Einzelbild herunterladen

Mr. LS«

Dienstag den 10. Dcccmber

}u Columbien in Berlin, den Consul derselben Staaten in Frankfurt Innen hiirri. u

Gießen, den 4. December 1872.

, als wäre die wirkiiae Welt sammt ihrer Cultur nur

) S. Nr. 283 dss. Bl.

4, 19), kann nicht von einer Behörde (der Kirche) gegen eine andere (des Staates) angewendet werden, die beide ihr Ansehen auf die Anordnung Gotte« zurücksühren.

dem Staat em Urtherl ab und zu; entweder irren sie in dem einen Punkt oder in dem andern. Der Staat als solcher kennt weder Göttliches noch Uedcr- »atürliches, er lebt und webt nur in dem Menschlichen und Natürlichen; wo iine Religionsgesellschaft in seine Rechtssphäre hcreinrogt, kann er sie nur ton fernem eigenen Erktnntn'ßpruic p aus beurtheilen, nur als menschliche Er- fihcinung, und er darf ihr deshalb keine ondcre freie Bewegung gestatten als die

vierteljähris, 1 fl. 12 k. flti lSrin^erlshrr- B'-rrch die Pvft tziertelMrig

1 n. 29 h

Dies ist ein ganzes Netz von Irrthümern: theils sind die Bischöfe selbst darin gefangen, theils wollen sie die Staatsregierung damit fangen; jedenfalls wird das in blinder Gläubigkeit ihnen folgende Volk mit dadurch irregeleitet und gegen den modernen Staat erbittert.

Der Hauptirrthum der Staatsregierung aber besteht darin, daß sie in unendlicher Langmuth und unerschöpflicher Gutwüthigkeit immer noch einen modus vivendi, eine Art und Weise mit ihrem Todfeinde sich zu vertragen, finden zu können meint. PiuS IX. hat die klare Erkenntniß, daß sein von ihm für Gotte- Wort ausgegcbenes kirchenpolitisches Lehrsystem sich mit der modernen Weltan­schauung in einem unüberwindlichen Widersprach befindet. Er sucht daher keinen modus vivendi mit unserer Cultur, sondern besteigt seine Kathedra und spricht es feierlich aus: der Papst kann und darf fich nicht mit dem Fortschr tt, dem Liberalismus und der modernen Civilisation versöhnen oder vergleichen. (Syll. 80). Und nun erklärt er fremde Landekgtsetze für null und nichtig, belobt die Presse, welche sich die Aufgabe stellt, die moderne Cultur zu verwüsten, ermuntert die Vereine, welche die Staatsauctorität untergraben, gießt der Reihe nach über alle modernen StaatSregierungen die Schale seines Zornes aus, und weissagt dem Deutschen Reiche, als dem Hort der modernen Civilisation, den Untergang. Dem gegenüber spräche fich die richtige Erkenntniß der Situation seitens des Staates also aus: der moderne Staat kann und darf fich nicht mit dem kirchenpolittfchcn System des Ulttamontanismus versöhnen oder vergleichen. Und demgemäß hätte die Staatsregierung allen Trägern desselben innerhalb des Staatsgebietes jeden Einfluß auf das Volk zu nehmen, und alle Parteien, welche jenes die moderne Cultur vernichtende System ernstlich bekämpfen, in diesem Kampfe zu unterstützen. Aber die Staatsregierung sucht statt dessen fortwährend mit ihren Totfeinden Versöhnung und Ausgleich. Da wird mit der römischen Curie verhandelt über die Besetzung der DiSrhümer Würzburg, Speyer, Münster, Hildesheim re., und nachdem diemilden" wohlmeinenden Männer durchaus keine Fanatiker durchgesetzt sind und man sich eben vergnügt über die staatsmännische Klugheit die Hände gerieben hat, liest man die Namen der Guten unter der Fuldaer Aufretzunpsschrist. Bekanntlich kann man dadurch, daß man für die Praxis biblische Sätze allzu wörtlich nimmt, dem christlichen Geist entgegen handeln. E»

nb mir «Ä zur Aufklärung t

?c6rv Abends 8 Uhr, g:

s. -

s Gießen empfehlen jub wendiges AusMMiirl Srnteerzeugniffe» vottbeilhasten, liberales! perten mehr! Gießen.

ff in Lich-___

- -r -x-..->« ^«nv.w.f, den Generalconsul a M, den Komgl. dänischen Conful zu Breslau und den Königl. schwedisch-

Fillstrrmß und da- Böse, der Papst aber nur Licht und das Gute. Es ist ein Wthum, wenn sie wähnen: mit Berufung auf ihr vermeint! ch ideales Recht dürften sie sich über positive- Richt und Gesetz hinwegsetzin. Wenn der Bischof Slaritn von Paderborn behauptet, die innerhalb seiner Diöcese lebenden gültig getauften Protestanten seien seiner Jurisdiction unterworfen, so ist da« nur eine tlscheidcne, aber bei alledtM völlig trrthümliche Anwendung der päpstlichen

Die preußische Staatsregierung und -ie Bischöfe.

Bemerkungen von Jos. H. Reinten«.

IL*j

Jrrthum auf beiden Seiten.

Kathedral-Behauptung, daß es jeder Creatur zur Seligkeit nothwendig sei, dem Papst unterwo'sen zu sein. Auch das ist e n Jrrthum, daß die Ideen, auf welchen tu moderne Rechtsstaat beruht, unchristllch fei.n; unrömisch sind sie, aber echt christlich. Man meß sie nur verstehen und, um das Verständniß zu erreichen, fit nicht durch eine von der römischen Curie aufgesthte Brille lesen. Die Bischöfe fugen:Gebet dem Kaiser wa« de-Kaisers ist!" Aber sie irren weit ab in der

Bestimmung dessen, was des Kaiser- ist.Ich gebe meiuem Nachbar die Ehre die ihm gebührt." Welche gebührt ihm denn? Antwv't:Keine." So unge­fähr ist die Sache. Wa- ist des Kaisers auf souveräne Art? Antwort: Nicht«. Nach der hierarchische» Theorie soll der Kaiser sich mit dem Leib, mit der Materie beschäftigen, die Behandlung des Geistes abek soll der Papst mit seinen Vasallen den Bischöfen, besorgen; und da sie den Geist, statt mit Liebe, mit Gewalt be­handeln, und die Vernunft, statt zu erleuchten, durch widersinnige Lehren blenden v yllen, die vernünftige Natur des Menschen aber sich dagegen sträubt, so soll des Kaisers auch noch als schönste Aufgabe der Gehorsam gegen den Wink der Hierarchen sein das Schwert zu ziehen, um die Geister zu vergewaltigen. Nicht- von Souveränetät der Gesetzgebung auf staatlichem Gebiet! Für alle legis­latorische Thätigkeit im Reiche de- Kaisers soll es nach der vfficiösen päpstlichen Presse ein durch die Nuntien auszuübendeskirchliches Placet" geben, welches der Papst, wenn es ihm so gefällt, allergnädigst verleiht: wo nicht, so find die Unterthanen auf des Kaisers Gesetze nicht verpflichtet. Endlich sind die Bischöfe in einem verderblichen Jrrthum in Bezug aus da- vielmißbrauchte Wort:Man muß Gott mehr gehorchen al- den Menschen." Dieser Ruf

Erscheint täglich, mit Äu» nähme Sonntags.

Expedition: Canzletberg.

Lit. B. Nr. 1.

Die Weltanschauung, welche die Bischöfe zur Geltung zu bringen von Rom gyz gezwungen waden, gcbört unstreitig in da- Gebiet des Idealen, und wenn in.r H ihr Universulbischof mit Allwissenheit und Weisheit auch absolute Heiligkeit und , 1.1}. Gott selbst wäre,

w ....... .w

Kertsch, La Cibertaö (©an1©aYont)6^ iU ^uert0 Plata, Sydney, Christchurch (Neuseeland), Panama, Colon, (Aspinwall),

lrnsubervng, -n- -

'ääS»

\ t k nni i° i im

'ehlar

^2

üf,"ct der tzft, M* 3ägEt.

R- -

n Itzt ab ' ' Wb -Hschl- ich

7

«it seiner Existenz und gesunden Entwicklung verträgliche, d. y. als die dcs Älacn!! fI,'cn Bürger- überhaupt. Die richtige Freiheit der Kirche ist die Freiheit tt< Gewissens, wie es aus der vernünftigen Natur des Menschen als Stimme

nnrrcin.

ingeren Mitglieder habak

i) den 11. d. M-, dtz r Uhr,

Ter Turnwart.

^mpfanmabme unb leidrmMwcken für bit rbten ^üstendmshnn «

o ch am Nahrungtterg.

weiten Gehülfen sucht Dr. Reah.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v- Röder.

re. . ®efnnl>ette ©ettenftanfce:

ein Nähkissälen^o^ ^'onnaie mit kr- 3 Psg., em Beutelchen mit 2 fl. 8 kr., zwei Schlüssel, ein Federmesser mit 4 Klingen, ein Bleistiftkästchen, ein Gummischuh und späterwerben.3 2Ö0C^Cn bei 3U mcIbcn' widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegeben oder

Gießen, den 10. December 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

~ --------------------------------------------- Nover.

MM«

ll bitbt verbände, oder die ab-olutc Gerlchtigkeit und Güte,

Lr* 'rrcli nui unb alle Menschen solcher Vollkommenheit durch die bequeme Verzichtlcistung auf

' dock tun Glbrauch von Vernunft und freiem Willen sich aneignen könnten, so wäre

,^!erantroorth®, i bnfclben eine Berechtigung nicht obzusprechen. Nun aber ist ihr absoluter Herr unb ir$ sc - Dissen und Können notorisch schwach, und daran« ergiebt sich der unheilvolle

Qcnflict mit der realen Welt, und es ist an schwerer Jrrthum, wenn die Bischöfe _ daß ich Innttln und schreiben, als wäre die wirkliche Welt sammt ihrer Cultur nur ' Rinätinife unb do« Böse, der Papst aber nur Licht und das Gute. C

Bei der Beurteilung des Vahältniffes von Kirche und Staat sind zu­nächst die Bischöfe in mehreren Irrthümern befangen oder, richtiger gesagt, die Forderungen, welche sie an die Stoatsregierungen zu stellen von Rom aus genöihigr werdenda selbstständige-Denken hierüber nach der Unterwerfung unter tto Unfehlbaren ihnen versagt ist beruhen auf mannichfachen Irrthümern.

Es ist eine in den gegenwärtigen Wirren von osficieü - kirchlicher Seite tausendmal betonte römische Lehre: daß da-U.-theil über alles, was zur göttlichen Lffenborung gehöre, nicht dem Staate, sondern der Kirche allein, d. h. im römischen Sinne der Hierarchie in ihrer Spitze, in dem Papste, zustehen. Ob also die römische Hierarchie (welche jene ^dre Kirche" nennen) eine göttliche Institution sei, göttliche Auctorität und göttliche« Recht auf Erden habe, kann sie nur selbst beurtheilen. Wenn nun die Bischöfe, obgleich sie diese Lehre immer

und immer wieder vortragen, trotzdem behaupten: der Staat könne und müsse ccr inneren Auctorität GotttS^'i/ d^'i'ndiv'iduelle'n Gewissen gegen^d'e"äußere

die Göttlichkeit ihrer Institution, ihrer Auctorität und ihrer Rechtsansprüche Auctorität, der zuerst gegen die geistliche Behörde zu Jerusalem erscholl (Apgefch

°uf Schule, Che, Immunitäten rc. anerkennen, so sprechen fie in einem Athem 4, 19), kann nicht von einer Behörde (der Kirche) aeaen eine andere (de-

Sils»«.* **w-«*w

C°nsuls in Pn-rt-P,a,° ,ur V°.n°hm- bürgerlich gültiger Eh-schlichung-n und Beurkundung non Geburten, ^iruthen

.Don H. S- - Parls-rl ? m Ludwig Kalisch. - a

jetzt! Mit AbbilduniÄ nunfl non L. Löffler- - - Aleine Sammlung di:- - kleiner Briefkasten.

de.