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versehen, nach Berlin abgegangen. Wie dieStraßburger Zeitung" hört, sollen schon viele Elsässer als Einjahrig-Freiwillige bei den hiesigen Truppentheilen eingetreten sein, namentlich bei den hier liegenden Ulanen unv dem 105. Regiment.

Aus Elsaß-Lothringen, 8. April. Bezüglich der Option glauben immer noch Viele, der Regierung ein Schnippchen schlagen zu können, indem sie der Meinung sind, man könne neben dem neu zu wählenDn Wohnsitz tn Frankreich einen anderen in Elsaß-Lothringen haben. Da hoffen sie denn, es genüge, wenn man am 1. October in einen benachbarten Ort nach Frankreich reise, dort sich als Bürger einschreiben lasse und dann mit den Legitimationspapieren als Aus­länder nach Elsaß-Lothringen zurückkehre. Wenn dem nicht schon die amtliche Erklärung: der Wohnsitz muß im Fall der Option auch thätlich nach Frankreich verlegt und er darf nicht bloß gewählt werden, nicht entgegenstände, so bestimmt schon der Code civil, der bei uns noch gültig ist, ganz genau: Das Domicil ist an dem Orte, wo man seinEtablissement principal hat. Die Verlegung darf also keine fingirte sein, sondern sie hat durch die Thatsache der wirklichen Be­wohnung eines anderen Ortes zu geschehen, mit anderen Worten, oas völlige Verlassen des alten uno die endgültige Aufnahme eines neuen Domicils darzu- thun. Es ist nicht zu leugnen, daß die Optionen für Frankreich massenhaft ge- schehen, aber man darf sicher annehmen, daß mindestens 80 pCt. der Optirenden sich bis zum entscheidenden Tage eines Besseren besinnen und bleiben werden, wo sie find. Die zahlreichen Optionen wurzeln meistens in einer anderen Ursache, als welche man gewöhnlich annimmt. Die guten Leute können sich nämlich immer noch der Hoffnung nicht entschlagen, daß sie eines schönen Tages wieder mit dem geliebten Frankreich vereinigt werden, unv da muß ihnen die Optionserklärung als Bescheinigung ihrer treuen Anhänglichkeit dienen. Irn Allgemeinen ist zu be­tonen , daß em direkter Widerstand, wie er z. B. bet verschiedenen Maires zu Tage trat, nicht mehr oder doch nur noch selten vorkommt; dagegen gefällt sich hauptsächlich der gebildete Theil in verschiedenen franzosrnfreunblichen Kundgebungen. So geh n die Damen immer noch in Schwarz, nur die blau-weiß-rothe Farbe bleibt in Ehren und wird auf jede mögliche Weise in den Vordergrund geschoben. Die Herren tragen blau-weiß-rothe Hals- und Hut'oinden und die Damen dito Schleifen, sogar die Pferde, Schooßhündchen und Kätzchen nehmen an den patrio­tischen Kundgebungen Theil und raffen sich mit blau-weiß-rothen Decken und Hals­bändern zieren. Solche Demonstrationen geben aber der Regierung keinen Anlaß zum Einschreiten, sondern zum großen Aerger der Demonstranten nur zum Lachen.

Oesterreich.

Wien, 9. April. Das Tagbl. schreibt:In hiesigen Altkatholikenkreisen besteht die Absicht, im Laufe dieses Sommers hier in Wien einen allgemeinen Altkatbolikencongreß einzuberufen, zu welchem an sämmtliche weltliche und geist­liche Führer der kirchlichen Rcformbewegung in Deutschland, England, Holland und Italien, sowie an bekannte Gegner des Ultramontanismus in anderen Län­dern Europa's Einladungen werden gerichtet werden. Diesem Congreffe wird ein specifisch österreichischer Altkatholikenlag vorauSgehen, zu welchem bloß Delegirte von altkatholischen Vereinen und Gemeinden der österreichisch-ungarischen Monarchie Zutritt haben.

Wien, 11. April. DasTelegraphen-Correspondenzbureau" meldet: Gegen- über den gestern verbreiteten Gerüchten über angebliche friedenSbcdrohUche politische Nachrichten aus Petersburg constatirt die Mehrzahl der heutigen Morgenblätter die gänzliche Grundlosigkeit der erwähnten Versionen. Nach demNeuen Fremden- blatt", welches an maßgebender Stelle Informationen eingezogen hat, ist auf dem hiesigen Ministerium des Aeußeren keinerlei Bericht eingelaufen, der derartig ge­deutet werden könnte.

Prag, 9. April. DerPresse" wird gemeldet:Der Deputation, welche wegen der Auflösung der patriotisch - ökonomischen Gesellschaft bei Sr. Majestät Vorstellungen machen wollte, wurde die Audienz verweigert. Vom Sonntag ab werden täglich in allen czechischen Kirchen Gebete zum heiligen Wenzel um einen Wahlsieg abgehalten. Das clerikale Blatt meldet, um den feudalen Agi­tatoren Muth zu machen, die Erkrankung des Statthalters. Derselbe ist jedoch nur leicht unwohl."

Pesth, 8. April. Der Reichstagsschluß erfolgt am 16. d. M. Mittags durch eine Thronrede. Der ehemalige Insurgentengeneral Görgey wurde in Torda von der fanatisirten Menge überfallen und insultirt. Inmitten einer Katzen­musik traten Mehrere aus ihn zu unv frugen nach seinem Namen. Einen Revolver aus der Tasche ziehend, nannte sich Gorgey, worauf die Angreifer zurückwichen; Görgey blieb noch eine Zeit lang sitzen, die Katzenmusik dauerte fort, worauf Görgey mit mehreren Freunden, von Verwünschungen, Flüchen und Ausrufen: Nieder mit dem Verräther!" verfolgt, seinen Wagen bestieg. Die Linke hatte das Gerücht verbreitet, daß Görgey, von der Regierung unterstützt, als Reichs- tagscandibat auftreten wolle.

Schweiz.

Bern, 10. April. Der russische Gesandte, Ritter de Giers, überreichte dem Bundespräsidenten Welti fein Abberufungsschreiben. Bis zur Ankunft feines Nach­folgers , des Fürsten Gortschakoff, übernimmt Legationsrath Glinka die Leitung der GefandtschaftSgefchäfte.

Frankreich.

Versailles, 10. April. Die Aufhebung Der Pässe für Den Verkehr zwischen England und Frankreich ist beschlossen. Diese Maßregel wird sofort eingeführt werden. Man wird künftig nur nach dem Namen Der Reisenden fragen.

England.

London, 10. April.Reuters Telegram-Company" meldet aus Paris von heute: Thiers habe in formeller Weise erklärt, er werde das gegenwärtige Paß­system wieder aufgeben. In der Zukunft solle Die Angabe Des Namens Seitens des Reisenden an der Grenze genügen.

Rumänien.

Bucharest, 30. März. Das illustrirte humoristische Blatt hatte vor einiger Zeit ein Gedicht gebracht, überschriebenDie Eule", worin dieser Nachtvogel, als auf Dem Dache Des Palastes Karl's I. sitzend, Dem Palastbewohner ein ganzes Sündenregister und endlich die Prophezeiung feines baldigen Sturzes zukreifcht alles dies überfließend von den gemeinsten Anspielungen auf die Deutschen und I

das Deutschthum. Doch die Herren Geschworenen erblickten darin keine Beleidi- gung des Staatsoberhauptes und sprachen heute Den Geranten Der Verfasser ves sauberen GeDichteS konnte nicht cruirt werden, obschon Der Name Desselben ein öffentliches Geheimniß ist frei. Ebenso wurden Der Redacteur jene; Blattes unD der Zeichner Der (Sarricaturen für dasselbe dieser letztere ein Pole vom Schwurgerichte ft-igesprochen. Dieselben waren angeklagt gewesen, Den höchsten geistlichen Würdenträger des Landes, den Metropoliten, dadurch beleidigt zu haben, daß sie denselben in einem Gedichte und einer Daj; gegebenen Carricatur an ein kleines Liebesabenteuer erinnerten. Die Verkündigung des VerdictS aufNicht­schuldig" rief die lautesten Beifallsbezeugungen Der Masse hervor, trotz der über­mäßigen Menge von Polizeiagenten, Die DemGesindel" die Mäuler stopfen wollten, und trotzdem daß alle Truppen in Den Cafernen consignirt waren. Die Redacteure Der in Fokfchan, Bakan und Turn-Severin erscheinenden Blätter sind gleichfalls wegen BelciDigung des Staatsoberhauptes eingesperrt und werden dem- nächst vor die Jury kommen. Wie das Verdict auch dort ausfallen wird das ist unschwer zu errathen.

Mittheilungen aus der Provinz.

?. Laubach, 10. April. In derMain-Zeitung" mahnt eine Stimme aus Starkenburg die Wähler der verschiedenen Wahlbezirk, unseres Landes bei den demnächstigen Wahlen zur zweiten Kammer darauf zu feben, daß liberale Männer in dieselbe gesandt werden, da gerade die Wein­steuer in Folge der üblen Zusammensetzung derselben nicht habe beseitigt werden können. Wir sind mit derMain-Zeitung" in dieser Hinsicht vollkommen einverstanden, möchten jedoch hinzu­fügen, daß eS sich nicht allein um liberale, sondern auch gebildete, characterfeste Manner handelt bei der zukünftigen Wahl da ,onst sehr leicht die graffesten Ignoranten sich der Sitze in unserer zweiten Kammer bemächtigen.

So weit toic uns schon jetzt insormirt haben, hat wohl auch unser seitheriger Vertreter in dem jetzigen Landtage wenig Aussicht, wieder gewählt zu werden. Allem Anscheine nach wird sich die demnächstige Wahl um die Herren Pfarrer BaiÜ in Ulfa und Dr. Flank v. Lichtenstein in Hungen wohl drehen. Wenigstens laffen sich für beide Herren in unserem Wahlbezirke viele Stimmen hören, und eS dürfte weder der Eine noch der Andere keine schlechte Acquisition für uns bilden.

Wie die Wahl sich s. Z. nun auch immerhin bei uns gestalten möge, so viel steht schon heute fest, daß wir nur einen in jeder Hinsicht erprobten Mann in die Kamm-r senden, welcher nicht nur seiner Stellung gewachsen, sondern auch seinen Wahlbezirk nicht aus den Augen ver­liert, wie es bei so vielen Vertretern der Fall, wenn sie einmal in der Kammer sitzen. In der zweiten Kammer zu sitzen, ist allerdings keine Kunst, mit dem einfachen Sitzen vaiin aber dem Wahlbezirke wenig gedient, und er muß darum bei einer Wahl besonders darauf sehen, daß sein Vertreter vor Allem eine umfoffende Bildung, richtiges Verständniß für die Interessen seines Wahlbezirkes, kurz diejenige Routine besitze, welche den vorkommenden Verhandlungen im wahre» Sinne des Wortes gewachsen ist. Darum, glauben wir, ist mit dem bloßen Begriffliberal", wie dieMain-Zeitung" wähnt, die Sacke noch nicht abgemacht. Es gibt z. B. in unserem heutigen öffentlichen Leben die Menge P rsönlichkeiten, welche, obgleich mit einer großen Zunge begabt, je nach den Umständen heute vor dieser, morgen vor jener Partei im Staubekriechen". Wie ein gewisses Jnsect suchen sie sich aller Orten einzunisten, selbst da, wo man ihnen unver­hohlen auch die Thüre zeigt. So spielt denn Mancher gerne den Liberalen in Darmstadt, zu Hause aber dmPascha mit den drei Roßschweifen", wenngleich, in parenlese bemerkt, sein eingebildetes Paschalik sich vielleicht nicht weiter als über seine höchsteigene Person erstreckt, ganz wie es eben in seinen Kram paßt Wenn nun so der Eine oder der Andere zu Zeiten in seinen heimischen Kreisen so gerne auf geräuschvolle Art Kegel spielt, warum stellt er nicht ein­mal auch in Darmstadt selber auf? Warum dieses schlaue, fuchsartig« Lavieren nach dieser oder jener Seite, und warum gerade nur in der engeren Heimath, derküyne Ritter ohne Furcht und Tadel"?

Wir bedürfen vor Allem Männer von Character in unserer zweiten Kammer, welche offen Farbe bekennen, und nicht hinter der Eoulisse der oder jener Partei ihre devote Huldigung ent­gegen bringen, Männer, welche in der Kammer das sind, was sie auch in der Heimath sind. Solche Männer zu wählen, muß in allen Wahlbezirken unsere Haupiaufgabe fein. Um nun bei der demnächftigen Wahl keinen Fehlgriff zu thun, überhaupt zu riökircn, daß sich das eine oder das andere Individuum herandrängt, deffen ganze Bedeutung vielleicht nur darin besteht, mit der ganzen bestehenden Weltordming in den Haaren zu liegen dürfte es woal schon jetzt angezeigt fein, in unserem Wahlbezirke über die geeignete Persönlichkeit sich klar zu machen, damit man in der Stunde der Entscheidung nicht zu dem einen oder dem anderen Nothnagel zu greifen gezwungen ist, sondern genau wisse, zu wem wir zu steüeu haben.

** Die Allgemeinen Anzeigen zur Gartenlaube sind vor einigen Tagen durch Kauf in den Verlag von G. L Daube Sf Eomp. der bekannten Annonccn- Expedition übergegangen und unterliegt es wohl keinem Zweifel, dass unter der Aegide dieser außerordentlich tbätigen und weitverzweigten Firma dieses Publikations­organ einen weiteren raschen Aufschwung nehmen wird. Die ganze Organisation der genannten Annoncen-Expedition, deren Central-Büreau sich in Frankfurt a. M. be­findet, ist eine Derartige, daß sie durch ihre Vertretungen durch Generalagenten an allen Hauptplätzen in allen Gegenden in Der Lage ist, Den Anforderungen des Inserenten nach jeder Richtung auf Da-} Prompteste zu genügen.

Die Acquisition der allgemeinen Anzeigen zur Gartenlaube gibt der ge- nannnten rührigen aus solidester Basis begründeten Annoncen-Expedition neuerdings Gelegenheit ihre auf langjährige Erfahrung beruhenden Kenntnisse des Inseratenwesens in ausgedehntester Wirksamkeit zu verwerthen und kann es dem inserirenden Publikum nur anen.psohlen werden sich in ganzem Vertrauen an dieselbe zu wenden.

Die Gartenlaube, deren Auflage nach Hunderttausenden zählt und im ganzen dentschen Neicfie eine Verbreitung erlangt hat, wie fein zweites Blatt, trägt auch über den Ocecm, selbst in die vom großen Weltverkehr entlegenen Hütten, wo Deutsche weilen in Schrift und Bild die Kunde von der deutschen Heimath, unD Die mit ihr verbundenenAllgemeinen Anzeigen" bringen die Grüße der im Vaterlande Weilenden und die Kunde von frohcrr wie traurigen Ereignissen im Kreise der Familie in die Ferne; in ihnen stellt so zu sagen der deutsche Gewerbfleiß seine Produkte aus und sie bahnen in ihren Annoncencolonner. dem deutschen Handel mit den Weg in die entlegensten Länder.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., ll. April. Auf bessere Wiener und Pariser Notirungen befestigte sich gestern Abend trotz der noch immer anhaltenden Geldknappheit die Stimmung wied.'r etwas und schloffen namentlich die SpeculationSpapiere höher. Jndeß waren letztere heul«. Anfangs wieder matter, namenlftch Credckactien und Staatsbahn, für welche erst gar kein Animo vorhanven war, so daß erstere wieder 1 st., letztere 3 st. gegen gestern Abend einbüßten, und zwar auf die aber­malige Mindereinnahme von 109,000 st. Später aber, als bessere Berliner Notirungen einliefen, befestigten sich a ich SpeculationSeffecte- wieder und wurden namentlich Lombarden stark getändelt, da, wie dieNeue freie Presse" zuverlässig mittheilt, der VerwaltungSrath sich über Dividende von 20 st. pro 1871 d.finitiv geeinigt habe und der Matcoupon also mit 12>/2 st. zur Dertbet- lutu komme. Sie notiren daher heute um 4 st. höher als gestern Mittag. Dagegen kam die festere Stimmung bei Bankwerthen mehr zum Durchbruch und gewannen Darmstädter, die gestern verloren, 10 st. wieder zurück, während Oestcrreickisch-deutsche bei lebhafterer Kauflust wieder 124 und Deutsche Dereinsbank sogar 129*/2 erzielte. Auch Baubank in Frage und Bayeriscke Wechsler­bank um l/z1 Proc. theurer. Fremde Banken jüngeren Datums blieben allerdings noch zurück, mit Ausnahme der Provinztaldiscontactien, die etwas besser bezahlt wurden. Auch in Bahnen machte sich ein schwacher Anfang zur Besserung bemerklich, und wurden heute Elisabeth bei 2613 4 gern wieder g-nommen, auch Donau-Drau um 2 st. und Buschterader um 3 st. höher, ebenso Nordwest um 4 st. Alföld und Galizier in kleineren Posten bei anziehendem Preise gekauft. Bayerische Ost 1 Procent niederer. Wenn erst die Geldknappheit überwunden sein wird, werden sich auch die Preise wieder erholen, da sich mittlerweile ein für die Gesundung der Geschäfte nur woblthätig wirkender Besitzwechsel vollzogen haben wird. Prioritäten zogen heute auch wieder etwas an, wie z. B. Livorneser um Staatöbahn um V, und Ungarisch-galizische um 4 Proc. Pfandbriefe, die von der Baisse wenig oder gar nicht altertet worden, preishaltend und find