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Gießener Anzeiger

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

Freitag den 11. Oktober

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VreiS vierteljährig 1 fl. 12 kr.

-nit Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

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Gewiß wird man eingestehen muffen, daß die Schwierigkeiten der Lage sehr groß geworden sind und daß Herr Thiers sehr viel Klugheit und Energie zu^ent- wickeln haben wird, um ihrer Herr zu bleiben.

Und doch liegt das Bedenkliche der Situation kaum in diesen Schwierigkeiten an und für sich betrachtet, als in dem Umstande, daß sie so plötzlich ihren Charakter gewechselt hat.

Offenbar suhlte sich Herr Thiers noch vor Kurzem vollkommen als Herr der Situation; Der Brief Barthelemy's wäre sonst nicht geschrieben worden und dieRepublikaner der elften Stunde" hätten sonst keine Epistolar-Politik getrieben; und eine Rede Gambetta's hat auSgereicht, um ihn in die Defensive zu treiben, in eine Defensive, welche ihre HülfStruppen dort sucht, wo nach Gambetta's Be­hauptung uur die Feigheit zu finden ist.

Demagogie und Staatspflicht sind sich gegenüber getreten es muß sich zeigen, ob Frankreich die Fähigkeit besitzt, eine vernünftige Wahl zu treffen.

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ib billigen igungen- - rung unter

ttlung von

Michelbach erforderlich gewordene Neuwahl eines Abgeordneten im X. Wahl­bezirk Der Provinz Starkenburg (Wald-Michelbach) für Den XX. Landtag 1872 betr.;

Die Vorlage des Großh. Ministerium des Innern:

I. Den Gesetzentwurf, Die Gemeindeausgaben betr.;

II. Den Gesetzentwurf, Die Mitwirkung Der Forensen bet Der Festsetzung des Gemeindevoranschlags betr.;

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Denn nicht dadurch wird der innere Friede in Frage gestellt, daß einzelne exaltirte Geister sich mit ihr nicht vertragen wollen, sondern durch Die Dis­position Der allgemeinen Stimmung, welche Den politischen Marktschreiereien ein Auditorium stellt.

Grade unter diesem Gesichtspunkt gefaßt, gewinnt die zu Grenoble gehaltene Rede des Herrn Gambetta fast Den Charakter eines Ereignisses.

Der ExDictator hat dort Der konservativen Republik unD also inDircet Dem Präfidentkn Derselben Den Krieg erklärt; er fordert Die raDicale Republik im Gegensatz zur BorgeoiSrepublik unD um Dieselbe zu erlangen Neuwahlen, von welchen aber Alle ausgeschloffen werDen sollen, Die er Die Republikaner Der elften Stunde nennt: Monarchisten aller Art, sowie überhaupt alle rechtlichen Leute, welche unter Dem sichern Schutz Der Gesetze ihrem Beruf nachleden wollen, ohne die Politik zu ihrem Lebensberuf zu wachen.

Die Rede enthielt an und für sich nichts, worüber man in Frankreich er­staunen konnte; man mußte längst Daran gewöhnt sein, in Dem Anruf Der Freiheit, welcher Die Freiheit Aller fein soll, nur Das Herrfchafrsgelüst einer Partei zu hören, unD namentlich Herr Gambetta hat ja bereits früher gezeigt, welche Art von Freiheit er Den Franzosen zu gewähren Willens ist, wenn es in feiner Macht steht, DaS Maß Derfelben zu bestimmen.

Aber Die indiviDuellen UmstänDe gaben Der Rede eine besondere Bedeutung, und Diese ist erhöht worden Durch Die Aufnahme, welche sie gesunDen hat.

Es war bisher Die allgemeine Annahme, Daß Thiers und Gambetta in einem gewissen Einverständniß lebten, welches ihnen im beiderseitigen Interesse eine wechselseitige Schonung unD Rücksicht auferlegte. Man charakierisirte Dieses Verhältniß DaDurch, Daß man Herrn Gambetta als Den Dauphin der französischen Republik betrachtete, welchem es zwar gestattet sei, Erwartungen rege zu erhalten- aber nicht Störungen zu veranlassen.

Frankreich unD Die Welt ist in Dieser Auffassung der Sachlage irritirt worden; Gambetta besitzt entweder nicht Die Kraft der Mäßigung, welche er bisher geheuchelt hat, oder er findet Die Heuchelei nicht mehr für nöthig und tritt offen als (Son- current Des Herrn Thiers auf.

In Dieser Beziehung war die Rede Gambetta's eine persönliche Heraus- sorderung, sie wurde aber zu einem Symptom Durch Die ungeheure Aufregung, welche sie hervorgebracht hat, so zwar, Daß sie nicht blos für einen Tag der aus­schließliche Gegenstand der Beschäftigung aller Geister wurde, sondern nachhaltig die öffentliche Diskussion beherrscht; za sogar zu diplomatischen Erörterungen Veranlassung gegeben und Herrn Thiers sogar, wie es scheint, in Die Noch- Wendigkeit versetzt hat, in einer großen Kundgebung gegen seinen Rivalen Stellung zu nehmen.

Gewiß braucht es nicht mehr um Gambetta als eine Macht anzuerkennen und vielleicht kam es Diesem zur Zeit eben nur Darauf an, Diese feine persönliche Wichtigkeit zu constatiren unD feine Prestige zu befestigen, während er durch feine Provokationen Herrn Thiers nöthigt, sich unD seine Macht Durch übermäßige An­strengungen vor Der Zeit abzunützen.

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Darmstadt, 10. Oktober. Die zweite Kammer Der StänDe wird am Montag Den 14. Oktober wieder zusammentreten. Die erste, Vormittags 10 Uhr beginnende Sitzung, hat als Tagesordnung Die Berathung über:

1) Die in Folge Mandatsniederlcgung des Abgeordneten Huy von WalD-

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Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Soeben erst hat man eine Stimme vernommen, welche Den Abfall Savoyens ankünDigte, falls Frankreich zurklerikalen" Monarchie zurückkehren sollte: darf die durch Gambetta so Übel charakteristrte Bourgeoisrepublik sich auch noch als eineklerikale" qualificiren lassen? Und auf Der andern Seite: darf Herr Thiers dem Clerus gegenüber mit Energie auftreten, nachdem es Demselben gelungen ist, Den Gemüthern eine schwärmerische Regung zu geben, welchen sie seit Zeiten Der Restauration nicht mehr zugänglich waren unD Die für sie Daher unwiDerstehlichen Reiz Der Neuheit hat.

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Die Vorlage des Gr. Ministeriums Der Justiz, Den Gesetzentwurf, Den Waffen­gebrauch Des Militärs unD Die Mitwirkung Desselben zur Aufrechterhaltung Der bürgerlichen OrDnung betr.;

Berlin, 8. Oct. Von liberaler Seite ist die Durch Den preußischen Cultus- Minister über Den Bischof von ErmelanD verhängte Temporaliensperre als juridisch anfechtbar bezeichnet, ober Die Ultramontancn haben sich begnügt, dies zu rcgi- striren. Eines ihrer Häupter Hot zwar nachzuweisen gesucht, Daß Der Fall Der bürgerlichen Ehrverletzung Durch kirchliche Exkommunikation nicht Durch Den Eultus- ministcr, sonDern Durch Den Staatsanwalt zu verfolgen sei, dabei aber außer Acht gelassen, daß es sich vor allem um Uebertretung einer Landrechtsbestimmung han­delt, die, weil sie einer VerfaffungSvorfchrift nicht widerspricht, sie vielmehr vor-

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Iedenfalls ist es ein sehr schwieriges Experiment des Präsidenten Der Re­publik, welche als Bourgeois-Republik charakterisirt wird, sich in ostensibler Weise Die moralische Unterstützung Des AuSlanDeS zu sichern unD es ist eine Erschwerung der Situation, Daß Die Stellung Der Regierung zur Kirche keinen korrekten Aus­druck finden kann.

Aus Der einen Seite von Den unverblümt ausgesprochenen Forderungen Des radikalen Republicanismus bedroht, wird Herr Thiers Durch Die Demonstrationen religiöser Schwärmereien, welche selbst Das atheistische Paris ergriffen hat unD von Dort aus zahlreiche Processionen nach LourDes senDet, um daselbst für Die Befreiung des Papstes zu beten in Die Enge getrieben.

Die Situation in Frankreich.

Sollte Herr Thiers sich doch ein wenig zu viel zugelraut haben, als er durch seinen Vertrauten, Herrn Barthelemy, aller Welt verkünden ließ, daß die Zeit gekommen wäre, um der konservativen Republik einen definitiven Charakter zu geben?

Jedenfalls haben sich, seit Herr Thiers aus Dem Seebade zurückgekehrt ist, Erscheinungen gezeigt, welche darauf Hinweisen, Daß noch viel dazu fehlt, um die innere Ordnung als völlig gesichert gelten zu laffen: die innere Ordnung, welche in Dem Geist der Nation selber ihre Voraussetzung finden müßte.

Ermann Atzenhof.

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1 Darmstadt, 8. Oct. In aller Kürze wird nunmehr die Entscheidung Dar- i über hier eintreffen, ob der Schießplatz für Die Artillerie des 11. Armeecorps in 1 der Nähe von Griesheim oDer von DuDenhofen wirD angelegt werden. Die Mi- 1 litärbehörde hat vor etlicher Zeit das zu beiden Plätzen nöthige Terrain vermeffen : lassen und ist mit Den Eigenthümern desselben wegen des Preises in Verhandlung getreten. Wie wir von wohlunterrichteter Seite vernehmen, soll alle Aussicht vor» banden fein, Daß, Da sowohl technische als finanzielle Gründe hiefür sprechen, Die

-öhere Genehmigung wohl für Die Anlage bei Dudenhofen werde txttyÄ'X. werden. , Für die nächste Zeit sollen, wie man uns aus guter Quelle mittheilt, sehr 1 umfassende Personalveränderungen im Offiziercorps der hessischen Division, nament­lich des 1. Infanterieregiments Nr. 115, durch Versetzung und Penstonirung bt> vorstehen. Wie es scheint, ist die Militärbehörde nunmehr gewillt, von der Mitverfttzung Der Militärärzte namentlich Des nieDeren Grades bei eintrehnDem Garnisonswechsel abzugehen. Sie hat Den Assistenzärzten Des nach Mainz 6er- legten 3. Hess. Infanterieregiments Nr. 117 gestattet, in ihren seitherigen Garni­sonen DarmstaDt, Offenbach und Worms zu verbleiben. Sie soll durch Den sehr empfindlichen Mangel an Aerzten hierzu gezwungen worden fein; auch war nur durch Diese Maßregel Der Abgang aller Assistenzärzte Des Regiments zu umgehen. Dem vortragenDen Rathe im Ministerium des Innern, Dr. Iaup, ist das Referat der evangelischen geistlichen Angelegenheiten und des Schulwesens zuge- theilt worden. An Der Thierarzneischule zu Gießen wird in Kürze ein Dritter Lehrer, für Hufbeschlag, angestellt werden. (Fr. I.)

Darmstadt, 9. October. Der heute hier eröffnete deutsche Frauentag ist zahlreich besucht. In Der im Palais Der Prinzessin LuDwig stattgefunDenen Delegirten - Versammlung waren 50 Damen als Delegirte anwesend. Die Be­theiligung Der Darmstädter Damen ist eine zahlreiche.

Darmstadt, 10. Oktober. An Stelle des auf seinen Wunsch von Den Functionen als Großherzoglicher Bevollmächtigter zum Bundesrath des Deutschen Reichs enthobenen Großherzoglichen ObersteuerdirectorS EwalD ist mittelst Aller­höchster Entschließung Seiner Königlichen Hoheit Des GroßherzogS d. d. 3. l. Mts. Der Großherzogliche Ministerialrath im Ministerium des Großherzoglichen Hauses und Des Aeußern Dr. Carl Neidhard als Großherzoglicher Bevollmächtigter zum BunDesrach des Deutschen Reichs ernannt worden.

Nr. 23«