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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

Mittwoch den 11. September

1872.

Deutschland

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Berlin, 9. September. DieKreuzztg." schreibt: Die Behauptung ver- schievenkr Blätter, baß gestern eine Konferenz der drei Kaiser und der drei Reichskanzler statifiriden solle, hat sich, wie alle die zahlreichen Conjecturalgerüchte, als völlig grundlos erwiesen.

Berlin, 9. September. Kaiser Franz Joseph und Kaiser Alexander haben, wie man uns mittheilt, sich Brüderschaft angetragen, und sprachen sich seit dem 7. mit dem vertraulichen Du an. Kaiser Alexander soll eine Einladung nach Wien angenommen und seinen Besuch dortselbst in sehr naher Zeit zugesagt haben.

Berlin, io. September. Gestern Abend erklärte Bismarck der städtischen Deputation, die ihm das Ehrenbürger-Diplom überreichte: Es solle nur Niemand denken, daß die Kaiser - Zusammenkunft große politische Zwecke versolge; sie ent- halte im reichsten Maße Anerkennung des wen deutschen Reichs, aber irgend welche besondere politische Absichten lägen der Kaiser-Begegnung fern. Dieselbe sei ein rein freundschaftlicher Act, nichts weiter. Die Deputation könnte dies nicht genug überall verbreiten.

München, 7. September. Zwei auffallende Erscheinungen treten bei unserer Ministerkrisis zu Tage. Während nämlich höchsten Orts die Bildung eines Ministeriums Gasser für möglich gehalten wurde, beweist die zahlreiche Ablehnung der Geladenen zum Eintritt in dasselbe die heftigste Opposition, welche diesem Ministerium, schon ehe dasselbe geboren ist, entgegentritt, daß demselben alle Lebensfähigkeit so wie alles Vertrauen mangelt. Ohne den Wortlaut des Pro­gramms zu kennen, läßt sich aus den Namen der bereitstehenden Theilnehmer wie aus der Liste der zahlreichen Ablehner auf den Inhalt schließen. Wenn ein so anerkannt ehrenhafter Charakter wie Kriegs-Minister v. Prankh sich weigert, mit Gaffer in ein Ministerium zu treten; wenn Männer wie Zwehl, welcher im alten System ergraut und mit allen Künsten vertraut ist, Bomhard, welcher heute noch nicht verschmerzen kann, daß er Minister gewesen, wenn Persönlichkeiten wie Niethammer und Neumaicf, welche als erfahrene Staatsmänner und als echt patriotisch gesinnt gelten, sich veranlaßt sehen, Nein zu sagen, so muß diesem Programm, mag es noch so vertragstrcu gehalten und die Wahrung der bayerischen Souveraineiätsrechte noch so sehr betont sein, oder dem neuen Träger dieses Programms das nöthige Vertrauen fehlen. Möglich, daß diese Männer den Ausspruch Hisiod's in Erwägung zogen, baß der ein Thor ist, der das Gewisse auf der Jagd nach dem Ungewissen aufgiebt, oder sich an Xcnophon'S Ausspruch erinnern, baß junge, noch ungeübte Cltherspieler nur die Instrumente verderben. Ler Wahrscheinlichkeit liegt es so nahe wie die Möglichkeit, daß Herr v. Gaffer sich jetzt an die dii minorum gentium und die viri obscuri wendet, um wenig. stenS ein Verzeichniß dem Könige vorlegen zu können. Inzwischen will jeder Corresponb.nt aus bester Quelle schöpfen, jedes Blatt als gut unterrichtet gelten, wodurch oie verschiedenartigsten Gerüchte in Umlauf gesetzt werden, die Sichtung dkrselb.n schwierig ist. So coursirt bereits in anderer Variation die Lesart, baß sämmilicle Minlster in Amt und Ehre bleiben, nur Lutz avsscheide. Diese An- nähme entbehrt jeglicher thatsächlichen Begründung, da Minister v. Lutz die vollste Achtung, lelne Amtsführung die gr«ndsätzl,che Billigung seiner Collegen in einem solchem Maße genießt, daß fämmtliche Minister mit Herrn v. Lutz zu bleiben ober zu gehen entschlossen sind; ja, Minister v. Fäustle wehrte in Privatkreisen eine solche unkollegiale Zumuthung, wenn sie auch nur als Gerücht existier, mit -llcr Entschiedenheit ab. Allerdings fehlte vielfach den Worten des Ministers die Ttzat; ob aber der gelähmte Arm in der Willenlosigkeit des Ministers v. Lutz zu suchen ist, bezweifeln wir. Die Amtsführung des Herrn v. Lutz hat sicher die Öffentlichkeit nicht zu fürchten; jedenfalls wirb die Zukunft gegen ihn gerecht werben, mag auch jetzt ein Theil der Presse über ihn den Stab brechen.

Schweiz.

Die Alabamafrage ist nun definitiv geregelt. Die Schiedsrichter halten indch am Montag wiever eine Sitzung, um ihr Urtheil endgültig zu unterwerfen, zu reoioirtn und zu übersetzen. Am Sonnabend, den 14. vs. , nach der Rückk-Hr der Mitglieder des Tribunals aus Bern, wo ihnen der Bunoesrath der Schweiz ein Bankett geben wirb, soll bas Instrument unterzeichnet und den

Nr. 213

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anstaltet von dem lanbwirthschaftlichen Verein Der Provinz Starkenburg und 3) Collectivausstellung Der Odenwalder Elfenbein- und Holzschnitzer, veranstaltet durch die Centralstelle für Die Gewerbe. Collectivausstellungen aus dem Gebiete des ganzen Großherzogthums sollen veranstaltet werden 1) Probucte des Berg­bau- und Hüttenwesens im Großherzogthum; 2) Produkte Der Salinen und Mineralquellen; 3) Der lanbwirthschastiichen Production; 4) für Die Forstwirth- schäft; 5) Der TadakSfabnkate und 6) Der UnlerrichtSanstalten. Im Verhältniß mit früheren Weltausstellungen, bei welchem unser Großherzogthum stets hervor- ragenD vertreten war, wirb Die Betheiligung bei Der Wiener Weltausstellung eine, bedeutend umfangreichere sein.

Darmstadt/ 9. September. Der Geheime Rath Hofmann ist gestern von Berlin zurückgekehrt und hat soeben Audienz bei Dem Großherzog.

Berlin, 6. Sept. Die Ankunft des Kaisers von Oesterreich wird von Der »N. A. Z." an Der Spitze ihres Tagesberichtes mit folgenden Worten gefeiert: Zwei Decennien sind vergangen, seit Der Souverain des großen südlichen Nach- barreichrs Berlin zum letzten Male mit seiner Anwesenheit geehrt hatte, zwei Decennien, eine kurze Zeitspanne, aber eine Zeit voll mannigfacher Wendungen und großer Ereignisse, welche geraoe diese Epoche zum bedeutsamen Mittelvunkte der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, zur Busis einer neuen Welt- orbnung gemacht haben. Wie jede Periode großer Entwickelungen war auch dieser Zeitabschnitt reich an beängstigenden Zweifeln, an widerstreitenden Meinun­gen, aber mit dem nie erlebten Schauspiele der freundschaftlichen Begegnung Der Monarchen müssen Die Zweifel sich verflüchtigen, Die Besorgnisse sich zerstreuen, denn eine erhabene Bürgschaft Des Welifriebens trist Den Völkern Darin entgegen: die Verkörperung Der Verheißung, Daß das neue Reich deutscher Nation ein Reich des Friebens fein werce. Aus erlauchtem Munde an Die Vertreter Des deutschen Volkes gerichtet, hat Dieses hochherzige Wort ein bereitwilliges Echo gefunDen, und die Anwesenheit Der zwei mächtigsten Monarchen des Continents zu Berlin legt in Diesem Augenblick ein beredtes Zeugniß Dafür ab, daß Europa die Mission anerkennt und unterstützen will, Die Kaiser Wilhelm in einem feierlichen Augen­blicke als Das Ziel Der Deutschen Einheit bezeichnet hatte. JeDkS deutsche Herz must heute von Stolz und FreuDe erfüllt sein bei Dem GeDanken, daß Die Haupt­stadt seines Vaterlandes beglückt wurde, dieser erhabenen Vereinigung gekrönter Häupter zum Schauplätze zu dienen, und t6 kann die Innigkeit dieser Empfindun­gen nur erhöhen, wenn hierbei erwogen wird, daß die kaiserlichen Gaste unseres Herrscherhauses Dem letzteren nicht nur durch die Verwandtschaft Der Wünsche für eine friedliche, Den innersten Bedürfnissen Der Völker entsprechende Gestaltung Der politischen Verhältnisse, sonDern auch durch enge Familienbande auf's innigste ver­bunden sind. So ruft Denn auch das ganze Deutschland von Den Vogesen bis zum Niemen, vom Nordmeer bis zu Den Alpen Den erlauchten Gästen seines Kaisers ein freudiges: Willkommen! entgegen, unD wie zu hoher, festlicher Zeit werDen in Den Tagen Der Dru-Kaiser-Begegnung Millionen von treuen deutschen Herzen den Himmel anrufen, daß Die Herrscher segne, Die beseelt von gleichen edlen Gesinnungen in Berlin sich vereinigt finden, und daß er mit seinem allmäch­tigen Beistände Die Septembertage zu Berlin zum Ausgangspunkte einer recht langen, glücklichen und beglückenden Aera Des Völkerfriedens werden loffc l

Berlin, 7. Sept. Der große Zapfenstreich ist glänzend ausgefallen. Die Musikcorps, welche sich an Demselben betheiligten, zählten 1124 Musiker unD wur­den von 400 Mann mit Stocklaternen begleitet. Um halb 10 Uhr setzte sich Der Zug vom Monument Friedrich des Großen nach Dem Lustgarten in Bewegung. Die Straßen, durch welche er kam, waren glänzend erleuchtet, besonders groß, artig war Die Beleuchtung Der Facade Des alten Museums am Schluß Des Zapfen- ftreiches. Die Monarchen sähen Dem Schauspiel aus Den Fenstern des Schlosses zu.

Die Nachrichten, welche über Die Drei-Kaiser-Begegnung in Die Oeffentlich- keit Dringen, beschränken sich leDiglich auf Die äußerliche, festliche Seite; was über diplomatische Abmachungen und über Das Denselben zu Grunde liegende Programm gemeldet ist, gehört in das Reich der Conjecturalpol'tik. Geringes Venrauen verdient ein in neuester Zeit ausgetauchtes Gerücht, welches Den Drei Monarchen Die Absicht zuschreibt, ein gemeinsames Manifest an ihre Völker zu richten. E.n Berliner Correspondent derMagdb. Ztg." schreibt in Dieser Beziehung:Es kann nochmais constatirt werDen, daß, wenn auch selbstverständlich poluische B. sprechungen nicht ausbletben können, Doch von eigentlichen Conserenzen unD einem

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canz lei berg, Lit. B. Nr. 1.

Inzwischen hat Die Uebrrzeugung, Daß Die Zusammenkunft eine Bürgschaft Df$ Weltfriedens in sich schließe, tn immer weiteren Kreisen Wurzel geschlagen; selbst Das Oberhaupt Der französischen Republik hat bei verschiedenen Gelegenheiten Anlaß genommen, sein volles Vertrauen in Den konservativen Gesinnungen Der Drei mächtigsten Souveraine Des europäischen Continents auszusprechen. Ale ihm Der österreichische Botschafter in Paris eine mündliche Erläuterung zu Der Reife Des Kaisers Franz Jos-pH nach Berlin gab, soll ThierS, wie man DerKarlsr. Ztg-" aus Wien berichtet, sich dahin geäußert haben, Daß er sich freue,'grade aus österreichischem Munde Die in RcDe stehenDe Monarchenbegegnung als ein absolutes Friedensmittel betonen zu hören, unD Daß kein Staat wehr als Frank- reich Den Wunsch hege, Die friedlichen Intentionen Der Herrscher sich verwirklichen zu sehen." Auch in Trouville sprach Der PrasiDent Die Ansicht aus, Daß Die Tendenzen der europäischen Cabinette sich mehr und mehr einem friedlichen Ziele zuneigten.

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Ifesten zu erledigenden Programme keine Rede fein kann. Eben so wenig hat man sagend welche formelle Vereinbarungen oder gemeinsame Kundgebungen Der Drei . Es ist natürlich, daß die Gemeinsamkeit Der Anschauungen.

r;Tb(:. und Industrie, wiße, daß jämmf; ne Stationen Boben- Neustadt, Türkheim, cken der pfälzischen Üungebilleten einfa^

ie Eröffnung findet' ttspreis ist auf 12 h. gegen:

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iffrie-Ausstellung.

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Darmstadt, 7. September. Zu Der Wiener Weltausstellung sinD aus!

Hessen zu Einzelausstellungen ihrer Fabrikate 270 inländische Fabrikanten unD; "warten. ----------

Gewerbetreibende angemelDet, ferner 350 Producenten, Fabrikanten und Gewerbe-!diese Zufammenkunft überhaupt ermöglichte, durch den persönlichen Verkehr treibende, welche sich an Collectivausstellungen detheiligen werden. In dieser Zahl!^"^ den Ideenaustausch gewinnen wird; weiter gehende Conjecturen indessen Dürften sind jedoch nicht inbegriffen sür Die Gruppe 25 (bilDfnDe Kunst der ®eßentoart),rtirc^0d enttäuscht werDen." und Die Gruppe für temporäre Ausstellungen (lebende Thiere, Leistungen des> *»->=- .......

Gart-nbaues, Obst, Produkte Der Mrlchwirthschaft h), weil hierfür ein späterer AnmelDetermin gesetzt ist. Der beanspruchte Raum ist für Hessen Diesesmal Drei­mal so groß, als Derjenige Der von Den 'nlänDischen Erzeugnissen bet Der Pariser Ausstellung im Jahre 1867 besetzt war. Von Den Einzelausstellern kamen auf Orte unserer Provinz: auf DarmstaDt 47 (am meisten im Gtoßherzogthum, nächstDem Mainz mit 45), Offenbach 39, Erbach 14, Beueheim 7, Michelstadt 6, Groß-Umstadt 4, Groß-Gerau, Heppenheim, Gernsheim unD einige kleinere Orte je 1. Von Den 10 beabsichtigten Collectivausstellungen sind für unsere Provinz von besonderem Interesse 1) Collectivausstellung Der Bergsträßer Weine, »er*

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