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Erscheint täglich, mtt SUi» nähme Sonntags.

Spedition: Tanzletberg, Lit. B. Nr. 1. \ 4

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Ne. 292.

Donnerstag b® 12. Dccember

LÄ72

Wie Th-er- sich mit dieser veränderten Stellung der Parteien abfinden wird, das ist eben, wie wir schon auSgeführt haben, die große entscheidende Frage, über die schon die nächste Zukunst Aufklärung bringen wird. Daß er aber, wenn nicht unerwarteter We.se das Bündnch der monarchischen Fraktionen sich rasch wieder lockern sollte, den Plan einer the-lwuseu Neuwahl fürS Erste wird aufgeben muss n, scheint einleuchtend.

Auch die gemäßigten republikanischen Organe, die noch zum Theii an der Idee der pariiellen (Steuerung festhalten, fordern, daß Thiers der Rechten kein Zugeständniß wache; auch sie fordern, daß er sich der Majorität gegenüber auf die Nation stütze. Sie übersehen dabei nur, daß in einem solchen Kampfe die Nation sich niemals von den gemäßigten, sondern stets von den radikalen Elementen lenken laßt; sie übersehen ferner, daß, was sie die moralische Macht der öffent- lichen Meinung nennen, tn Frankreich, sobald es Widerstand findet, stctS auf dem Punkte steht, in vffi ne Gewalt umzuschlogen. Wenn daher die gemäßigten Blätter vor jeder gewaltsamen und revolutionären Maßregel warnen, so läßt sich in die Aufrichtigkeit ihrer Mahnungen nicht der mindeste Zweifel setzen, denn ihre Politik aird ja von der Scheu vor weiteren revolutionären Erschütterungen bestimmt; aber t.efe Mahnungen werden fruchtlos sein, sobald erst die Agitation alle Kreise des Volkes ergriffen hoben wird.

Die unerwartet entschloffene, s s' I v

Hoffnung, daß Thiers auf legale« Wege eine partielle Erneuerung durchsetzen werde, bedeutend getrübt. r -

mit der zuversichtlichen Erwartung erfüllt, daß er für seinen Plan auf eine, wenn a»'ch nur geringe, Mehrheit in der Versammlung w>rde rechnen können. Von dieser Zuversicht legte die entschlossene Sprache der Botschaft ein beredtes Zeugniß ab, und der im ersten Augenblick scheinbar überwältigende Eindruck der Botschaft war ganz geeignet, ihn in seinen Illusionen zu bestärken. Sehr bald aber zeigte es sich, daß die W rkung der Botschaft auf dke parlamenianschen Parteien fXnen Wünschen unv Hoffnungen durchaus entgegengesetzt war. Die R.chte sammelte noch einmal ihre Kräfte zum Entschcidungskampfe; im rechten Centrum kam eine Bewegung der antirepublikar-uschen Seite hin rum Durchbruch; Legitimisten, Orleanisten, Bonavartisten schlossen sich zu einer mächtigen Opposition gegen den Präsidenten zusammen, und daß sie, so lange ihre Einigung bauert, immer noch, wenn auch mit schwacher Majorität, bie Versammlung beherrschen, haben die CommissionSwahlen vom Donnerstag bewiesen.

Die äußerste Linke hatte in der Zett, wo es ihr vor Allem darauf ankom, ein vollständiges Einvernehmen m t Herrn ThlerS zur Schau zu tragen, in ihrem Kampfe für die Auflösung der Versailler Ansammlung etwas nachgelassen; wie denn ja überhaupt bas Zuruckhalen aller radikalen Forderungen und em möglichst maßvolles Auftreten in Worten und Thaten bie noihwenbige Vorbedingung jedes Zusammenwirkens der Gambettisten mit dem Präsiben.'en und den gemäßigten Republikanern war. Ja es schien fast, als ob die Radikalen sich mit dem Lieb» ltngsgedanken der Gemäßigten und des Herrn Thiers, einer thetlweifen Erneuerung der Nationalversammlung, befreundet bähen. Und in der Thal würde ja tit Durchführung dieses Gedankens aller Wahrscheinlichkeit nach auSreich-n, um in der Versammlung, wenn auch nicht dem radikalen, doch dem republikanischen Element ein entschieden S und unbestreitbares Uebergewicht zv verschaffen. Gegen­wärtig schwankt in der Versammlung die Waage zwischen beben Parteien, so doß fast jede neue Abstimmung seit einigen Wochen eine neue Ueberraschnng gebracht hat. Bei dem augenblicklichen Ueberwiegen der republikanischen Strömung im Lande würden aber aus partiellen Neuwahlen fast nur republikanisch gesinnte Abgeordnete hcrvorgshen, und damit würde dann die Macht der Rechten ein für allemal und endgültig gebrochen sein. Kam es ten Radikalen also nur auf Constituirung d'r Republik an, so konnten sie sich immerhin üb.r ihre doktrinären Bedenken betreffs der Vollmachten der Nationalversammlung hinwegfctzen und, um die Einigkeit im republikanischen Lager aufrecht zu erhalten, die Gabe der definitiven Republik auch aus ter Hand der gegenwärtigen partiell krneuerten Versammlung annehmen.

Die Agitation für Auflösung der französischen jB-wegung, wenn fit einmal in Gang gebracht ist, eine Agitation für die partielle Erneuerung gar nicht auskowmcn kann, ist einleuchtend. Hatte der bisherige Adressensturm den positiven Zweck, die Politik des Präsidenten zu stützen, so wird der neue Adressensturm einen entschieden aggressiven Eharachr an sich tragen. Wer die Auflösung der Nationalversammlung fordert, stellt bie Machtsroge: er ma6 turch Drohungen zu wirken suchen; womit aber soll er drohen, wenn nicht mit der Gewalt, mit der Revolution?

Auch läßt sich nicht bezweifeln, daß die Rechte alsbald eine Ge.enagitat'on zu organisiren vcrsuchrn wird, unv ba sie über die vollsthümlichen Elemente des Eicrus und des Bcnapartismus verfügt, so wird sic durch ihre Wühlereien wenigstens eine Steigerung der allgemeinen Aufregung zu erzielen im Stande fein. Einen entscheidenden Erfolg kann sie davon allerdings nicht hoffen, denn . fA ~ , Vie En-,fche'.dung wird ohne Zweifel in Paris fallen, und in Paris kann sie nicht

' l^schroffe Haltung der Rech.c« ha. aber die daran denken, unter den Mass u den Radikalen den Rang abrulaufen. p« p.y o'n» «nrHjß Dfrs ist aber auch schwerlich dre Absicht der Rechten. Ihr nächstes Ziel

~,e 2"sEtzung d S rechtkn Centrums hatte Thiers geht offenbar dahin, sich den Präsidenten zu unterwerfen, und wenn ihr dies nicht gelingt, ihn zu stürzen, und durch einen ihr ergebenen General zu erfttzen. Sie setzt ihre Hoffnung auf die Armee, und die Haltur.g mehrerer hohen Osficiere zeigt, daß sie schon seit längerer Zeit bemüht gewesen ist, in dem Heere sich einen Anhang zu verschaffen. Wie viel sie mit bteftn Intriguen erreicht hat, das läßt sich allerdings noch gar nicht übersehen; wenn sich aber bestätigen sollte, daß ' sie für den Fall eines Conflictes auf Mac Mahon rechnen könnte, bann ist die Lage des Präsidenten allerdings eine äußerst ernste.

Denn wenn die Rechte zu einem Staatsstreich entschlossen ist ob ein solcher Aussicht auf <5.folg hat, baS hängt eben von der im Voraus gar nicht ant Sicherheit zu berechnendcn Stimmung der Armee ab so werden die Gegner 1 ter Versammlung Alles daran setzen müssen, um durch einen republikanischen Handstreich den Plänen der Monarchisten zuvorzukommen. Kann Thiers die Leitung eines solchen Handstreichs übernehmen? Wir bezweiscln es. Alles läßt sich danach an, daß, wenn erneute Verhandlungen des Präsidenten mit der Majorität resultatlos verlaufen sollte, ThirrS' Stellung ganz unhaltbar werden würde. Mag die Agitation für Auflösung der Versammlung auch scheinbar in seinem Interesse unternommen werden, er n ürte doch wahrscheinlich das erste Opfer eines durch sie herb.igeführten oder beschleunigten Zusammenpoßcs sein.

Denn mit welchem Rechte kann man vorausfetzen, daß offenkundige Anhänger der Monarchie, die zwar Oie Rrpublrk als Thatjache gelten lassen, aber jeder feierlichen Anerkennung derselben den äußersten W-derstand cutgegensetzen, frcttoitlrg ihre Zustimmung zu einer Maßregel geben weiden, deren Durchführung die definitive Republik zur Folge tabtn würde? Faßte die Rechte das konservative Jntrr ffe in's Auge, dann freil ch würde sie eine Maßregel gut heißen muffen, die der radikalen Agitation für die Auflösung und allgemeine Wo kn die Spitz- addrechen würde. Da sie aber die Sache rom monarchischen Standpunkte aus betrachtet, da ibr konservativ und monarchisch gleichbedeutende Begriffe sind, so ifi ihr die theilweise Erneuerung fast eben so verhaßt, als die Auflösung. Denn in Bezug auf die F age der Regierungsform würde die eine Maßregel ganz dasselbe Ergedniß liefern, wie die andere.

Läßt es sich nun aber voravssetzen, daß ThierS der Majorität durch lieber* rebrng tu Zustimmung zu einer partiellen Erneuerung abgewinnt, so fällt auch für die Linke jeder Grund weg, in der in der Zeit angenommenen maßvolleren Haltung zu verharren. Sie sieht sich vielmehr gradezu gezwungen, eine schroff feindselige Haltung gegen die Versammlung anzunehmen. Denn wenn sie nicht im Stande ist, auf parlamentarischem Wege ihr Ziel zu erreichen, so muß fik sich mit voller Ktaft in die populäre Agitation stürzen. Die Massen kann sie aber natürlich leichter für die radikale und vom radikalen Standpunkte auo principiell korrekte Maßregel der Auflösung als für die halbe, den radikalen Standpunkt verleugnende Maßregel der partiellen Erneuerung in Aufregung versetzen.

Es ist daher ganz selbstverständlich, daß die Donnerstagswahlen von der radikale» Presse mit dem lauten Rufe nach Auflösung beantwortet weiden, und daß man sich zu einem Petitionssturm rüstet, der die Versammlung einschüchtern und ihr die Zustimmung zur Selbstauflösung abzwingen soll. Daß vor dieser

Deutschland.

Darmstadt. Di. Wahlen im Großherzogthnm Hessen haben eine ungp 'wohnte Mrt-gung erzeugt. Dre Parteien stehen einander schroffer entgegen, als je zuvor. Vor Allem macht sich die Verwilderung eines TheileS unserer Arbei­terbevölkerung durch die social * demokratische P. opaganda bemerkbar. Noch vor wenigen Monaten wa>en wir entsttzt über die Berichte der ungarischen Wahl- scenen, in denen die asiatische Wildheit der Mügyarln zu Tage trat. Wenn vn Dinge bei UNS aber einen solchcn Fortgang nehmen, wie Neu-I encurg das Bei­spiel gab, so werden wir bald kein Recht mehr haben, über fremde Barbarei zu staunen. Wir haben schon recht nette Anfänge davon aufzuweifen. In den größeren Industriestädten, wre Mainz, WormS und Offenbach, tritt das Gewicht der Massen bei den Wahlen schon bedeutend hervor. W-r ihnen den Himmel verspricht ohne Arbeit und Mühe, der führt sie am Gängeldande: Die einen bieten ihn schon diesseits aus, die anveren jenseits. Das Mittel wirkt in dem einen Falle so gut wie in dem anderen. (£,

Darmstadt, 10. Decbr. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 54 enthält:

1. Allerhöchster Landtagsabschied vom 7. v. Mts.

2. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Aufheduna des Steueramies Alsfeld betreffend. b

3. Versetzung in den Ruhestand. Seine Königs. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 26. November den Direktor dcS Hoftheaters und der Hofmusik, Geh. Hofrath Carl Tefchcr, auf sein Nachsuchen, in den Ruhestand zu versetzen.

Darmstadt, io. Decbr. Sicherem Vernehmen nach wird der Landtag auf den 19. d. Mts. einberufen und von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoa in Person eröffnet werden.