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Oießemr AuMger.
Erscheint täglich r mit AuS« nähme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 1S7.
Akoutag den 12. August
Amtlicher T h e i 1.
1872.
Gießen, sm 6. August 1872.
Betreffend: Das Landgestüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.
Das Groß herzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises, mit Ausnahme derjenigen zu Beuern und Gießen. Wir erinnern Sie an die Einsendung dec Bedeckscheine binnen 8 Tagen.
v. Röder.
Bekanntmachung.
Betreffend: Benachtheiligung von Auswanderern durch Einwechslung von Amerikanischem Papiergeld in deutschen Einschiffungsplätzen.
Von dem Kaiserlich Deutschen Gemral-Cvnsulat zu New-Jork wird in einem an den Reichskanzler unterm 15. Ium l. I. erstatteten Berichte wiederholt auf die vielfachen Benachtheiligungen aufmerksam gemacht, denen Auswanderer durch Einwechslung von Amerikanischem Papiergeld, besonders in den Einschiffungshäfen, unterworfen sind.
Auch bei einem vollständig legitimen Geschäfte — heißt es in dem Berichte — sei der Wechsler genöthigt, eine hohe Prämie zu nehmen, um sich gegen die Schwankungen des Curses zu decken; in vielen Fällen aber werde dem Auswanderer durch falsches Geld oder entwerthete Coupons in größerem Maße unwiederbringlicher Nachtheil gebracht. Deutsche Auswanderer, welche New-Jork berühren, würden am besten thun, wenn sie sich bei einer der in Deutschland bestehenden Agenturen der „Deutschen Gesellschaft der Stadt New-Jork" Wechsel auf genannte Gesellschaft geben ließen und solche selbst in New-Jork auf dem ganz in der Nähe von Castle Garden und dem Kaiserlichen General-Consulate gegenüber belegenen Büreau der Gesellschaft, Broadway Nr. 13, (Adresse für Briefe: P. 0. Box 4330, New-York) eincassirten. :
Die deutsche Gesellschaft der Stadt New-Jork, gegründet im Jahre 1784, hat nach § 1 ihrer Statuten den Zweck, deutsche Einwanderer zu unterstützen und nothleidenden Deutschen und ihren Nachkommen Hülfe zu leisten rc., Hauptcorrespondenten derselben sind u. A. in
Darmstadt: die Bank für Handel und Industrie,
Frankfurt a. M.: Herr August Siebert,
Bremen: Herr Lüdering & Comp.,
Cassel: Herr Louis Pfeiffer,
Cöln: der A. Schaafhausen'sche Bankverein,
Hamburg: Herr Johs. Schröder,
Indem man dies in Auftrag Großherzoglichen Ministeriums des Innern zur öffentlichen Kenntniß bringt, werden die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises angewiesen, in geeigneten Fällen ihre Gemeindeangehörige nach Vorstehendem zu bedeuten.
Gießen, den 8. August 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Nr. 26 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben am 3. August 1872, enthält:
(Nr. 869.) Gesetz, betreffend die Uebernahme der Verwaltung der Wilhelm-Luxeinburg-Eisenbahnen. Vom 15. Juli 1872.
(Nr. 870.) Postvertrag zwischen Deutschland und Luxemburg. Vom 19. Juni. 1872.
(Nr. 871.) Gesetz, betreffend die Einführung des § 29 der Gewerbeordnung in Elsaß-Lothringen. Vom 15. Juli 1872.
(Nr. 872.) Bekanntmachung, betreffend die Approbationen für Aerzte, Zahnärzte, Thierärzte und Apotheker. Vom 19. Juli 1872.
Eine besondere Beilage zu Nr. 26 des Reichs-Gesetzblattes enthält:
1) Bekanntmachung der Vorschriften über die Zulassung von Federwaagen zur Eichung und Stempelung und zur Anwendung beim Wägen von Eisenbahn-Passagier- Gepäck. Vom 25. Juni 1872.
2) Nachträge zur Eichordnung vom 16. Juli 1869 und zu der Bekanntmachung vom 15. Februar 1871, betreffend die Eichung und Stempelung von Maaßen und Meßwerkzeugen für Brennmaterialien, sowie für Kalk und andere Mineralproducte. Vom 25. Juni 1872.
Gießen, den 8. August 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
Politischer
Theiß.
Die Drei-Kaiser-Zusammenkunft
ist auch von der „Proo.-Correspondenz" zum Gegenstände eingehender Erörterung gemacht worden und das halbamtliche Organ bestätigt die Auffassung, welche auch wir bei der ersten Kunde des großen EreigniffeS aussprachen, daß dasselbe eine Friedensdemonstration im eminentesten Sinne sei.
Immerhin aber könnte eine solche Demonstration ihre Motive in Veranlassungen oder Combinationen finden, die auf die Annahme vorhandener Gegensätze hinweisend, ihr bei aller Anerkennung der FriedenSrichtung, doch zugleich den Charakter einer Abwehr geben würden. Es ist daher von Wichtigkeit, daß die „Prov.'Eorr." den Werth des Ereignisses noch dadurch erhöht sieht und es zu den „besonders glücklichen Fügungen" rechnet, daß cs „in einer überaus sriedlichen Lage Europas und unter völlig klaren Verhältnissen eintritt, welche einer Störung, oder auch nur einer Mißdeutung nach keiner Richtung hin Anhalt bieten." _
Und in dieser accentuirten Charakterisirung der sriedlichen Lage begegnet sich das Organ der preußischen Regierung nicht bloS mit den osficiösen Kundgebungen Oesterreichs, sondern — was gewiß nicht unbeachtet bleiben dars — dieselben werden auch sranzösischerseitS ausdrücklich bestätigt und acceptirt.
Im „Dresdener Journal", in dessen Wiener Korrespondenzen man gewohnt ist, den Auffassungen der österreichischen RegierungSpolitik zu begegnen, heißt es in dieser Beziehung: „Jede Zeit hat ihre Plage und wir wollen es der Zukunft überlassen, wie sie die Fäden entwirren wird. Vorläufig zieht jeder Theilnehmer an diesem FriedenSbunde, wozu auch Italien gehört, den wichtigsten Vortheil,
daß er unangreifbar ist. Es bedarf da gar keiner Anstrengung, um den Welttheil in Ruhe zu erhalten. Wem möchte es einfallen, Staaten anzugreifen, die zusammen über 180 Millionen Einwohner zählen, lauter kriegstüchtige Stämme, wenn sie entschlossen sind, sich gemeinsam zu verteidigen? Es kommt nur darauf an, Alles fern zu halten, was den Einwohnern schädlich werden könnte, und darauf sind alle vier Monarchen und ihre Regierungen bedacht."
Und während die Zusammenkunft der Monarchen solcherweise in den Organen ihrer Regierungen als eine FriedenSbürgschast für Alle, ohne Bedrohung irgend Jemandes charakteriflrt wird, sagt der „Bien Public", das vertraute Organ des Herrn Thiers: „Man muß in dem angesagtcn Besuch des Kaisers von Rußland die Wirkung der Rathschläge Deutschlands und einen neuen Beweis des Wunsches sehen, daß der allgemeine Friede aufrecht erhalten werde. Was Frankreich anbelangt, so braucht dasselbe sich um diese Zusammenkunft keine Sorge zu machen. Die drei Regierungen, deren Oberhäupter sich versammeln werden, haben die besten Gesinnungen gegen uns. Wir verursachen Niemandem Unruhe und Niemand denkt daran, uns zu beunruhigen."
Es bedarf nur noch des Hinweises auf die leitenden Organe Großbritanniens, welche mit aller Genugtuung und Befriedigung auf die bevorstehende Zusammenkunft der drei Monarchen verweisen, um aus dem reinen Accord, jn welchem die Presse Europas sich begegnet, die nicht minder wichtige Thatfache zu constatiren, daß die bevorstehende Friedensdemonstration, wenn sie ihre Bedeutung durch die friedliche Natur der gegenwärtigen politischen Verhältnisse erhöht, so auch ihre Zuversicht in der entgegenkommenden Friedensstimmung aller Welt befestigen kann,


