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daß da- ,-Vaterland" im Verlsuf seiner weisen Betrachtungen auch ven Fall erwägt, dntz Kürst Bismarck an eine solche Allianz gegen Rußland niemals im Ernst gedacht hat. Den Schlüssel zum Verständuiß der Allianzgerüchte findet das Vaterland" natürlich in demKampfe gegen das Papstthum", in demVersuche, die einzige moralische, allen ephemeren Erfolgen überlegene Macht zu stürzen oder vielleicht noch mehr dem preußischen Interesse dienstbar zu machen; die Trippel« allianz gegen das Papstthum, das dürfe man als die Pointe der Bismarck'fchen Politik ansehen." Die Spitze dieser Herzensergüsse ist dann gegen Andraffy ge» richtet, an dendieses Ratsonnement als Warnung gerichtet wird." Dann ruft das klerikale Blatt schließlich aus:Wir wollen nicht, daß Oesterreich einen Judas­lohn erwerbe!" In einem zweiten Artikel:Der Kirchenstreit in Preußen", wird dasVaterland" noch deutlicher, indem es sagt:Graf Andraffy bewunderte am 12. Januar in seiner Antwort an die katholische Deputation die Freiheit des Papstes, Beust die Achtung und Liebe, womit die italienische Regierung PiuS IX. umgibt; doch Beust machte mit der italienischen Regierung zur Beraubung des Papstes mit, und jetzt macht Graf Andraffy die Stoß-inS-Herz-Politik mit. Da­gegen äußert dieN. Fr. Pr." in ihrem heutigen Leitartikel:Jetzt und wohl auf Jahre will Rußland den Frieden. Möchten wir auch seinen Versicherungen und selbst seinen Handlungen mißtrauen, so liegt doch klar, daß es nicht Krieg führen kann, so lange Deutschland und Oesterreich zusammenstehen." Die sehr sympathische Aufnahme der Ernennung Blumer'S zum russischen Generalkonsul in Pesth von Seiten der ungarischen Blatter ist der beste Beweis, wie wenig miß­trauisch die Ungarn und ihre Führer und zumal Andraffy gerade jetzt gegen Ruß- -land gesinnt sind. (K. Z.)

Holland.

Antwerpen, 7. Juli. Eine Deputation der Hauptstädte des Landes ist Hier angelangt, um eine große liberale (anti-katholische) Manifestation zu ver­anstalten. Der Enthusiasmus ist unbeschreiblich, die Menschenmenge außerordentlich.

Frankreich.

eingesandt worden sind, beläuft sich die Zahl der vorhandenen Cholerakranke» bereits auf 1267 und hat sich die Epidemie auf das Gebiet Bessarabien und die Gouvernements Wolhynien, Iekaterinoslaw, Kiew, Kursk, Mohilew, Orel, Podolien, Rjäsan, Charkow, Cherson und Pultawa ausgedehnt. Im Gouvernement Moskau sind in der Stadt Bogorodsk auch zwei Personen erkrankt, aber auch genesen. Am schwersten ist die Stadt Kiew heimgesucht.

Türkei.

Konstantinopel, 2. Juli. Die vom hassunistischenCourrier de l'Orient" ausgesprengte Nachricht, die Pforte habe ihre Anerkennung des neuen armenischen Patriarchen Küpelian davon abhängig gemacht, daß dieser die Bestätigung des Papstes nachfuche, resp. erhalte (was ja nach der Lage der Dinge durchaus ver­geblich resp. unmöglich ist), wird jetzt, wie zu erwarten war, als durchaus unbe­gründet bezeichnet. Der Sultan hat gerade im Gegentbeil ertlärt, die Wahl des Patriarchen bleibe unter allen Umständen giltig. Die Proteste der Curie sind ad acta gelegt.

Nubar Pascha hat mit der Pforte eine förmliche Uebereinkuuft abgeschlossen, wonach alle Rechte des Khedive anerkannt werden.

Bei Bofforoh hat ein Nomadeneinfall stattgcfunden.

Local-Notizen.

Gießen, 9. Juli. Gestern Nachmittag fand man in der Lahn am Wehr der Goldschmidt'- schen Mühle die Leiche eines seit Freitag vermißten Gärtnerburschen. Dieselbe war vollständig angekleidet und soll eS überhaupt zweifelhaft sein, ob der Todte ein Selbstmörder oder Verun­glückter sei, oder ob demselben Gewalt angethan wurde, da namentlich das Gesicht sehr zerkratzt war. Bei dieser Gelegenheit möchten wir unS die Frage erlauben seit wann eS in Gießen Mode ist, daß man eine derartige Leiche am Hellen Tage und nur nothdürftig zugedeckt durch die Stadt transportirt? Man sollte doch billigerweise den Gefühlen der Einwohner Rechnung tragen und derartige Scenen vermeiden. Der unfreiwillige Ablick einer derartigen Leiche ist denn doch nicht Jedermanns Geschmack.

Heute Morgen passirten Ihre Majestät die Kaiserin und der Kronprinz, welche sich zur Enthüllung des Stein-Denkmals nach Nassau begaben, unsere Stadt.

Paris, 6. Juli. Man versichert, Thiers habe beim Empfange am Donner­stag seine Bereitwilligkeit zu erkennen gegeben, der Steuer auf Rohstoffe zu ent­sagen. Dann müsse aber die Nationalversammlung anderswo die nöthigen Ein­nahmen zu finden wissen. Namentlich müsse die Steuer auf die GeschäftSumschläge angenommen und die auf Patente erhöht werden.

Versailles, 7. Juli. Der Vertrag mit Deutschland ist gestern ratificirt worden. Finanzminister Goulard wird morgen einen Gesetzentwurf einbringen, durch welchen die Regierung zur Ausgabe der Anleihe ermächtigt wird. Der Gesetzentwurf stellt der Regierung die Wahl des Zeitpunktes und der Be­dingungen anheim.

Versailles, 7. Juli. Die vom deutschen Kaiser vollzogene Ratification-. Urkunde zu dem gestern durch die Nationalversammlung ratificirten deutsch-französischen Vertrag ist vergangene Nacht durch einen Feldjäger hier cingetroffen. Graf Arnim wird Montag nach EmS abreisen. Es wird bestätigt, daß Marschall Mac Mahon auf der am Freitag bei dem Präsidenten der Republik stattgehabten Soiree erschienen ist, um gegen die circulireuden Gerüchte über dem Präsidenten feindliche Schritte zu protestiren. Hinsichtlich der parlamentarischen Ferien wünscht Thiers dem Vernehmen nach dringend, daß dieselben noch vor Ende des Monats beginnen möchten.

Spanien.

Madrid, 5. Juli. Der Finanzminister hat heute mit der Bank von Paris einen Vertrag über eine Anleihe von 40 Millionen Francs abgeschlossen zu den- selben Bedingungen wie die neuesten Operationen. Die vormalige Majorität der Corte- hat beschlossen, sich an den Wahlen zu betheiligen. Die Republikaner haben den gleichen Beschluß gefaßt.

Die letzten Banden in Biscaya unter der Anführung des Pfarrers von Guernica haben sich ergeben.

England.

London, 8. Juli. Ein Telegramm derTimes" aus Paris meldet, es gehe das Gerücht, die deutsche Reichsregierung habe bei vier katholischen, das Vetorecht bei der Papstwahl besitzenden Mächten vertraulich angefragt, ob nicht dem künftigen Conclave gegenüber ein Einoerständniß zu erzielen sei. Drei dieser Mächte hätten ihr Einverständniß mit einem derartigen Schritte erklärt, die vierte Macht einen solchen für inopportun erklärt.

Rußland.

Petersburg, 3. Juli. Nach den imR.-A." mitgetheilten officiellen An- gaben, die dem Mevicinaldepartement in der Zeit vom 25. Juni bis zum 2. Juli

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 8. Juli. Fast möchte man annehmcn dürfen, daß die immense Hitze im Börsensaal auf das Geschäft lähmend einwtrke, wenn man nicht wüßte, daß BoursierS wie Private von der bevorstehenden französischen Riesenanleihe präoccupiri sind und ihre disponibeln Capitalien für selbe zurückhalten. Kein Gebiet deS Courszettels konnte sich heute eines besonderen AnimoS rühmen und die Umsätze nahmen nirgends außergewöhnliche Dimensionen an, Lombarden eröffneten bei 221, mußten aber im Verlauf des Geschäfts %% st- davon abgeben. Credtt- actien konnten ihren AnfangScourS ebenfalls nicht behaupten und gingen bis 248V2 retour, besser­ten sich aber später wieder um % st- Staatsbahn blieb anfänglich ganz unbeachtet und erst später wurden etliche Schlüsse darin zu 259%260 gemacht. Oesterreichische Nationalbank still. Darmstädter uud Meininger fest, ebenso deutsche Effectcnbank. Von hiesigen Banken war heute Bankverein en haute, indes aus uns noch unbekannten Gründen. In Bahnwerthen war stiller Verkehr und neigten die Course eher zum Weichen. Am besten gingen Franz-Joseph und Elisa­beth. Deutsche Suiten ohne Begehr. Loose umsatzlos, ebenso Staatspapiere. In Prioritäten wurde Einiges von ungarischen Sorten aus dem Markt genommen, ohne jedoch den CourS wesent­lich zu irrittren. Amerikaner ausgeboten.

BSrsennachrichte».

8. Juli 1872.

Preuss. 4%% Oblig. 103 Krankt 3%0/0 Obi. 87% Nass. 4% 0/0 Obi. 993/4 Kurhess. 4% 94% Gr. Hess. 50/0 Obi. 101 n n 4% n 981/,

, 3V8% 92i/4

Bayer. 5% 100%

41/2% 1jährige

4% 1jährige 95 Würtemb. 4%% Obi. 993/4 Baden 4%% Obi. 0. E. L. 99% Oesterr. Silberrente 65

Papierrente 58% Spanier, neuest. 3% 29i/2 Amerik. Bonds 1881r 99%

n 1882r 96%

1885r 97%

n , 1887r 97%

Actien.

Frankf. Bank 141%

Frankf. Vereins-Kasse 142

Darmst. Bankaot. 483%

Wien Bankaktien 899

Oeet. Creditaot. 350

Galizien 258

Aetieia»

5% östr. F. St. E. B. 361 Lombard. Bahn 220% Ludwigsh.-Bei.bach 202 Maxbahn

Bayer. Ostbahn 139 Rhein-Nahebahn-Act. Hess. Ludwigsb.-Act. Oberhessen 83%

PrforltSten? ~ 3% öster. Stsb.-Prior. 59% 3% öst. s. Lombard 513/4 3% Livorneser 39% 5% Tosoaner 613/4 5% Elisabeth.-Prk-r. 84% do. II. Emiss. 84%

Anlehen*8oose.

Darmstädter ll.50l.oose 182% n 25 __

Kurh. 40 Thlr. Loose 71 Nassau 25 fl. 45% Braunschweiger 21 30/a Oldenburg, ä 40Thlr. 39 4% bayr. Präm.-Anl. 113 4% badische Loose 111% Badische fl. 35 Loose 693/a Oestr. fl. 250 v. 1854 85 1858r Prioritätslooae 1860r Loose 9 43/4 1864r 156%

Weehael»

Amsterdam k. 8. 98%

Augsburg k. S. 99%

Berlin k. S. 104%

Bremen k. S.

Brüssel k. 8. 93%

Hamburg k. S. 87%

Leipzig k. S. 105

London k. 8. 118%

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 93%

Wien k. 8. 105%

ditto m. 8. 105%

ditto 1. 8. 105%

Disconto 4 0/0

Geldsorten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. 108t. 9 5355 Ducaten . . 5 3335 20 Frankens!. 9 2324 Engi. Sover. 11 4951 Buss. Imper. 9 4244 Dollar in Gold 2 25% 26%

Allstem einet A nzeiger.

Besondere Bekanntmachungen. Bekanntmachung.

3236) Wegen Chaussirung eines Theils des Glei- berger Wegs kann derselbe bis auf Weiteres nicht befahren werden.

Gießen, am 8. Juli 1872.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

______Vogt._____________

Bekanntmachun g.

3209) Auf an uns ergangene Requisition fordern wir sämmtliche be­urlaubten in Gießen wohnenden Militärpersonen auf, innerhalb acht Tagen, vom ersten Erscheinen dieser Bekanntmachung im Anzeiger an gerechnet, ihre Besitzzeugnisse zur Kriegsdenkmünze für Combattanten kpro 1870/71, sowie die Kriegsdenkmünzen für Nicht-Combattanten pro 1870/71 bei dem Beztrks- feldwebel Hainbach dahier in Empfang zu nehmen.

Gießen, am 6. Juli 1872.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Vogt.

Versteigerungen.

Main -Weser - Bahn.

3238) Die Ausführung der sämmtlichen Bauarbeiten, incl. Material-Lieferungen zur Erbauung von Bahnwärter-Wohnhäusern, und zwar

2 doppelten auf Station Lollar, 1 desgl. auf Station Nauheim, und 1 einfachen auf Station Butzbach soll auf dem Submissionswege vergeben werden und ist hierzu Termin auf

Freitag den 19. l. Mts-, Vormittags 11 Uhr, auf dem Bureau der unterzeichneten Betriebs- Jnspection anberaumt, woselbst auch die Zeichnungen, Kostenanschläge und Ueber- nahme - Bedingungen eingesehen werden können.

Die Submissions-Offerten, mit der Auff schrift:

Submission auf Bauarbeiten zur Her-' stellung von Bahnwärter-Wohnhäusern" versehen, sind bis zu dem bezeichneten Ter­

mine ebendaselbst portofrei und versiegelt einzurcichen.

Frankfurt, den 5. Juli 1872.

Königliche Betriebs-Jnspection.

Heyl.

Bekanntmachun g.

3249) Dienstag den 16. Juli er., Nachmittags 2 Uhr,

sollen auf hiesigem Bahnhofe vor dem Etappen-Wachtlocal:

1 an einem Rade schadhaft gewordener Kolonnen - Wagen; 1 Oberbett und 3 Kissen mit guten Federn; 1 Keilkissen, mit Seegras gefüllt; 2 große Wasser- fässer und 2 kleinere Fässer mit eisernen Reifen; 2 große kupferne Kessel; eine Anzahl eiserne Röhren, die während des Krieges eingerichtete Wasser- und Gas­leitung ; sowie circa 300 Stück den Kriegs - Gefangenen abgenommenen Taschenmesser

öffentlich meistbietend gegen gleich baare Zahlung verkauft werden

Gießen, den 9. Juli 1872.

Königliche Etappen-Jnspection.