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Börsenberichte

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Bautzen, 12. März. Heute früh flogen die Stampfwerke der hiesigen Pulverfabrik in die Luft, wobei zwei Arbeiter ums Leben kamen und einer ver­wundet wurde.

München, 8. März. Es geht das Gerücht von der Verlobung des Königs mit der preußischen Prinzessin Marie, Tochter des Prinzen Friedrich Karl.

(Bayer. VolkSztg.)

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Oesterreich.

Pesth, 8. März. Eine Probe von den parlamentarischen Unterhaltungen, mit denen das Abgeordnetenhaus sich die Zeit vertreibt! Die gestrige Abend- sitzung begann um 5 Uhr und dauerte bis IV2 Uhr. Der Schluß verlief fol­gendermaßen:

Johann Vidliczkay beginnt über die Theorie der Majorität zu philosophiren. (Minister Toth verläßt den Saal.) Ich bitte den Herrn Minister, nicht wegzu- gehen! Ich spreche zu Ihnen!

Minister Toth: Beruhigen Sie sich! Ich komme wieder! (Er verließ den Saal.)

Johann Vidliczkay stemmt die Arme in die Seiten und steht mehrere Mi­nuten laug schweigend da.

Präsident: Entweder sprechen Sie oder setzen Sie sich nieder!

Vidliczkay: Ich habe zum Minister zu sprechen und er ist nicht da! Es ist nicht schon, daß Sie dort drüben bei so wichtigen Debatten den Saal verlassen. (Große Heiterkeit.)

Indessen soeben erblicke ich dort den Herrn Justizminister, und bei der Solidarität, die ja bekanntlich zwischen allen Mitgliedern des Ministeriums besteht, betrachte ich ihn als Minister des Innern und spreche zu ihm. (Große Heiter­keit.) Der Justizwinister setzt sich von seinem Fauteuil auf den Fauteuil des Ministers des Innern hinüber und verschränkt die Arme. (Neues Gelächter.) Redner beginnt nun von der französischen, englischen, amerikanischen und ungari­schen Revolution zu sprechen; er definirt den Begriff der Freiheit, des Parla­mentarismus und Absolutismus; er schildert die Freuden und Unannehmlichkeiten des Familienlebens eines armen Handwerkers, der bloS mit einem Gehilfen arbeitet. (Auf der Rechten liegen einzelne Abgeordnete auf den Bänken und schlafen.) Josef Madaraß ruft hinüber:Motiviren Sie Ihr schlafen!" (Große Heiter­keit.) Redner spricht von der Bankfrage, der griechischen Poesie und den Staats­streichen.

Mittler eile hat sich die Linke sehr vermindert; auf der ganzen Linken sind kaum fünf bis sechs Abgeordnete anwesend. Die Rechte ruft daher: Schließen wir die Sitzung!

Vidliczkay: Gemach, meine Herren, ich bin mit ver Rede noch nicht fertig! (Große Heiterkeit und Lärm.) Redner spricht zusammenhanglos weiter, bis die Linke wieder etwas zahlreicher anwesend ist, und schließt endlich vor 12 Uhr die V4II Uhr begonnene Rede.

Ignaz Hclfy: Nachdem die Zeit, von welcher im Szapary'icheri Antrag die Rede ist, schon verstrichen, so beantragt er, das Haus möge heute seine Sitzung schließen und die Debatte über den zweiten Thetl des Antrages morgen fortsetzen. (Widerspruch. Lärm.)

Präsident: Der Antrag wird nicht angenommen, ich bitte die noch vorge­merkten Redner, heute zu sprechen oder aufs Wort zu verzichten! (Rufe von der Linken: Wir können austrotzen!)

Paul Szontagh: Unglückliches Land, das eine solche Regierung hat! Un- glückliche Regierung, die mit solchen Mitteln die Herrschaft behaupten will! Im vorigen Jahre hat sie mit Hilfe der Sommerhitze den RichterstandSgcsetzentwurf durchgesetzt, jetzt will sie mit Hilfe der gesundheitzerstörendcu aufreibenden Nacht- fltzungen den Wahlgesetzentwurf durchsetzen. Er stimmt (nach 12 Uhr) dagegen, daß die Sitzung bis 11 Uhr währe.

Alexander Esanady: Ich bitte um das Wort in persönlicher Frage. (Der Linken scheint es, daß die Rechte in geringer Zahl anwesend ist, sie verlangt daher die Zählung; auf das Klingeln des Präsidenten strömen zahlreiche Abgeordnete herein und angesichts dieser Ankömmlinge verzichtet die Linke auf die Zahlung.)

Esanady verwahrt sich feierlich gegen dieAuflage", die vor einigen Tagen gegen ihn erhoben wurde, daß er nämlich vor dem Könige einhergeritten sei. Er sei überhaupt nie geritten.

Linz, 9. März. Wie dieLinzer Ztg." erfährt, wurde den Altratholiken in Ried die Abhaltung des Gottesdienstes wieder gestattet.

Frankreich.

Handelsberichte.

sAgenturen der Bank für Südd eutschlanLJ Dem Vernehmen nach ist die Agentur der Bank für Süddeutschland (Darmstädter Zetlelbank) in Gießen von dem Herr» G. Wortmann, früher preußischem Eonsul in Gibraltar, und A. von Iungenfeld, diejenige ii Mainz von den Herren Schmitz, Heidelberger und Eomp., in Offenbach von den Herren Augui Kugler und Hermann Ostner, in WormS von Herrn Eduard Herz übernommen worden. Die ^Agenturen, welche am 15. März d. I. ihre Wirksamkeit eröffnen, werden den DiScont- und Lom bardverkehr mit der Bank vermitteln und deren Noten nach Maßgabe des Bankstatuts in baar einlösen.

Der Händler brachte dieses Schreiben nach der Polizei - Präfectur und er- bort.baß weder der General Ladmirault einen Offizier zu ihm gesandt, noch das Ministerium des Innern an ihn geschrieben habe. Zugleich theilt man ihm mtt, daß man eine Untersuchung eingeleitet habe, und er nur mit der Ausstellung ' m ?<r s°lle. Der Händler blieb nun ungefähr 14 Tage

unbehelligt. Am 3. März erhielt er aber ein neues Schreiben, das ihn mit dem

Rußland.

Petersburg, 12. März. Die Kaiserin reist in diesem Monate nach dkk Krim ab, wo sie bis zum Herbst verweilen wird. Der Kaiser begleitet dieselbt bis Odessa. Der General-Adjutant Jgnatieff, seither Vorsitzender der Gesuchs. Commission, wurde zum Präsidenten des Minister-Comites ernannt.

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Vermischtes.

* Mitte August laufenden Jahres soll ein Eongreß deutscher Thierärzte in Frankfurt a. M. stattfinden, welcher in der Hauptsache die Anbahnung gleichförmigerer Einrichtungen hinsichtlich d.S Veterinärwesens im deutschen Reiche zum Zweck hat. Zn dem nächstens zur Veröffentlichung kommenden Programm für diese Versammlung wird die Frage über die Vorbildung zum Studium der Veterinär-Medicin an der Spitz? stehen, und sich derselben sodann die weiteren Frag.m über die zweckmäßigste fachliche Ausbildung, sowie über die bestehende Prüfungsordnung anreihen. Ferner sind Besprechungen in Aussicht genommen über die Stellung, welche die beamteten Thier­ärzte einnehmen sollen, um Ersprießliches leisten zu können, ebenso über die zweckmäßigsten Ein­richtungen des Militär-Vetermärwesens und die in Bezug auf letzteres während des Krieges 187071 gemachten Erfahrungen. Anderweitige Themata, deren Besprechung gewünscht werd n sollte, sind jedoch keineswegs ausgeschlossen, wenn solche dem Comite rechtzeitig bekannt gegeben werden.

Hachenberg, H. März. Auf der circa zwei Stunden von hier entfernt liegenden E.sen- steingrubeHerkules" haben vorgestern Nachmittag durch den Einsturz eines Schachtes acht Berg­leute das Leben verloren. Mit dem Aufsuchen der Verunglückten sind fortwäbrend etwa 20 Ar­beiter beschäftigt. Hierbei fanden leider ein Bergmeister, ein Dberfteiger und ein Fährmann, als sie die Stelle, an welcher der Einsturz erfolgt war, näher untersuchten, um ein rascheres Auf- finden der Verunglückten zu veranlassen, und zwei weitere Bergleute, welche in den Schacht hinab­gestiegen waren, ebenfalls in der Tieft ihr Grab. Auch sie wurden durch einen Nachrutsch von Erbmassen plötzlich überschüttet, nachdem sie kaum die drohende Gefahr bemerkt und von einigen Bergleuten darauf aufmerksam gemacht werden konnten. Von den Überschütteten ist nur einer gerettet, zwölf derselben haben in der Grube ihren Tod gefunden und bis jetzt sind erst zwei dieser Unglücklichen herauSgegraben worden. Die Grube, auf welcher dieses Unglück vorgekommen, wird fortwährend von einer zahlreichen Menge umlagert und ist diese Unglücksstätte von früher unter dem Namen Bindweide bekannt. Wie demRh. C." berichtet wird, ist daS Unglück durch daS Anschlägen eines neuen Schachtes, neben ivelchem sich noch ein früher bereits eingestürzter alter Schacht befand, den man nicht vermuthet hatte, herbeigeführt worden. Als man in die Nähe dieses alten Schachtes gekommen, soll durch die Schwere der Erbmasse und das angesammelie Wasser dessen Einsturz in den neuen Schacht und die Ueberschüttung der in demselben anwesenden 8 Bergleute erfolgt sein. Die Grube, auf welcher dieses Unglück vorgefommen, gehört der Firnu Th. Stein aus Kirchen a. d. Sieg.

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Paris, 10. März. Eine sehr eigenthümliche und ziemlich gehcimnißvolle Angelegenheit beschäftigt gegenwärtig die osfictkllen Kreise in Versailles in hohem Grade. Am 12. Februar kam nämlich ein höherer Offizier, ein Jnsanterie-Com- Mandant, zu dem Bilderhändler, der sich in der Nähe oes Theaters Gymnafe be- ; findet und welcher Carricaturen auf den Exkaiser und seine Sippschaft feit hält, und befahl demselben im Namen des Generals Ladmirault sofort den Unrath (er deutete auf die Carricaturen) aus seinem Schaufenster hinwegzunehmen. Im näm- lichen Augenblick kam ein Polizeidiener vorbei; der Offizier trat auf denselben zu, sagte ihm, daß er dafür Sorge tragen sollte, daß die Carricaturen hinweggenom- men und nicht mehr ausgestellt würden, und begab sich dann hinweg. Der Polizei- diener, dem die Sache etwas merkwürdig vorkam, erkundigte sich bei dem Händler, ob er den Offizier kenne, und als dieser die Frage verneinte, berichtete er an die Polizei-Präfeclur. Zwei Tage später erhielt nun der Händler ein Schreiben, das auf ein Formular des Ministers des Innern (es trug die Worte:Ministere de Flntdrieur Direction gönörale du personnel Direction de la Presse) geschrieben war und folgender Maßen lautete: J

Mein Herr! Sie werden aufgefordert, aus Ihrem Schaufenster sofort die Zeichnungen, Llthographieen und Photographieen wegzunehmen, die durch ihren für den Kaiser Napoleon III. beleidigenden Charakter zu Unordnungen Seitens seiner Anhänger, welche jeden Tag zahlreicher werden, führen können. Dem Cir- cular des Herrn Justizministers, Siegelbewahrers, gemäß. (Folgt eine unleserliche Unterschrift.)

Tode bedrohte, falls er noch länger die Carricaturen ausstellte. Dasselbe ist vorn 2. Marz datirt und besagt:

Mein Herr! Als Oberhaupt einer Gesellschaft warne ich Sie im Namen' der Menschheit vor einer großen Gefahr, der Sie nur dadurch entgehen können, daß Sie sofort die anzüglichen Bilder (Zeichnungen gegen den Kaiser), mit denen Sie Ihr Schaufenster schmücken, entfernen, und zwar bis Sonntag Abend 6 Uhr, sonst Wehe Ihnen, denn Sie werden von der Hand eines der Unseren, welchen das Loos bestimmen wird, fallen, und was das Uebrige anbelangt, so werden die Orstni'schen Bomben, die während des Abends in Ihren Laden geschleudert wer- den, unsere Rache vollenden. August C... Rechnen Sie nicht darauf, uns zu erwischen, denn wir werden dieses schon vereiteln.

Der Händler brachte nun auch diesen Brief nach der Polizei, und heftete Abschriften der beiden Briefe an seine Ladenfenster, ohne natürlich die Carrica, turen zu entfernen. Seitdem ließen die Leute nichts mehr von sich hören. W.,< die Behörden hauptsächlich besorgt macht, ist der Umstand, daß Olfiziere (der Offizier selbst, welcher bei dem Händler anwesend, konnte noch nicht ausfindig gk. macht werden) betheiligt zu fein scheinen.

Spanien.

Madrid, 11. März. Ein carlistischer Wahlaufruf sagt: Der Herzog von Madrid hat zu den Carlisten gesprochen:Carlisten, jetzt an die Wahlurnen, später, wohin uns Gott rufen wird!"

Rumänien.

Bukarest, 12. März. Die Fürstin Elisabeth reist heute über Pesth utiü Wien nach Rom ab, um ihre durch das Fieber angegriffene Gesundheit wieder herzustellen.

, Frankfurt a. M., 12. März. Der übermorgige Medio, für den sich der Geldstand etwa! knapper gesiallet, als man erwartet hatte, warf seine Schatten auf die heutige Börse, welche sich

' i" Folge schlechter auswärtiger Notirungen ohnedies nicht besonders angeheitert fühlte und f« ' kam es beim, daß sich nur wenig Verkehr entwickelte. Zudem hatte die Börse in letzter Zeil eine Masse von Papieren, besonders der Bank- und jungen Bahnkategoricn ausgenommen, die ihl jetzt beim Mediv wie ein Alp auf der Brust liegen. Kurz, eS half alles zusammen, um dem heutigen Börsenverkehr im allgemeinen den Eharacter eines geschäftslosen zu verzeichnen. Die leitenden SpeculationSeffecten blieben sämmtlich ohne Animo bei weichender Tendenz und selbd die in letzter Zeit so beliebten jungen Bahnen und Banken konnten eS zu keinem rechten Umsa; bringen. Von Bahnen waren jedoch Franz-Joseph aus den gestern angeführten Gründen belieb! und einige Gulden höher. Buschterader wurden bei 336 gern gekauft, da sie bei diesem Preist noch gute Marge bieten und überhaupt unverdientermaßen noch im Eourse zurück sind. Elisabeth 262%. Von Banken österreichisch deutsche am beliebtesten, auch ein Posten Stuttgarter Banl ging heute bei gutem Eourse ab. Loose flau, lX60er 93%. Braunschweiger 21. Nur Donau regnlirungSloose gesucht bei festem Eourse von 105. Wiener Wechsel offerirt. Die bei der hiesi­gen Filiale der Darmstädter Bank einlaufenden Anmeldungen auf die 5procentigen Prioritäten der Neuberg-Mariazeller Gewerkschaft sollen sehr zahlreich sein und werden schon morgen Abend s geschlossen.

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Frankfurt a. M. Neben einer großen Anzahl der renommirteften in - und ausländischen Zettungen, als deren bedeutendste, hinsichtlich der Verbreitung, wohl der Kladderadatsch genannt werden darf, ist neuerdings der seit langen Jahren in Frank- furt a. M. erscheinendeFrankfurter Beobachter" in den Annoncen-Pacht der in Frankfurt a. M. domicilirten, allgemein bekannten Firma Rudolf Mosse überge­gangen. Es darf dieses als neues Aequivalent für das der genannten Firma allgemein entgegengetragene Vertrauen bezeichnet werden.