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das eine und
seh' nicht rin, ich hab' mein Geld bei der Spitzeder, ich werd' jetzt selber Herrschaft." Nun pnvatisiren diese und leben mit ihrem Schatze in Saus Braus, bis die schmutzige Geldquelle versiegt, dann werden sie — H . . .
in Folge dieser Gaunerinstitute immer offener zu Tage tretende Demoralisation der untern Klaffen. Sie verlieren die Lust zur Arbeit und einfacher Lebensweise. Durch den leichten Gewinn bei den Wucherbanken corrumpirt — eine Frau erzählte mir, daß sic für 200 fl. Capital, die sie bei der Spitzeder liegen habe, monatlich 16 fl. Zins erhalte — verachten sie ehrlichen Verdienst und fröhnen einer ruinrrenden Genußsucht. So stellten kürzlich Steinträger bei einem Häuserbau plötzlich die Arbeit ein und erklärten unter einem Togelohn von 2 fl. 30 fr. nicht mehr arbeiten zu wollen. Und ein Holzhacker erklärte jüngst einer schlichten Bürgersfrau, die den geforderten Lohn für das Kleinmachen eines Klafters Holz, nämlich 3 fl. 30 kr. und für'- Hinaustragen 1 fl. 30 fr. — wahrhaft horrente Preise — als einen zu hohen bezeichnete mit den gröbsten Ausdrücken Folgendes: „Oes Stadtgfraß, Euch brauchen wir nimmer, es könnt's Euren Dr.....
selber machen, jetzt sind wir die Herren, wir haben unser Geld auf der Dochauer-
bank und leben von unfern Zinsen." Und einer andern Frau sündigten nachein- ander 2 Mägde mit den Worten den Dienst: „Warum soll ich dienen,
„Tu l’as voulu George Dandin !a
Die „D. R. C." schreibt: Durch den Schluß de- Landtages ist den Abgeordneten fein großer Gefallen erwiesen worden, denn die Zeit, welche zwischen heute und dem 12. d. Mts. liegt, ist zu flein, als daß die in ihre Heimath zurückkehrenden Abgeordneten wahrend derselben etwas beginnen können. Viele derselben bleiben denn auch hier und gönnen sich die furze Ferienzeit. Erwägt man, daß nunmehr alle die Arbeiten, welche seit dem 22. October erfolgt sind, vergebliche gewesen, daß namentlich die für die Drucksachen verwendeten Unkosten unnütz verwendet und nochmals auSgcgeben werden müssen und daß die Vorlagen — auch der Etat — nochmals an die am 12. d. MtS. zusammentretenden beiden Häuser des Landtages gelangen müssen, fo geht daraus zur Genüge hervor, wie schwer die pekuniären Nachtheile wt-gen, welche das Verfahren der Majorität des Herrenhauses dem Lande -ugefügt hat. Schon die Reise der Mitglieder des Abgeordnetenhauses in die Heimath und ihre Rückkehr zu der am 12. beginnenden neuen Seision erfordert bedeutende Opfer, deren Hohe man ermessen kann, wenn man erwägt, daß ein jeder AbgeordNtte an Reisekosten bezieht: für jede Meile Eisenbahn, die er zurückzulegen hat, 10 Sgr. und für jede Meile Landweg 1 Thlr.; ferner erhalt der Abgeordnete für jeden Tag, den er sich aus der Reife befindet, 3 Thlr. Diäten und für Ab- und Zugang der Bahn 20 Sgr.; berechnet man nun, daß diese Kosten für die Hinreise zur Heimath und für die Rückreise nach Berlin, also doppelt zu zahlen sind, so wird vollkommen einleuch- ten, daß nur für diese Reise allein dem Staate eine Ausgabe von 15,000 Thlrn. erwächst. Rechnet man nun noch hierzu die seit dem 22. October an die Abgeordneten gezahlten Diäten, die doch auch jetzt zum größten Theil nutzlos verwendet sind, so wird man gewiß nicht zu hoch greisen, wenn man diejenigen Unkosten, welche den Herren v. Kleist und Genossen auf da- Conto geschrieben werden können — namentlich wenn man berücksichtigt, wie lange Zett schon in diesem Frühjahr auf die Berathung der Kret-ordnungSvorlage verwendet worden ist — auf 80,000 Thlr. veranschlagt.
Wie der Wiener „Deutsch. Ztg." mitgetheilt wird, tritt die österreichisch, deutsche Commisfion zur Berathung der socialen Frage am 5. November in Berlin zusammen. Die österreichisch - ungarischen Commissionsmitglieder begeben sich am 3. November nach Berlin, auSgcstattet mit einem insbesondere in statistischer Hinsicht reichhaltigen Material.
In der Partei de- Centrums ist, wie die „Epen. Ztg." hört, in den letzten Fractionssitzungen ein Zwiespalt auSgcbrochen. Die gcscheutesten Mitglieder der Partei sehen mit Sorgen und in gedrückter Stimmung in die Zukunft und fürchten, daß der Staat Sieger über die ultramontanen AgitattonSbestrebungen werden wird. Die Fanatiker dagegen fordern ein fortgesetzt schroffe- Vorgehen in der bisherigen Weise. An der Spitze der letzteren soll Herr v. Mallinckrodt stehen, der dadurch in der nächsten Session al- Ches der parlamentarischen Action tf Ultramontanen hervortreten dürste.
Berlin, 3. Novbr. Fürst Bismarck ist für prineipielle Reform des Herrenhauses ; ein Pairsschub erfolgt erst nach der Berathung der Kreisordnung im Vbgeordnetenhause. Der Mmisterrath beschäftigt sich mit Ausarbeitung einer
München, 4. Novbr. Der Minister des Innern warnt durch Erlaß___
3. d. Mts. wiederholt vor der Betheiligung an den Dachauer Banken und fordert
Belgien.
Brüssel, 31. Oct. Die Conserenz zur Besprechung der Lage der Juden in Rumänlen ernannte ein Executiv-Comite mit dem Sitze in Wien, welche- mit allen Mitteln bewirken soll, die moralische und materielle Lage der Juden in Rumänien, besonder- durch Gründung von Schulen, zu heben.
Asien.
Oesterreich.
Prag. „Czech" gibt zu, daß das Programm der „Rechtspartei" für die Oeffentlichkeit vorläufig nicht bestimmt war, und wirft dem „Vaterland" vor, daß es den authentischen Text, dem Conserenzbeschluffe zuwider, veiöffentlicht hat. Die Ministerkrisis-Gerüchte und Palackp'S Ausfälle gegen die Juden gaben da- Signal zu einer Judenhetze. Eine gerichtliche Untersuchung mußte eingeleitet werden wegen der Ausplünderung und lebensgefährlichen Bedrohung des jüdische» Kaufmanns in Hloupetin; derselbe flüchtete mit Weib und Kindern. Au- anderen Orten der Prager Umgebung kommen heute verworrene Nachrichten über Judenverfolgungen.
die Districts- und Ortspolizei-Bchörden auf, diese Warnung möglichst endringlich zur allgemcinen Kenntniß zu bringen, damit, soviel an der Staatsregierung liege, Neemand ungewarnt länger Geld in den Händen jener Banken lasse oder gar denselben neues anvertraue.
München, 4. November. Die Staatsregierung hat an fämmtliche Kreis- rcgierungen eine Entschließung erlassen, welche sich aus die Bcausstchtigung der Bauernvereine bezieht.
wird, als sie gegenwärtig ist, das dürfte allerdings feinem Zweifel unterliegen,!auf dem socialen Gebiete Münchens, ich meine damit die Entstehung immer neuer und wenn sie dann den Herren v. Kleist-Retzow, Senfft v. Pilsach und Genossen Dachauer- oder Wucherbanfen neben drr schon bestehenden Spitzederbanf, und die nicht conveniren sollte, so fann man ihnen mit vollem Fug und Recht zurufen:
Kreisoronung-vorlage auf Grundlage der amenvirten Herrenhaus- und Abgeord- netenhaus-Entwürfe. Des Grafen Stolberg Wiederwahl zum Präsidenten im Herrenbause ist gesichert.
Berlin, 4. November. Bestunterrtchtete Herrenhausmitglieder halten die 1 Aussichten des Herrenhauses für äußerst günstig und rechnen auf den schließlichen Sieg in der KreisordnungSsache.
Kassel, 4. Nocbr. Bei der gestrigen Entgleisung de- Nordbahnzug- wurden 4 Passagiere getödtet und circa 40 verwundet. Der Lokomotivführer ist verbrannt, das Zugpersonal theilweise schwer verletzt. Lokomotive und Wagen sind bi- auf zwei famwtlich zertrümmert.
Gumbinnen, 4 November. Der Ausbruch der Cholera wird nicht nur aus polniich Augustowo (fünf Meilen von dem hiesigen Kreise Olctzko), sondern von der ganzen polnischen Grenze gemeldet.
Dresden, 2. Novbr. Das „Dresv. Journ." veröffentlicht das officielle Programm zu den Hoffestlichfeiten bet Gelegenheit de- goldenen Ehejubiläums de- sächsischen Königepaares: Am 7. und 8. November Empfang der Hofstaaten, der Minister, der Landtagspräsidien, der Gesandten und der Deputationen zur Beglückwünschung; am 9. November keinerlei Empfang; am 10. November Vor- mittags kirchllche Einsegnung des Jubelpaares im Paratefaale des Schlosses, dann Zug in die katholische Kirche, in welcher unter Glockengeläute und Ge- schützlalven das Tedeum gesungen und eine flnne Messe gelefen wird. Um 4 Uhr königliche Tafel im Banketfaale, wozu die höchsten Herrschaften sich in den Ge- wächern der deutschen Kaiserin versammeln. Abends Festvorstellung im Hoftheater. Den Schluß ter Festlichkeiten bildet am 11. November ein großer Hofball.
München. Mehrere neuerstandene Dachauerbanken haben nach zuverlässigster Mit- theilung, um der Spitzeder wirksamere Concurrevz zu machen, sich zugleich mii Freudenmäechcu und Bordellen affocirt. Bei dem blühenden Geschäftsbetrieb und der bedauerlichen Unwissenheit des niedern Volkes ist es nun begreiflich, daß zu d'N 7 bestehenden noch 2 neue Wucheibanken getreten sind, und hat auch ein Gras von Holstein eine solche errichtet mit der ausdrücklichen Bestimmung von 10 pCt. für 100 fl.
Es ist bedauerlich, ober es muß, wie sich die hiesigen N. N. selbst aus- drücken, gefügt werden! Es gibt in Deutschland zur Zeit keine zweite Stadt, in ter die Ausbeutung der Armuth, Thorheit und Habsucht in so schamloser und rakfin rter Weise betrieben wird als in München. E n größeres Unheil als diese f Wucherbonk.n hat München noch nicht erlebt, so lautet'- überall. Früher ganz ehrliche Leute werden zu Agentin dieser Gaunerinst'tute und verfolgen die Bauern förmlich auf d«r Straße, um sie oder eher ihre Geldkatze für die Spitzeder und anderen Wucherbanken abzufangen.
Es ist in Folge von plötzlichem Mißtrauen, von Mißverständnissen und Hetzereien einiger Pr.ßorgane und Privatleute schon jetzt zu Aufläufen und Ruhe- pörung'N tot ter Spitz.de, bank gekommen, daß die Polizei einschreiten mußte. Wozu wird es erst fo wmrn, wenn diele Betrugsanstalten einmal zusammenbrechen.
MünchkU. Von München schreibt man ter „N. Z. Ztg.": Mehr als die kirchenpol'tijche Frage und tte schweren Folgen, die sich daraus für Staat und Kirche ergeb n müssen und mehr auch als die tiefgreifende deutsche Frage beschäftigen in Bayern gegenwärtig die neuesten sehr bedenklichen Erscheinungen
In Kaschmir- schönen Thälern wüthrn Religion-kämpfe. Der mobameda- nische Theil der Bevölkerung zerfällt in zwei feindliche Secten, die 60,000 Sunniten, welche an Omar glauben, und die 10,000 Schiiten, die an Ali glaube» und ihn für höher als Mohamed selbst ansehen. Die Schiiten sind in der Hauptstadt Sirinagur, etwa 6000 Seelen stark, der thätigste und reichste Theil der Bevölkerung. Ja, der reichste Mann im ganzen Kaschmirthale ist Mirza Moha- iW Ali, ein ischiite. Zwilchen be.den Secten besteht ein unversöhnlicher Haß. Vor einiger Zeit errichteten sich die Schiiten in der Nähe einer Moschee der Sunniten ebenfalls ein Gotteshaus. Am 15. September hatten die Sunniten eine» Gottesdienst zu Ehren de- Stifters ihrer Moschee, und in ihrem Eifer zerstörten sie nach dem Gottesdienste das Bethaus der Schiiten. Diese sammelten sich de- Sonntag- und ein regelmäßiger Kampf fand Statt, der bis zum Montag dauerte und mit der Niederlage der kleineren Secte endete. Alle (Braud de- Burger- und Religionskriege- begannen nun. Raub und Mord herrschten in de» Straßen der Stadt. Die meisten hölzernen Häuser der Schiiten wurden geplündert und niedergebrannt, die Frauen entehrt, die Kinder geschlachtet. Erst am Montag griffen die Polizeibehörden ein, aber mit geringem Erfolge. Die Schiiten flüchteten und wurden, wo es mit Sicherheit gefchch-n konnte, von den Hindu- gastfreundlich ausgenommen. Mord und Brand erstreckte sich auch auf die Dörfer ; denn die Schitten vergalten, wo e- anging, wa- ihnen gethan wurde, und erst am Mittwoch war dem Kampf von den Trupp,n ein Ende gemacht worden. Der größte Theil von Sirinagur ist verlassen und Schitten wie Sunniten schmachten nun in Gefängnissen.
Amerika.
Newyork, 31. Oct. Der Dampfer „Missouri" ist auf der Fahrt von Ncwyort nach Havanna während eines Sturmes nahe Abaco verbrannt. Sa'mmt- liche Offiziere, sowie 25 Passagiere kamen um's Leben. Im Ganzen sind 80 Personen umg kommen.
Washington, 3. November. Der Schatzsecretär Bovtwell ordnete für den Monat Novrmoer den Verkauf von vier Millionen Gold und den Ankauf von vier Millionen Bonds an.
Local-Notiz.
GikßkU, 3. November. Am 29. Oktober Nachmittags trat in Darmstadt das Lande-- Comite tut bas Hestrn Denkmal, bestehend aus la Bertreter jederProvivj, zu seiner Constiluirung zusammen. Zum Präsidenten des ComiteS wurde Fürst Bruno v. Ziendurg.-Buk-mgen und in den engeren geschasiSrührenden Ausfchuß die Herren Provmzialdirettor Goldmann, die HofgerichlSrüthß Hahn und Dr. Weber, Bankdireetor Wendelstadt, fämmllich aus Darmstadt; Fabrckant F«rd. Gail aus Gießen und Bürgermelster Wallau aus Mainz finannt. Im Interesse einer ener^iichen und centralisirten Gefchüfisleituna hatte man sich zuvor über daS Priocip geeinigt, den engere« Ausschuß vorwiegend aus Darmstädter Comite^Mitgli.dern zu bestellen und diesen nur noch auS jeder der beiden andern Prov nzen je einen Vertreter beizugeben. Weiter wurde beschloss.n, daS Protektorat des patiiotischen Unternehmens dem Großherzog. daS Corenpräsibium des ComiteS dem hessischen Divisionär. Prinzen Ludwig, anzutragen. Da« Comite wird nun zunächst eine« Aufruf zu Beiträgen an die Bewohner de« Großherzoglhums erlassen, und je nach der Höhe M eingehenden Gelder die Dimensionen des zu errichtenden Denkmal« bemessen zu welchem Concurr.nz- Cntwülse einzusenden die Künstler alsdann öffentlich aufgefordert werden sollen. C.nstweilen wuid« ein bereits eingdauftner, eingehend moNvirler Vorschlag de« Premierlteutenants a. D. und 9tt#
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