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ja mit (Ute erneuter Kraft hervorgegangen ist. Und in Spanien und Portugal gar sind die reformatorischen Leistungen des weisen Earl III. und des gemalt- thätigen Pombal bi« auf die letzten Spuren verwischt worden. Alle jene Neuerer, so energisch ste auch die Rechte de« Staate« gegen die Kirche zur Geltung brachten, hatten doch unbedingt an dem Kirchenprincip festgehalten; ste hatten die Auf- klärung befördert, aber den heilsamen Gährung-stoff de« Protestantismus mit aller Strenge ferngehalten. Trotz aller Aufklärung kannten sie nur da- katholisch- romanische Eultur-, Staat«, und GesellschastSideal, das, sobald sie ihre Augen geschloffen halten, ihre Werke überwucherte und in seinen Umschlingungen erstickte.

Und die« durch und durch romanisch gefärbte und sich dadurch mit seinem eigenen Princip in Widerspruch setzende Kirchenthum, das den Staat als eine der kirchlichen Gewalt untergeordnete Macht betrachtet, tritt jetzt, innerlich fester zu- sammengrschlossen al« jemals in früherer Zeit, von Neuem auf den Kampfplatz, um auch da« Germanenthum dem romanischen Staats- und Kirchenprincip zu unterwerfen. Die ideale Katholicität früherer Jahrhunderte ist zu einem politisch- kirchlichen Spstem jusammengeschrumpst, das von der christlichen Religion nur den Namen geborgt hat, zu dem Wesen de« Chnstenthum« aber im schroffsten Gegen- satz steht. Die« System hat da« deutsche Reich jum Kampfe herau-gesordert, weil es weih, daß diese« Reich allein im Stande ist, seinen Ansprüchen auf Welt­herrschaft Schranken zu setzen.

Aber da« deutsche Reich vermag mehr: es vermag den HerrschastSgelüsten der Kirche Widerstand entgegenzusetzen, und doch zugleich der Kirche Raum zu freier Entwicklung innerhalb der Grenzen ihrer Befugnisse zu gewähren. Da« vermag kein romanischer Staat, wenigsten- nicht in dem Entwicklunglstadium, in Welchem sich die romanischen Staaten gegenwärtig befinden. Dir romanischen Staaten vermögen Wohl, nach der einen Seite die Kirche zu bedrücken, besonder« wenn fi-calische Rücksichten die« gelegentlich wünschenswerth machen, aber nur, um andererseit« ihr gesammte« (Kulturleben um so unbedingter dem kirchlichen Joch« zu unterwerfen und den kirchlichen Einflüssen die Herrschaft im Staate zu gestatten.

E« wäre rin unermeßlicher Fortschritt, wenn durch diesen Kampf de« Ger- manenthum« gegen den herrschsüchtigen UliramontanismuS auch in Italien, das politisch Deutschland so nahe getreten ist, da- Bewußtsein des Gegensatzes, in dem der moderne Staat zu dem jesuitischen Kirchenthum steht, geweckt würde. Bis jetzt bewegt sich Italien in seinem Kampfe gegen den Papst al- weltlichen Herr­scher Rom« noch durchaus auf der romanischen Linie. Aber die Zeichen mehren sich, daß die erleuchteten Geister auch jenseits der Alpen sich der tiefen Bedeutung de« in Deutschland entbrannten Kampfes bewußt werden, daß ihnen eine Ahnung aufgeht von der Kraft und Tiefe des germanischen StaatSprincip«. Es sind dies allerdings noch vereinzelte Symptome einer beginnenden Umwandlung, die wir aber auch in ihrer Vrrctnzeltheit freudig zu begrüßen haben. Romanisches Kirchen- thum, romanische« StaatSprincip, romanische Rucensolidarität hängen eng zusam men. Will Italien sich zu einem kräftigen Nationalstaat auSgcstaltcn, so mu \ es mit der Naccnsolidarität, die der Feind der nationalen Selbstständigkeit ist, brechen, und das vermag cs nur, wenn c« innerlich mit dem romanischen Kirchen­thum bricht. Die« sich selbst und ihrem Volke zu immer klarerem Bewußtsein zu bringen, da« schein« un« gegenwärtig die höchste und lohnendste Aufgabe der gebildeten und einsichtsvollen italienischen Publicistik.

Deutschland.

Friedberg, 11. Juni. Heute Morgen 91/a Uhr traf S. K. H. der Groß­herzog zu einem längeren Aufenthalt dahier ein.

Frankfurt, 12. Juni. Der Kronprinz von Italien mit Gefolge ist heute Morgen hier eingetrvffen und imRussischen Hof" abgestiegen. Der Prinz be­absichtigt, einige Tage in unserer Stadt zu verweilen.

Berlin, 11. Juni. Unsere Leser wissen bereit«, daß seit etwa acht Tagen zwischen dem deutschen Reich und Frankreich wegen früherer Räumung de« noch vccupirten französischen Gebiets Verhandlungen im Gange sind. Zur besseren Orientirung wollen wir nur noch hinzufügen, daß die Vorschläge des Hrn. Thiers am 6. d. M. dem auswärtigen Amte zugegangcn sind und daß eine Rnckäußerung deutscherseiis bereits erfolgt ist.

lieber den katholischen FeldzugSplan gegen die Amtssuspension des Feld- Propstes Namszanowski verlautet Folgende«: 1) Der Papst wird in einem offi- ciellen Actenstücke die dem Feldpropst Namszanowski verliehene Bischofswürde in Schutz nehmen; 2) eine demnächst abzuhaltende Bifchofscoirferenz in Fulda wird eine Denkschrift an den König entwerfen, in welcher sie Verwahrung gegen die Maßregelung de« Bischofs durch die Militärgcwalt einlegen wird; 3) die Een- trumsfraction im Abgeordnetenhause soll eine Interpellation an den EultuSminister Dr. Falk richten, in welcher sie Auskunft über die Tragweite der Beschlüsse der StaatSregieiung gegen den Bischof von AgathvpoliS verlangt; 4) wirb ein Adrcss-n strvm nach dem Muster der Petitionen gegen das Schulaufsichtsgesetz und gegen die Austreibung der Jesuiten arrangirt, welcher dem Feldpropst Namszanowski den Beweis oblegen soll, daß er durch sein Verfahren die Interessen der kalholi- schcn Kirche gewahrt hat.

Berlin, 12. Juni. In der Sanct-Juan-Angelkgenheit läuft bekanntlich der Termin für die Ueberreichung der beiterseitigen RrplikiN am 17. d. M. ab und hat, wie dieK. Z." von hier erfährt, der britische Botschafter die Replik seiner Regierung bereits am 10. Abends übergeben. In Folge dessen sollte der ameri- konische Gesandte, Herr G. Bancrost, seine Gegenantwort gestern Mittag dem Kaiser überreichen. Die Entscheidung wird voraussichtlich bald erfolgen.

Köln, 9. Juni. Wie dieRhein. Ztg." schreibt, ist dem katholischen Mi­litär eröffnet worden, daß es die Befriedigung seiner religiösen Bedürfnisse in den hiesigen Pfarrkirchen nach seiner Wahl suchen möge. Die Kapelle der Pantaleons- kirche, sowie die Sakristei, welche der suSpendirte Mililärgeistliche, Pfarrer Lünne- man», bisher inne halte, sind der ailkatholifchen Gemeinde zur Benutzung ringe räumt worden.

Pose», 9. Juni. In unterrichteten katholischen Kreisen verlautet, daß der Feldpropst Namszanowski vom Papste unter Anerkennung feiner Haltung zum Thronprälaten ernannt sei. (Sp. Z.)

Geldern, 9. Juni. Der Dechant und Militär-Seelsorger Brüel dahier hat sich geweigert, die Weihe der mit dem Eisernen (kreuze decorirten Fahnen vorzunebmen, und die«, nach derFzkf. Ztg.", folgendermaßen motivirt:

1) Die Einweihung habe ich nicht abgelehnt, vielmehr habe ich mich recht-

eitig bemüht, eine Instruction zu erhalten, die in Bezug hierauf vom hochwürdig- :cn Herrn Armeebijchos erlassen wäre. Aus Gründen, die mir unbekannt sind, Hieben diese Bemühungen zu meinem Bebauern erfolglos. Daß ich, um correct u verfahren, zur Vornahme eines solchen außergewöhnlichen Actes einer besonde- en Instruction von der für mich als Militär-Seelsorger kompetenten Behörde ikdurste, hat der hochwürdigste Armeebischof in einer schon früher an mich er­gangenen amtlichen Erklärung ausgesprochen, von der die hiesige Militärbehörde Kenntniß hat. 2) Von der Militärbehörde beziehe ich keine jäh liebe Remuneration.

Doch will ich bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß ich in jüngster Zeit aus Antrag de« hochwürdigsten Herrn Namszanowski vom hohen Kriegs- Ministerium eine einmalige extraordinäre Remuneration erhalten habe."

Dresden, 11. Juni. DemDresd. Journ." zufolge ist tie Abreise des Kronprinzen Humbert auf heute Abend festgesetzt. Derselbe begibt sich von hier zunächst nach Leipzig. Die Kronprinzessin wird noch einige Zeit in Pillnitz ver­weilen.

München, 11 Juni. Der Magistrat hat in der Universitäts-Angelegenheit beschlossen, dem Antrag der Gemeindebevollmächtigtcn hinsichtlich der Betheiligung an der Jubiläumsfeier der Universität beizutreten und sich deshalb an den Senat Der Universität mit der Frage zu richten, ob überhaupt Feierlichkeiten statifinden, wann sie stattsinden und welche bestimmte Feierlichkeiten in Aussicht genom­men sind.

Hagenau, 10. Juni. In einem Eirrularschreiben an die Maires des Kreises vom 18. Mai theiit der Krei«bireetor Sittel den Letzteren mit, daß laut Ver­tagung de« Oberpräsidenten die Geistlichen in gleicher Weise wie die Maires mit Der Beaufsichtigung der Schulen durch das Gesetz beauftragt sind und denselben fortan dieses Beaufsichtigung-recht einzuraumen ist. Namentlich sind dieselben von den Maire« zu den Entlassungsprüsungen einzuladen, und es bleibt nicht, wie es früher angemeldet war, den Maires überlassen, ob sie dieselben zur Prüfung ein- laden wollen oder nicht. (Straßd. Z.)

Oesterreich.

Wien, 10. Juni. Vom auswärtigen Amte werden die Hofräthe Teschen- berg und Wohlfahrt, von der kisleithanischen Regierung Hosrath Schmidt, von Der ungarischen Regierung Die Räche Fabieyi, Jckelsalussy nach Berlin entsendet werden, um dort in Betreff der Internationale und deren Bestrebungen Be- rathungcn zu pflegen.

Schweiz.

Bern, 11. Juni. Von den durch die Jnternirung der französischen Ost­armee eni|lanCencn Kosten sind Der BunDeSregierung weitere zwei Millionen Durch die französische Regierung erstattet worden. Die Zahlung des Restes von 2,200,000 grS. ist demnächst zu erwarten.

Frankreich.

Paris, 10. Juni. Der Tempo macht zu Den Ausfällen Der ultramontanen Blätter gegen Die Reise des Kronprinzen von Italien nach Berlin Die Bemerkung: Indem unsere Devoten verlangen, daß Frankreich sich >n Europa zum Ritter der weltlichen Gewalt Des Papstes und als Vertreter Der ultramontanen Ziele auf­werfen solle, oder schon indem sie sich in kindischen Ausfällen gegen Italien er­gehen, merken sie nicht, Daß sie uns nicht bloß Die Sympatbicen Dieser Macht ent­fremden , Daß sie Dieselbe nicht bloß vollständiger in Deutschlands Arme treiben, sondern daß sic Dieselbe auch dahin bringen, dort gegen uns und unsere Drohungen Hülfe zu suchen. Wenn die religiöse Partei Erfolg in diesen Bestrebungen hätte, so würde sie in dem italienisch-deutschen Bündnisse als Ziel Frankreich« Nieder­lage aufnölhigen und unsere Politik zu Kundgebungen zwingen, Die zur Ohnmacht verdammt wären, und sie würde un« zu den schon erlittenen Demütigungen neue hinzu verschaffen. E« ist schon peinlich, über dergleichen nur ein Wort verlieren zu müssen..... Lassen wir es uns gesagt (ein: in allen Fragen, welche im

jetzigen Augenblicke Die devote Partei auSwtrbeit, handelt et sich für Frankreich um nichts Geringere« als um den Bruch mit den Ueberlieferungen Der Revolu­tion, um zu jenen Der Staatsreligionen zurückzuführen und es so zu Der schlimm­sten Jsolirung und Dem unvermeidlichsten Verfalle zu verdammen."

Versailles, 10. Juni. Nationalversammlung. Fortsetzung Der Bcrathung DeS Kriegsdienstpflichtgesetz<S. Eharertton, Guillemaut und K>ller sprechen sich für Die vierjährige, Ehangarnier, Ehasseloup-Laubat für Die fünfjährige Dienstzeit aus. Thier« stellt in Erwiderung Laoergne's in Abrede, Daß zu große (Kontingente Den Aufschwung Der Bevölkerung hinDcrn. Er sagt, eine Dienstzeit von weniger als 5 Jahren würde Die Einreihung in Die Caores unmöglich machen. Er weist in lebhafter Weife eine Dienstzeit von vier Jahren zurück unD bezeichnet dieselbe Ol­eine Thorhelt. Er könnte Der Ausführung eines solchen Gesetzes nicht zustimmen unD wäre genöthigt, sich zurückzuziehen. Er erneuert beiläufig seine Erklärung, daß Die Politik Frankreichs eine friedliche sei. (Lebhafte Bewegung.) KerDrel verlangt Die Verschiebung Der Berathung auf morgen, in Erwägung, Daß Die Worte Thiers' eine unmögliche Situation für Die Versammlung geschaffen hatten. ThierS hingegen verlangt sofortige Abstimmung, worauf Die Versammlung DaS Amendement aus vierjährige Dienstzeit mit 495 gegen 59 Stimmen verwirft.

Versailles, 11. Juni. Nationalversammlung. Nach beendigter DiScussion über Den Artikel 37 Des Militärgesetzes werDen alle zu Dem Artikel gestellten AmenDemcnts zurückgezogen oder verworfen und Derselbe in Der Fassung Der Vor­lage angenommen. Der Artikel bestimmt also: 5 Jahre Dienst in Der aktiven Armee, 4 Jahre Dienst in Der Reserve Der activen Armee, 5 Jahre Dienst in Der Territorialarmee, 6 Jahre Dienst in Der Reserve Der Territorialarmee.

Spanien.

Im Congresse wird die ADreßdedatte fortgesetzt. Herr Castelar beklagt Die Abwesend it jeDeS moralischen Gefühls, Die er Den politischen Eaparitäten zum Vorwuif macht, unD erblickt Darin die Ursache aller Uedel, welche das Land heim­such n. Er tadelt das Rundschreiben hinsichtlich der Internationale und Der« theidi t Die Freiheit Der GemeinDen unD Die indtviDuelle Verantwortlichkeit. Der Senat hat Den Antrag auf Billigung Der HanDlungSweise Serrano'ö trotz einer Neve Herrera's Dagegen angenommen. Aus Vitoria melDet man Der Echeranza vom 7. D. M.:In unserer Provinz existiren zwei BanDen, jeDe 3500 bis 4000 Mann stark, unter Der Führung von Velasro und Barana. VelaSeo erklärte in einer Ansprache an seine Soldaten, Daß er Jeden beim geringsten Verdachte von Verrath erschießen lassen werde und Die ©einigen zu demselben Vorgehen ihm

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