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Flucht begeben hat.

Zur Nachricht, daß der preußische Kronprinz eine Villa am Starnberger See kaufen wollte, schreibt dasVaterland": Als ob wir noch nicht genug Preußen im Lande hätten! Hoffentlich thut's der Preuße nicht, um unfern König zu ärgern, der einer solchen Nachbarschaft sicher von Berg weg aus dem Wege

gefaßt wurde.

München, 7. September. Der Regierungspräsident Pracher von Regens- bürg war nicht, wie verbreitet worden, wegen der Ministcrtrisis, sondern wegen Vollzugs ves Jesuitengesetzes, der in den nächsten Tagen beginnen soll, hierher berufen. Finanzminister v. Pfretzschner hat seinen Urlaub abgekürzt (er befand sich in der Schweiz) und wird in den nächsten Tagen hier Eintreffen.

Aus dem Canton Guebwiller (Ober-Elsaß), 4. Sept. Unzeitiges Ver­gessen der Thatsache, daß wir uns in einem eroberten Lande befinden, hat einem unserer Beamten das Leben gekostet. Vorgestern Abend zwischen 10 und 11 Uhr wurde der Chef de Gare zu Bollweiler in dem dicht hinter dem Bahnhof und nur durch ein schmales Gäßchen von demselben getrennten Case-Rchauront von einem Franzosen erstochen. Der Beamte, ein früherer Angestellter der Köln-Mindener Eisenbahn, saß mit zwei oder drei Collegen in der Wüthschaft. Die Erinnerun­gen an die zurückgelegten Feldzüge, namentlich die Erfolge vor Sedan, brachen bald bei den alten Kriegern laut durch und man sangdie Wacht am Rhein und andere. Die Franzosen oder Elsässer, an einem den Beamten entgegengesetzten Ende des Lokals sitzend, antworteten mit französischem Gesang in einer Weise, die schließlich den BahnhofSchef veranlaßte, sich zu ihnen zu begeben und Still- schweigen zu gebieten. Ein Wort gab nun das andere, und soll sich der Beamte zu einer so verletzenden Äußerung haben hinreißen laffen, daß die Elsässer sofort zu Thätlichkeiten schritten. Die Anwesenden beförderten die Burschen mit vereinten Anstrengungen aus dem Lokale, an dem jene nun ihre Wuth an den Fenster­scheiben u. s. w. ausließen. Als man zurückkam, war der Bahnhofverwalter mitten im Zimmer zusammengesunken und bereits eine Leiche. Er hatte einen tödtlichen Stich in den Hinterkopf erhalten; ein zweiter Stich war gegen einen anderen Beamten geführt worden, hatte denselben aber nur oberflächlich an der i Brust getroffen. Der Vorfall hat große Bestürzung auf beiden Seiten erregt. Die Behörden von Bollweiler und das Fricdensgerrcht zu Guebwiller begannen sofort die Untersuchung, die noch in der Nacht unter Leitung des inzwischen requirirten StaatSprocuratorS zu Colmar zum ersten Abschluß kam. Die Recherche i nach dem als der Thai verdächtigen, dem Gärtnerburschen eines Oeconomen zu Bollweiler, blieb ohne Erfolg, da sich derselbe unmittelbar nach der That auf die

gehen würbe.

Die Nachricht von der Errichtung eines Monumentes in München zum An­denken an die Ereignisse von 1870/71 begleitet dasVaterland" mit folgenden Worten: Für die damals von Bayern gemachten Dummheiten braucht'- kein Monum nt; die merken wir uns im Kopf und im Geldbeutel. (Die Redaction desVaterland" könnte ein unternehmender Kopf in Spiritus setzen und sehen lassen, es wäre gewiß ein Geschäft zu machen.)

Ueber die Vergangenheit des Herrn v. Gasser erhält dieN. fr. Pr." nach­stehende biographische Notizen. Der genannte Staatsmann ist der Sohn eines Petersburger Banquierö, welcher in feiner Eigenschaft als Agent des Hauses Rothschild dessen Geschäfte mit der russischen Regierung besorgte. Nach den Grundsätzen russischen Systems erzogen, siedelte Herr v. Gasser in seinem dreiund- zwanzigsten Lebensjahre nach Deutschland über und trat hier in bayerische Staats­dienste. Er wäre auf seinem Posten wahrscheinlicherweise unbeachtet geblieben, hätte nicht fiine im Jahre 1863 erfolgte Verheirathung mit Frau v. Rebwitz, Hofdame der Königin-Mutter, ihm ganz besonders freundliche Beziehungen zum königlichen Hofe eröffnet. Als König Ludwig sich mit der Prinzessin Sophie ver­lobte, wäre beabsichtigt gewesen, die genannte Dame zu der Obcrhofmeisterin der künftigen Königin zu e.nennen. Nachdem nun aber diese Verlobung rückgängig geworden, wurde Herr v. Gaffer mit dem Gesandtenposten in Stuttgart betraut, wobei sich derselbe nach wie vor der ehrendsten Gunst von Seiten des Königs erfreute und zwar in so hervorragendem Maße, daß um tote Zeit, wo die parti- kularistische Strömung in München die Oberhand gewann, sein Name sofort und allein in den Vordergrund trat, als die Bildung eines neuen Cabinets ins Auge

Schweiz.

Bern, 7. Sept. Das zu Ehren des Schiedsgerichts in der Alabamafrage bestimmte Fest wurde auf den 12. Sept, anberaumt. Im Engadin sind in dem Dorfe Zernetz 120 Häuser und viele Ställe total niede gebrannt.

Italien.

Rom. Zwischen dem französischen und italienischen Cabinette wäre es, wenn wir einer Mittheilung derKarlsr. Ztg." glauben dürfen, zu einer sehr erregten diplomatischen Auseinandersetzung bezüglich der Ausführung des Kloster­gesetzes gekommen. Das französische Cadinet habe sich eine Beschwerde des heiligen Vaters angeeignet, und für die f. Z. gemeldete Einmischung Frankreichs in diese Angelegenheit die angebliche Mißachtung der Rechte französischer Nationalen zum Vorwand genommen; die italienische Regierung dagegen habe sich gegen eine Intervention sehr entschieden verwahrt und noch entschiedener die einstweilige Sistirung der Ausführungsmaßregeln abgewiesen.'Sie handeln auf Ihre Gefahr;" mit diesen Worten soll der französische Gesandte in Rom eine Unter­redung mit dem italienischen Minister des Auswärtigen geschlossen haben.Auf unsere Gefahr und nach unserem Recht," wäre die Antwort des italienischen Ministers gewesen. Dies würde allerdings, vorausgesetzt, daß die Unterredung der beiden Diplomaten in der angebeuteten Weise stattfand, auf eine gereizte Stimmung zwischen beiden Cabinetten schließen laffen; doch der Controoersfragen zwischen Frankreich und Italien gab es in jüngster Zeit schon so viele, ohne daß bieselbcn ein ernstes Zerwürfniß zur Folge gehabt hatten, daß wohl auch Der jüngste Jncidenzsall das friedliche Einvernehmen beider Staaten nicht stören wird.

Rom. DieGazzetta d'Jtalia" brachte vor einigen Tagen einen Artikel, worin sie anzeigte, daß die Jesuiten den Papst vurchauS nach Belgien bringen möchten, daß aber das Cadinet von Versailles die belgische Regierung daraus aufmerksam gemacht hätte, welche Schwierigkeiten daraus für Belgien und Frankreich hervorgehen konnten, und daß es daher im Jnierlsse beider Lander sei, baß der Papst in Rom bleibe oder wenigstens nicht nach Belgien gehe. Heute

^oievh für den voranaegangenen Toast herzlich dankend und denselben erwiedernd,! Straßenräuber, Flibustier, ungezogene Gassenjungen, Ehrabschneider, Verleumder, ° -.....-;Gott erhalte und beschütze Kaiser Wilhelm, lausigster Tabak. _

folgenden Trinkspruch ausbrachte:L-.. -v- - & .

Kaiserin Augusta und das königliche Haus!» Nach kurj-r Pause ergriff Kais r Al-ianver da« Wort:Ich trinke aus da« Wohl der tapferen vreutzischen Armee!" < Der Kaiser von Rußland ernannte den Prinzen Karl und Albrecht Baker von i Preußen zu russischen geldmarschallen.

Berlin 7 Sept. Da« englische Parlamentsmitglied Kinnaird überreichte dem Fürsten B-S-u°,ck eine mit vielen Unierschristen, darunter solche von englischen Bischöfen, vielen Mitgliedern de« Parlaments und de« eng ischen hahen Abel« bedeckte Adresse, welche sich gegen da« Dogma der Jnfallibilitat aussvricht und die wärmste Sympathie für den Kampf des Reichskanzler« gegen den U 'ramon- tanismu«, sowie die lebhafteste Bewunderung für seine Geduld, Weisheit, Ausdauer und seinen wabren Freiheitsstnn ausdrückt.

Berlin 7. September. Gestern Abend in der zehnten Stunde machte Graf Andrassy dem Fürsten Bismarck einen längeren Brauch. Morgen giebt Fürst Bismarck ein größeres Diner.

$?o(n 2. September. Der Erzbischof von Köln theilt untcrm 26. August mit besonderem Erlaß dem CleruS der Erzvioeese ein -schreiben zur Kenntniß. nahmt mit, welches er an den l>. Provineial der Gesellschaft Jesu ,u Maria-Laach ,u richten stch veranlaßt gesunden habe. Es heißt darin u. A.:Ueberzeugt von der Grundlosigkeit der gegen die Gesellschaft Jefu erhobenen Schmähungen, Ver- dächtigungen und Berleumdungen, wodurch eine große und mächtige Partei, dte nicht nur den Jesuiten, sondern der katholischen Kirche, ;a dem Chnstenthum selbst feindlich enigegentritt, vor Allem die Bluthe des christlichen Leben«, welche in der Ausübung der evangelischen Räthe in dem von der Krrche approvlrken Ordensleben stch entfaltet, mit Haß und Verachtung verfolgt, vertraue ich, daß ver Hoch». Eiern«, von derselben Ueberzeugung durchdrungen, d.c um Christ, rnill-n verfolgten und ohne UriheilSfpruch verbannten Glieder der Gesellschaft Jesu, eingedenk der großen Wohlthaten, welche ihnen Sltru« und Laien zu »er- vanken haben, mit brüderlicher Liebe umsaffen und ihnen Gutes für Gutes ver- netten werde. Ich vertraue nicht weniger, daß Ihr, theuerste Mitarbeiter, die durch °a« eifrige Wirken der Gesellschaft Jesu zum Heile der Seelen tn der Errdlöcese hervorgebrachten segensreichen Früchte mit aller Sorgfalt und Treue nach Kräften erhalten, pflegen und vor dem Verfalle zu bewahren bemüht ;em, werdet. Mit Bedauern habe ich vernommen, daß die große Liebe und Anhang- ltchkeit der Gläubigen zu Den Vätern der Gesellschaft Jesu bereits Einige zu solchen Kundgebungen des Unwillens und Der Entrüstung über die von den Staatsbehörden gegen Dieselben ergriffenen Maßregeln hingerissen hat, welche mit den Gesinnungen" und den Pflichten eines Christen gegen die weltliche Obrigkeit nicht vereinbar, sondern stets zu beklagen sind. Ich ersuche deshalb den Hochw. Clerus, überall, wo es nothwendig erscheint, die Gläubigen an ihre Pflichten aegen die wehliche Obrigkeit zu erinnern und sie vor jeder unerlaubten und straf- baren Widersetzlichkeit ernstlich zu warnen unter Bezugnahme auf das apostolische Mahnwort im 1. Briefe Petri 2, 1315."

München, 1. Sept. DieWochenschrift der bayerischen Fortschrittspartei" schreibt: Die Inspektionsreise des deutschen Kronprinzen in Bayern ist es, welche in dieser Woche hauptsächlich die Spalten der Tagesblätter füllt. Es wird hier Darauf hingewiesen, wie der festliche Empfang, den man überall dem tapfern Feld- Herrn Der dritten Armee bereitete, ein um so werthvolleres Zeichen des nationalen Geistes ist, eben weil er durch keine Absichtlichkeit demonstrativ bestimmt wurde. DasIngolstädter'Tagblatt" schreibt hiezu:Durch diese erhebende Feier hat unsere Bürgerschaft dem deutschen Kaiserhaufe in seinem erhabenen Sprossen, Dem Deutschen Kronprinzen, die regsten Sympathien kundgegeben, auch bewiesen, wie hoch sie das Band inniger Bereinigung mit dem gesummten deutschen Vaterlande zu schätzen weiß, und wie sehr cs ihr Darum zu thun ist, dasselbe immer enger zu knüpfen. Mag der Ultramontanismus noch so sehr mit dem römischen Vatikan liebäugeln, seine Bestrebungen werden auf unfruchtbaren Boden fallen, und seine Anstrengungen, das einmal geknüpfte Band zu lockern, zu Schanden werden." Daß Die ultramontanen Blätter hierüber anderer Meinung sind, ist selbstverstand- lich. So schreibt dieDonauzeitung" :Die Rundreise des Erben des Deutschen Reiches zur Truppenschau hätten wir glücklich hinter Dem Rücken. Den National- servilen SüdveatschlanDS war hiebei hinreichende Gelegenheit geboten, ihre Kratz­füße zu machen, und sie haben ihre Ausgabe bis zum Uebermaße erfüllt. Wir überlassen es Den Lesern Der Donauzeitung, sich selbst ein Urtheil Darüber zu Hilden, und glauben, daß Se. k. k. Hoheit mit voller Befriedigung über die neben Der Truppenschau in den Kauf genommenen, wohl auch angestrebten Sympathien Der Anbeter des neuen Reiches die bayerische Grenze überschreiten wird. Ob das bayerische Volk in seiner angestammten Treue und Hingebung für unser Herrscher- bau6 und engeres Vaterland Bayern von diesen schweifwedelnden Kundgebungen besonders erbaut sein wird, des stellen wir in Abrede. Man kennt aber auch Diese Bayern in ihrer Hartnäckigkeit gegen die Begeisterung für das Reich Der .Gottesfurcht und frommen Sitte", und selbst die Ansichten des Kaisers und Kron­prinzen: es soll BayernBayern bleiben", werden das Volk nicht zur ernst'ichen Ueberzeugung bringen, so lange Schlag auf Schlag ein Stück nach dem andern von unserer Selbstständigkeit unter dem Staatslenker Bismarck per anderer An­sicht als der Kaiser zu sein scheint, niedersällt. Deshalb war für heuer Würt- lemberg und Bayern der Schauplatz dieser Erhebungen für preußische Sympathien. Baden ist ohnedies wohl bestellt. Die Früchte dieses Servilismus werden nicht lange auf sich warten laffen." DasVaterland" läßt sich dahin aus:In Augsburg hat sich fast die halbe Stadt vor dem preußischenRe.chskronprlnzen" auf Den allerunterthänigst treugehorsamsten Bauch gelegt und Allerhöchstoenselben allerehrfurchtovllst angehundelt und angewedelt, die Vornehmsten der Augsburger haben aufgewartet, und Der rothe Fischer hat Dabei eine ReDe von sich gegeben, worüber Der Preuß' ein schöne Freude gehabt haben wird. Die Kriecherei wird jetzt in Ingolstadt fortgesetzt von diesen deutschen Mannsbildern."

Der Streit im klerikalen Lager zwischenDolksbote" undVaterland" einerseits,Postzeitung",Bayer. Kurier" undStraubinger Tagblatt" anderer- seits dauert mit Der gleichen Heftigkeit fort. So sagt Die Postzeitung vom heben Volksboten, er sei wie ein Jude, wirft man ihn zur vorderen Thur hinaus, so kommt er zur Hinteren wieder herein. Das Vaterland redet von dem journaltstis scheu Handelsjuden Huttier, nennt einen Correspondenten Der Postzeitung eint flaumbärtige Kratzbürste, und läßt das Straubinger Tagblatt von Buben redigirt fein. D.r Volksbote stellt folgende Höflichkeitstitulaturen aus dem Lexicon des anständigen Dr. Max zusammen und verspricht Deren Fortsetzung: Siccarier,