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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen

Nr. 83

Dienstag den 9. April

1872

Gießen, den 6. April 1872.

)en Auskunft er-

Thiers' Rede

Preis vierteljährig 1 fl. 12 Ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

r; Weinberg,

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berührt fühlte. UebrigenS ober sei, Dank der Armee, welche eine Armee des Gesetzes sei, die Ordnung durchaus nicht bedroht, ebenso wenig, wie der äußere Friede. Diese Aevtzerung ist als eine Widerlegung der in der Lust schwirrenden Alarmgerüchte anzusehen, und als solche war sie, bei der Leichtgläubigkeit der französischen Deputaten, wohl an ihrer Stelle. Aber Herr Thiers verweilte nun bei seinem LieblingSthewa vom europäischen Frieden und Frankreichs Stellung in Europa so lange, daß er durch seine wortreichen Variationen den günstigen Ein- drrck seiner Erklärung wieder ein wenig abschwächte. Nicht als ob man glaubte, daß bei Herrn Thiers selbst hinter der Fülle der Betheuerungen seiner friedlichen Gesinnungen sich kriegerische Hintergedank>n versteckten. ThierS spricht gewiß die Wahrheit, wenn er alle kriegerischen Absichten ableugnet. Auch was er über die im Allgemeinen friedlichen Zustande Europas sagt, ist ohne Zweifel der aufrichtige Ausdruck seiner Ueberzeugung. Aber da man weder in Frankreich noch in Europa ihm die Thorheit zutraut, die Vorbereitungen zu nahe bevorstehenden kriegerischen Abenteuern zu treffen, weshalb ergreift er denn mit einer Art von Leidenschaft jede Gelegenheit, um die Welt über seine Absichten zu beruhigend

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Der Grund ist einfach der: weil viele der von ihm beantragten und mit Eifer betriebenen Maßregeln dem Friedensbedürfniß Frankreichs nicht vollkommen

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. N ö d e r.

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1 ich in «nb reelle Ve- iu sichern.

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er Meier.

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Bestellungen auf den Gießener Anzeiger gM WAag XÄLtl,|l,lll,| ®- *' aIS QUd) bei °en

Aboimeiiten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für daS 2. Quartal zu 1 fl.

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Bekanntmachung.

Zum Zwecke der Verbesserung der inländischen Pferdezucht niittelst Verbreitung guter Stuten, wird in der Kürze wieder ein Ankauf von 8 bis 10 Stuck guter Zuchtstuten m Norddeutschland, behufs deren Wiederverkaufs an inländische Pferdezüchter, vorgenommcn iverden und sollen die anaekauften Stuten Mttte dieses Monats unter den früheren Bedingungen zur Versteigerung gebracht werden.

Wir machen das landwirthschaftliche Publikum auf diesen Ankauf einstweilen mit dem Anfügen aufmerksam, daß der Versteiaerunastermin noch naßer bekannt gemacht werden wird. ° a ' 1

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die Großherroglichen Bürgermeistereien des Stadtgerichts-Bezirks Gießen.

Betreffend: Die Führung der Handels-Register.

Sie wollen uns ein, auf Grund der Ihnen von Großherzoglichem Steuer - Commissariat zugckommeneu Liste der Gewerbetreibenden Ihrer Gemeinde ,u fertigendes Verzeichniß über diejenigen, welche sich im Jahre 1871 neu etablirt oder ihr bereits bestandenes Gewerbe in irgend einer Weise, nament­lich durch Handelsbetrieb, geändert und erweitert haben, mit Beifügung der Art des Gewerbes eines jeden Einzelnen, baldigst vorlegeu, um etwa nöthig schei­nende Einträge in das Handels-Register vollziehen zu können.

Gießen, den 7. April 1872. Großherzogliches Stadtgericht Gießen.

Dr. Muhl.

Welt - Ausstellung in Wien 1873.

. 8;itU,l9 d°r Kaiserlich Oesterreichischen Regierung wird im nächsten Jahr eine Welt-Ausstellung in Wien abgehalten. Dieselbe soll am

^M«i l873 eröffnet und am 31 October desselben Jahres gesch osten werden. Die Ausstellung soll Landwirthschaft, Jiidnstrie und Kunst umfassen, überhaupt das Kulturleben der Gegenwart und das Gesammtgebtet der Volkswrrthschaft darstellen. 1 v

Das Deutsche Reich wird bei dieser internationalen Ausstellung als ein einheitliches Produktionsgebiet vertreten sein. Es wurde eine Dcnticke Central. Commission gebildet, welche für de» Umfang des Deutschen Reichs die Oberleitung der Ausstellungs-Angelegenheiten übertragen ist. 4ur Wabruna der 2">eresten der Deutschen Aussteller am Orte und während der Dauer der Ausstellung werden Commissarien des Reichs Sorg? tragen. Irr der, einzelnen Deutschen Staaten wurden Landes-Commi siouen gebildet, welche mit der Deutschen Central-Commission in unmittelbarem Geschäftsverkehr stehen die Aufforderungen zur Bctheittgung au der Ausstellung erlassen und die Bedingungen der Thcilnahme veröffentlichen. - Die von Großher oqlichem Miniite'rinm des Innern für das Großhcrzogthum Hessen bestellte Landes-Commission besteht aus den Präsidenten und General-Sekretären der beiden Centralstellen für di- Gewerbe und für die Landwirthschaft, sowie dem Großherzoglichen Gallerie-Jnspector.

, nT b'^'.dkts. hat die unterzeichnete Commission eine Bekanntmachung und Einladung zur Bctheilignng an der Wiener Welt-Ausstellung

ALSMiAVSWWic®*----***« w* ***** > dadurch gewährt werden, daß auf öffentliche Fonds beinahe alle Kosten, welche mit Mts., sind auch die Erleichterungen A^eichKet^ welche den Ausstellern Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß der Termin für die Anmeldungen bald abläuft und daß ANMrwUNgr,», gerben.

zuw 13 April l. I. zuxegangen sind, voraussichtlich keine Berücksichtigung mehr finden können. Anmeldeformnlarien und Exemplare tor früheren Bekanntmachungen können bezogen werden: Von der Großherzoglichen Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein, sowie von den Vor­ständen der Localgewerbvereine; von der Großherzoglichen Centralstelle für die Landwirthschaft und die landwirthschaftlichen Vereine, den Präsidenten der land- wirthschaftlichen Provinzialvereine und den Directoren der landwirthschaftlichen Bezirksvereine.

Darmstadt, den 5. April 1872.

Grotzherzogliche Landes - Commission für die Wiener Welt - Ausstellung.

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I. K. D. Kohlenegz t des Großsürstrn e. - Diener un) stiedrich griebritb. 5 der Tbeatmveu in Livingstone.-

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Die französischen Gesetzgeber haben auf einige Wochen Ferien gewacht, thetls um sich ton den Ansircngungen des parlamentarischen Feldzuges zu erholen, thetls um chr Licht auf dem engeren Schauplatz ihrer heimischen Bezirke leuchten zu lassen, theils auch irofel, um sich über die Stimmung im Lande persönlich zu informiren, dem guten Rath zufolge, den ihnen Herr Thiers jedesmal, wenn sie in die Vakanzen gehen, m-'t auf den Weg zu geben pflegt. In den letzten Tagen wurde etvas rasch und eckig gearbeitet, das Budget für 1872 im Sturme durch- berathen, was Henn Lhiers nicht gerade unerwünscht war. Gern hätte Herr Thiers die Abgeordneten noch einige Tage langer zusammen gehalten, um ihnen ihre Zustimmung zu seinen Stcuerprojecten in der Eile abzvpressen, an denen er mit unbeugsamem Starrsinn festhält. Dies ist ihm indessen nicht gelungen, was man aber nicht als ein Unglück betrachten kann. Bedenklicher ist es, daß auch die Berathung des Postvertrages mit Deutschland, die schon ungebührlich verschleppt worden ist, bis nach den Ferien vertagt werden mußte. Denn da die Kammer erst am 23. April wieder zusammen tritt, so wird die Beschlußfassung über den Vertrag sich schwerlich so rasch erzielen lassen, daß die Ratification desselben bis zu dem bestimmten Termin, dem 1. Mai, erfolgen kann. - -........... _ - ,(

Bevor die Versammlung sich »«tagte, hat Herr Thiers e« sich nicht »er- zu entsprechen schetnen. Dies suhlt Herr Thiers sehr wohl und deshalb empfindet sagen können, einige Worte de« Abschieds an fie zu richten. In dieser Abschieds- er das Bedürsniß, um so kräftiger die Frtedseligkcit seiner Gesinnung zu betonen rede sprach er sich mißbilligend au» über das Bestreben der Fraetionen, stets Be- und unausgesetzt aller Welt zu bewctsen, daß seine Maßregeln in der Thal keinen unruhigung hervvrzuiufen, durch welche Aeußerung die Rechte sich unangenehm kriegerischen Charakter tragen, sondern nur der Erhaltung des Frieden« dienen