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richtsanstalten des Staates, die Gymnasien,Teufelsanstalten" genannt. Die katholischen Casinos wurden die Etappen-CommandoS; diefranzosenfreundliche Rheinbundspresse" der Feldtelegrapb; jedes BiSthum eine Festung und Festungen ersten Ranges die Jesuiten-Niederlassungen am Laacher See, in Münster, in Pader­born rc. Schlachten wurden geschlagen bei jeder Bischofswahl, bei jeder Besetzung höherer kirchlicher Aemter, und immer verlor sie Der Staat.

Spät, aber vielleicht noch zur Zeit, hat der Kanzler den inneren Feind erkannt, und auf dem politischen Triumphwagen Weitz er einstweilen seine Achilles­ferse zu decken. Es fragt sich nur, ob er seiner Verwundbarkeit sich so bewutzt geworden ist, datz er das rechte Schutzmittel für alle Fälle sucht und anwendet. Da scheint nun folgende Aeutzerung etwas bedenklich:Es wurde ferner über die Aufhebung Der katholischen Adtheilung im Cultusministcrium geklagt. Diese Be- Hörde hatte mit der Zeit einen Character angenommen, datz sie auf mich den Ein- druck machte, als vertrete sie nur die Rechte der Kirche gegen den Staat. Ich hatte oeshalb schon früher Sr. Maj. dem Kaiser vorgeschlagen, statt derselben lieber einen päpstlichen Nuntius am hiesigen Hofe beglaubigen zu lassen, dem ge­genüber wir wenigstens eine klare Stellung hätten, und der uns ohne zwischen- liegende Strahlenbrechung über die Bedürfnisse und Foroerungen Der Kirche in Kenntnitz setzte. Dennoch wagte ich nicht, diesem Wunsche weitere Folge zu geben, weil sich in Der Oeffentlichkeit eine allgemeine Abneigung dagegen aussprach. Vielleicht werden wir Doch noch auf diesen Ausweg zurückkommen, sobald sich die Zustände etwas friedlicher gestaltet haben."

Es ist schon sehr befremdlich, datz Der Kanzler eine päpstliche Nuntiatur in Berlin noch für möglich, ja unter Umständen auch für wünschenSwerth hält. Früher konnte man denken, es fei besser einen Nuntius in Berlin zu haben, Der Doch einige Rücksichten gegen Den Hof nehmen mützte, als Datz Die Nuntien von Wien und München Die preutzischen Bischöfe gegen Die Negierung instruirten, an- feuerten und belobten. Es ist daher auch schon vor Bismarck Der Gedanke an eine päpstliche Nunciatur in Berlin ernstlich erwogen worden. Bereits im Jahr 1852 fanden zwischen der preutzischen Gesandtschaft in Rom und der dortigen Curie vertrauliche Verhandlungen statt, wobei sich noch die seltsame Geschichte zu- trug, datz der katholische Gesandtschaftsarzt Dr. Alertz, der zugleich Leibarzt des Papstes Gregor XVI. war, das Concept eines langen Berichtes des Gesandten v. Usedom über diese Angelegenheit an das auswärtige Amt in Berlin heimlich aus den gehefteten Acren ritz und an sich nahm, welches Concept nur durch Zu­fall meh-ere Jahre nach dem Tode drs Arzte« wieder zu Den Acten der Gesandt- schaft gekommen ist. Vor etwa fünf Jahren wurde der Gedanke wieder angeregt und glücklicherweise auch nicht ausgeführt. Wenn nur Fürst Bismarck Die Ge­schichte der Nunciaturen in Deutschland einmal gründlich studiren könnte, so würde er, wenn auch kein 18. Juli 1870 dagewesen wäre, nie mehr daran denken, einen päpstlichen Nuntius beim Hof in Berlin beglaubigen zu lassen, sondern einzig noch Die Beseitigung aller Nuntiaturen aus Deutschland für nothwendig halten. Völlig unbegreiflich ist es aber, wie Der Kanzler nach Dem 18. Juli 1870 seine Idee noch festhalten kann. Er meint einem solchen Nuntius gegenüberklare Stellung" zu haben, ahnt also nicht von Den tausend Fäden, womit dieser alsbald Bischöfe, Cleriker und Laien im Lande gegen Die Interessen des Staates im Geheimen an sich zieht und sich zu verpflichten Weitz. Der Kanzler glaubt: ein Nuntius werde ihnohne zwischenliegenve Strahlenbrechung über die Bedürfnisse und Forderun­gen Der Kirche in Kenntnitz setzen". Da Haden wir ja Die vollkommenste An­erkennung Des Universalbischofs, wie sie Rom nur wünschen kann. Nicht Die preutzischen Untertanen, welche Der katholischen Kirche in ihrer continuirlichen Geschichte von mehr als 1800 Jahren angehören, kennen ihre religiösen Bedürf- niffe, sonDern ein Italiener hält sie ohne Strahlenbrechung offen in Der Hand ein Italiener, der oft selbst weniger religiöses Bedürfnitz versteht, als ein polni- scher Bauer, Der nur Die Befehle seines Herrn vollzieht, Der sich göttlich autori- sirt glaubt, seine Syllabuspolitik mit Hilfe Der GewiffenStortur im fremDen LanDe Durchzuiühren!

Ohne Strahlenbrechung" soll Der Stadtdie Forderungen der Kirche" durch Den päpstlichen Nuntius erfahren, Der nur Forderungen einer auswärtigen Curie und der Compagnie Jesu hat! Nein, das Verständniß, welches der Kanzler von der Jnfallrbilistenkirche hat, flößt uns noch kein Vertrauen ein, zumal da er hofft, daß sich mit ihrDie Zustände etwas friedlicher gestalten" werden. Also einen friedlichen Vergleich des modernen Staates mit Den Infallibilisten hält er für möglich! Diese können aber jenem nur insoweit gefährlich fein, als sie Dem Syllabus unD Dem unfehlbaren Universalbischof factisch treulos werden, und Vas wird, auch gradweise, immer nur Der einzelne Ultramontane nach Jesuitenmanier thun, niemals aber Die Partei, welche zu jeder Stunde das moderne Staatswesen principiell und schlechthin negirt. Daher wird jeder Staatsmann, welcher auf Compromisse und friedliche Vergleiche mit dem Ultramontanismus ausgeht, schließ­lich stets Den Kürzeren ziehen. Seit Der Reformation ist in Deutschland zu keiner Zeit mehr von innen heraus der RomanismuS so bekämpft und bedrängt worden wie heute durch die von Tag zu Tag an Intensität und Umfang wachsende alt- katholische Partei; wenn mit diesem Factor die Staatsregierungen nicht zu rechnen verstehen, so werden sie die ihnen zugefallene Mission nicht erfüllen. Sie haben bis jetzt kein Verdienst an der Entstehung und Ausbreitung dieser Partei, deren Ziel auf politischem Gebiete die Befreiung des deutschen Staatslebens von der ultramontanen Vergiftung ist. Der einzige Staatsmann, welcher die Zeit begriff, war Fürst Hohenlohe; er mußte weichen, ehe er die deutsche Bewegung fbroern konnte. Graf Daru's Velleität gegen Roms Anmaßungen führte auch zu dessen Sturz. Sind darum jetzt Die Staatsmänner so ängstlich, Daß Graf Hegnenberg am 27. Januar in Der Kammer zu München in Die äußerste Erregung gerieth bei Der Vorstellung: man könne ihn für einen Repräsentanten Der Altkatholiken halten? Infallibilist wirD er doch auch nicht fein wollen: was ist er denn als Katholik, da Der Papst eine Neutralität gegen feine göttliche Prärogative nicht zuläßt? Auch Graf Hegnenberg scheint Die Unversöhnlichkeit Des Kampfes, Der jetzt ent­brannt ist, nicht einsehen zu wollen, sonst hätte er Die Bildung einer Mittelpartei in Der Münchener Kammer nicht als Das Heil verkünDen können. Das wäre gerade so, als hätte man zwischen die französische und Die Deutsche Armee während Des Krieges eine Mittelpartei schieben wollen, um bald jener, bald Dieser zum Siege zu verhelfen.

Das Erfreuliche in Den Reden Bismarcks ist, daß er darin erstens rückhalts­los als konstitutioneller Minister eines Rechtsstaates, Der feinen Confessionalismus kennt, ausgetreten ist, unD zweitens Die vollkommene Freiheit aller Conftssionen innerhalb Des Deutschen Reiches als unbeDingtc Nothwendigkeit anerkannt hat. Will er auf diesem Standpunkt stehen bleiben und Daran ist nicht zu zweifeln

so ist ein Compromiß mit Dem SyllabuS unmöglich, und Die Herren Windt- horst-Mallinckrodt werden den Kanzler zwingen, unversöhnlicher Feind des ultra­montanen JesuitiSmus zu bleiben, und die friedlichen Zustände einer päpst­lichen Nunciatur in Berlin werden nicht kommen.

Deutschland.

Gießen, 7. Februar. Dem Vornehmen nach hat der hiesige ordentliche Professor der Theologie, Dr. Nitz sch, nun (nach Mühler'S Abgang) Den Ruf nach Kiel angenommen.

Berlin, 6. Febr. Als im vorigen Jahre die Nachrichten von den großen Ereignissen in Frankreich, welche Die Auferstehung Des Deutschen Reiches bewirkten, alle Deutschen Herzen höher schlagen ließen, vereinigte sich eine Anzahl angesehener Deutscher in Moskau zu einem Festmahle, und es wurde bei demselben der Be­schluß gefaßt, eine solche Feier auch im nächsten Jahre wiederkehren zu lassen. Bei der Wiederholung dieses Festes am 27. Jan. D. I. wurde beschlossen, folgen­des Telegramm abzusenden:

Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm in Berlin. Deutsche Reichsangehörige in Moskau, zur Feier der Wiedervereinigung ihres Vaterlandes zum festlichen Mahle versammelt, bringen Euer Kaiserlichen Majestät ehrfurchtsvoll den Tribut ihres Dankes und ihrer Verehrung dar. Hoch Wilhelm der Siegreiche!"

Dem Kanzler des Consulats in Moskau Th. v. B.cherer ging darauf fol­gende kaiserliche Antwort zu:

Den zum Feste versammelten Deutschen in Moskau spreche Ich Meinen auf­richtigen Dank aus für Den Festgruß bei Der Feier zur Erinnerung an Die Grün­dung eines neuen Deutschen Reiches. Wilhelm.

Ans Elsaß-Lothringen, 4. Febr. Am 31. Jan. morgen« wollten 7 Frauen von Habsheim uno Rixheim eine nach der andern mit leeren Körben durch Da« Thor von Mühlhausen gehen. Da Die Landleute nicht Die Gewohnheit haben, in dieser Weise zum Markt zu kommen, so vermuthete die Verwaltung, welche mit Der Einnahme De« Platzgeloes betraut ist, einen Betrug. Und da außerdem der Gang dieser Weiber auffallend erschien, so bat sie ein Beamter, in das Octroi- bureau an Der Brücke von Rredisheim zu kommen, wo sie unter ihren Röcken 31 Flaschen Branntwein hervorzogen. Am selben Tage Abends 7 Uhr hielt ein anderer Beamter in der Nähe Der Doller einen mit zwei PferDen bespannten Fiaker eines Wagenvermiethers hiesiger Stadt an. Ein mit einem Messer be­waffnetes Individuum springt aus Dem Wagen, welcher von vier Taugenichtsen Der schlimmsten Art escortirt war. Der Beamte zieht sofort eine scharf geladene Pistole aus der Tasche und die fünf Kerle laufen davon. Der Wagen wurde auf dem Octroibureau Der Colmarer Vorstadt untersucht und stellte es sich heraus, daß er 8 Fässer enthielt, worin 300 Liter Spiritus von 95 Grad. Wir er­innern, daß schon seit längerer Zeit Der Schmuggel mit Branntwein als natür­liche Folge der Weinsteuer-Erhöhung bezeichnet wird. DasB. Wochendl." berichtet, daß eine große Anzahl Personen aus Dem Kanton Bischweiler, besonders aus Den Gemeinden Sufflenheim, Schirrhein und Herrlishein, seit einiger Zeit nach Amerika auswandern.

Italien.

Rom, 2. Febr. Dom Cardinal-Vicar ist ein wahrhaft fanatisches und herz­loses Circular erlassen worden, welches den Aerzten anbefiehlt, diejenigen Kranken zu verlassen, die sich weigern, die Sakramente zu empfangen; ein Arzt, der fort- fahrt, einen Kranken zu behandeln, Der nicht beichten und Die letzte Oelung em­pfangen will, soll sich sogleich zurückziehen, auch von einem Sterbenden, sonst wird er in die Exkommunikation mit eingeschloffen. Somit sollen Die Aerzte also ge­wissermaßen mit das Amt Der Priester übernehmen, und zwar in einer so bar­barischen Weise, wie sie ärger und scheußlicher nicht gedacht werden kann.

Rom, 8. Februar. Es bestätigt sich, daß in Folge päpstlichen Befehles Der Cardinal-Vicar einige ausgezeichnete Geistliche beauftragt hat, protestantische Ver­sammlungen zu besuchen und mit protestantischen Geistlichen öffentliche Disputa­tionen zu halten. Antonelli ist wieDer hergestellt.

England.

London, 5. Febr. Der Aufstand Der Kukas irn norDwestlichen Indien scheint mit ungerechtfertigter Strenge unterdrückt worden zu sein. In Kalkutta bemüht man sich, ausfindig zu machen, wer die Verantworlichkeit für die. vielen Hinrich, tungen trägt. Wie man vernimmt, ließ der stellvertretende Regierungs-Commiffar Cowan, als die Ruhe schon vollständig hergestellt war, 50 Mann auswählen, um sie erschießen zu lassen. Auf der Richtstätte brach einer der zum Tode Verurtheiltcn aus der Reihe hervor und stürzte auf Cowan los, wurde aber zusammengehauen. Die übrigen wurdenauf Cowan'ö eigene Verantwortung hin von den Kanonen weggeblasen". Der Commissar Forsyth in Umballa richtete noch 15 andere Kuka- Hin. Die ganze Bande, welche nie mehr als 300 Köpfe zählte, ist buchstäblich zu Tode gehetzt worden. 66 Männer und zwei Weiber, Die, vor Schrecken außer sich, halbverhungert und zur Hälfte verwundet waren, ergaben sich zuletzt einer Patrouille von vier Soldaten. Der ganze Vorfall ereignete sich in dem Zeit­räume von 48 Stunden, und ganz in der Nähe der starken englischen Streitmacht von 15,000 Mann, die sich eben im Lager zu Delhi befand. Die Negierung hat eine sofortige Untersuchung angeordnet. Die Stimmung des Publikums, welche zuerst schwankte, sängt an, sich gegen die Hinrichtungen zu erklären.

London, 6. Februar. Die Thronrede, mit welcher heute das Parlament eröffnet wurde, gedenkt zunächst der Genesung des Thronfolgers, dankt der Be­völkerung für ihre Theilnahme und kündigt für den 27. Februar einen Dank­gottesdienst an. Die Thronrede constatirt, daß die Beziehungen zu Dem Auslande fammtlich befriedigend feien, fügt hinzu, daß Die Königin für Aufrechthaltung Der­selben stetig sorgen werde, und sagt sodann: Eine eigene Bill soll Die Unter­drückung des Sklavenhandels auf Den SüDsee-Jnseln erleichtern. Mehrfache Unterhandlungen mit Frankreich wegen Meinungsverschiedenheiten über den Werth der Schutzzollgesetze erzielten keine Einigung betreffs der Abänderung Der Handels- verträge. Beide Theile äußerten jedoch Den ernsten Wunsch, Die bisherigen sreunD- schaftlichen Beziehungen aufrecht zu erhalten. Bezüglich Der Alabarna-Frage bemerkt Die Thronrede: Amerika und England haben dem Genfer Schiedsgerichte Die beiderseitige Darstellung Der Thatsachen vorgelegt. Amerika hat Darin weiter- gehende Ansprüche eingeschloffen, welche nach Dem Dafürhalten Der Königin nicht in Den Bereich Des Schiedsgerichts gehören. Die Königin lieg Deshalb Der Re-

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