Ausgabe 
14.3.1872
 
Einzelbild herunterladen

1

1

die Regierung ju ersuchen, diejenigen Felder, auf welchen die Braunkohlenlager vollständig abgebaut sind, baldmöglichst der landwirthschaftlichen Benutzung zurück- zugeben. Zu Hauptabtheilung I1LDirekte Steuern" beschließt die Kammer, für das Jahr 1872 eine Belegung des Guldens direkten Steuer-Kapitals mit 10 Kreuzer 3J/2 Heller vorzusehen und einen Ertrag von 3,840,108 fl. 30 fr. in den Hauptvoranschlag aufzunehmen. Veranlassung zu längerer Debatte bot die PositionBrückengeld und UeberfahrtSgebühren", bei welcher die Majorität des Ausschusses beantragt hatte, für das Jahr 1872 keine Einnahme aus Brückengeld wehr im Finanzgesetz vorzusehen, dagegen bis zum Abschluß des FinanzgesetzeS eine Einnahme von 12,000 fl. Die Regierung hatte den Ansatz von 55,500 fl. proponirt, womit sich die Minorität des Ausschusses einverstanden erklärt hatte. Zunächst ergreift Fink das Wort, um sich wiederholt gegen die Erhebung von Brückengeld als eine Ungerechtigkeit auszusprechen. Wie in den früheren Ver­handlungen über diesen Gegenstand, so trat auch heute wieder der Regierungs- comm'ffär von Biegeleben entschieden für die Forterhebung des Brückengeldes ein und bezeichnet dessen Beseitigung als eine Ungerechtigkeit gegen den größten Theil der Bevölkerung des Landes zu Gunsten localer Interessen, Dumont tritt dieser Ansicht der Regierung scharf entgegen und deducirt, wie namentlich die Schiff­brücke zu Mainz ein hohes staatliches und namentlich auch ein militärisches Inter­esse habe. Röder befürwortet eine gänzliche Befreiung der Bewohner von Caste! und Kostheim vom Brückengeld refp. dessen weitere Ermäßigung und Edinger spricht für gänzliche Beseitigung der Abgabe als einer ungerechten Besteuerung der Ar­beiterbevölkerung. Nachdem sich wiederholt der RegierungScommiffär, sowie die Abgg. Wernher und von Löw für Beibehaltung des Brückengeldes ausgesprochen, verwirft die Kammer den Antrag der Majorität dcS Ausschusses und nimmt als Einnahme aus dieser Abgabe 55,500 fl. in den Hauptvoranschlag auf.

Frankfurt, 12. März. Abermals ein Unglück durch Einsturz. Heute Morgen stürzte der Schacht, welcher zum Einlaß der Auswurfstoffe dcS Schepeler'schen Hause- am Roßmarkt in den städtischen Canal angelegt wurde, zusammen und begrub drei Arbeiter. Augenblicklich (9 Uhr) ist man noch mit den Rettungs- arbeiten beschäftigt. (Nach neueren Nachrichten sind alle drei glücklich gerettet.)

Berlin, 12. März. Der altkatholische Pfarrer Kaminski aus Kattowitz hatte am Montag Mittag eine Audienz beim Cultusminister, um bei diesem für die staatliche Anerkennung seiner Gemeinde, zu wirken.

Berlin, 13. März. Die Nachricht, daß die beiden Häuser des Landtages während der ReichstagSsession vertagt werden sollen, wird competenterseits als unrichtig bezeichnet. Dagegen wird behauptet, daß die Einberufung des Reichs. tageS noch hinausgeschoben sei.

Berlin, 13. März. Herrenhaus. Auf die Interpellation des Grafen Münster, ob die Regierung die Herstellung des Kaiserhauses zu Goslar beabsichtige, ant­wortet der Cultusminister, die Regierung werde den Ausbau unternehmen, lieber Vie Anfangszeit der Ausführung schweben Verhandlungen, worüber später Mit- theilungen erfolgen sollen. Die Gesetze über die Ausdehnung der Deichwesen- Vorschriften auf Schleswig-Holstein und die Todes-Erklärung der Vermißten wer­den angenommen.

Insterburg, 11. März. Der Probst Dinder zu Königsberg hat den katho­lischen Pfarrer Grunert wegen Nichtunterwerfung unter das Dogma der Unfehl­barkeit auf bischöflichen Befehl seines Amtes entsetzt.

Leipzig, H. März. Vor dem hiesigen Bezirksgerichte begannen heute die Schwurgerichtsverhandlungen gegen Bebel, Liebknecht und Hepner, welche wegen Vorbereitung des Hochverraths angeklagt sind. Liebknecht ist außerdem noch wegen Beleidigung des deutschen Kaisers unter Anklage gestellt. (Liebknecht ist ein ge­borener Gießener. Red.)

Karlsruhe, 11. März. Abgeordnetenkammer. Die von verschiedenen Ab­geordneten eingevrachten Gesetzvorschläge, betreffend die Untersagung der öffent­lichen Lehrwirksamkeit der Mitglieder religiöser Orden oder ordensähnlicher Congre- gationen und Abhaltung von Missionen durch Mitglieder religiöser Orden, wur­den, nachdem die Regierung ihre Zustimmung erklärt hatte, mit großer Majorität angenommen.

Straßburg, 9. März. DieStraßburger Zeitung" schreibt: Verschiedene Blätter bringen eine dem MünchenerVolksboten" entnommene Nachricht, wonach der preußische Gouverneur von Straßburg den hochwürdigsten Bischof Andreas durch einen seiner Adjutanten mündlich ersucht hätte, am 22. März zur Feier des Geburtsfeste- des Kaisers einen Fcstgottesdienst in der Diöcese anordnen zu wollen. Der greise Prälat soll sodann dieses Ansinnen mit dem Bemerken abgelehnt Haden, unter den obwaltenden Verhältnissen könne dies nicht geschehen, denn es sei zu befürchten, daß TagS vorher sonst alle Kirchen in Flammen aufgehen würden. Der Sachverhalt des Vorganges ist in dem Obigen durchaus unwahr dargestellt, und geben wir den richtigen dahin, daß die Verhandlungen zwischen dem Bischof und dem Gouverneur persönlich geführt wurden; sie bezogen sich allein auf die Abhaltung eines Festgottesdienstes am bevorstehenden 22. März für die katholische Militärgemeinde Straßburgs im dortigen Münster, und stellte der Herr Bischof das Munster zur Abhaltung dieses Gottesdienstes auf das bereitwilligste und freundlichste zur Verfügung.

Oesterreich.

Wien, 10. März. DieNuova Roma" meldet, ungeachtet aller Dementis, von eifligen Unterhandlungen des päpstlichen Stuhles mit Oesterreich wegen Fort­setzung des in Rom abgebrochenen Concils in Trient; doch scheint die österreichische Regierung, ohne geradezu abzuweisen, den Vorschlag nicht sonderlich günstig auf- genommen zu Haden.

Wien, 10. März. Das Ministerium AuerSperg-Lasser-Stremayr tritt in der Altkathoiikcnfrage Den Rückzug an. Die Verordnung der k. k. Statthalterei von Oberösterreich, durch welche Den Rieder Altkatholiken der öffentliche Gottes- dienst unterlagt wurde, ist zurückgenommen worden. In Wien setz-n die Altkatho­liken die öffentliche Ausübung ihres Cultus in der RathhauSkirche fort. Indem die Regierung dies gestattet, erkennt sie eo ipso an, daß die Altkatholiken schon eine gesetzlich anerkannte Religionsgenossenschaft sind, denn nur eine solche darf nach Den Staatsgrundgesetzen öffentlichen Gottesdienst halten. Damit ist aber dem ministeriellen Rundschreiben (vom 20. v. M ) gegen die Altkatholiken das Fundament entzogen. Der Gemeinderath von Warnsdorf in Böhnern hat gegen die ministerielle Entscheidung, daß die Kinder altkatbolischer Elt.rn zur Theil- nähme an dem von Unfehlbarkeitspriestern ertheilten Religionsunterricht verpflichtet seien, Protest erhoben und die Anstellung eines altkatholifchen Religionslehrers an der städtischen Volksschule beschlossen. (5-3)

Schweiz.

Bern, 12. März. Der Bundesrath sendete auf die Gerüchte, daß in Tessin Nathan eine neue Bande zum Eintritt nach Italien werbe, den Justizdepartementö- secretär Trasel zur Jnsormirung an Ort und Stelle. Bis jetzt Haden sich die Gerüchte als übertrieben erwiesen.

Belgien.

Brüsiel, 8. März. Der hiesige Asstsenhos hat die Verhandlung über die gegen einen der Obern des Brüsseler Waisenhauses, der Kongregation des heiligen Joseph angehörig, angestrengte Klage geschloffen. Derselbe hatte die ihm anver- trauten taubstummen Zöglinge auf Die schändlichste Weise gemißbraucht. Die Ge­schworenen beantworteten sämmtliche ihnen vorgelegten Fragin bejahend. Pater Guedon wurde zu 15jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt, für eine Dauer von 10 Jahren unter die besondere Aussicht Der Polizei gestellt unD auf immer seiner Bürger- und sonstigen Rechte verlustig erklärt.

Brüssel, 13. März. Man schreibt DerJndepenDance" aus Paris: In Folge von Vorstellungen aus Berlin sind Die FortificationSarbeiten, Die in Den zuletzt von Den Deutschen geräumten Provinzen stattfanden, sistirt worden. Russische Agentm unterhandeln hier mit den Chefs Der polnischen Emigration. Jrn Falle Des Gelingens Dieser noch nicht bekannt gewordenen Verhandlungen erläßt Rußland eine Generalamnestie.

Frankreich.

Paris, 13. März. Thiers empfing gestern den neuernannten Gesandten bei Der italienischen Regierung, Herrn Fournier, welcher Diese Woche nach Rom ab­gehen wird. Nachrichten aus Rom bestätigen, Daß Der Papst entschlossen sei, in Rom zu bleiben.

Italien.

Rom, 11. März. AbgeorDnetenkammer. Eine Anzahl Deputate aus allen Fraktionen Der Kammer stellen Den Antrag, Die Kammer möge ihren lebhaften Schmerz anläßlich Des Todes Mazzini's ausDrücken. Der Antrag wirD einstimmig angenommen, nachdem Der Präsident Die Verdienste Mazzini's als Schriftsteller und Patriot, sowie als eifriger Beförderer Der Einheit unD Unabhängigkeit Italiens hervorgehoben hat.

England.

London, 9. März. Die Politik, welche die preußische Regierung mit Dem Schulaufsichts-Gesetze verfolgt, und Der große Sieg, Den sie im Verein mit Der freisinnigen Mehrheit Der LanDeSvertrttung über Das feuDal-ultramontan-polnifche BünDniß Davongetragen hat, finDet hier zu Lande fast ohne Ausnahme eine theil- nahmvolle Begrüßung. Fürst Bismarck,Der ein Thurm war in Der Schlacht", welche jetzt gegen Die WiDersacher des Deutschen Reiches gewonnen worden, hat nach mancher Seite hin einen schweren Stand gehabt, ehe er Diesen seinen par­lamentarischen Feldzug eröffnen konnte.Aber Die Folge Des bedeutsamen Er­eignisses" sagt der Economistwird eine Verstärkung der Lebenskraft unD also auch Der Macht Des parlamentarischen Systems in Preußen, ja, in Deutsch­land sein. Es ist klar, Daß eine Niederlage BiSrnarck'S seinem Rücktritte gleich- zuachten gewesen wäre. Die Mitglieder DeS Landtages fühlten Daher, daß sie eine große Macht, eine Macht von europäischer Wichtigkeit, in ihrer Hand trugen, und nichts kräftigt ein Parlament mehr, als das Bewußtsein Der Macht, einen fast für unentbehrlich gehaltenen Mann entlassen zu können. Zu gleicher Zeit aber ist in Betracht zu ziehen, Daß Bismarck hauptsächlich durch seine eigene Tüch- tigkeit im Landtage triumphirt, und nichts stärkt wiederum die Vorliebe eines StaatSmanneS für ein großes Machtwerkzeug, als Das Bewußtsein, Dasselbe hand­haben zu können. Ohne anzunehmen, daß ein Mann Der Willkür sich im Hand­umdrehen zu constitutionellen Ideen bekehrt hätte, Darf man Doch voraussetzen, daß Bismarck sich mehr unD mehr auf Die LandeSoertretung stützen wird, und ein Minister, Der sich auf fein Parlament verläßt, wirD seine Politik stets mehr oDer minder nach Den Ideen Der parlamentarischen Mehrheit gestalten.*

Amerika.

Newyork, 12. März. Die Republikaner siegten bet Den Wahlen in New­hampshire. Die russische Flotte ist gestern aus Der Havanna nach Rio De Janeiro gesegelt.

Local-Notiz.

Gießen, 14. Marz. Künftigen Samstag wird Herr Massa, Professor der Physik und indischen Magie, welcher seither fast in allen größeren Städten Deutschlands so großen Beifall erntete, dahier eine Vorstellung in der natürlichen Magie geben. Herr Massa, welcher zum erste» Male bei uns auftritt, hat sich bereits in vielen Landern das Renommee eines auSgezefchneten Künstlers sowohl in den höchsten Cirkeln als auch bei allen seinen öffentlichen Vorträgen erwor­ben und durch die von ihm bereiteten Ueberraschungen und reichliche Abwechslung seiner Tausevd- künstlereicn überall die lebhafteste, beifälligste Anerkennung und den rauschendsten Beifall erhalten, denn derselbe versteht eS vollkommen, angenehm zu unteihalten und seine Herereien so zierlich, nett und sicher zu machen, daß man versucht ist, ibn für einen Zauberer zu halten. Nach eine« Wiener Blatt wußte Herr Massa durch seine Leistungen so sehr zu fesseln, daß er dort 92 Vor, stellungen geben konnte, waS aufs deutlichste seine vollkommene Sicherheit, außerordentliche Ge­wandtheit und wahre Originalität in den Gskamotagen bekundet, er wird auch hier eine höchst willkommene Erscheinung sein.

Vermischtes.

Ladenbnrg, 6. März. Bald nachdem der heutige Schnellzug aufwärts hiesige Haltstelle verlassen batte, gewahrte man auf dem Bahnkörper zwischen hier und FriedrichSfeld ein Kind herumlaufen. Auf die Frage des ihm entgeqeneilenden Bahnwärters, wo es herkomme, antwortete eS:Aus Amerika". Und wo willst Du hin?Zur Großmama". GS stellte sich nun heraus, daß der Kleine, welcher die Reise von Amerika hiehec mitmachte, während deS dahinbrausende» Zuges sich dem Thürfe.ister näherte, die nicht verschlossene Thür sich durch das Anlehnen öffnete und das Kind hinauSfi,l, ohne irgend Schaden zu nehmen. Nach kurzer Zeit kam der Vater, welcher in FriedrichSfeld auSgrstiegen, todtenblaß daher geeilt. Als das Kind seiner ansichttg wurve, sprang eS ihm freudig entgegen.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 13. März. Die gestern und vorgestern constatirte Lustlosigkeit der Börse auf speculativem Gebiet nahm heute noch größere Dimensionen an und verwandelte sich so zu sagen in Avalhie, so daß die Course sämmtlicher Speculationseffecten bei ganz darniederliegende« Geschäft die rückwärts gerichtete Bewegung weiter verfolgten. Creditactieo, obwohl mehrfach

^rad)t- OberhesW f Formular«

zi°ck»rt°-

***%»Mv *

-

X*U® fr -

Bank KUtW®

liebt, bts^'

#«.»***

Besonne 5 Ochntiich 1281) Erbans, den Nachlaß der hier ledig verstoi Küttig von Glc Lagen bei unterz zu machen, wibrii Mus überwieset Gießen, den 8.

Großherzoglic Dr. Muhl Sladtrichte

Setav

1301) Jm F zeichneten Gerich trag vollzogen n

Löse frfbft feit 1 tyini .Moses Löser' Mast und einen' Ehesrau Settch und dem Lev

und yroax ^ebe

Girsten, den

Großherzog _____________Dr, i

1236) B können Ka Linsen an;

Gießen, bei Großherzoglilt

<8

DvlNM 1290) Der in ^nbera tzelrtz Camnalsiscus^ Zwischenbau i - 511,35 u

d-rP-rz-üm, 0Nt||e unt W einem Flc iufammen 133 S?en siscal. S; «Äon- Witter MM &nb Men 2°ß und bei Wlieaenb

üotn"

N erste/

Witb J StP