Unerschöpflich ist die Phantasie der Zeitungsschreiber in herzzerreißenden Schilderungen des Abschieds der Elsässer von ihrem Heimathlande; von einem herzerquickenden Empfange derselben in dem optirtcn Vaterlande wissen sie nichts zu berichten, und die Werkthätigkeit des Mitleids muß jetzt erst durch den Deutschenhaß aufgestachelt werden!
Das ist gewiß charakteristisch und erinnert an den Leichtsinn, mit welchem Frankreich sich in den Krieg mit Deutschland stürzte, ohne auf denselben vorbereitet zu fein! Man dachte nur an den Sieg, nicht an die Leiden, welche der Krieg auch über Frankreich heraufbeschwören könnte; und man hat jetzt für die Option agitirt, ohne sich im Mindesten zum Voraus klar zu machen, welche Verpflichtungen für Frankreich daraus entspringen, welche Elemente der Bevölkerung durch die Option nach Frankreich geführt werden könnten, solche nämlich, die der Verlockung am leichtesten unterliegen, weil ihre verzweifelte Lage sie dahin gebracht hat, in jeder Veränderung eine Verbesserung derselben zu erhoffen.
Wir sind gewiß sehr weit davon entfernt, in dem ärmeren den schlechteren Bürger zu erkennen; aber die tägliche Erfahrung lehrt, wie leichtes der Verführung wird, in den ungebildeten und nothleidenden Schichten der Bevölkerung den Entschluß der Expatriirung zu reifen.
Der Hülftruf, der jetzt durch die französische Presse tönt, ist jedenfalls nach zwei Seiten hin charakteristisch. Einmal beweist er, daß die Agitation Haupt- sächlich diejenigen Kreise der elsaß-lothringischen Bevölkerung ergriffen, bei welchen die Verlockung zur Expatriirung auch allenfalls auf andere, als politische Motive gestützt werden konnte, um Erfolg zu haben; und andererseits beweist er, daß, wenn für die Expatriirung französische Sympathien entscheidend waren, diese sofort in die Lage versetzt wurden, sich davon zu überzeugen, wie übel sie ange- bracht waren.
Der Anhänglichkeit an Frankreich kam keinerlei Art von Fürsorge entgegen!
Deutschland.
Berlin, 10. Oct. Zur Verhütung der Einschleppung der Cholera aus Polen nach Westpreußen ist, nachdem, wie schon gemeldet, einzelne Cholerafälle in Thorn und Danzig durch Ansteckung polnischer Flößer vorgekommen, zu Schillno eine GenSd'armerieftation behufs der Revision der Flöße und Kähne eingerichtet worden. Zeder Verkehr mit den auf Flößen u. f. w. befindlichen Mannschaften, so wie das Auf- und Abladen von Maaren und sonstigen Gegenständen vor bc- endeter Revision ist verboten. Zuwiderhandelnde können auf Grund des § 327 des Strafgesetzbuches mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestraft werden.
Berlin, 12. Oktober. Ein Berliner Correspondent verbreitet die Nachricht, daß die Eröffnung der ReichStagSsession für den Januar in Aussicht genommen, und führt als Beweis dafür an, daß im Reichskanzleramte die nöthigen Vor- bereitungen für die Fertigstellung des Etats zu dem bezeichneten Termin getroffen werden. Wenn auch die letztere Mittheilung richtig ist, so dürfte doch die daraus gezogene Folgerung nicht stichhaltig sein. Bekanntermaßen wurde bei den Erörterungen, welche über den Termin der Einberufung in der vorigen Session des Reichstages stattfanden, auch nur auf den Monat Februar oder März hingewiesen. Ein früherer Termin mußte nothwendig zu neuen Kollisionen mit den Landtagen der verschieden Bundesstaaten, namentlich Preußens, führen. Es ist daher im Reichskanzleramte auch von feinem früheren Termin als Anfang oder Mitte Februar die Rede. — Eine Berichtigung bedarf auch die Nachricht, daß die Vorarbeiten für ein Prcßgesetz und ein Vereinsgesetz in Stillstand gerathen seien und in der nächsten ReichStagSsession wohl nicht zur Vorlage gelangen würden. Die Arbeiten haben vielmehr unausgesetzt ihren Fortgang, wie denn auch Fürst Bismarck während seiner Anwesenheit in Berlin an derselben Theil genommen hat. Die Reichsregierung geht nach wie vor mit der Absicht um, Die Vorlage dieser Gesetze in der nächsten Session zu bewirken.
Dem Bundesrath ist der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt worden, betreffend die Einführung des Reichsgesetzes über die Verbindlichkeit zum Schadenersatz für die bet dem Betriebe von Eisenbahnen und Bergwerken herbeigeführten Tödtungen und Körperverletzungen in Elsaß-Lothringen.
Trotz der wiederholten Widersprüche der „Neuen Pr. Ztg." und der konservativen kann die „D. R.-Korr." mit Bestimmtheit behaupten, daß das Gesetz über die obligatorische Civilehe noch in der bevorstehenden Session dem Landtage zur Beschlußfassung unterbreitet wird. Gut unterrichtete Personen wollen sogar wissen, daß die Vorlage sich bereits in der Ausarbeitung befindet. Wie es heißt, würde die Vorlage nur kurz sein und wenig Paragraphen enthalten, von denen die ersten beiden die Aufhebung der bestehenden gesetzlichen Beschränkungen decretiren und die nächstfolgenden drei die Norm feftfttzen, unter denen außerkirchlich eheliche Verbindungen etngegangen werden. Das Gesetz soll namentlich dadurch motivirt werden, daß die Wirren, die besonders über die katholische Kirche hereingebrochen sind und die namentlich den ultramontanen Geistlichen zu Ausschreitungen Veranlassung geben, es erfordern, daß strenge gesetzliche Bestimmungen dort Platz greifen, wo gegenwärtig noch der Willkür der Geistlichen zu viel Spielraum gelassen ist.
Berlin, 12. Oktober. Das „Mainzer Journal", bekanntlich unter dem direkten Einfluß des Bischofs von Mainz stehend, agitirt dafür, daß die neuerdings mit dem Militär - Sanitätskreuze ausgezeichneten Katholiken die Annahme dieser Dekoration ablehnen sollen, weil diese Verleihungen dieselben Unterschriften trügen, die sich unter dem Jesuitengesctz befänden.
Im Regierungsbezirke Marienwerder lst im Ganzen 27 Geistlichen das
Schulinspectorat entzogen worden, ebenso werden dort weltliche Kreis-Schulinspec- toren angestellt. Auch die Regierung zu Danzig stellt weltliche KreiS-Schulaufseher an, zu welchen Stellen erfahrene Lehrer ersehen werden.
Fulda, 11- Oktober. Wie es heißt, ist der Verfasser der zweiten Redaction
erste, schärfere Redaktion war von der Majorität de« Epi-copate« abgelehnt worden — der Bischof Ketteler von Mainz.
Gumbinnen, 12. Oktober. In dem unweit Der Grenze de« Kreise« Lyck gelegener! Orte Polnifch-Grajewo sind mehrere Cholerafälle vorgekommen.
Oesterreich.
Wien, 9. Oct. Das „N. W. Tgbl." schreibt: Wir haben vor einigen Tagen von der Seelenpein gesprochen, welche die Ausweisung der Jesuiten au« Deutschland speeiel einer glaubenseifrigen Fürstin, der Schwester der Kaiserin von Oesterreich, Fürstin Helene von Thurn-Taxis, bereitet hat, weil der strenggläubige Sinn der hohen Dame das Heil ihrer beiden Söhne nicht anders wahren zu können glaubte, als wenn dieselben der Leitung eines Jesuiten anvertraut würden. Woher aber in Deutschland jetzt einen Jesuiten nehmen? Einen offen erklärten nämlich, keinen verkappten, der sich allenfalls ohne viele Mühe auftreiben ließe. In dieser Noth, erzählte ein Correspondent der „AugSb. Allg. Ztg.", habe sich Fürstin Helene an ihren kaiserlichen Schwager in Wien mit dem Ersuchen gewendet, Kaiser Franz Joseph möge durch seine Intervention bei dem Könige Ludwig von Bayern der um das Seelenglück ihrer Söhne besorgten Mutter die Er- laubniß erwirken, trotz des Reichsgesetzcs einen AuSnahmS-Jesuiten als Erzieher auf ihrem Schlosse beherbergen zu dürfen. Weder hat der König von Bayer« sich auf Kosten des Reiches gegen die fromme Fürstin gefällig gezeigt, noch hat der Kaiser von Oesterreich sich um solche Gefälligkeit verwendet. Darum aber braucht man um da« Seelenheil der jungen Fürsten von Thurn und Taxi« durchaus nicht besorgt zu sein — cs ist der Ausweg gefunden, dasselbe trotz de« gottvergessenen Reichsgesetzes nicht zu Schaden kommen zu lassen. Wie wir nämlich erfahren, sind die beiden Prinzen in Feldkirch eingetroffen und werden im dortigen Jesuitencollegium ihre Studien fortsetzen.
Wien, 10. Oct. Die priesterlichen Kläger haben mit ihren Beleidigungs- Prozessen Unglück, nicht nur Pater Gabriel hat eine Art von Mißerfolg erlitten, sondern der Altkatholik Alois Anton hat sogar eine empfindliche Niederlage zu verzeichnen. Die Geschichte mit (einer Haushälterin, welche in öffentlicher Gerichtssitzung zugeben mußte, von Priester Anton geschwängert worben und fern von ihm Zwillinge geboren zu haben, die in Der Tauft sich in die beiden Namen ihres Vaters getheilt haben, ist für den übrigens wohlbeleumdeten Mann denn doch ein höchst unbequemes Factum, was er gewiß gern ungeschehen machen würde. Die Zeugin hat ihr Möglichstes gethan, um den Sachverhalt zu verschweigen, und erst Die eindringlichsten Ermahnungen des Präsidenten konnten sie bewegen, die Wahrheit zu sagen. Warum denn also dieser Prozeß, Herr Pater, wenn der Ausgang so compromittirend fein mußte?
Schweiz.
Bern, 7. Oct. Basel scheint von der elsässisch-lothringischen Emigration zu einem Hauptfltze auserlesen worden zu sein. Jetzt soll sogar ein elsässisch- lothringische« Lyceum dort gegründet werden, da« gleichzeitig eine Handels-, eine Industrie- und eine Schule für klassische Bildung sein soll. Nach dem soeben au-gegebenen Programme dieser neuen Bildungsanstalt wird dieselbe durch eine anonyme Gesellschaft mit einem Actiencapitale von 100,000 FrcS. in 500 Aktien zu 200 FrcS. errichtet werden. Die Anstalt selbst befindet sich zu Basel auf dem Centralplatze im Hause Nr. 6. Die Schweiz dürfte diese neue BildungSanstalt, welche offenbar den Charakter einer Demonstration gegen Deutschland trägt, auf ihrem Gebiete kaum gern sehen.
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Fulda, 11 Stober. Wie es heißt, ist der Verfasser Der zweiten Redaktion liefe, als sie die Dynastie abfttzte, keine weiteren Maßregeln gegen dieselbe, weil der von Den hier versammelt gewesenen Bischöfen veröffentlichten Denkschrift — die! sie Die Zurückberufung ihrer verschiedenen Prinzen von Bourbon zur Geltung
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