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Preis vierteljährig 1 fl. 12 h. mit Drin'/.erlohn. Durch bie Post Bezogen vierteljährig 1 st. 27 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen.

Nr. W&. Samstag den 11. Mai 1872.

............................................................................................................................................................................ Brodpreise vom 11. bis 17. Mai 1872, nach eigener Erklärung der Backer: 2 Kilo gemischtes Brod 21 fr. 1 Kilo gemischtes Brod iOV2 kr. 3 Kilo Roggenbrot) 18 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9 kr.

wesens Geschmack finden sotten, muthen wir ihnen nicht zu, aber mit ihren mo­ralischen Reflexionen mögen sie uns verschonen und sich vielmehr der eigrnthüm- lich?n Sitten erinnern, die sich oom Quartier Latin aus auch aus die Provinzial- aka^cmien verbreitet haben. Ein deutscher Student mit einer uwgeflulpten Thee- toffe auf dem Kopfe so beschreibt dieRepublique francoise" die Cereviswütze konn immerhin mit Vortheil den Vergleich aushalten mit dem französischen Col- legen, der eine der bekannten glieterverrenkenden choreographischen Leistungen zum Besten gibt. Die Lehrenden und Lernenden der neuen Hochschule werden sich durch diese kleinen französischen Böswilligkeiten nicht anstchlen lassen, sondern durch ernste Pflege der Wissenschaft, treue Arbeit und würdige Haltung die verbissenen Gegner zum Schweigen bringen. Nur einige thatsächliche Jrrthüwer der Pariser Blätter Wollen wir hier noch berichtigen. Einige, z. B. dasJournal dis DebatS", hoben behauptet, die preußische Negierung habe in ihrem Bemühen, möglichst viele österreichische Studenten herbeizulocken, allen Theilrehmcrn freie Reise und freien Unterhalt versprochen und dennoch seien nur 30 Wiener Studenten der Einladung gefolgt. In Wirklichkeit hat aber die Festcommission ausdrücklich angekündigt, daß sie den Gästen nicht einmal eine Ermäßigung des Fahrpreises, viclweniger freie Fahrt verschossen könne, und gle-chwohl baden mehr als 40 Studenten der Wiener Universität die weite und kostspielige R^lse nicht gescheut. DirLiberte" ferner hat mit Genugthuung berichtet, nur drei Professoren von auswärtigen Uni- prrsitäten hätten der Einladung nach Straßburg entsprochen, nämlich die Herren Waitz, Towaschek und v. Wyß. Alle Welt aber weiß, daß diese Herren die von den Deputationen der deutschen, österreichischen und schweizerischen Universitäten bestellten Sprecher waren, während die Zahl der ossiciellen Vertreter von 26 Uni­versitäten darunter 4 österreichische und 3 schweizerische im ganzen 56 be­trug, abgesehen von den zahlreichen akademischen Lehrern, die sich in privater Eigenschaft angeschloffen hatten.

Frankreich.

Paris, 7. Mai. Die Corr. Havas schreibt: Marschall Bazaine, welcher sehr schlecht auf die UntersuchungS-EomMission und die Regierung zu sprechen ist, wird in seiner Vertheidigung hauptsächlich betonen, daß die bestehende Gesetzgebung hinsichtlich des FestungSdiensteS durch die Erfindung der modernen weittragenden Artillerie veraltet sei und Unmögliches verlange. General Ducrot arbeitet an einem Buche, welches die militärischen Ereignisse in Paris während der Belage­rung zum Gegenstände haben wird.

Nächsten Sonntag, an welchem Tage die Schweiz über die Revision ihrer neuen Verfassung abstimmt, wird in der Kirche Notre-Dame des Victoires zu Paris eine feierliche Messe abgehalten, um vom Himmel zu erflehen, daß dieses anti-katholische Machwerk" nicht durchgehe.

Paris, 7. Mai. Aus Epernay meldet man, daß man den Bau der Ba­racken für bie dortigen deutschen Occupationstruppen mit großem Eifer betreibt. Zwölf derselben es werden im Ganzen 16 hrrgestellt werden dieser Tage von den Truppen bezogen werden und der größte Theil der Garnison der ge­nannten Stabt alsdann casernirt sein. Diese Baracken, welche nach deutschen Plänen gebaut wurden, sollen sehr wohnlich und viel gesunder, reiner und lustiger sein, als die Casernen in Deutschland und Frankreich. Die deutschen Soldaten beziehen aber nur ungern bie Baracken und ziehen vor, bei den Einwohnern zu logiren, mit denen sie ganz gut stehen und wo sie mehr Freiheit haben.

Paris, 8. Mai. Marschall Bazaine hat sich heute Nacht zwischen 12 und 1 Uhr in dem Hause, das man für ihn vorbereitet hatte, als Gefangener gestellt. Er so wie die Personen, welche ihn begleiteten, waren in Civtlkleidung. Das Haus, wo er untergebracht wurde, liegt in der Anvenue Picardie Nr. 32 und ist von einem Garten mit hohen Mauern umgeben. Die Miethe des Hauses (das Ministerium mietbete es für 6 Monate) kostet 3000 Franken. Seit gestern Morgen hatte man bereits die militärischen Vorsichtsmaßregeln getroffen. Ungefähr 150 Mann Soldaten wurden als Garnison in das Haus gesandt. Dieselben lagern im Garten unter Zelten. Acht Wachtposten mit geladenen Gewehren sind um das Haus herum und in den benachbarten Straßen aufgestellt. Sie haben Be­fehl, die Neugierigen aufzufordern, das Weite zu suchen. Polizeidiener machen Jagd auf die Neugierigen. Seit acht Tagen war der Marschall polizeilich über­wacht. Geheime Agenten verfolgten ihn auf Schritt und Tritt, so Voß kin Flucht­versuch ihm nicht gelungen wäre. In dem Hause, das dem Marschall als Ge- fängniß dient, wohnte früher Napoleon Patterson, Enkel des Prinzen Jerome, und die Prinzessin Murat. Während des Krieges restdirte dort ein englischer General, Namens Waugh, welcher sich unter den deutschen Schutz gestellt hatte. Das Haus selbst, obgleich sein Aeußeres sehr einfach, ist sehr bequem eingerichtet und gut möblirt.

Paris, 9. Mai. Bazaine hat wegen der vomCourrier de France" ver­öffentlichten angeblichen Beschlüsse der UntersuchungS-Commission, betreffend die > Stellung deS Marschalls vor das Kriegsgericht, gerichtliche Klage erhoben. Die i von mehreren Zeitungen gebrachte Nachricht, daß Bazaine sich in Versailles bereits - als Gesungener gestellt habe, wird von unterrichteter Seite als verfrüht bezeichnet.

Deutschland.

Hanau, 6. Mai. Die hiesige Zeitung schreibt:Großauheim, 1. Mai.^ Der von unserer Gemeinde mit dem M'litärfiScus abgischlossene Vertrag, j Verkauf von Gemeindeland (Wald) zur Erbauung einer köruglichen Pulverfabrik,^ ist am 27. April vom Kriegsministerium genehmigt worden. Der verkaufte Flächen- 1 raum beträgt 100 Hccrare. Es erhält die Gemeinde 838 Thlr. pro Hektare und 1 das auf dem Grundstück stehende Holz." ;

Berlin, 8. Mai. Wie derVoss. Ztg." berichtigend witgetheilt wird, ist der neue Rector der Universität Straßburg, Dr. Bruch, kein geborener Straß- burger. Er ist vielmehr in der bayerischen Pfalz geboren und früh nach Frank- reich gekommen, zuerst nach Paris; dann in Straßburg angeftcllt, wo er 50 Jahre , lang, bis 1870, eine Professur bekleidete und wenige Wochen vor Ausbruch des Krieges sein Jubiläum feierte.

Berlin, 9. Mai. Wie verlautet, wird in aller Kürze das vorläufige Er- gebniß der Volkszählung von 1871 in einer circa 8 Bogm Quartformat um- fassenden Brochüre seitens des königlichen statistischen Bureau's veröffentlicht wer- : den. Neben den Städten sind diesmal auch alle Landgemeinden mit über 2000 Einwohnern namentlich aufgeführt. Der tabellenförmig verarbeitete Inhalt zcr- ' fällt in folgende Rubriken: 1) Zahl der Communaleinheiten (Stadtgemeinden, Landgemeinden, Gutsb.zirke, nicht mcommunalisirte Wohnplätze); 2) Anzahl der Wohnhäuser und sonstigen Wohnstätten (Schiffe, Hütten u. dgl.); 3) Anzahl der Haushaltungen und Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt; 4) ortsanwesende Be- ; völkerung (männliche, weibliche, zusammen): 5) die Angabe der analogen Bevöl- 1 kerung von 1867; 6) Zu- oder Abnahme der Bevölkerung von 18671871, absolut und in Procenten.

Berlin, 10. Mai. DieNordd. Allgcm. Ztg." widerlegt einen Berliner Bericht imFranks. Journ." folgendermaßen:Cardinal Hohenlohe hatte dre aus ihn gefallene Wahl Seiner Majestät angenommen; er war zum Botschafter ernannt und seine Creditive waren ausgefertigt. Der Cardinal hat seine Zusage nicht zurückgezogen, die Höflichkeit erforderte, in Rom anzufragen, ob die Ernen­nung dem Papste genehm sei. Es erfolgte darauf die Ablehnung. Der Wort- | laut derselben ist hier noch nicht zur Kennlniß gelangt." DieNordd. Allgem. ' Ztg." schließt sich den Ausführungen derProvinzial Correspondenz" über die l Ablehnung des von dem Kaiser gewählten Botschafters an und bemerkt, welchen ' peinl-chen Endruck bei der Seltenheit solcher Ablehnungen und bei diesem unver- kennbaren Entgegenkommen des Kaisers diese Zurückweisung der Wahl des Mo­narchen, dessen großmüthige Absicht vereitelt worden, hervorbringe.

Dresden, 8. Mai. Das Stadtverordnetencollkg beschloß einstimmig, beim Reichstag gegen die von Dresden zu Gunsten der Jesuiten eingegangenen Adressen Verwahrung einzulegen. Eine sofort entworfene Gegenadreffe (Referent Dr. Siegel) billigt entschieden die Politik der Rkichsregierung gegen den Ultramontanismus und erbittet die Ausdehnung der die Ausschließung der Jesuiten betreffenden Be­stimmung der sächsischen Berfaffung auf das ganze Reich. Die Adresse fand leb­haften Beifall und wurde ohne Debatte angenommen.

Erlangen, 7. Mat. Der hiesige katholische Pfarrer hat von dem Kirchen- stuhle.tr aitkatholischen Familie die Thüren abre.ßen lassen und dies Vorgehen durch den Besuch des von dem altkatholischen Priester Dr. Haßler zu Erlangen abgehaltenen Gottesdienstes von Seiten jener Familie motivirt.

Breitenbach (Rheinpfalz), 6. Mai. Wie dieZweib. Z." berichtet, hat der hiesige katholische Pfarrer die in der Simultankirche aufgehängten Bilder des deutschen Kaisers, des Kronprinzen, der Generale Moltke, Hartmann und v V Tann, sowie ein Verzeichniß der im Kriege aus der Gemeinde gefallenen Soldaten mit eigener Hand beseitigt. Das Bezirksamt Homburg, bei welchem die Gemeinteglieder sich beschwerten, verordnete, daß bie Bilder wieder an ihren Platz gebracht werden wüßten. , _ _

Straßburg, 5. Mai. Gestern fand die Constitmrung des Senats und der verschiedenen Facultäten der neuen Universität statt. Zum Prorector wurde Pro­fessor Dr. Springer, zu Dekanen der vier Facultäten die Herren Reuß, Koeppen, Hvppe-Seyler, Schimper, und für den Fall^der Nichtannahme des Letzteren, wel­cher abwesend war, Professor Bergmann ernannt. Morgen, 6. Mai, sollen die Vorlesungen beginnen.

Straßburg, 6. Mat. DI-Sttaßb. Ztg." schr-ibt: Die französisch-Pr-ss- __ wir haben daS selbstverständlich nicht anders erwartet thut der hiesigen UniversitätSfeier nur Erwähnung, um die Bedeutung derselben herabzusetzen und ihren Character zu entstellen. Man scheint zu bereuen, daß man vor einigen Monaten bei der ersten Nachricht von der großartigen Schöpfung, mit welcher Deutschland die Erfüllung seiner nationalen Aufgabe im Reichslande begonnen, sich zu Acußerungen eines unwillkürlichen RespccteS und zu gewissen für Frank- reich nicht gerade vortheilhasten Vergleichungen hat hinreißen lassen. Daher rächt man sich jltzt durch kleinstädtische Glossen über die Bänder und Mutzen der deut- schen Studenten, oder mit sittlich entrüsteter Verurtheilung deS Frühschoppens und desCabaret borgne, wie man dieKneipe" übersetzt. Daß die Franzosen oder sranzösirten Elsässer an den hergebrachten Formen des deutschen Studenten-