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Unpopularität, welche ihn in Paris erwarten, wenn er sich dem Pariser Geist nicht unterwirft, zu trotzen, oder dem Charakter jeveS Einzelne« in der National­versammlung eine solche Größe zumuthen?

Die Franzosen wollen den Frieden; in Paris macht man Handel und doch verlangt Herr TbierS, daß die Nationalversammlung sich nach Paris begebe? Man weiß, welche Folgen es für Frankreich hatte, als sich Paris den armen Ludwig XIV. und die Nationalversammlung nach Paris holte, und doch will der Geschichtschreiber der Revolution ein Analogon herbeiführen?

ES ist schwer zu glauben, daß er die Gefahren einer Uebersiedelung der Regierung nach Paris nicht begreifen sollte, und man wird eben deshalb versucht zu befürchten, baß er Pläne verfolgt, für deren Durchsetzung er die Unterstützung gerade des Pariser Geistes bedarf; Pläne so abenteuerlicher Natur, daß er sich nicht scheut, für bas Kriegsbudget 80100 Millionen mehr in Anspruch zu nehmen, als selbst das Kaiserthum zu fordern sich getraute.

Nein! Wir glauben nicht, daß Herr Thiers an den Krieg denkt. Er schmeichelt nur der nationalen Eitelkeit mit Möglichkeiten, an deren Realistrung er wohl schwerlich denkt; aber die Gefahr liegt darin, daß er sich und den fran­zösischen Nationalwillen unter die Herrschaft des Pariser Geistes bringen will, welcher nicht zaudern dürfte, mit den Belleitäten des Präsidenten Ernst zu

als Bundesfelbherrn unbedingt Folge zu leisten." Hiezu ist die Stabung:Ich schwöre zu Gott dem Allmächtigen, daß ich alles dasjenige, was mir soeben vor- gehalten worden und ich wohl verstanden habe, genau befolgen will, fo wahr mir Gott helfe und sein heiliges Wort." Im badlschen Armeecorps ist dieser Tage die gleiche Eidesformel eingeführt worden.

Mannheim, 9. Januar. DieN. B. L." schreibt: Der Großherzog hat bas Ministerium ermächtigt: gerichtlich erkannte Geldstrafen, Haftstrafen und Ge- fängnißstrasen bis zur Dauer von sechs Wochen im Gnadenwege zu mildern oder ganz zu erlassen, sowie auch Haftstrafen und Gefängnißstrafen der erwähnten Dauer in Geldstrafen zu verwandeln.

Stuttgart, 11. Jan. DerSchwäbische Merkur" bringt folgendes Tele- gramm aus Berlin: Der Kaiser hat die Entscheidung des S. Juan-Streitfalle- bis zur zweiten Replik Englands, welche binnen 6 Monaten, vom 17. Dec. v. I.

Herr v. Goulard wird diese Woche nach Rom abreisen.

Italien.

Rom, 10. Jan. Der König wird morgen hier erwartet. Am Sonntag sinder großes Hofdiner statt, wozu die Gesandten eingeladen sind. DieDpi- nwne" dementirt, daß die Commission der Kammer den ßnanziellen Vorschlägen des Ministeriums entgegen sei. Es sei demnach die Nachricht von einer angeblich befürchteten Ministerkrisis unbegründet.

Nom, 10. Ian. Die Commission des Senats, welche mit der Prüfung der Beschwerden gegen den General Medici als Präfecten von Palermo betraut war, hat beschlossen, daß derselben keine Folge zu geben sei. Die Ergebnisse der Rekruten-Aushebung in der Provinz Rom sind sehr zufriedenstellend.

Amerika.

Newyork, 9. Ian. Der commandirende General der Militärdiviston des Südens, Generalmajor H. W. Halleck, ist gestorben. Meldungen aus Mexiko

auch Hr. v. Wurmb, sobald nur erst dem Minister dessen Beziehungen zu dem SpeculationS - Unternehmen bekannt werden , Zug um Zug die Weisung , seine Stelle als Aufsichtsrath niederzulegen. Dies wohl um so mehr, als die Kammer heute allerhand Ausstellungen machte, die sich auf den Berliner Polizeipräsidenten bezogen. Ec wurde namentlich von Virchow scharf mitgenommen. Virchow nahm insonderheit die Berliner Commune gegen die Berliner Polizeioerwaltung in Schutz Das Haus stimmte auch dem Antrag bei, der Minister möchte mit dem Magistrat in Erwägung nehmen, welcherlei Functionen dem Polizeipräsidium abgenommen und auf die städtische Verwaltung übertragen werden könnten. Der armen Polizei erging es heute übel. Bis zu der Anklage verstieg mau sich, es seien von -Den­jenigen, die für die Sicherheit der Stadt zu sorgen hätten, Einzelne wohl gar bestochen worden. Graf Eulenburg ging hierauf ein und stand nicht an, d.e Nachtwächter als Diejenigen zu bezeichnen, die sich bestechen ließen. Duncker wollte hiervon nichts wissen. Er griff weiter und rief in Vie Versammlung hinein: Auch Andere!"Nein, nein!" erwiderten die Conservativen. Was wird die Bürgerschaft von Berlin dazu sagen? (F- I )

München. Ein Rescn'pt des bayerischen Kriegsministeriums vom 29. v. M. ordnet an, daß der Fahneneid von nun an in folgender Form zu leisten fei:Ihr sollt schwören zu Gott dem Allmächtigen einen körperlichen Eid, daß ihr dem allergnädigsten, großmächtigsten König und Herrn Ludwig II-, unserm allergnädig- ften Kriegsherrn, treu Dienen, allerhöchstvesselben Wohl nach Kräften fordern, allen Vorgesetzten den gebührenden Rcspect und Gehorsam leisten, deren Befehle ohne Widerrede und unverdrossen vollziehen, im Kriege wie im Frieden, zu Wasser und zu Land, bei Tag und bei Nacht, auf Märschen und Wachen, bei Belagerungen, in Stürmen und Schlachten, überhaupt bei allen Gelegenheiten als tapfere und treue Soldaten euch erweisen, euere Fahne (Standarte) niemals treulos und meineidig verlassen, vielmehr sie stets muthig vertheidigen und euch nach Vorfchrifl der KriegSgefetze jederzeit so benehmen wollet, tote es ehrliebenden Soldaten ge­ziemt. Auch schwört ihr, im Kriege den Befehlen S. M. des deutschen Kaisers!

Die Ermordung der Geißeln zu Paris.

Paris, 9. Jan.

Vor dem sechsten Kriegsgericht in Versailles unter dem Vorsitz des Obersten Delaporte kommt heute die Affaire der Ermordung der Geißeln im Gefängnisse La Roquette zur Verhandlung. Man weiß, daß diese Geißeln u. A. der Erz­bischof von Paris, Mgr. Darboy, der erste Präsident des Pariser Appellhofs Bonjean und eine Anzahl von Priestern waren, die bis dahin der Politik völlig fremd geblieben. Der Prozeß ist gegen 24 Angeklagte gerichtet, von denen jedoch nur 23 anwesend ist. Der vieiundzwanz-gste ist flüchtig und es muß gegen ihn in contumaciam verfahren werden Die Hauptangrklagten sind der 57jährige Isidore Franyois, unter der Commune Director des Gefängnisses La Roquette, feines Zeichens ein K>stenmacher, Romain,- Oder-Gefängnißwärter, Picon und Langbein, Beide Gesängnißwärter von La Roquette, ferner zwei Frauen, Zölle Grandel, G-liebte von Franyois, und Marguerite Gaindair, genannt La Chaije. Der Anklageakt sagt Folgendes:

Am 21. Mat wurde in den Tiefen eines Pariser Gefängnisses ein großes Verbrechen begangen und die Erinnerung daran macht noch heute alle ehrbaren Kerzen erbeben. Sechs Opfers aus den angesehensten und tugendhaftesten Mitgliedern des N'chterstandeS und des EleruS ausgewählt, wurden im Schatten von einer Handvoll wülhender Trunkenbolde und untergeordneter Agenten niedergemetzelt, die den Befehlen der scheußlichen Commune gehorchten. Eine sehr schwer zu führende Untersuchung bat ergeben, daß daS Drama des 24. Mai sich kraft eines ScheinurlheilS vollzog, welches von einem improvisieren Kriegsgericht in der Mairie des 12. ArondissementS gefällt worden war, woselbst diejenigen Mitglieder der Commune, welche noch nicht die Flucht ergriffen hatten, sich seit dem Morgen hmgeflüwiet hatten. Dort am Boulevard Voltaire be­fanden sich DeleSclu;e, Ranvier, Ferre u. A. AlS Re sahen, daß sie verloren waren, daß die NatwnalgaldcnVcrrath" schrieen, befahlen sie die Ermordung der Geißeln. eu dachten sie das Mißtrauen zu erstick n , das schon drohend um sie z» grollen begann und gleichzeitig wollten sie den Jnstincten der Rache genügen, von den.n sie bel.bt waren. Da also war eS, wo Genton dies Schein - Kriegs-ericht errichtete, zu dessen Piäfident man ihn ernannte. An seiner Seite nahmen ein Sergeant der Föderirten und ein alter Nationalgaidist Platz. Die Verurtheilung

der Geißeln wurde ausgesprochen, d-e Hinrichtung sollte unverzüglich erfolgen, sie erfolgte. Ein

Peloton auS den Reihen der Föderirten begab sich nach d.m Kerker und dort wurden ihm dl«

Opker durch den -rsten Angeklagten Francois und den ihm zur Seite sitzenden Romain auSge-

liefert." Der Anklageakt geht nun a»f den 18. März zurück und auf die Verhaftungen, die an jenem Tage schon gemacht wurden. Er sindet dieselben gewissermaßen logisch, nicht aber die deS Crzb schoss, der am 21. März, und des Präsidenten Bonjean, der am 4. April ohne Grund, ohne Mandat und ohne Recht velhaftet wurde. Er gedenkt daun deS famosen Commune DecretS vom 5. April, welches die Erschießung der (Seiße n für gewisse Fälle androht, und macht über­haupt eine Geschichte der Grausamkeiten und Gräuel, die u ter der Commune an der TageS- o bnunq waren.Täglich forderte man in den eraltirten Journalen wie in den Sitzungen des Stadthauses den Tod der Geißeln. Vergebens verlangten die Geißeln Richter, und man ant­wortete ihnen :Die Commune vollzieht nicht Gerechtigkeit, sondern die Revolution." Deputa­tionen der Plebs versicherten sich täglich auf der Regst atur, daß beim Namensaufruf keiner der Geißeln fehle. Schon am 12. Mai warvn sie aus Mazas nach La Roquette übergeführt worden. Raoul Rigauit, Dacosta und ein gewisser Garaud le-teten die Uebe-si dlung. die in offenem Wagen vor sich ging und die Unglücklichen den Wuthausbrüchen der zornigen Menge aussetzte. Von diesem Tage an wurde das Verbrechen vorbereitet. Vor dem Gefängnißthoc placirte man sechs > Compagnien Föderirten aus dem 180. und 206. Bataillon, die bis zum 27. Mai dort blieben. >Sie wurden commandirt von einem gewissen Vorige, einem Trunkenbold, der nicht erwählt,

machen.

Und auch aus diesem Grunde, und um dieser Gefahr vorzubeugen, möchte Depesche vom 7. v. M. auch zur rechten Zeit veröffentlicht worden sein.

zufolge soll der Anführer der Insurgenten, General Porfirio Diaz, in zwei große- Gefechten Niederlagen erlitten haben.

Deutschland.

Darmstadt, 9. Jan. Die Schwurgerichtsverhandlungen gegen die beiden Socialdemokraten W. Wolf und Ad. Häuser wegen Hochverraths oder Herab­würdigung der Religion haben ein außerordentlich zahlreiches Publikum, meist aus Arbeitern bestehend, herbeigezogen. Die Beschuldigten stellten insbesondere ent­schieden in Abrede, auf jener Volksversammlung zu Bieber zum gewaltsamen Um­sturz der bestehenden Verhältnisse aufgefordert zu haben, wollen vielmehr die An­wesenden ausdrücklich daraus aufmerksam gemacht haben, daß sie ihr Ziel auf gesetzlichem Wege anzustreben hätten. Die Zeugenverhandlung, welche erst morgen zu Ende geführt werden kann, bot (bis jetzt wenigstens) mit Ausnahme der Aus­sage des Vorstandes des katholischen Casinos zu Bieber, wenig Material zur Auf- rechthalrung der Anklage wegen Hochverraths.

Darmstadt, 11. Ian. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 29. December v. I. den wirklichen Ge- heimerath Heinrich Freiherrn v. (Sagern auf sein Nachsuchen und unter Aner­kennung seiner treuen und vorzüglichen Dienste, sowie unter Verleihung des Groß- kreuzes deS Ludewigsordens in feiner Eigenschaft als außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am K. K. Oesterreichischen Hose in den Ruhestand

Frankreich.

Paris, io. Ian. Gontaut-Biron berichtet, daß der Kaiser und der Kron­prinz ihre Bereitwilligkeit gezeigt hätten, Frankreich politische und finanzielle Ver­legenheiten zu ersparen. Den umlaufenden Nachrichten entgegen beansprucht Pouyer-Quertier nichts von der Bank. In Finanzkreifen spricht man von einer im April oder Mai aufzunehmenden Anleihe von 2 Milliarden zum EmissionS- course von 85 oder 87.

Versailles, 9. Januar. Die Nationalversammlung genehmigte die Zusatz. Convention zu dem Friedensvertrag mit Deutschland und begann sodann die Be- rathung über die Steuer auf die Mobiliarwerthe. Der Finanzminister Pouyer- Quertier wies auf die Dringl'chkeit einer Entscheidung hin. Graf Arnim überreichte heute 2 Uhr seine Creoitive als deutscher Botschafter. Ein feierliches Ceremoniell fand nicht statt, da solches unter der gegenwärtigen Regierung nicht gebräuchlich ist. Im Laufe der Unterhaltung mit dem Präsidenten der Republik gab der Graf die Versicherung, daß die in seinem Schreiben vom 1. Januar hinsichtlich des Präsidenten und Frankreichs auSgedrückken Gefühle die Gefühle feiner Regierung feien. Nach dem officiellen Empfang besuchten Graf und Gräfin Arnim den Präsidenten der Republik und den Minister des Auswärtigen.

zu versetzen geruht.

Darmstadt, 11. Jan. Der Hochverraths'Proceß vor dem hiesigen Afsisen- Hof gegen die Socialdemokraten Wolf und Häuser aus Offenbach hat nach drei­tägiger Verhandlung mit der Freisprechung der Angeklagten geendigt. Die 93er» theidigung führte der HofgerichtSadvocat und Reichstagsabgeordnete Dernburg.

Frankfurt, 10. Jan. Das Fr. I. schreibt: Der Umsatz in Immobilien, welcher in den ersten neun Tagen dieses Jahres stattfanv, ist ein so unerhörter, wie ihn die Annalen Frankfurts, feit dem das Immobilien-Geschäft irgend welche Bedeutung erlangt hat, noch nie aufweiscn können. Bereits sind 17 Piecen ver­kauft und wurde dafür der unerhörte Preis von 1,360,000 fl. bezahlt. Manche Lokalitäten wurden geradezu vergoldet. Wie soll es mit den Miethen werden? Sehen denn Verkäufer und Käufer nicht ein, daß, wenn in dieser Weise fortge- wirthschaftet wird, eine CrisiS nicht ausbleiben kann und je toller die Preise in die Höhe getrieben werden, je eher eintreten muß?

Berlin, 9. Jan. Mit heute ist das Abgeordnetenhaus wieder in Zug ge­kommen. Nicht uninteressant war die DiScussion des Etats des inneren Mini­steriums. Allerhand kam zur Sprache. Graf Eulenburg erklärte auf die An- frage, ob es wohl anginge, daß Beamte an Actien-Unternehmungen sich beteiligten unvGründer" würden: er sehe innerhalb seines Refforts streng darauf, daß dergleichen nicht vorkäme. Man machte ihm eine bestimmte Persönlichkeit in Han­nover namhaft, und sofort sagte Der Minister, er würde nachfragen lassen, um den Beamten aufzufordern, aus der Gesellschaft auszutreten. Gras Eulenburg wird vermuthlich nicht wissen, daß der Polizeipräfect von Berlin ebenfalls einer Act-engesellschalt, derFlora" in Charlottenburg, angehört. Jedenfalls bekommt