hat die Sequestration der öfter-
Wie bekannt, wurde nur die eingcholt, und dieser Geistliche
Institutionen abzuhalten, dem Staatsanwalt.
-abe Gelegenheit genommen, dem Episcopat Aufklärungen über den Umfang der confessiouellen Gesetze zu ertheilen, ist vollkommen unrichtig. Die konfessionellen besetze, deren Ausarbeitung im Unterrichtsministerium nahezu vollendet ist, sind Sache der Regierungs-Jnitiative, und werben ihrem Inhalte nach wohl schon ohne
üschösliche Approbation ins Leben treten müssen. Meinung eines Mitgliedes de- CleruS über sie >eißt — Döllinger.
Paris, 8. Oktober, an einen Deputirten von
Thiers' resumirt, bas Benehmen Gambetta's und wirft ihm vor, die Republik compromittirt und dem Anscheine nach den Volkshaß gegen die Bourgeoisie erregt zu haben.
Frankreich.
Der „TempS" sagt: Der Brief Barthelemy St. Hilaire'S Savoyen kritisier, indem er die persönlichen Eindrücke
den Bauern, die dadurch nur auf die Bahn de- sittlichen und materiellen Ruingelenkt würden, nachzuweisen. — Aber Bischof Heinrich hat es durch seine Artikel < gegen die Bauernvereine ganz und gar mit den Herren Zander und Sigl ver- ' dorben, beide fallen in ihren Blättern über ihn in einer gemeinen Weise her, < welche mit der sonst von ihnen zur Schau getragenen tiefen Verehrung des bischöf- I ltchen Amtes merkwürdig contrastirt. Der „Volksbote" nahm neulich aus jenen Artikeln Anlaß zu der Frage, ob wir denn noch in den HundStagen leben; bas „Vaterland" bringt heute eine Kritik derselben unter der Aufschrift „Paffäuisches!" Die Ucberschrift läßt schon errathen, in welchem Ton die Kritik sich bewegt. Die Bischöfe werden mehr und mehr inne werden, wa- für eine Ruthe sie sich auf den Rücken gebunden haben, indem sie seinerzeit diese demagogische Preffe unter ihre schützenden Fittiche nahmen. Jetzt wird sie ihnen selbst lästig, aber sie wissen nicht recht, wie sie es anfangen, um die Gläubigen, denen sie früher diese Blätter em- pfählen, wieder davon zu entwöhnen, da diese Münchener Partei dem Eleruö überhaupt über den Kopf gewachsen ist. Das „Vaterland" behauptet in demselben Artikel, die Bauernvereine, die katholischen Volksvereine und katholischen Casinos seien nie kirchliche Vereine gewesen, sondern hätten sich von Anfang an als po- litische Vereine constituirt, und darum habe der Bischof al- solcher sich nicht um sie zu kümmern. Wie lange ist's denn her, baß die ultramontanen Blätter ihre Casinos und Vereine fort und fort als nichtpolitisch ausgaben, um sie den Bestimmungen des Derein-gesetze- über politische Vereine zu entziehen? Jetzt auf einmal find ste politisch. Stets bethcuert man ferner, eS sei nicht wahr, daß durch Gaffer'e Mißgeschick die Ultramontanen eine Niederlage erlitten hätten. Die „Donau- zeitung, die doch ganz gehörigultramontan ist, sagt jetzt: „Bei uns ist katholisch gleich bayerisch und liberal gleich preußisch; was bei uns unter blauweißer Fahne steht, ist katholisch, und was nicht katholisch ist, das sympathisirt mit dem Ein- heitSstaat. „Nun sagt ste ja selbst, Gasser hätte die Aufgabe gehabt, dem Ein- heitSstaat eutgegenzuwirken; ergo —. Daß die Ultramontanen die Religion zur Axe machen, um die sich der politische Kampf dreht, ist nicht neu; zu bedauern ist nur die Gehässigkeit und der Fanatismus, welche durch dies Gebühren erzeugt werden. Um die Mittel dazu sind sie nicht verlegen. So erzählt der „Dolksbote" jetzt, die strafrechtliche Untersuchung gegen, den Pfarrer Mahr in Ebermannstadt wegen eines von demselben verfaßten Zeitungsartikels über den Staatsanwalt Stubenravch in Freising (den er geradenwegs beschuldigte, falscher Zeugenaussagen sich bedient zu haben, um die Verurtheilung des Pfarrers Lechler Helbeizuführen, sei dem Vernehmen nach auf Befehl des Reichskanzler- Fürsten Bi-marck erfolgt. Die Unabhängigkeit der Justiz fei somit in Bayern illusorisch geworden — eine neue schauerliche Folge der Annahme der Verträge! Das wirkt natürlich bei dem gläubigen Publikum des „Dolksboten", welchem eS gar nicht einfällt, zu zweifeln, vaß Alles sich so in Richtigkeit verhalte. Es ist zwar schon viel auf Rechnung des Fürsten Bismarck gelogen worben; die angebliche Einmischung in den Prozeß Stubenrauch-Mahr gehört aber schon zum Stärksten in dieser Gattung. (B.Bl.)
Landau, 5. Oct. Professor Michelis aus Oraunsberg hielt (wie bereits gemeldet) am 2. ds. dahier einen Vortrag über „die wissenschaftliche Unyaltbar- keit der Unfehlbarkeitslehre mit besonderer Beziehung auf die Stellung des Bischofs Haneberg". Unter Anderem erwähnte Herr Michelis, der frühere Abl Haneberg habe sich ihm gegenüber geäußert, daß er, wenn er je in die Lage kommen sollte, nie gegen die an ihrer Ueberzeugung festhaltenden Gegner der Jnfallibi- lität verfahren würde. Ob ihm die- in seiner jetzigen Stellung als Bischof von Speier möglich sein werde, bezweifelte der Redner. (Bischof Haneberg ist eines derjenigen Opfer der vatikanischen Vergewaltigung der Geister, das, wie man auch sonst denken mag der höchsten menschlichen Theilnahme werth geblieben ist. Bekanntlich war er früher Benediktiner-Abt und Proftffor der Theologie an der Universität München. Es ist ein wissenschaftlich sehr hervorragender, der mystischen Auffassung zugeneigter Gelehrter. Von Natur aus weich, im Leben und Praxis mild, tief ethischen Charakters, ist er einer der edelsten Menschen, die man finden mag, eine — wir möchten fast sagen — apostolische Erscheinung in unseren Tagen. Als Beichtvater und geistlicher Berather wurde er in München mehr als jeder Andere aufgesucht; er war der Vertrauensmann der gesammten katholischen Bevölkerung, wie kein Zweiter, und stand, auf- höchste verehrt, Allen gleich nahe, der Königsfamilie wie dem Bettler. Er war, wie es sich bei einem so gelehrten und gewissenhaften Mann so zu sagen von selbst versteht, von je ein Gegner der päpstlichen Unfehlbarkeit; jetzt sollte er sie auf Commanvo für begründet, für ein Stück Offenbarung halten! Welche Seelenkämpfe Vie- für ihn zur Folge hatte, kann gewiß nur Derjenige vollkommen ermessen, wer jemals in solch ein Ringen mit sich selbst einen direkten Einblick gehabt hat. Schließlich siegte — die welche Natur, die Beforgniß vor Schisma und Wirrniß in der katholischen Kirche, mit anderen Worten: die bessere Einsicht und Ueberzeugung erlag der — persönlichen Schwäche. Es war dabei keinerlei Ehrgeiz im Spiel: Bischof hätte Herr Haneberg schon vor Jahren werden können, als er in Trier gewählt worden war; er hat die Wahl abgelehnt. Wir sind geneigt, zu glauben, es wäre besser gewesen, er hätte auch den Speierer Bischofsstuhl abgelehnt: eine so zarte und weiche Natur scheint un- kaum recht zu passen zu Den rauhen Anmuthungen, die an ihn in dem Streitgetümmel unserer Zeit herantreten. Die päpstliche Curie braucht und will auch heutzutage keine anderen Männer, als lediglich ihr dsmüthtg unterwürfige klerikale Bureaukraten und Agitatoren auf den Bischofssitzen. Man hat sonach
Türkei.
Die Montenegriner sind in Wirklichkeit ein romantisches Räubergesindel, dessen „Staat" einen dunklen Fleck auf der Karte von Europa bildet. Die Türkei hätte ihn längst verschwinden lassen, wenn nicht Rußland stets eine schützende Hand über die Schwarzen Berge breitete. Von Rußland empfängt Montenegro die beiden Blüthen der modernen Cultur, Den Rubel und Den Hinterlader. Sonstiger Fortschritt ist in dem Ländchen wenig bemerkbar; die Residenz de- Fürsten in Cettinje ist zwar nicht mehr mit Türkenköpfen geschmückt, aber das Ab- ichneiden derselben gehört noch immer zu Den Lieblingsbeschäftigungen Der Montenegriner. Industrie giebt e- bet ihnen keine, sie betrachten als solche, D. h. als einträglichen Erwerb, Uebersälle auf benachbarte türkische Ortschaften, Die immer wieDer vorkommen, wenn Die eDlen Gebirgsbewohner mit den langen Flinten, langen Schnurrbärten und langen — Mützen ein Bedürfniß nach „Geschäften" empfinden.
In jüngster Zeit hat abermals ein solcher Ueberfall stattgefunden. E- ist wahr, es gab seit Monaten wieder Reibungen an Der türkisch - montenegrinischen Grenze, unD e- läßt sich nicht entscheiden, wer in Den einzelnen Fällen die Schuld trug. Der Albanese oder BoSniake greift nicht weniger schnell zu Pistole und Handschar als der Montenegriner, und Todte und Verwundete fielen bei jedem Zusammenstöße auf beiden Seiten. Die türktsche Regierung leitete, als es zuletzt zu förmlichen Gefechten kam, eine strenge Untersuchung ein, und strafte Die eigenen Untertanen, welche schuldig befunden wurden, mit großer Strenge; Fürst Nikitza versprach dasselbe. Allzu abschreckend muß die Procebur in Cettinje übrigen- nicht gewesen fein, sonst wäre wohl die neueste montenegrinische Razzia unterblieben, -sie galt der Stadt Kolaschin, nordöstlich von Montenegro, im südlichen Bosnien gelegen. DreitausenD Montenegriner machten einen Angriff auf Die Stadt und tödteten bei Dreißig Türken; Die Depeschen, welche Die fremden Gesandtschaften in Konstantinopel erhielten, bestätigten den heimtückischen Charakter des Ueberfalls.
Die Pforte, sonst Montenegro gegenüber in Den letzten Jahren äußerst nachsichtig, raffte sich Diesmal zu einem entscheidenden Schritte auf, und forderte in Cettinje Genugthuung. Einen Augenblick schien Die Sache gefährlich, aber Fürst Nikitza schlug Den bekannten Ausweg ein. Wie ein Telegramm au- Mostar meldet, hat er abermals feierlich versprochen, Die Uebelthäter scharf zu züchtigen und dabei Dürfte es Die türkische Regierung wohl bewenden lassen. Sie ist wahrscheinlich ebenso überzeugt wie wir, Daß die Strafe für Den Fltbustierstreich auf Kolaschin nicht sehr Herde ausfallen dürfte, Denn MorD und Todtschlag auf türkischem Gebiete gilt jedem Montenegriner als eine Heldenthat, aber sie wird um Des lieben FrieDens willen sich damit zufrieden geben, daß man in Cettinje cen Vorschriften Des Völkerrechtes wenigstens münDlich nachkommt. (D. Ztg.)
allen GrunD, die Zukunft des B.fchofs Haneberg mit besonderem Interesse zu verfolgen. — Wie verschieden doch die Wege sind, auf welche das Unfehlbarkeitsdogma gedrängt hat! Bischof Haneberg hat oder hatte doch einen langjährigen Freund, Der ihm nach persönlicher Anlage, Charactereigenthümlichkeiten und wissenschaftlicher Richtung ganz nahe verwandt ist. Aber Herr Haneberg hat sich unterworfen und nahm Die BischofswürDe an, und Professor Dr. Lutterbeck in Gießen trat zu Den Altkatholiken über und wurDe einer Der Führer Derselben. Der Grund liegt lediglich in einer etwas größeren Charakterstärke Lutterbeck's. Der Fall mit Bischof Hefele von Rottenburg gehört auch hierher; aber doch nicht so nahe, als im ersteren Fall. Die Münchener altkatholischen Führer sind meistens von Haus aus strammer geartete Charaktere. — D. Red. d. „KarlSr. Z ")
Oesterreich.
Wien, 6. Oct. Die Meldung, daß Professor Schulte in Prag zum Nachfolger des verstorbenen Kanonisten Phillip- vom hiesigen juristischen Professoren- Collegium vorgeschlagen wurde, ist jedenfalls verfrüht. Die Professoren der juridischen Facultät sind hier noch gar nicht vollzählig von ihren Serienreifen tinge- troffen, so daß noch gar keine Sitzung, in der ein solcher Beschluß gefaßt worden wäre, stattfinden konnte. Auch die von hier verbreitete Meldung, die Regierung
rath Baryschar hat heute das Amt eines Sequesters angetreten.
Schweiz.
Zürich, 6. October. In der heutigen Nacht wurden hier und in Der Um- gegend große rothe Placate angeschlagen mit einem „Aufruf an das schweizerische Volk." In Demselben wird protestirt im Namen allersocialdemokratischenpolnischen Vereine gegen Die auffällige Auslieferung Netschajeff's. Zum Schluffe sagt Da- Placat wörtlich, nachdem es versucht hatte, Netschajeff als politischen Flüchtling oarzustellen: „Wenn das Unmöglichscheinende geschehen sollte, wenn der Züricherische Regierungsrath in Dieser Frage Der Auslieferung Netschajeff's mit Dem Bunde-» rathe, Der sich für dieselbe ausgesprochen haben soll, einig wäre, so erklären wir, ot,ne Furcht vor Den Folgen, vor aller Welt, Daß Die Züricherische Regierung
mit dem Volle nicht solidarisch ist. Deshalb wenden wir uns an das Schweizer Volk selbst, und ersuchen es Die heiligen Rechte Der Republik unantastbar zu behaupten und Die Regierung von einem Verbrechen gegen die republikanischen Die Polizei riß da- Placat ab unD Übermachte e-
Wien, 8. October. Der HanDelsminstrr reichischen Linien Der Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahn angeordnet. RegierungS-
Vermischtes.
Darmstadt, 8. October. Heute steht die 45jährige Ehefrau des F. Reininger von Schneppenhausen, Mutter von fünf Kindern, unter der Anklage des Mordes vor dem hiesigen Schwurgericht- Am 22. Juni d. I. wurden auf dem Felde der Beschuldigten Spuren vorgefunden, die auf eine stattgehabte Geburt schließen ließen, und richtete sich der Verdacht eines verübten Verbrechens gegen die Angeklagte, die nach anfänglichem hartnäckigen Läugnen ein umfassendes Geständniß ablegte. Hiernach fühlte sie sich in anderen Umständen, verheimlichte dies aber sorgfältig, selbst ihrem Ehemann gegenüber, da sich ihre 24jährige, noch ledige Tochter in demselben Zustand befunden, sie die Vorwürfe ihrer Kinder gefürchtet und ihr auch die Geburt eines weiteren Kindes mit Rücksicht auf ihre Armuth unangenehm gewesen, weßhalb sie in den letzten Monaten den festen Entschluß gefaßt, das Kind, zu dem sie auch nicht die geringste Liebe gehegt, zu tobten. Am 21. Juni auf dem Felde mit einem Mädchen niedergekommen, bedeckte die Angeklagte das lebende Kind mit einem Haufen Gras, so daß es ersticken mußte. Am andern Morgen begab sie sich auf den Schauplatz der That und grub ein Loch, um die Leiche zu verscharren, wurde jedoch durch in die Nähe kommende Leute verscheucht, worauf sie das Kind in ein nahes Gehölz trug, mit den Händen die Beinchen loslöste, den übrigen Körper mit ihrer Sichel in kleine Stücke zerschnitt, den Kopf auf der Erde platt trat und die einzelnen Stücke umherftreute, wo sie zum größten Theile auch vom Gericht aufgefunden wurden. Spuren geistiger Störung wurden an der entsetzlichen Verbrecherin in keiner Weise wahrgenommen; sie stand bisher in gutem Ruf und war ihren übrigen Kindern eine gute Mutter.


