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OrelS vierteljährig 1 |L 12 h. aitt Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 ft.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Lanzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.
Rr». 242. Dienstag toi 15. Oktober LM2.
Bestellungen auf den Gießener Anzeiger gffMg XX—£anilel6(r9 a 11 aI§ au*bei aIlcn SBofb
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für das IV. Quartal zu 1 fl.
A M t i i eh H r I heil.
_ , , Gießen, am 10. Briober 1872
Betreffend: Die Einrichtung des Thierspitals an der Großh. Beterinäranstalt in Gießen.
Das G r ü y y e r - s g i i ch e K r e i s a m t Hießen
an die Großherzoglichrn Bürgermeistereien des Kreises.
Im Interesse der Ihren Gemeinden angehörigen Lanowirthe empfehlen wir Ihnen der nachstehenden Bekanntmachung die thunlichste Verbreituna au geben. - v. Röder. 6
Bekanntmachung.
Vom 1. November an werden in dem neuerbauten Thierspital dahier kranke Thiere, insbesondere Pferde, zu jeder Zeit ausgenommen, auch können daselbst, wie bisher, kranke Thiere zur Untersuchung und Behandlung vorgeführe und zur Beobachtung und Untersuchung auf Gewähr- und andere Fehler eingestellt werden. Behandlung der kranken Thiere, allenfallsige Operationen, wie z. B. Castration der Hengste, dann jede Untersuchung und endlich die Abwartung der Thiere geschehen unentgeldlich. Nur die Baarausla^en, wie z. B. für Arznei und Fütterung, werden berechnet. Doch steht es den Thierbesitzern auch frei, das vorgeschriebeue Futter in Natur zu liefern. Die Behandlung der kranken Thiere geschieht zunächst durch den Prof. Dr. Pflug unter Assistenz deS Herrn Thierarzt Frank, welcher im Thierspital Wohnung hat, um zu jeder p.eit in der Nähe der Patienten sein zu können.
In besonderen Fällen werden wir auch nicht ermangeln, den 2. Lehrer, Herrn Kreisthierarzt, Dr. Winckler, beizuziehen.
Die Wartung und Pflege der Thiere ist dem Austaltsdiener Ph. Körber übertragen.
Für anderweitige Hülfeleistungen ist dann noch ein Caudidat der Thierheilkunde in der Anstalt und hat auch der Lehrschmied Herr I. Höß in nöthigen Fällen die oben Genannten zu unterstützen.
Mit dem Thierspital steht auch eine gut eingerichtete Hufbeschlagwerkstätte in Verbindung, welche in nächster Zeit dem Publikum zur Benutzung geöffnet werden.wird, um darin Pferde und Rindvieh mit gesunden und kranken Hufen, beziehungsweise Klauen, durch den Lehrschmied Herrn I. Höß beschlagen laffen zu können. Der Tag der Eröffnung der Beschlagwerkstätte wird besonders bekannt gegeben werden.
Die Sprechstunden des Prof. Dr. Pflug sind mit Ausnahme der Feiertage in dem Thierspital Morgens von 9—10 Uhr und Mittags von 12—121/2 Uhr.
Mit diesen Einrichtungen ist unsere Bekanntmachung vom 29. October 1868 in soweit aufgehoben, als von jetzt an Niemand mehr zur unentaeldlicken Behandlung kranker Thiere außerhalb des Thierspitals verpflichtet ist.
Um unserer Anstalt eine recht häufige Benutzung von Seiten des thierbesitzenden Publikums zu sichern, werden wir gewiß Alles aufbieten, um die Heilung der uns überbrachten kranken Thiere zu ermöglichen und glauben, daß deßhalb uns Patienten und andere Thiere gerne anvertraut werden.
Die Tirection der Großh. Veterinäranstalt in Gießen.
_________________________________ Prof. Dr. Pflug.
Gefundene Gegenstande:
Ein zweiräderiges Drückkärrnchen, ein Portemonnaie mit 1 fl. 3 Pfg., ein schwarzseidenes Halstuch und zwei Schlüssel.
Zugelaufen: Ein Spitzhund von gelber Farbe.
. Die Eigenthümer werden aufgeforderr, sich binnen 3 Lochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder spater zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. 0 b
G^ßen, den 15. October 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.
________________ Nover.
P 0 lit »scher L h e i t.
Die Option
Wirst jetzt ihre SLattcn über Frankreich. Die französischen Zeitungen sind voll von rührenden Darstellungen des ZammerS, welchen die nach Frankreich emigrirten Elsässer uud Lothringer über die Grenze geschleppt haben, und diese herzzerreißenden Schilderungen, welche mit ihren Uebertreibungen natürlich nur auf französische Leser berechnet sind, welche, obwohl sie w ssen, daß das Erhaben? nur durch eine sehr schmale Grenzlinie von dem Lächerlichen getrennt ist, doch nur feiten diese scdwale Linie respectircn, sollte dazu dienen, das öffentliche Mitleid zu praktischen Aeußerungen zu bestimmen.
Daß dabei die Revanche-Politik nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst; und wahrend man die französische Generosität in den lebhaftesten Farben schildert und sich dieser Selbstbeiühmung mit um so größerem Behagen hingiebt, als dieselbe der Bethatigung durch gute Werke vorausgeht, wird die deutsche Barbarei natürlich in den tiefsten Schatten gestellt.
Das Alles sind selbstverständliche Dinge, und wir dürfen von Franzosen bei Beurtheilung deutscher Politik und deren Ruckwirkung aus Frankreich nicht erwarten, daß sie sich ter Objektivität bei der Dcurlherlung befleißigen werden, da selbst deutsche Organe, freilich auch Organe des Ultramontaniswus, die Ausführung einer Friedens-Stipulation mit t>im Vernichtungskampf ter Nordamerikaner gegen die Rothhäute vergleichen, wie erst unlängst die „Deutsche Neichszeitung" in ihrer Nr. 270 githan hat.
Für den ruhigen Beobachter giebt die Situation der ausgewanderten Elfäffer und Lothringer freilich auch sehr viel zu denken; aber er wtrb dabei zu Schlüffen kommen, die weter dem französischen Eharakter sehr schmeicheidast sind, noch ter französisch,n Nationaleitelkeit, weiche mit dem Ergebniß der Option zu prahlen liebt, einen bedeutenden Vorschub leistet.
Die französischen Zeitungen, welche das Elend der Tausenden von Emigranten schildern, für welche dos öffentliche Mitleid in Anspruch genvwmen wird, vergessen über dem Eifer, die deutsche Verwaltung der Barbarei anzuklagen, ganz und gar, daß diese Tausende, welche jetzt in Frankreich Noth leiden, diese Noth freiwillig ausgesucht haben oder durch falsche Vorspiegelungen in dieselbe verlockt wurden.
Deutscherseits ließ man den Bewohnern von Elsoß-Lothringen freie Wahl und Zeit zur Besinnung; aber wer seinen französischen Sympathien folgen wollte, konnte natürlich nicht darauf rechnen, daß ihm deutscherseits eine Unterstützung zur Ausführung seines Entschlusses oder zur Anwendung der aus denselben ent- springenden üblen Folgen gewährt werden würde.
Verhält cs sich ebenso mit Frankreich?
Hat man jetzt vergessen, welche Anstrengungen sranzösischerseits gemacht worden sind, um eine großartige Optionsbewegung in Gang zu bringen und ein Resultat zu erzielen, d.ssen man sich berühmen konnte? Wurden nicht förmliche Werbebureaix an der Grenze errichtet, pomphafte Elsaß-Demonstrationen in den großen Starten Frankreichs in Scene gesetzt, während in Elsaß-Lothringen eine wühlerische Agitation organisirt ward, welche sich hauptsächlich aus eine Vermittelung stützte, deren wirksamer Einfluß auf die unteren Klassen der Bevölkerung nicht unterschätzt werden konnte?
Haben die Anstifter dieser Agitation gar nicht daran gedacht, daß sie den Opfern derselben verantwortlich würden? Nicht daran gedacht, wie sie den 93er- heißungen, mit welchen sie die Bethörten zu einem unheilvollen Entschluß ver- leiteten, einigermaßen gerecht werden könnten?
Gcwiß nicht. Sie folgten nur ihrer Parteileidenschaft; sie waren gleichgültig gegen das individuelle Elend, welches sie erzeugten; oder sie waren leichtsinnig


