Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen
Mittwoch den 7. Februar
Nr. 33
t(
csa
0i
■td
ve ur n im
ist til et
Preis vierteljähriq 1 fl. 12 kr. mit Brtngerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährig 1 fi. 27 fr.
1
rdi t
?tc m tt'
ntt ?in
Erscheint täglich, mit Aus nähme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg
Ltt. B. Nr. 1.
die letztere berathen zu werden wünscht.
München, 3. Febr. Auf die Notiz, die Verwandten des Hrn. v. Dön- niges würden vas „Vaterland" verklagen, weil dasselbe ausgesprochen, den Hrn. v. D. habe der Teufel geholt, erwidert das genannte Blatt, „es werde den Wahr- heitSbeweiS dadurch erbringen, daß es eine Anzahl kürzlich verstorbener Altkatho- liken als Zeugen vernehmen lasse". So behandelt das ultramontane Blatt die
Verstorbenen. , u „
Würzburg, 4. Febr. Vorgestern fand in der Aula unter der Leitung des Rectors Prof. Dr. Sachs eine allgemeine Studentenversammlung statt, in welcher ein Studenten-AuSschuß für das lausende Semester constituirt, sowie über die in der vielbesprochenen Polizei - Affaire bis jetzt erzielten Ergebnisse referirt ward.
(W. Abendbl.)
Straßburg, 2. Febr. Die seit dem 29. Januar eröffneten Asstsen ziehen täglich eine Menge Zuhörer aus allen Schichten der Gesellschaft an. Es ist auch in der Thal merkwürdig genug, den hier zum ersten Male wieder in deutscher Sprache abgehaltenen öffentlichen Verhandlungen beizuwohncn. Ber ihrer Eroff- nung legte ter Präsident den Geschworenen die Frage vor, ob sie auch alle hm- länglich ter deutschen Sprache mächtig seien, um ten Anforderungen des Hofes vollständig Genüge zu leisten, und alle antworteten mit einem deutlichen ja! Der berühmte Dolmetscher unter der französischen Regierung ist damit also im Wesentlichen außer Thätigkeit gesetzt und für die Zukunft unrettbar ganz dem Untergange geweiht. Bezeichnend ist auch ein Zwischenfall, der sich gestern ereignete. Einem Angeklagten gegenüber wurde eine gravircnde Zeugenaussage vor- gelcsen, welche ibn plötzlich in einem ganz anderen Lichte erscheinen ließ; auf dre Frage teö Präsidenten, was Angeklagter hierauf zu erwidern habe, gab dieser, augenscheinlich um Zeit zu gewinnen, zur Antwort, er habe ntd)t öerftonbcn. 1)06 Publikum lachte laut auf, Beweis genug, daß dieses nicht allein das Schriftstück, sondern auch die Absicht des Angeklagten verstanden hatte. (Str.Z.)
; lV0
r,
11
gd
v. I. vorliegt, lassen wir die Jntei pellation, welche für viele Leser dieses Blottcs nicht ohne Interesse sein wird, nachstehend im Abdruck folgen. Dieselbe lautet: „Es ist bekanntlich schon bet der Berathung des Budgets pro 1871 zur Sprache gebracht worden, wie sich die Verhältnisse des Bades Nauheim nach Aushebung der Spielbank zu gestalten hätten, und ich habe in der Sitzung vom 28. Juni 1869 auch dahin bezügliche Anträge gestellt. Von diesen Anträgen ist der auf Errichtung eines Kurfonds und ein zweiter, der möglichste Sparsamkeit behufs Ansammlung dieses Fonds empfahl, angenommen worden. Die weiteren Anträge wurden theils verworfen, theils zurückgezogen, beides jedoch nur au« dem Grunde, weil man dieselben für verfrüht hielt, da damals noch ein Zeitraum von 3j/2 Jahren bis zu dem Eintritt der betreffenden Aenderung in der Mitte lag. Später hinderte der in 1870 ausgebrvchene Krieg die Wiederaufnahme von dergleichen friedlichen Interessen. Jetzt aber, wo der Krieg vorüber und der Zeitpunkt der bevorstehenden Aenderung so bis auf ein Jahr nahe gerückt ist, ist es sicherlich an der Zeit, daß die Regierung genaue Auskunft ertheilt, in welcher Weise sie nach Wegfall der Spielbank die Verhältnisse von Bad Nauheim zu regeln gedenkt. Bisher sind nämlich gewisse zum industriellen Badebetricbe (sit venia verbo!) — nothwendigcn Kosten in bedeutendem Betrage von der Spielbank-Administra-
>ei
*1 rn
*
merksam kett beobachtet, wird leicht erkennen, daß bei einem solchen Ereign ß fast sämmtliche Machte vereint Uebergriffe der Curie auf do- weltliche Gebiet nicht s dulden werden, Frankreich vielleicht ausgenommen, das aber alsdann ohne Zweifel isolirt sein würde.
Berlin, 5. Febr. Aus Paris wird uns vom 5. d. M. telegraphisch ge
meldet: „Nach einer Mitteilung der „France" versichert man in Diplomatenkreisen , daß zwischen Deutschland und England Verhandlungen im Gonge seien, behufs Abschluß eines Handelsvertrages, welcher namentlich die deutsche Wein- aussuhr begünstige.
Der Wechsel im Cultueminiflerrum hot namentlich auch in Süvteutschland einen günstigen Eindruck gemocht. Man hat-sich dort auch nicht durch von intcr- essirter Seite auSgeflreute Berichte beirren lassen, die jenen Eindruck abzuschwachcn geeignet waren. Ein temerkcnewerther Artikel von Bluntschli in der am 3. d. erschienenen zweiten Lieferung von Paul Lindaus „Gegenwart" gibt den Erwartungen Ausdruck, welche in Süddeutschlanb an die Ernennung des Herrn Falk
Bestellungen auf den Gießener Anzeiger Expeditionen und ben Land-Postboten entgegen genommen. I
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition adholen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und Märzs zu 40 fr.
Oesterreich.
er Pr." wird aus Pesth gemeldet: Am 15. ds. Mm^ssy gegen Miletic wegen der von dem letz- ■LhutD Andraffy's an der Ermordung des Wv^raericht.
tion bestritten worden, wie die Unterhaltung des Parks und Kurhauses, der Mullk. des L-stcabintts u. stw. WürdL b$c» plötzlich ausyore« oder wesentlich bera.ir.errr , oder verändert werden, so würden dadurch die Verhältnisse der Stadt Nauheim , und ihrer Bewohner auf das Empfindlichste berührt. Jedenfalls aber muß zeitig < Klarheit in die Situation kommen, damit die betreffenden Leute darnach ihre Maßregeln treffen können. Denn Einer wird, je nachdem die Sache geregelt wird, j sein Geschäft vergrößern, ein Anderer es vermindern, ein Haus kaufen oder ver- , kaufen v. s. w., kurz die Existenz einer großen Anzahl von Menschen hängt wesent- 1 lich davon ab, daß sie bei Zeiten (da vergleichen Veränderungen in den Ge- . schäften, Wohnungen u. s. w. nicht über Nacht effektuirt werden können) erfahren, , was es mit Bad Nauheim nach dem 31. Dec. 1872 geben soll. Ebenso ist die Gemeinve Nauheim als solche bei den etwaigen Veränderungen im Badebetrieb wesentlich interefsirt. Ich erlaube mir daher im Interesse meiner Wähler, bei der , Regierung — den Ministerien des Innern und der Finanzen — um gefällige, Auskunft über folgende Punkte zu bitten: 1) Wie hoch sich etwa die bis zu Ende 1872 anzusammcluden Geldmittel des Kurfonds belaufen werden? 2) Ob die Großherzogliche Regierung beabsichtige, die seither von der Bank-Administration , geführte Badeverwaltung selbst und in welcher Weise fortzuführen? 3) Ob die- . selbe beabsichtige, von 1873 an entweder selbst eine Kurtaxe in Nauheim zu erheben oder den etwaigen Unternehmern eine derartige Erhebung zu gestatten? , 4) Ob und in welcher Weise eine Veränderung der Brunnendtrection und Bade« Verwaltung beabsichtigt sei?"
Berlin, 4. Februar. Die Ultramontanen hatten bekanntlich wegen der Erfüllung ihres Lieblingswunsches, nämlich der Wiederherstellung der weltlichen Gewalt des Papstes, auf die Hilfe des deutschen Reiches eine thörichte Hoffnung gesetzt, die sich nicht verwirklichen konnte und denn auch gescheitert ist. Seitdem sind sie gegen das Reich feindlich aufgetreten und haben wieder ihre Erwartungen an Frankreich geknüpft, das erstarken und dann Italien fo bald als möglich zu Paaren treiben, die weltliche Gewalt in Rom aber wieder herstellen soll. Dieser Plan ist ein öffentliches Geheimniß. Gearbeitet wird daran durch Verschärfung all der Gegensätze, die schon ohnehin zwischen Frankreich und Italien bestehen. Die entschiedene Stellung indessen, welche Fürst Bismarck dem ultramontanen Lager gegenüber eingenommen hat und die in der letzten Kammerdebatte deutlicher als je hervorgetreten ist, sollte jene Herren, wenn sie ruhiger Ueberlegung zugänglich wären, überzeugt haben, daß ihre gegen Italien gerichteten Projekte an einem erheblichen Rechenfehler leiden. Deutschland könnte eine Niederwerfung Italiens durch Frankreich nicht gleichgiltig geschehen lassen. Der Uebermuth der französischen Chauvinisten würbe daraus neue Nahrung schöpfen und sich bald gegen Deutschland wenden. Italien würde in ihren Augen die erste Etappe bilden, Deutschland die zweite. Man darf daher schließen, daß Italien in einem solchen Falle nicht verlassen sein würde. Es würde dazu gar keiner besonderen Allianz bedürfen: Die Uebereinstimmung der Interessen würde zu gemeinsamer Vertheldr- gung führen. Die Ultramontanen würden jedenfalls bei einiger Vorsicht besser fahren, und sie sollten sich keinen Illusionen hingeben, die ihnen wieder Möttau« schungea einbringen müssen. Das alles mag etwas weitsichtig erscheinen. Wenn es sich aber um klerikale Entwürfe handelt, muß man niemals vergessen, daß man in jenem Lager die Dinge gern mit langer Hand vorbereitet; das hat sich der dem Concil und dessen Folgen gezeigt. Die Vertheidigung gegen ultramontau^
? ■ t
Deutschland. Anschläge muß daher ebenfalls stets auf Verkehrungen gegen künftige Ukberfävell
. cf <. a- ay ,, -c, <Yo l l £ ■’<. . i jbedacht sein. Man sagt den römischen Jesuiten nach, daß sie sogar für die Even-
Friedberg. Der Ob-.heff.Anz. schreibt - W r haben schon s.uhk-der Inter. ,iner neuen P.pstwahl, di- doch im Laus- der Zeit einmal eintreun wird p-lla >°n ds Avg. Cur.man, e,e B-ryai n.ffe von Bad Naubeim, msbesondere fcte|(,K Maßregeln schon bereit haben. Mer aber die von den, den,sch-n Reiche ein-' Fortführung der Bad-°erw°Itung nach An hebung der Spmbauk betr., kurz er-, @I(D tie Stimmung säst aller Regierungen mit einiger «uf.
wahnt. Nachdem nun das Protokoll der betreffenden Sitzung rom 18. December ..... 01
geknüpft werden. Man erkennt da auch wieder, und Bluntschli hebt diesen Punkt hervor, mit welcher Aufmerksamkeit und Theilnahme die Süddeutschen Preußens & innerer Entwickelung folgen. Die Solidarität der Interessen wird dort wohl erkannt. ___________!
1*8» mwi ViU »>«'» KF» W5» IM
neuliche Rede des Fürsten Bismarck auch hier als ein Ereigniß betrachtet wird. Sie bildete schon nach ihrer Bekanntwerdung im telegraphischen Auszüge das TageSgespräch in der politischen Welt, und die so eben ongekommenen Berliner Zeitungen mit dem Wortlaute der Aeußerungen des Reichekanzlers werden förm- lich verschlungen. Das Bewußtsein der Solidarität zwischen einem deutschen Bayern und der nationalen Politik ist um so stärker zu Tage getreten, als die Schale der Entscheidung hier noch so kürzlich ungewiß auf und nieder schwankte. Der starke Rückhalt des Reiches dient jetzt dazu, die Freude über den hier erfochtenen Steg zu verdoppeln. Nach allem, was man hört, ist auch in den höchsten Regionen die gleiche Empfindung vorhanden, und der vorgestrige Hofball hat vielfach Gelegenheit gegeben, über diesen Punkt jeden Zweifels entledigt zu werden. Es ist anzunehmrn, daß diese Samenkörner aus fruchtbaren Boden gefallen sind und die erblichen und lebenslänglichen Räthe der Krone ganz genau wissen, wie


