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Prets vierttLjah-rig 1 ft 12 fr. mit Bringnlohn. Durch die

>Post bezöge» vierteljährig 1 fL 29 fr.

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleibera.

Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Sicnftno neu 6. August 187%

Amtlicher T h e i l.

Öen Ankauf von Remonten pro 1872 betreffend

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den 23. August in Alsfeld den 21. September in Biblis,

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Gernsheim,

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Nidda,

erkauften Pferde werden

zur Stelle abgenommen und gegen Quittung so-

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Goddelau, Groß-Gerau, Bickenbach,

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Nieder-Wöllstadt, Lich,

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Groß-Bieberau (8 Uhr), Groß-Umstadt (12 Uhr.)

September in Lorsch (8 Uhr), tt ti Bürstadt (12 Uhr),

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, Sogenannte Luxuspferde werden bei zu hohen Preisfordernngen vom Handel ausgeschlossen, ebenso die iu wenia entwickelten oder fni*» w,

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Die von der Militär-Commission nach gegenseitigem Uebereinkommen fort baar bezahlt.

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ichtige Lehrer gesucht,: esonders Geschichte r andere für Mathe- senschaft. Franco-

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* Die Befestigung -er Republik

hat in Frankreich in der letzten Zett unverkennbare Fortschritte gemacht. Nicht als ob Vie Franzosen über Nacht zu begeisterten Republikanern geworven wären. DaS ist ganz gewiß nicht der Fall. Aber die Republik besteht thatsächlich und die bloße Existenz verleiht einer Staatsform einen Rechtstitel in einer Zett, tn der das Bolt, durch Kriege und Revolution erschöpft, der Veränderungen müde ist, in der der Instinkt der Ordnung das Uebergewicht gewonnen hat über das Verlangen nach dem Neuen, Unbekannten. Beide Faktoren spielen in Frankreich eine große Rolle; aber sie finden sich selten vereinigt und gemischt, und dadurch gemäßigt. Vielmehr pflegt das Verlangen nach dem Neuen, nach einer Periode apathischer Ruhe die Gemüther ausschließlich zu beherrschen, stch dann aber nicht als Reformtrieb, sondern als revolutionäre Leidenschaft kundzugeben. Hat das revolutionäre Fieber den Staat erschöpft, dann tritt wieder ein Zustand der Ermattung ein, in welcher die Nation jeder Macht huldigt, die ihr Ruhe und Ordnung verspricht. Der Sinn für Ordnung ist in Frankreich das Resultat der Erschlaffung, der politischen Impotenz. Ist dieser Zustand überwunden, so tritt

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sofort eine revolutionäre Stimmung ein. Von der lebendigen, auf Reformen gerichteten Theilnahme der öffentlichen Meinung in den Zeiten der Ruhe hat man kaum eine Ahnung.

Gegenwärtig kämpfen die beiden Strömungen, aber der Sinn für Ordnung hat entschieden das Uebergewicht gewonnen. Frankreich ist im Ganzen wieder konservativ, fühlt sich aber noch keineswegs sicher, sondern fürchtet noch immer ein Auflodern des RevolutionSfeuerS. Um so fester schließt es sich daher an die Regierung des Herrn Thiers an, die ihm allein die Aufrechterhaltung ver Ordnung zu verbürgen scheint. Die monarchischen Parteien dienen in seltsamer Verkehrung der Verhältnisse in den Augen der Franzosen vielmehr einem revolutionären als dem konservativen Princip. Denn die Monarchie könnte auS dem gegenwärtigen Zustande nur auf dem Wege der Gewalt hervorgchen: der Versuch ihrer Her­stellung würbe den Bürgerkrieg entflammen: und der Bürgerkrieg ist für Frank- reich gegenwärtig, und wenn eS gelte, mit ihm die denkbar beste Verfassung und Regierung zu erkaufen, doch ein allzu hoher Preis.

Dazu kommt nun aber noch, daß einer monarchischen Restauration die Mehrzahl der Prätendenten entgegensteht. Daß man von monarchischen Parteien iw Plural sprechen muß, kennzeichnet schon die innere Schwäche der monarchischen Bestrebungen. DaS monarchische Princip, um eine wirkliche Kraft zu fein, bedarf Eines bestimmten Tragers. Das Dasein von drei Prätendenten, die alle drei ihre Parteigenossen haben, beweist, daß das monarchische Princip tn Frankreich den Boden verloren hat. Ob es ihn wieder gewinnen wird, daß ist eine Frage der Zeit. So lange aber drei monarchische Parteien vorhanden sind, läßt sich eine wirksame monarchische Propaganda überhaupt nicht in'- Werk setzen.

Es ist also sehr erklärlich, daß die konservativen Elemente der Bevölkerung sich an Herrn ThierS und seine Regierung anschließen, und daß die monarchischen Kammerparteien, so konservativ auch die einzelnen Mitglieder derselben gesinnt sind, thatsächlich doch das revolutionäre Princip vertreten und zu einem revolutio­nären Ferment werden. Und darin liegt eine große Gefahr für Frankreich. Wir haben gesehen, daß in Frankreich die konservative Strömung die Oberhand

o'wonnen hat, aber die revolutionäre Ueberströmung ist bod) . immer ölenden. Gambetta arbeitet unermüdlich, und Gambetta ist nach ThierS der k'Nstutz^i^g» «>*o, «en in den Kreisen der

Bevölkerung.

Man kann nicht behaupten, daß Gambetta seinen Einfluß grade seinen radikalen Grundsätzen verdankt. Der Radikalismus übt gegenwärtig geringe Macht auf die Gemüther aus. Aber Gambetta ist ein energischer Charakter, dem man zutraut, daß er als Präsident die äußere Ordnung mit Strenge auf­recht erhalten wird. Er wird als Gesetzgeber es an Radikalismus nicht fehlen lassen ; aber der Anarchie würde er mit äußerstem Nachdruck entgegentreten. Und so würde, wenn er einmal an's Ruber kommen sollte, grade das Bevürfniß der Franzosen nach Ruhe und die Furcht vor der Anarchie ihm dasselbe Ansehen ver­schaffen, dessen ThierS gegenwärtig vermißt.

Mit der Ruhe würde es nun allerdings in einer Republik unter Gambetta eigenthümlich bestellt fein. Im Innern freilich würde er jede ihm feindliche Regung unterdrücken, aber um fo mehr würde er bemüht fein, die nationale Leidenschaft der Nation anzufachen, um sie nach Außen zu lenken. Gambetta gilt in Frankreich und mit Recht für das verkörperte Princip des Chauvinismus; daß er stch selbst als den berufenen Vollstrecker des Revanche­gedankens ansteht, darüber kann gar kein Zweifel herrschen. Und wenn die Verhältnisse ihn zwängen, die Revanche zu verlangen, so würde er wenigstens alle feine Kraft einfetzen, ste vorzubereiten. Wir können es uns doch nicht ver­hehlen, daß, während jede Partei in Frankreich von ihren besonderen Leiden- fchasten zerrüttet wird, der Durst nach Rache alle Parteien beherrscht. Und grade deshalb, weil Gambetta die Verkörperung des Rachegedankens ist, ist er in den Augen feiner Freunde und feiner Feinde der Mann der Zukunft.

Seine Feinde freilich sehen dessenungeachtet seiner Herrschaft mit Schrecken entgegen. Obgleich selbst von Rachegedanken erfüllt, wögen sie doch ihm das Werk der Rache nicht anvertrauen, weil ste, ganz abgesehen von dem persönlichen Haß gegen den hvchmüthigcn Demagogen, fürchten, daß er in toller Leidenschaft Alles überstürzen und dadurch ein unheilvolles Unglück über Frankreich Herauf­ziehen würde.

Es ist daher erklärlich, wenn die Rechte stch bemüht, Gambetta moralisch zu vernichten, aber es wird ihr das schwerlich gelingen. Die Rechte hat stch selbst viel zu sehr in der öffentlichen Meinung diScredittrt, als daß ihre Angriffe auf ihren bittersten Feind einen sonderlichen Eindruck auf die Massen Hervorrufen sollten. Der Einfluß eines Mannes, dem, allein von Allen an der Leitung der Angelegenheiten während des Krieges Betheiligteu, das Volk das namenlose Unglück verziehen hat, welche- er über Frankreich gebracht, kann durch mehr erbitterte als kräftige Angriffe in der Nationalversammlung nicht untergraben werden.

Wenn die Rechte Gambetta mit Erfolg bekämpfen will, so muß ste zuerst zeigen, daß ste des allgemeinen Vertrauens würdiger ist, als er. Sie muß ihren phantastischen R.stauration-gedanken entsagen und stch aufrichtig an ThierS an- schließen, stch ohne Vorbehalt auf ThierS Standpunkt stellen. Daß ThierS die Bunde-genoffenschaft Gambetta*- lästig ist, hat er deutlich genug zu erkennen gegeben; aber wenn er stch auf die Rechte nicht verlassen kann, so bleibt ihm nichts Anderes übrig, als mit Gambetta in Verbindung zu treten.