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bringen wollte. Wa« Thiers bestimmte, mit Gambetta zu brechen und dessen Rede in der Sitzung der Perwanenzcommifsion offen schlecht und gefährlich zu nennen, so erfährt man aus zuverlässiger Quelle, daß die innere Politik bet diesem Ent- schluß des Herrn Thiers keineswegs maßgebend war. Durch seinen Bruch mit Gambetta wollte Herr Thiers vielmehr dem Auslände, zumal Rußland, die ver­langte Genugthuung geben.

Bei Gelegenheit der scharfen Bestrafung der fünf Offiziere, welche dem Gre- nobler Bankett angewohnt haben, rufen alle republikanischen Blätter ins Gebächt- niß zurück, daß der Präsident des Comite'S der Festungswerke, General Ehabaud- Latour, welcher, als der Graf von Paris die Gießerei von Bourges besuchte, diesen nicht allein begleitete, sondern auch alle Offiziere der Garnison in großer Uniform nach der Gießerei befohlen hatte, um dem Erben LouiS Philippe's auf feierliche Weise zu begegnen, nicht bestraft worden ist. Rach derPatrie" hat Thiers zu den Personen, welche in seiner Abendgesellschaft vom 7. versammelt waren gesagt, daß, wenn die Deutschen Schwierigkeiten wegen der Garantien für die dritte Milliarde machen, dieses den Umtrieben der Radikalen zuzuschreiben sei.

Paris, 13. October. Der vom Prinzen Napoleon an den Präsidenten der Nationalversammlung, Herrn Grdvy, gerichtete Protest schließt, nachdem er die Ungesetzlichkeit und Grundlosigkeit der über ihn verhängten Maßregel dargelegt, folgendermaßen:In Wirklichkeit ist der Name Napoleon, den zu tragen ich die Ehre habe, mein einziges Verbrechen in den Augen der Regierung. Wenn er Argumente suchen wolle zu Gunsten der individuellen Freiheit, werde er sie zum Ueberfluffe in den Reden des Präsidenten der Republik und aller seiner Minister finden. Heute im Besitze der Gewalt, verleugnen sie die Principien der Achtung des Rechtes. Sie schließen sich der radikalen Politik an, welche durch einen Delegirten in Tours und Bordeaux angewendet und mit so großem Cynismus kürzlich in einer Rede dargelegt wurde. Die Nationalversammlung möge sehen, ob sie die Verantwortlichkeit theilen will. Ich reise mit einer Bitterkeit ab, welche ich nicht verhehlen will, und constatire, daß meine Gemahlin, welche die Jnsur- genten des 4. September respectirten, heute Frankreich zwischen Gendarmen der konservativen Republik verläßt. So wehrlos ich auch sein mag, appellire ich, der Gewalt weichend, wie immer an unseren einzigen Souverän, an das allgemeine Stimmrecht, an den nationalen Willen."

Spanien.

Madrid. Ein klerikales Blatt nimmt mit Schmerz Kenntniß von der Grau- samkeit der preußischen Regierung, welche monsennor Krementz y monsennor Ermeland zu victimas de terribles disposiciones gemacht habe. Natürlich, wenn gleich zwei Bischöfe mit schrecklichen Maßregeln heimgesucht werden, ist es viel ärger von der preußischen Regierung, als wenn eS nur einer wäre. Für die Bischöfe dagegen wirb die- angenehmer sein; denn da Monsiznor Ermeland mit ihm leidet, hat Monsignor Krementz und so umgekehrt wenigstens den be­kannten Trost der Unglücklichen: socios habuisse malorum. Doch man kann am Ende nicht verlangen, daß die spanischen Zeitungen, selbst die klerikalen, mit un- fehlbarer Genauigkeit über die Personalien des preußischen EpiScopatS unterrichtet sein sollen.

England.

London, 10. Oktober. Der Bäckerstnke hat ein Enve gefunden. Die Meister behalten das alte Brcksystem bet und die wenigen feiernden Gesellen sind reuwüthig wieder zur Arbeit zurückgekehrt. Mangel an Einigkeit und Fonds auf Seiten der Gesellen ist angeblich der Grund für das FiaSco des StrikeS.

Die Prinzessin Louise und ihr Gemahl, der Marquis von Lorne, sind zum Besuch der Königin auf Schloß Balmoral angekommen. Die Königin wird den Genannten wahrscheinlich das früher vom Prinzen Christian von Schleswig-Holstein bewohnte Fragmore-House im Windsorpark als Residenz überweisen.

Allgemeine

Rumänien.

Bucharest, 11. Oktober. Anläßlich der Sequestration der Lemberg- Czernowitzer Eisenbahn find die Moldauer Linien aus dem bisherigen gemeinsame« Derwaltuugsrathe in Wien ausgeschieden und erhalten einen eigenen Verwaltung-- rath, daffcn Amtssitz in Jassy sein wirb. Die Gerüchte, baß in Folge des Conflictes mit dem griechischen Consul in Braila eine Ministerkrisis bevorstehe, entbehren sicherem Dernehtnen nach jeder Begründung.

Local - Notizen.

Gießen, 15. October. Ein äußerst frecher Diebstahl fand am verflossenen Sonntag Abend auf dem Lony'fchen Bierkrller statt. Einem Besucher dieses Lokals wurde beim Betreten desselben die Uhr mit sammt Kette aus der Tasche gerissen. Der Thater konnte der Dunkelheit wegen nicht verfolgt werden, wurde aber am Montag Morgen von Polizeidiener Blitz in einer hiestgen Wirthschaft ergriffen, ihm daS gestohlene Objekt abgenommen und dann bei Onkel Storck sicher gesetzt. Am Sonntag Abend spielte sich allhier ein Stückchen cause celäbre ab, über dasselbe wir vielleicht später hier einmal zurückkommen. DaS Kapitel führt die Ueberschrift: Ob Herr oder Dame, oder ein Handschuhmacher auS Wien auf der Reise.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 14. October. Die Börse eröffnete die Woche bei fester Stimmung und ziemlicher Lebhaftigkeit, namentlich auf spekulativem Gebiet, wo angesichts des morgigen Medio noch zahlreiche Deckungskäufe effectuirt wurden, in Folge deren die Courfe um circa 1!>/» fl. anzogen. Im Uebrigen dürfte die Medioliquidation keine besonderen Schwierigkeiten mehr bieten,' da die Prolongation, für welche Geld zwar theuer, aber doch willig ist, grüßtentheils schon Ende vergangener Woche vorgenommen wurde. Für Bankpapiere entwickelte sich wieder mehr Kauflust langsam zwar, aber doch bemerklich. Insbesondere wurden heute Deutsche Gffectenbank und Oesterreichisch-deutsche, sowie Frankfurter Wechslerbank gern gekauft. Für erstere lagen zahlreiche Aufträge aus Süddeutschland vor, ebenso für Deutsche Vereinsbank. Auch Brüsseler wurden wieder in etlichen Posten aus dem Markt genommen. Oesterreichische Nationalbank hält sich fest auf der errungenen Höhe und Darmstädter behaupteten gleichfalls ihren CourS. Dagegen waren Pfälzer heute offerirt. In Bahnactien war wenig Geschäft, für Galizier und Böhmen, sowie Elisabeth, lagen kleinere KaufordreS vor, tangirten den CourS aber nicht sonderlich Von deut­schen Sorten waren Bayerische Oft flau, Rhein Nahe dagegen gefragt. Prioritäten leblos. Von Loosen österreichische 1860er offerirt und weichend. Oesterreichische Renten fest, ebenso Spanier. Napoleons 1 kr. billiger.

BSrsennachrlchteii.

14 Oelber 1872.

Aeilen« 5O/o östr. F. St. E. B. 353 Lombard. Bahn 2201/2 Ludwigsh.-Bexbaeh Maxbahn 143 Bayer. Ostbahn 132 Rhein-Nahebahn-Act. 563/4 Hess. Lndwigsb.-Act.-19 J/z Oberbessen 80%

Prioritäten.

30/0 öster. Stsb.-Prior. 58 3% öst. b. Lombard 51 Vs 3% Llvorneser 38 Va 5% Toscaner

5% Elisabeths-Prior. 84% do. II. Emiss. 841/4

Anlehenslooae.

Darmstädter fl.50Loose 203

» »25 553/4

Kurh. 40 Thlr. Loose Nassau 25 fl. Braunschweiger 223/4 30/a Oldenburg, ä 40Thir. 38 V4 4% bayr. Präm.-Äni. 1121/4 4% badische Loose IIOV2 Badische fl. 35 Loose 70 Oestr. fl. 250 z. 1854 881/2 1858r Prioritätslo-'fle 1860r Loose 94V2 1864r w

H eefinsel. .

Amsterdam k. 8. 98Vs f

Augsburg k. 8. 100

Berlin k. 8. 104Vs

Bremen k. 8. 175%

Brüssel k. 8. 92?/8

Hamburg k. 8. 87 Vg

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. H8I/4

Lyon k. S.

Paris k. 8. 923/-

Wien k. 8. 107

ditto m. 8. 106V4

ditto 1. 8. 106 V«

Dkaonto 5 %

Geldsorten« fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 58i/359Vi»

Pistolen . . 9 41 43

n doppelte 9 4244

Holl. fl. lÖSt. 9 5355

Ducaten . . 5 3436 t

20 Frankenst. 9 20*/221V. £ Engi. Sover. 11 4850 f

Buss. Im per. 9 4244 r Dollar in Gold 1 251/2 -261/2

Preuss. 41/zv/o Oblig. 103 Frankl. 3V» % Obi. 871/4 Nass. 4t/8o/0 Obi. 993/4 Kurhess. 4% 94V4 Gr. Hess. 5% Obi. » r> 4% 98i/8

» 3W/o 95 V8

Bayer. 5% 100

4i/8o/o 1jährige IOO1/4 * 4% 1jährige 931/2

Würtemb. 41/2% Obi. 99% Baden 4Va% Obi. 0. E. L. 993/4

Oesterr. Silberrente 65

Papierrente 603/8 Spanier, neuest. 3% 29!/8 Amerik. Bonds 1881r 985/s

p , 1882r 96 >/g

_ 1885r 9714

1887r 965/g

A eilen.

Frankf. Bank 144/2

Frankf. Vereins-Kasse 1565/s

Darmst. Bankact. 507

Wien Bankactien 988

Oest. Creditact. 358

Galizien 25 t

t ÄNzeiger.

Besondere Bekanntmachung.

Oeffentliche Aufforderung.

4787) Kaufmann Karl Fuhr dahier hat mit seinen bekannten Gläubigern eine Uebereinkunft dahin abgeschlossen, daß er sein gesammtes Vermögen an seine Gläu­biger behufs dessen Versilberung und Ver- tbeilung des Erlöses durch einen aus 3 Personen bestehenden Gläubiger-Ausschutz abtritt. Es werden deßhalb etwaige unbe­kannte Gläubiger desselben, unter Gestattung der Acteneinsicht, aufgefordert, binnen 3 Wochen ihre Forderungen anzumelden und etwaige Einwendungen gegen jene Ueber­einkunft vorzubringen, widrigenfalls dieselbe ohne Rücksicht auf sie zur Vollstreckung kommt.

Gießen, den 9. October 18/2.

Großherzogliches Stadtgericht Gießen. Dr. Muhl, Oppermann, Stadtrichter. Stadtger.-Assessor.

Versteigerungen.

Mobiliar-Versteigerung.

Nächsten Donnerstag den 17. und Freitag den 18. d. M, jedesmal von Morgens 9 Uhr ab, werden die zum Nachlaß des Gastwirths Jacob Schimpf U , Friedrichstraße Nr. 390, gehörigen Mobiliar-Gegenstände, namentlich:

1 Cassaschrank, eine große Parthie Möbel, Bettwerk, Leinengeräthe, alle Wirthschciftsgeräthschaften, eine große Parthie rothe und weiße Weine, Cham-, pagner, Branntwein, Essig, Cigarren, Stein- und Mohnöl, Fässer, mehrere

Wagen, Bohlen, Bretter u. bergt, so­dann sämmtliche Haus-, Küchen- und Kellergeräthschaften, öffentlich an den Meistbietenden gegen Baar­zahlung versteigert.

Bad Nauheim, am 12. October 1872. Großherzogliches Ortsgericht Bad Nauheim- (4785)__________Schutt._______________

4788) Samstag den 19. October d. I-,

Nachmittags 2 Uhr, soll das dem Kaufunger Stiftsfonds ge­hörige Gelände hinter der Schürz'scheu Bleiche auf 9 Jahre, sodann die demselben Fonds gehörige, 3 Morgen 118 Klafter haltende, Wiese auf dem Hamm auf 6 Jahre, unter den bei der Versteigerung bekannt ge macht werdenden Bedingungen, an Ort und Stelle meistbietend verpachtet werden-

Gießen, den 14. October 1872.

In Auftrag: Semmler, Ortsgerichtsmann.

4789) Mittwoch den 1«. d. Mts^ Nachmittags 1 Uhr, sollen an dem Volp'schen Hause auf dem Seltersweg alte noch brauchbare Fenster, Thüren, Falz- und Schildziegel, sowie altes Bau- und Brennholz k., gegen gleich baare Zahlung versteigert werden.

Feilgeboteneö.

4793) Extrafeines Birnen- Gel^e empfiehlt

Emil Fischbach, Seltersweg.

D Lager in ächt italieni- M scheu und deutschen Teigwaaren, als:

WMaccaroni, DermicelliS, H Suppcnteige, Gierge- @ müse- und Eiersuppen­nudeln.

M Parmesan- und H.Em ment Italer

H-äse.

B Thee, Vanille,

@ Chocolade, Sardellen und

WGothaer Cervelatwurst.

H Blockchoeolade, pr. Pfund 28 fr.

B Würfelzucker.

B Champignons, »Trüffeln. Sardine® B a lliulle, riiss. Sardinen, Cavlar Bund Mixed-Pickles.

B Tafelmandeln, E Tafelrofinen, Ej Ital. Haselnüsse.

4873) Die

Specerei-, Material- und

Farbwsaren - Handlung von

Emil Fischbach

in

Giessen (Seltersweg) empfiehlt sich einem geehrten Publikum bestens.

Große und kleine Rosinen,B ausges. große Mandeln,B

Citronat, Orangeat, B ganzen und gestoßenen

Zimmet, gestoßene Raffinade, Citronen, B AniSsaamen, Ammo- | nium und Pottasche.

Reinschmeckendes ^vchweineschmalr, pr. Pfund 28 fr.

Condensirte Milch.

Ital. Brünellen, getrocknete Kirschen, Acpfelspalten, ganze Aepfel, Mirabellen, Catharina - Pflaumen und tiirk. Zwetschen.

Neisstärke.

Toilette-, Bade-, Fenster- und

Pferdefchwämme

Bienenhonia, Auckersyrnp.

r Batavia-Arrac, Jamaica-Rum, Cognac, Arrac- und Rum- | Bunscli-Essenz, Malaga, Madeira, Sherry, Maraschino g; Zara, Genever, Gilkaer Getreldekünimel und Ranz.

5 wasser, Schwarzwßlder Hirschwasner, Sllhowltz

ti? und sämmtliche ächte holl&nd. JLIqueure von Wynand Focklng.