Aus Bayern, 7. December. In der neuesten Nummer des bayerischen „Eentral-PoUzeivlatt" ist der vormalige Redacteur des „Volksboten", Zander, und der Spitz?ver'sche Agent Molitor zur Verhaftung ausgeschrieben. Mit dem Verkauf des „Dolksboten" hat es seinen Haken; vergeblich wurde er erst einem Konsortium in Wien, dann dem katholischen Eastno in München zum Kauf an- geboten. — Im Interesse der Spitzeder'schen Gantmoffe, nämlich uw das au« dem Verkaufe der ihr zugehörigen Mobilien erlöste Geld sobald als möglich ver-
Madrid, 7. Decewber. Der König ist wieder vollständig hergkstellt und hat seine gewöhnlichen Arbeiten wieder ausgenommen. Alle Munieipalitäteo haben ihre Functionen wieder ausgenommen und scheint hierdurch die Heistrlluna der Ordnung gesichert. 1
6ine sogenannte republicanische Bande, ungefähr 150 Mann stark welche erlitten 6‘ De«penapeer°< umherstreiste, hat eine vollständige Nredeelage
zinSltch anzulegcn, wird das gesamwte, bekanntlich sehr reichhaltige elegante und werthvolle Mobiliar der Adele Spitzeder noch vor Weihnachten unter den Hammer kommen. Wie man hört, soll sich der Werth au Pretiosen allein aus 20,000 fl. belaufen, dazu kommt auch eine Sammlung von Gemälden rc. und wird der Gesammtwerth des Mobiliars auf ca. 60,000 fl. geschätzt. Die Gant scheint sich bet der ungeheueren Masse von Gläubigern auf einige Jahre hinaus erstrecken zu wollen Die in Folge des Dachauerbanken-Schwindels eingeleiteten gerichtlichen Untersuchungen erstrecken sich, etngezogenen Erkundigungen zufolge, auf zehn Personen, die sich tu drei Gruppen theilen: 1) die Bankhalter Herb und Lindner, 2) die Bankhalterin Pauline Dosch und RechtSconcipienk Brücklmaier, 3) Adele Spitzeder mit noch fünf Personen, worunter ihre „Gesellschafterin", bisher Besitzerin der „Villa Rosa" und eines IuwelenschmuckeS von eminentem Wrrthe. Die übrigen sind gew'srne „Beamte" de- erstgenannten Fräuleins, darunter Herr Homolatsch, gewesener österreichischer Cadett. und aus den Eurlisten eines nieder- bayerischen Bades vom vorigen Sommer bekannt als „Baron Napoleon Homolatsch". Sine ehemalige Agentin der Spitzeder soll beabsichtigen, in Landshut eine ähnliche Bank anzulegen.
Oesterreich.
Wien, 6. Decbr. Mit dem gestrigen Tage sind die parlamentarischen Zustände in Ungarn in das normale Geleise zuruckgekehrt. Die Neven, mit welchen der neue Minister-Präsident sich und sein Cabtnet den beiden Häusern vorstellte, entsprechen der Situation. Zu einer großen Programmrede lag kein Anlaß vor, da ja nicht eine Principiensrage den Personenwechsel herbugesüyrt hatte. Szlavy deschränttc sich denn auch darauf, zu erklären, daß Basis und Richtung der Regierungspolitik jene der Partei find, aus welcher das Ministerium hervorgegangen, und die Angelegenheiten aufzuzählen, welche die Regierung noch in dieser Sesflon erledigt zu sehen wünsche. Die wichtigsten derselben beziehen sich auf brennende materielle Fragen. Die an das Abgeordnetenhaus gerichtete Mah- nung Szlavy'S, in der Berathung stets das nöthige Maß von Objektivität und Nüchternheit zu bewahren, wurde mit allgemeinem Beifall ausgenommen, was immerhin als gute« Omen gedeutet werden darf.
Hermannstadt, 5. December. Seit gestern wüthet auf der ganzen Karpathenkette, von Katoua angefangen, auf den Eibie-, Zoodter- und Iogava'schen Gebirgsabhängen dies- und jenseits de« AlifluffeS in einer Ausdehnung von mindesten« 8 Meilen ein fürchterlicher Waldbranv, der entweder in Folge dir grenzenlosen Unvorsichtigkeit der Schafhirten entstanden, oder wohl gar absichtlich von denselben gelegt worden ist, um für ihre Heerden „gute Weive" zu bekommen. Diese namenlose Bornirthett, welche so freventlich mit dem Wohle und dem Etgenthume von ganzen Generationen spielt, ist geradezu unbegreiflich! Die letzte von unserer Promenade aus sichtbare Feuersäule lodert weit abwärts vom Negot hinter Arpasch gegen Fogarasch. Zur Nachtzeit gewährt der riesige Wald- brand einen schauerlich erhabenen, Apdlick. Der bierpurcd tmurfadite volk«- «iiyavcu ifi 1M Hinblick auf die in den nächsten Jahren zu gewärtigenden verheerenden Ucberschwemmungen der Thalgebicte, ungerechnet die unermeßlichen Verluste an Brenn- und Baumaterialwerthen, unberechenbar. Gestern war in Folge dieser Katastrophe der Rauch in unserer Stadt nicht nur sichtbar, sondern für die GeruchSorgane auch fühlbar, obgleich die geringste Entfernung Vom Branbplatze in gerader Luftrichtung mindestens 11/a Meilen beträgt.
Frankreich.
Paris, 8. Decbr. Gestern begaben sich Polizeibeamte in alle Kaffee-, Bier- und Weinhäuser, um den Eigenthümern derselben zu verbieten, die Ptti. tionen für die Auflösung zum Unterzeichnen rc. aufzulegen. In einigen Orten zeigten sich die Agenten sehr brutal. Sie zerrissen die Petitionen und drohten denen, welche unterzeichnet hatten.
Von einem guten Beobachter wird unS ein Privatbrief mitgetheilt, in welchem cs heißt, „Der Geist und Stand der Armee ist, was Schlagfertigkeit nach Außen betrifft, wirklich noch recht schlecht. Gerade die intelligentesten Ossi- eiere sind sehr besorgt darüber, sie blicken mit Angst auf die Möglichkeit eine« neuen Krieges, besonders mit Deutschland, und meinen, daß; wie die Armee sich jetzt mache, sie eine Niederlage, schlimmer wie 1870, erleiden könnte. Diese Stimmung herrscht aber mehr in den mittleren Rangstufen; die „großen Mützen" nach oben und die TroupierS nach unten, sie find nach wie vor überzeugt, daß sie überall Sieger bleiben würden, wofern ste nicht — verrathen würden. In die inneren Händel sich nicht mischen zu müssen, das ist dagegen in der ganzen Armee frommer Wunsch. Ehanzy wird in Versailles fetirt; wie Ducrot de- schaffen, ist weltbekannt; Mac Mahon aber wird mit jedem Machthaber gehen."
Italien.
Der „Gazzetta d'Italia" wird von Rom die etwas stark nach dem Krim- tartaren schmeckende Sensationsnachricht mitgetheilt, Deutschland unv Oesterreich hätten eine Allianz geschloffen, nm Rußland anzugreifen. Schweden möchte gern der Dritte im Bunde sein, um bet der Gelegenheit Finnland wieder zu erobern, wenn möglich natürlich noch mehr. Deshalb sei der schwedische Gesandte in Rom in aller Eile nach Wien gereist. Schade, daß noch nicht Carneval ist. Paffender Stoff für eine Depesche.
Spanien.
Madrid, 6. December. Eine Carlisten-Bande in der Provinz Valencia ist zerstreut worden und hat lO Todte, darunter ein Anführer und dessen Sohn, sowie 30 Verwundete in den Händen der königlichen Truppen gelassen. Fünfundzwanzig Mann wurden bei der Verfolgung zu Gefangenen gemacht. Die Föderalisten- Bande von Montemola wurde ebenfalls zerstreut.
Eine kleine Carltstenbande, welche die Schienen der nach Frankreich führenden Bahnen aufgenssen hatte, wurve von den Truppen erreicht und zerstreut.
Palloch, der Führer der föderalen Insurgenten von Alcoy, ist im Kampfe gegen die Truppen ge,allen. Seine Baade, sowie dir des Madrazo, stad rcr- streut worden. 1 8
Drei kleine carlistische Banden, welche über die Grenze gekommen sind werden lebhaft verfolgt. '
England.
London, 7. Decbr. Da« auffallende Bündniß zwischen Legitimisten, Or- leanisten unv Bonapart-sten verdankt, wie der Pariser Eorresponkent der Daily Rems wissen will, seine En stehung einem Winke vom Vaticane hcr, den die fromme Kaiserin Eugenik beim heiligen Vater durchgesetzt haben soll. Der Papst bat die bilher einander feindlichen Parteien ermahnt, sich vereint um da« seiner Meinung nach von den Republikanern gefährdete Princip der Autorität zu schaaren. Der Graf von Ehambord liebt, wie man sagt, diese Vereinigung nicht, muß sich jedoch dem W'llen Sr. Heiligkeit füien. Gleichzeitig thetlt derselbe Eorresponoent mit, daß die bonapartistischcn Agenten alle ihre Kräfte aufb.eten, um die Provinzen gegen Herrn Thier« aufzuwiegeln. Besonder« thätig find sie in Marseille, »o die Union Mö.idwnal, für welche« Blatt namentlich Paul de Caffagnac und Jule« Richard schreiben und in welchem auf den P»äfid«nten der Republik nach Herzenslust geschimpft w rd, unentg ltlich avSg^theilt wird.
Nachdem der Premier-M-n fier Gladstone den Prinzen von Wale« besucht hat, soll man auch den Führer der Opposition, Disraeli, bestimme demselben einen Besuch abstatten.
Zu Dawley in Shropshire bat sich ein gräßliche« Unglück zugetragen. Acht Grubenarbeiter wurden in den Schacht hinunter gelass.n, als die Kette brach und der Korb mit den Unglücklichen in die Tiefe stürzte. Alle acht wurden so- fort geiöotet.
Rußland.
Petersburg, 8. Decbr. Prinz Karl von Preußen ist gestern zum Ches der ersten Gr.naoier-Artille.'e-Bcitzade ernannt worden.
Dir Kaiserin ist am 5. December von der Krim in Petersburg wieder eingetroffen. Die Polizei hatte in einer amtlichen Bekanntmachung „den Einwohnern dec Hauptstadt freigestellt, aus diesem Anlaß ihre Häuser mit Flaggen und Tep- ptchen zu schmücken."
Petersburg, 10. Decbr. Bei dem Festmahl anläßlich der Feier de« Georgs-Ordens brachte der Kaiser Alexander einen Toast auf den deutschen Kaiser, al« den ältesten Ordensritter, aus.
Local - Notiz.
Gießen, 11. December. Während man in Isenburg, wie unser heutiges Blatt meldet, aus Anlaß der Wahlen sich tobt schoß und weidlich durchprügeltr, wurden bei der hiesigen LaudtagSwahl mehrere Personen bei h»r j" stark«« B-theiligung gedruckt; eS wählten nämlich von iouu iruaylberechligten in drei Tagen nur 192. Sollten biejniaen Blätter welch« Gießen der Politischen Flauheit beschuldigten, wohl Recht haben? Fast gewinnt eS den Anschein Im Nebttgen wurden die »nrgeschlogkn.n 24 H.rren gewühlt, f, daß die Kandidatur de« Herr» August Heß gesichert ist. v
Börsen berich t e.
Frankfurt a. M., 10. December. Die Grundsiiminung der heutigen Börse war ein« nicht feste, obgleich zeitweise Momente einer relativen Festigkeit, besonders nach dem S.ntreffen besserer Berliner Notirungen und das erficuliche Positionen aufweisende Status dec prcuß Bank (Baarvorrath PluS 567,000 Thlr., Wechselbcstäube minus 759,000 Thlr. und Not ncirculation minus 5,179.000 Thlr.) eintiaten. Diese Nachrichten ubten indeß nur einen günstigen Einfluß auf die eiaentlichen Epeculationöwerthe aus, während Banken, wie gestern, jedoch bei ziemlich belebtem Geschäft, in flauer Tendenz verblieben. Vielfach wird die gegenwärtige Haltung der Börse als ein gesundere Zustände anbahn,ndes N bergangestadium angesehen, da bei dem durch bi« Situation bedingten starken AuSgebot eine Purification der kleinen Speculaiion sich vollziehen dürfte. Von den HauptspeculationSeffccten blieben SlaatSbahn zu ca. 363%, etwa auf ihrem Stande von gestern Abend. Ereditact^en zu 362'/« schließend, zeigten eine kleine Avance von ca. % fl Lombarden schloffen unverändert zu 211V2. Silb.rrente etwas besser wie gestern Von Bankwerthen verhielten sich relativ fest: Oesterr.-Deutsche Vereinsbank, Baubank (Lnal Wechslerbank. Antwerpener Bank matter. Nach der „Jnd. Beige" ist man in Brüsseler Fiuanr- freifen schon jetzt überzeugt, daß durch die Zahlungssuependirung der „Banque de l'llnion" die Gläubiger der Bank keine Verluste erleiden werden. Von anderen Bankwerthen Brovinzial, DiSconto 1 o,o, Darmstädter 5 fl.. Continental 2'/2o/0 und Bankverein 1 o 0 niedriger. Wiener Dankaitien ohne Veränderung. Bezüglich hr Angelegenheit der Madrider Sooft können wir nach sichere,st Vernehmen noch mittherlcn, daß in den nächsten Tagen die (Sinlöfimq der fälligen
Kupons und Treffer stattfinden wird, wonach also die Verhältnisse mit der Stadt als geregelt
erscheinen. Madrider Loose verkehrten aus diesem Grunde mit 163/,—17 zu höherem Course
Wir erfahren außerdem, daß die Filiale der Meininger Bank, welche am 1. Januar hier eröffnet
wird, die Noten dies e Bank nicht einlösen wird. Spanier unverändert. Von Wechseln Wien matter. Friedrichsd'or </, fr. höher.
Frankfurt n. M. — Neben einer groben Anzahl der renommirteften in^ und ausländischen Zeitungen, als deren bedeutendste, hinsichtlich der Verbreitung, wohl der Kladderadatsch genannt werden darf, ist neuerdings der seit langen Jahren in Frank- urt a. M erscheinende „Frankfurter Beobachter" in den Annoncen-Pacht der in Frankfurt a. M- bomicilirten, allgemein bekannten Firma Rudolf Masse übergegangen. Es darf dieses als neues Acquivalent für das der genannten Firma allgemein entgegenaetraaene Vertrauen bezeichnet werden.________________________
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