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Schärfe einzuschreiten. Ein solcher Schritt würde Thier- indessen in einen Kampf mit dem ganzen Clerus verwickeln, und ob er bei der Gleichgiltigkeit des Publi­kums gegen Eingriffe des Clerus in die Rechte der Staatsgewalt auf dem rein kirchlichen Gebiete dazu Neigung haben wird, muß abgewartet werden.

des Herrn Jean Dolfus. Wie man aus Belfort meldet, wurde der Chef. Redakteur des in Belfort erscheinendenLiberal de l'Est" vor die dortige deutsche Behörde geladen, welche ihn aufforderte, in Zukunft sich betreffs der deutschen Regierung einer gemäßigteren Sprache zu befleißigen. Wie das Blatt ankündigt, wirb es in Zukunft in Montbeliard erscheinen.

Deutschland.

Berlin, 30. April. Die Stiftungs-Urkunde für die Universität Straßburg vom 28. April 1872 lautet vollständig:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc., thun kund und fügen zu wissen: Nachdem Elsaß und Lothringen mit dem Deutschen Reiche wieder vereinigt sind, haben Wir auf den Antrag des Deutschen Reichstages und unter Zustimmung des BundeSrathes des Deutschen Reiches be­schlossen, daß die durch eine glänzende Vergangenheit ausgezeichnete hohe Schule zu Straßburg in ihrer früheren einheitlichen Gestaltung als Universität wieder ins Leben trete. Wir begründen demnach diese Hochschule, die aus dem Elsaß und aus Lothringen so viele hochgelehrte Lehrer empfing, und diesen Ländern wie der Welt Männer, tüchtig in allen Zweigen der Wissenschaft, zurückgegeben hat, von Neuem, auf daß an ihr im Dienste der Wahrheit die Wissenschaft gepflegt, die Jugend gelehrt und so der Boden bereitet werde, auf welchem mit geistiger Erkenntniß wahrhafte Gottesfurcht und Hingebung für das Gemeinwesen gedeihen. Durch das von Uns am heutigen Tage vollzogene Gesetz sind die aus der Zer- splMerung^ der früheren -Universität e.lttstandenen Fachschulen und Fakultäten auf- gehoben und alle Rechte derselben auf die neue Hochschule als eine öffentliche Anstalt im gesetzlichen Sinne übertragen worben. Wir wollen, baß die Uni­versität mit allem zur Erfüllung ihrer Aufgabe Nothwendigen, insbesondere mit den nöthigen wissenschaftlichen Hülfsanstalten ausgestattet, und daß für deren Er- Haltung den Anforderungen der Wissenschaft entsprechend Sorge getragen werde. Vorläufig und bis zur Herstellung anderer Gebäude überweisen Wir der Univer- sität die bisher von der Akademie benutzten Gebäude, außer welchen sie auch die von der Stabtgemeinde Straßburg zeitweise zur Verfügung gestellten Räume im Schloß gemeinschaftlich mit der Unioersitäts- und LanoeS-Bibliothek zu benutzen hat. Wir verleihen derselben das Recht, ihre eigenen UniversitätS- und Facul- tätS-Angelegenheiten nach dec in dem UniversitätS-Statut zu gebenden Ordnung zu verwalten und sich ihren Rector unter Unserer Genehmigung, so wie die De­kane ihrer Fakultäten selbst zu bestellen; Wir verleihen den Fakultäten das Recht, den Doktorgrad unter Autorität der Universität nach einer von den Fakultäten selbst aufzustellenden Promotionsordnung zu ertheilen, überzeugt, daß diese Würde nur an solche vergeben werden wird, welche durch den Ernst ihrer wissenschaftlichen Leistung das Ansehen der Hochschule in neuen Glanz zu bringen geeignet sind. Wir gewähren, daß die Fakultäten nach von ihnen selbst gegebener Habilitations- ordnung neue, in der Wissenschaft bewährte Lehrer zum Lehramte in ihrer Mitte zulassen, verordnen endlich, daß die UniversitätStraßburg" das Siegel der alten Universität Straßburg führe, wie es ihr von dem ersten Begründer der Hochschule verliehen worben ist, mit der Umschrift:Sigillum academiae Argen- tinensis. Die Ernennung des Ersten Rectors der Universität, der sein Amt ver- walten soll, bis der nach dem Statut zu wählende Rector dasselbe übernimmt, behalten Wir Uns vor.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnstegel.

Gegeben Berlin, 28. April 1872. (L. S.) Wilhelm.

Fürst v. Bismarck.

Berlin, 2. Mai. Im Generalpostamte beschäftigt man sich zur Zeit mit Vorermlttelungen in Bezug aus die Anwendung der Luftschifffahrt für die Be- förderung der Post.

Die Glückwunschadreffe, welche der Reichstag zur Eröffnung an die Uni­versität Straßburg gesendet hat, lautet, wie dieSp. Z." schreibt, solgender- maßen:Der versammelte deutsche Reichstag, von lebhafter Theilnahme für die Geschicke des wiedergewonnenen Reichelandes Elsaß-Lothringen und von der festen Zuversicht erfüllt, daß die Universitär Straßburg, ihres alten Ruhmes eingedenk, von Neuem an der Grenzscheibe zweier großer Völker edler Bildung und freier Wissenschaft eine sichere Stätte bereiten werde, sendet der wiebereröffneten Hoch­schule seine Glückwünsche."

Die Verhandlungen des vom 20. bis 28. August in Petersburg bevor­stehenden statistischen CongreffeS sollen in französischer Sprache geführt werden, jedoch steht es jedem Redner frei, sich seiner Muttersprache zu bedienen. Die in russischer Sprache gehaltenen Reden sollen ins Französische übersetzt werden. Nach

Straßburg, 2. Mai. Ungefähr 900 Professoren und Studirende waren heute auf dem Ottilienberge versammelt. Berthold Auerbach toastirte auf Elsaß- Lothringen, Graf Türkheim, von ungeheurem Beifall begrüßt, auf das deutsche Volk, das die Freiheit mit dem Sinn für Ordnung verbinde. Derselbe schloß mit einem Hoch auf den deutschen Kaiser.

Straßburg, 3. Mai. Auf die Begrüßungsdepeschen an Kaiser Wilhelm und den Reichskanzler sind gestern Abend folgende Antworten eingetroffen:Dem Oberpräsiventen Möller in Straßburg. Der versammelten Festgenoffenschast nach Eröffnung der Universität spreche ich meinen lebhaften Dank für die patriotische Begrüßung aus. Möge die neugegründete Universität dem einigen Deutschland für lange Zeit eine Pflanzstätte der wissenschaftlichen Bildung, der Gesinnung und Vaterlandsliebe werden. Wilhelm."Oberpräsident v. Möller, Straßburg. Meinen herzlichsten Dank für die wohlwollende Anerkennung, die ich ohne Ew. Excellenz und ohne Herrn v. Roggenbach nicht hätte gewinnen können. Bis­marck."

Oesterreich.

Wien, 28. April. Das WienerVaterland" weiß sogar aus dem jetzigen Ausbruche des Vesuvs Capital zu schlagen. Es kennt die Ursachen Desselben. Vieles, was dem Thoren als Spiel des blinden Zufalles erscheine, betrachte der Christ als das Walten der göttlichen Gerechtigkeit. Die furchtbare Katastrophe in Neapel könne sehr wohl als die erste sichtbare Strafe Gottes für alle jene völkerrechtswidrigen Frevel gelten, die in Neapel durch den ruchlosen Verrath eines Der abscheulichsten Stadien erreichten, um in der Beraubung des heiligen Vaters ihren würdigen Abschluß zu finden. Die englischen Gentleman, welche ein gräßlicher Tod in der glühenden Lava erreichte, seien vielleicht Die Sühnopfer für Die völkerrechiSwiorige Unterstützung, deren sich der Freibeuter Garibaldi auf seiner neapolitanischen Expedition Seitens der englischen Regierung erfreute. TagS vorher brachte das Blatt den Tod des Bischofs Feßler von St. Pölten in Ver­bindung mit einer Prophezeiung, die es dem Probste des dortigen, von Kaiser Joseph II. aufgehobenen Augustinerklosters zuschreibt: Daß künftig kein Bischof von St. Pölten länger als zehn Jahre in seiner Diöeese regieren werde. Das fromme Blatt entblöoet sich nicht, gleichzeitig mit der cchechischen Revolution als Strafe für den von den Liberalen erfochtenen Wahlsieg in Böhmen zu drohen.

Frankreich.

Paris, 2. Mai. Der Kriegsmin ster, Genera! Cissey, hat die CapitulationS- commission benachrichtigt, daß die Regierung den Marschall Bazaine vor das Kriegsgericht gezogen habe. Man versichert, daß eine ähnliche Entscheidung be­züglich des Generals Wimpffen bevorstehe.

Spanien.

Madrid, 2. Mai. Die Hauptmasse der Insurgenten unter dem Commando des Generals Rada wird durch die Brigade Rivera energisch verfolgt. Die Auf­ständischen ziehen sich gegen Die französische Grenze zurück. Truppen sinD nach Pont Verra geschickt, um ihren Übertritt auf französisches Gebiet zu verhindern.

England.

London, 2. Mai. Nach von der Insel Zanzibar hier eingetroffenen Nach­richten hat am 15. v. M. ein furchtbarer Orkan daselbst gewüthet. An 150 Schiffe kamen in Folge dessen zum Sinken oder zum Stranden, ein großer Theil der Stadt Zanzibar wurde zerstört. Der Verlust wird auf 2 Mill. Pfd. St. geschätzt.

Die Landtelegraphenlinie zwischen Madras und Bombay ist durch einen heftigen Sturm im Betriebe gestört worden.

Türkei.

Smyrna, 1. Mai. Seitens der hier wohnenden Griechen haben seit gestern Ausschreitungen gegen Die Israeliten stattgefunden und zwar anläßlich des Ge­rüchtes von dem erfolgten Raube eines Kindes. Das Militär mußte einschreiten, in Folge dessen einige Personen getödtet uno verwundet wurden.

Amerika.

einem Beschluß der Vorbereitungs-Commission wird den Ausländern auf den russischen Bahnen ganz freie und den Inländern halbsnie Fahrt, auch den Aus­ländern freie Wohnung und Beköstigung in einem hiesigen Hotel gewährt werden. Eine der vom Congreß zur Berathung unterbreiteten Fragen wird sich auf die regelmäßige Statistik über die sogenannten gefährlichen Klaffen Bettler, be- schäftigungslose, bestrafte und rückfällige Verbrecher, Prostituirte und über die Controle dieser Klaffen beziehen.

Berlin, 3. Mai. Aus Rom wird mitgetheilt, Cardinal Antonelli habe auf die Anzeige von der Wahl Hohenlohes zum deutschen Botschafter und aus die Anfrage, ob eine solche Wahl dem Papste genehm sei, geantwortet: der Papst könne einem Cardinal nicht gestatten, ein solches Amt zu übernehmen.

München, 30. April. Der König hat theils aus Der, ihm erblich ^ge­fallenen, früheren herzoglich Leuchtenbergischen Bibliothek in Eichstädt, theils aus seiner Prioatbibliothek einen passenden Theil ausscheiden lassen, unD selben aus einer Reihe von nahezu 300, zum Theil sehr umfangreichcn Werken, unter Denen sich besonders auch kostbare Kupserwerke befinden, als Geschenk zur Stiftungsfeier der Universität Straßburg an Die Bibliothek Derselben abgesandt.

Aus der Pfalz, 30. April. DieKuseler Ztg." schreibt: Vor einiger Zeit berichteten verschiedene Zeitungen, daß Der katholische Pfarrer von Brücken in der Schule zu Ohmbach (in vermeinter Berechtigung als Schulinspcctor) ein Bild des deutschen Kaisers von der Wand genommen und in den Ofen gesteckt habe. Diese Sache kam vor d.m Landgerichte Kusel jüngst zur Verhandlung, unD letz­teres verurtheilte den Pfarrer zu 1 fl. Geldstrafe und Wiedererstattung des Bildes. Es heißt, Der Verurtheilte werde appelliren.

Mühlhausen, 30. April. Die hiesige Fabrikantenfamilie Dolfus soll erklärt haben, französisch bleiben zu woll.n. Eia Gleiches erklärten sämmtliche Arbeiter

Washington, 2. Mai. Betreffs Der indirekten Schadenansprüche in der 'Alabamafrage wird heute osficiell mitgetheilt, daß Amerika diese Ansprüche unter Der Voraussetzung zurückziehe, daß England als kriegführende Macht vorkommen­den Falles Amerika gegenüber keine ähnlichen Ansprüche erhebe.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 3. Mai. Die gestern und heute eingetroffenen günstigen Nachrichten über die Alabama-Angelegenheit verursachten eine weitere Befestigung der Hausse, die zwar Henle Mittag, als weniger sanguinische Londoner Telegramme einliefen, wieder ins Schwanken zu ge- rathen drohte, schließlich aber doch ihr Dasein behauptete. Jndeß bildet das politische Motiv jetzt bei der steigenden Bewegung ebenso nur den Vorwand, wie zuvor bei der sinkenden. DaS wahre Motiv ist vielmehr die Besserung des Wiener Platzes und die überhaupt nur im Großen ftatt- gehabte Besitzveränderung, wodurch eine Masse Materials aus schwachen Händen in stärkere über­ging. Dies Alles wirkte zunächst auf die internationalen SpeculationSwerthe günstig ein, die wieder auf dem besten Weg zum Steigen sind. Credltactien, durch drei größere Banken hier, in Wien und Berlin stark patronisirt, schreiten langsam aber sicher vor, eröffneten heute 353Va, gingen auf 352 zurück und blieben 353; Staatsbahnen wurden mit 3861/2 bezahlt. Am leb­haftesten war heute das Geschäft in den gestern noch mit dem Rücken angesehenen Lombarden und-wurden selbe bis 2113/4 bezahlt, also 2 fl. besser als gestern. Auch die in letzter Zeit so vernachlässigten Nationalbankactien waren heute in lebhafterem Verkehr und erhöhten ihren CourS nach und nach um ca. 3 fl. Von den übrigen Bankwertben Darmstädter ca. 2fl. besser, während jüngere Werthe zwar fest, aber bei stillem Geschäft bliebet'., da nur ganz kleine Kaufaufträge Vor­lagen. Besser waren die Verhältnisse für österreichische Bahnen, von denen Elisabeth, Franz- Joseph, Buschterader, Galizier und Vorarlberg mehrfach gekauft und größtcntheilS besser bezahlt wurden. Deutsche Bahnen dagegen ohne nennenSwerthes Geschäft und alte bayerische Ostbahn auf starke VerkaufSordreS aus München ca. 1 Procent schlechter. Von Prioritäten alte und neue Lombarden, sowie Elbthal begehrt. Recht lebhaft war heute auch der Markt für Staatöpapicre und herrschte für österreichische Renten, für 1 s'zprocentige Württemberger, 4'/rProc. Darmstädter und neue Russen Nachfrage. Von Loosen Meininger und Köln-Mindener gesucht, ebenso Genueser, die bei dem billigen CourS noch Aussicht zum Steigen haben. Auf amerikanische Werthe hatte Idie Alabamahauffe gar keinen Einfluß. DaS Privatpublikum hat einmal die Sympathie für

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