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Gießener AMger.
Srscheint täglich, mtt Auv» nähme Sonntags.
Expedition: Eanzleiberg.
At. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 26L Samstag den 9. November 1K7L.
Brodpreife vom 9. bis 15» November 1872,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
2 Kilo gemisstes Brod 20 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 10 kr. 2 Kilo Roggenbrod: eiste Sorte 17 kr., zweite Sorte 15 kr.
Deutschland.
Darmstadt. Dem „H. K." wird geschrieben: Wie wesentlich die Lage der Dinge sich hier geändert hat, um wieviel das Verhättniß der hiesigen Hofkreise zu Preußen und ter neuen Gestalt Deutschlands ein besseres geworden rst, zeigt vielleicht am deutlichsten die Nachricht, die soeben bekannt wird, und nach welcher Prinz Alexander von Hessen, srüher eifrig österreichisch und großdeutsch gesinnt und vr.t r Dalwigl's Regiment, sowie noch unter dessen nächsten Nachfolgern ter antipreußischen Partei am hiesigen Hofe, sich entschlossen hat, seine Söhne in preußische Dienste treten zu lassen. Sicher ist dies wenigstens von dem zweiten, dem 1857 geborenen Prinzen Alexander Joseph v. Battenberg, welcher sich gegen- wärtig in der bekannten Erziehungs-Anstalt Schyepfenthal bei Gotha befindet, und der ursprünglich österreichischer Officier werden sollte, nun aber bestimmt ist, nach Vollendung seiner Studien in die preußische Armee einzutreten. Auch von dem ältesten der Brüder (Prinz Alexander hat 4 Söhne) he.ßt es, daß er -uw Eintritt in preußische Dienste bestimmt sei, und zwar würde ders.lbe (er herßl Ludwig Alexander, ist 1854 geboren und gehört vermalen als Midfhipman der englischen Kriegsflotte an) als Officier der deutschen Marine Stellung finden.
Darmstadt, 8. November. Ihre Großh. Königl. Hoheiten Prinz und Prinzessin Ludwig, sowie Prinz Wilhelm sind heute Morgen zur Enthüllung des Denkmals der gefallenen Hessen auf dem Schlachtfeld von Gravelotte nach Metz abgereist.
Berlin, 5. Novbr. Nach einer in unterrichteten Kreisen verbreiteten Angabe wäre die Zustimmung Sr. Majestät des Kaisers zu dem Gesetzentwurf über Einführung der obligatorischen Civilehe bereits ertheilt worden. Jedenfalls ist es zweifellos, daß dieses Gesitz zu den ersten Vorlagen gehören wird, welche dem Landtage in der neuen Session zugehen ollen. So weit bi- jetzt übrigens begannt ist, gedenkt Se. Majestät der Kaiser diese Letztere im Weißen Saale per- sönlich zu eröffnen.
Berlin, 5. November. Wie weit die Anmaßung und Ungezogenheit der „Germania" und ihrer Anhänger geht, zeigt sich darin, daß sie es wagt, das Andenken an d:e Einführung der Reformation in Brandenburg zu verpönen. Die „N. A. Ztg." harte am 2. November als am Tage der Einführung einen darauf bezüglichen, die Data derselben in durchaus würdiger und ernster Weist ohne jede Polemik erörternden Artikel gebracht, worin die „Germania" eine Störung des konfessionellen Friedens finden wollte und als Gegenbild 2 Sterbebetten von Eursürsten, Joachims I., bekanntlich des Gegners der Reformation und Joachims II., der nach ihr in Gewiffenequalen über sein Werk, verschied, dem Leser vor die Augen pinselte. Ueber diese Pinseleien des famosen Jesuiten- blatteS ist nun die „N. A. Ztg." sehr entrüstet und die „Germania" erwidert auf ihre Auslassungen, sie habe nur historische Thatsachen angeführt und das nur, weil sie provocirt sei, spricht auch dabei von „sogenannter" Reformation und verspricht demnächst uns Ausschlüsse über die Entstehungsgeschichte deö Protestantismus zu geben. Wir ralhen ihr, sich nicht auf das Gebnt von hlstorifche-. Entstehungsgeschichten zu begeben, denn sie möchte sonst leicht in Beziehung aus Vie Mittel, welche zur Entwickelung und Ausbildung cer Hierarchie angewendei worden sind, den Kürzeren ziehen.
Berlin, 7. Novbr. Die Verhandlungen der Delegieren Preußens und Oesterreichs betreffs der socialen Frage werten dem Vernehmen nach heute begin nen. Das diesseitige StaatSminisierium vertritt der Geh. OberregierungSrath Wagener, das Justizministerium Geheimrath v. Schelling und das Handelsministerium Geheimrath Jacobi. Geh. LegationSrath I'r. Buchner ist verhindert, den Confcrenztn beizuwohnen und wird für das auswärtige Amt durch dcn Ober- regierungsrath Wagener vertreten, der auch den Altersvorsitz führen dürfte.
Berlin, 8. November. Der Kaiser hat die Minister auf heute Nachmittag 2 Uhr zu einer Conseilssitzung zusammenberufen, welcher auch der Kronprinz bei- wohnen wird. — Der französische General-Postdirector Rampout ist aus Petersburg hier eingetroff n.
Zu dem Stande der Dinge in Preußen ist heute fein neues bestimmtes Moment zu verzeichnen; nur findet die Annahme immer mehr Glauben, daß die Regierung bei ihrer Action nicht blos die KreiSordnung, sondern auch das Schick' fal der hinter ihr stthenden wichtigen Gesetzentwürfe im Auge habcn werde. Ueber letztere ist schon gemeldet, daß von den Vorlagen des CultusministerS ein Entwurf, und zwar derjenige über die Grenzen des Rechts zum Gebrauch der kirch^ lichen Straf- und Zuchtmittei, bereits die Zustimmung des Staatsministeriums gefunden habe, und ein zweiter, auf den Bildungsgang und die Anstellung der katholischen Geistlichen und die Feststellung der staatlichen Befugnisse dabei bezüglicher, zur Abgabe an das Slaatsmimsteriurn vorbereitet (et. Von einer Aus- dehnung des letzteren Gesetzes auf die evangelischen Geistlichen habe man bei der ungleichen Lage der Verhältnisse absehen müssen.
Gumbinnen, 6. Novbr. Die Cholera ist nunmehr auch im hiesigen Regie- rungsbezt.ke ausgevrochen. Bis zum gestr'gen Tage wurden in Profiten (fi eis Lyck) 2, in Iohannisburg, Pilchen und Sdorrcn (Kreis Iohannisburg) 10 Er-
krankungsfälle gemeldet. Von den ersteren verlief einer, von letzteren sechs mit tödtlichem Ausgange.
Detmold, 4. Novbr. Das Fürstl. Lipp. Reg.- und Anzeigebl. enthält in seinem amtl.chen Theile folgende Bekanntmachung:
Die Erwartung der Staatsregierung, daß die ausgeschriebenen Landtags- Wahlen eine für die Herbeiführung friedlicher Zustände günstige Aussicht eröffnen würden, ist nicht in Erfüllung gegangen. Nachdem in einigen Wahlbezirken des 2. und 3. Standes gar keine Wahl zu Stande gekommen ist, und von den in den übrigen Wahlbezirken Gewählten tu überwiegende Mehrzahl zwar die Wahl angenommen, demnächst aber in einer zu Lemgo abgehaltenen Versammlung erklärt hat, an den Berathungen des Landes nicht Theil nehmen zu wollen, ist die S-aotsregierung nicht in der Lage, diesen Landtag zu berufcn. Sie ist deß- halb genöthigt, ohne Mitwirfung einer Landesvertretung die Staatsgeschäfte fort- zusührcn, und wird dies mit dem vollen Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit so lange thun, dis es gelingt, einen beschlußfähigen Landtag durch die Wahl von Männ-rn zu bilden, welche ein Mandat zum Landtage annehmen, — nicht um es niederzul gen, sondern um es zum Bestcn'dcS Landes auszuübcn. Detmold, 3. November 1872. Der Cabinets-Ministcr: v. Flottwcll.
Dresden, 7. November. Die Deputation des Landtags brachte dem könig- lichen Paare seine Glückwünsche dar und Überreichte zwei Stiftungen von je 100,000 Thaler für allgemeine Bildung-zwecke und zum Besten des weiblichen Geschlechts. Die Deputation der Stadt überbrachte 20,000 Thaler zu Wohl- thätigkeitszwecken. — Aas Berlin ist die Genehmigung des Kaisers zur Entfestigung von Dresden eingetroffen.
München, 4. Novbr. Der König hat dcn Herzog Karl Theodor in Boyern, welcher zu dcn Fistlichkcit.n der goldenen Hochzeit feiner Schwiegereltern ich nach Dresden begibt, mit feiner Stellvertretung dort elbst beauftragt. Der Herzog wi-d eigenhändige Beglückwünschungsschreiben des Königs an seine Großtante und deren Gemahl überbringen. Der König, welcher noch hier verweilt, wird nach der am nächsten Sonntag erfolgenden Rückkehr seiner Mutter von Hohenschwangau dieses Schloß beziehen und daselbst bis Weihnachten verweilen.
(Schw. Merk.)
Belgien.
Brüssel, 6. Novbr. Nach Berichten aus Chaeleroi find in einer Zeche des dortigen Koilenbezirks 21 Bergleute gestern beim Einfahren in die Grube in Folge Zerreißens der Seile um's Leben gekommen.
Frankreich.
Paris, 4. Ncvember. Das „PayS" behauptet und stellt die Regierung darüber zur Rede, daß Henri Rochefort heute früh um 5 Uhr in einem referoirttn Wagen erster Claffe (von wo?) in Paris eingetroffen und nicht etwa in einem Zellenwagen, sondern in einem öffentlichen Micthwagen nach Versailles geführt worden sei. Das „PayS" findet dieses Verfahren und die ganze Ver- "etzung des Gefangenen um so unerklärlicher, als derselbe sich des besten Wohl» .ins erfreue.
Paris, 5. Novbr. Gestern wurde die Wiedereröffnung des CcssationS- hofes nach Den GenchtSfcricn mit einer Festrede des General Procuratorö Renouard eröffnet. Wie überall, mußte auch hier die Rache ihre Rolle spielen. Die Hoff- nung auf eine bessere Zeit, begann Renouard, sei erlaubt, doch nur, wenn Jeder streng und muthig seine Pflicht thue; zwei Mächte beherrschen die Welt: Gewalt und Recht. Hiermit hatte Redner die Brücke geschlagen^ um gegen Bismarck zu polemisiren. Zwar weiß der General-Procurator ntchi, ov das Wort: „Gewalt geht vor Recht!" wirklich gefallen sei, „aber das Gerücht, vaß es gesprochen, war zu groß, als daß es nicht aufgegriffen werden sollte; es ,st ohnehin keine vereinzelte Kühnheit, sondern eine Fanfare des Regimes, es st ein ganzes System, es ist die Ueberstürzung der Selbstsucht und die Bergötte- eung des Erfolges." Und nun folgte die juristische Widerlegung, die bequem genug war; aber den Blättern war die Veranlassung geboten, den Patriotismus oes weisen Daniels zu preisen, Der, nachdem er genug gesagt, schlau hinzusügte: „Frankreich möge es verachten, von der Gewalt Die Rache zu fordern, die es erwartet; cs ist seiner würdig, Dem Recht Den Vorrang bei Der Abhülfe seiner Uebel und bei Der Rückkehr aller feiner Kinder zu gestatten." Frankleich soll also dem Recht den Vortritt zur Wiedererlangung von Elsaß und Lothringen geben, aber wiederhaben muß es beide deutsche Provinzen. So wird Dem französischen Volke täglich von feinen Götzen geschmeichelt: bald Donnert Gambetta, bald bramarbasirt Geniral Ducrot und bald streichelt General-Procurator Renouard Den Fuchspelz des Chauvinismus, und zu Dem Allem lächelt Herr Thier- fein säuberlich.
Rochefort ist in Versailles. Die Regierung gestattete ihm, sich dorthin zu begeben, weil er sich mit seiner beliebten verheirathen will. Dieselbe befindet sich seit Dem Uirt.rgange der Commune in einem Kloster der provisorischen Haupt- ^stadt von Frankreich und ist dem Tode nahe. Rochefort will Die Kinder, Die er
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