Gießener Anzeiger
Donnerstag den 3. October
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prriS vierteljährig 1 fL 12 fr. mtt Brtngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 fr.
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kieken
Mr. 232. ' " —-------
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Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Canzleibero, Lit. B. Nr. 1.
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Herrn bttichickt. ncrf geliefert, olger:
Der Genfer Kirchenstreit.
2XnfliifföluP des gegenwättigm Kirchenregiments 6*^e Leichtfertigkeit, mit 6er in Genf das Verfahren der Curie einen Konflikt
Man kann dem Genfer Staatsrath vielleicht einen Vorwurf daraus machen, daß er durch übergroße Nachsicht die Dinge so wett hat kommen lassen, aber gewiß nicht daraus, baß er endlich gegen die römische Willkür pflichtmäßig ein- PJ'.l "" Dcifahren, in dem es ihm hoffentlich an der Unterstützung der Vundesbehorden nicht fehlen wird. Nichtsdestoweniger schlagen, wie sich da« ja auch nicht ander« erwarten ließ, die Uliramontanen aller Orten großen Lärm, und klagen Uber eine neue Vergewaltigung, die der Kirche angeblich widerfahren lein |oU. Jn erster Linie der französische Ultramontant«mu«, der die Angelcgen- hi't mit einer leidenschaftlichen Heftigkeit behandelt, wie sie selbst bei Veu.llot,
Worms, 2. Oktober. Zu der heute stattgehabten 50jährigen Jubiläums- feier der unmen Kirche Rheinhessens waren zahlreiche Theilnehmer von nah “n.D f"n eln8etr°fftn; Alle Redner ohne Ausnahme betonten Cie Nothwendigkeit ist fchlich^b^flaggt' oU8'0’etntn Rutschen unirten Nationalkirche. Die Stadt .... ®ctIim Augenblicklich documentirt sich das Interesse fast nur auf die kirch. Uchen Fragen. Wenn sich auch zu Anfang September die socialen Fragen so in ben Vordergrund drängten, daß die politischen hinter sie zurücktraten, jetzt haben jene wieder den kirchlichen den ersten Platz räumen müssen. Wurde auch da« Vor- gehen der Regierung gegen den Bischof von Ermeland allseitig mit Freude bearübt überall waltete doch gleichzeitig da« Gefühl ob, daß dieser Schrill eben nur ein "f"S»ritt sein könne, welchem weitere folgen müsse». Dasu kommt d^ wie mitgethellt wird, der Bifchof selbst den „Rechtsweg" betreten will, und daß auch d e ,u Fulda versammelt gewesenen Clerlkalen in diesem Sinne operir, haben vorn',lenk? toUTbür' wenn aus der einen Sei,, gegen den Ermesänder Tem^ poralienfperre verhängt und andererseits von dem hannoverschen Lanbesconsistorium
Mermillod war im Jahre 1864 auf Vorfchlcgdes Diöcesanb.schofS(vön Lausanne), Manlley, vom S aatSrathe als Pfarrer von Genf angenommen worben. Zugleich halten" ^^l^Stuhle die Würbe eines Auxiliarb, schoss von Heb.on Z
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Offenbar war es bei der Ernennung de« Herrn Mermillod zum Bischof von Hebron und zum Generalvicar von Anfang an darauf abgesehen geweftn, unter der Hand demselben thatsachlich eine selbstständige Stellung zu geben, die Tihvlf, kT Cerc>Saufanne 4u trennen und zu einer unabhängigen k»le»ttS?M»tz'hl"'» CCr S>aat«ra,h — wa« Rom gegenüber die
schlechteste Methode ist, — ignorirte die Sachlage, so lange sie sich mit Anstand tgnoriren ließ; er nahm an, daß der Pfarrer Mermillod seine bischöflichen Acte nur im besonderen Auftrage und also auch unter Verantwortlichkeit de« Msgr. Manlley ausubte. Aber vor dem immer herausfordernden Auftreten Meimillod's konnte er endlich nicht mehr die Augen verfchließen. Marillep weigerte st», die Verantwortlichkeit |ur Mermillod S Handlungen auf sich zu nehmen, und Mermillod verfuhr durchaus als selbstständiger Bifchof, grade als ob der Canton Genf eine ten Lausanne völlig getrennte bischöfliche Diöcese bildete. Als der StnaiSrath, .. ?lef'n stand nicht länger dulden konnte, dem Pfarrer Mermillod endlich
erklarle, daß er ihm die bischöfliche Autorität auf Genfer Gebiet nicht zuerkenne, erwiderte dieser ganz offen, er habe seine Vollmachten vom römischen Stuhle und werde trotz dem Verbote des Staatsraths fortfahren, sie auszuüben.
Damit hatte denn der Herr Mermillod dem Staate den Gehorsam offen und unumwunden gekündigt, und dem Staatsrath blieb nichts übrig, al« ur Ausrechterhaltung der Autorität de« Gesetzes mtt Entschiedenheit und Nachdruck gegen_ben ungehorsamen Pfarrer vorzugehen. Lin Dekret des StaalSrath« vom 20 -September untersagt dem Herrn Mermillod jede Handlung, welche in da« Reffort Les Ordinarius gehört, sei dieselbe direkt oder im Auftrage eines Anderen vollzogen. Ein andere» Deere, von demselben Da,um zieht die Anerkennung de« Herrn Mermillod als Pfarrer der katholischen Gemeinde von Genf zurück. Dem- gemäß ist und bleibt auch da« Gehalt, welche« der Pfarrei von Gens gewährt wtrd, gespart b,S zur Wiederherstellung eine« regelmäßigen Standes der Dinge m der Gemeinde. Die geistliche Diöcefanbehörbe wirb von diesem Beschluk In Kenntnitz gesetzt und ausgefordert, in den Grenzen ihrer Eompetenz dazu bei- i Ömn' Functionen des Pfarrers von Genf nicht vacant bleiben:
eine Aufforderung die zunächst wohl ohne jede Folge bleiben wird, da Herr MarMty durch die römische Disctplin natürlich an jedem selbständigen Auftreten gehindert wird.
lonst auf diesem Gebiete genug mustergültige Leistungen aufzuweisen hat *vb* um oer in wens das Bersahren der Curie einen Conllict Ratkr dea ttnntnn/r, iaatsrath von Genf ist eine Hand voll Lumpen, der große
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e« sich denn hier etwa nicht blo« um ein ulttamontanes, sondern 6 aud> um ,m .......... So ganz ohne Weiteres von "er
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3(d die Annexion des Cantons an Frankreich ist Schon wahrend des Kaiserreichs hat er in den intimsten Beziehungen zu den marken- den französischen Kreisen gestanden und in Savoyen hat er wiederholt lebhaft ! Regierung gesprochen. Herr Mermillod ist also nicht blos^in
leidenschaftlicher Ultramontaner, sondern in den Augen der schweizer Patrioten auch ein. pol,t,sch verdächtige Persönlichkeit. Aber grate tiefer Umstand macht ibn in Frankreich zur persona grala, und läßt es erklärlich erscheinen, daß selbst in so wenig ultramontan,S Organ, wie Herrn Girardin'S „Liberte", für den uliramontanen Heißsporn mit Eifer in die Schranken tritt. °
fflenf e«M “'n ?-fa?' h°"tn ober die schweizerischen Behörden auf die in Nf spielenden Umtriebe ein wachsames Auge zu richten. Für den Augenblick ist allerdings ein reeller Erfolg aller dieser Jntriguen durchaus nicht zu s/rchten da Frankreich gegenwärtig nicht in der Lage ist, an Eroberungen und Annexionen ru denken. Aber bedenklich bleibt es doch immer, wenn in dem schönen Gnn.7a7,on eine ihm y«™. 'ängst in die Augen gestochen, den er längst als
dne ihm gebührende Beute betrachtet hat, unter den giftigen eines katholischen ? 'nten eine Partei sich krastigt, die es auf die Vereinigung des Cantons mit Frankreich avgesehen hat. I» den Augcn dieser Partei, so wie in den Auaen W.a/"» ° S?'" ^au°inisten war die Erwerbung Savoyen« eine Etappe auf dem S iu- Einverleibung des Cantons Genf. Wer erinnert sich nicht ter le” unberechtigten Besorgnisse, welche im Augenblick der Annexion
Savoyens in der ganzen Schweiz rege wurden? r,8R
'"bstverständlich, daß diese Seite der Frage eon den schweizerischen SeborCen nicht außer Acht gelassen werden wird. Aller Wahrscheinlichkeit na» 1«.?**? d,tUn9 CEÄ (ionPitte8 ®‘e Thätigkeit der Bundesbehörden in fprueb genommen werden, und es läßt sich wohl mit Sicherheit erwarten daü ff. werden " ®'C’tu,ut'8 entlPK<VnDen Nachdruck und Ernst behandeln
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an Niilden an Herrn rer Herrn ,rnL.in eßen 2 p» rrn delh- 2
von der hin 3 fl. 19 fr-; ji Nauren leten-
Stellung der katholischen Kirche im Canton Gens geltenden Bestimmungen, in«, befontere einem Breve vom 20. September 1819 und einem ausdrücklichen Be- bcs StaatSrathS, bie katholischen Gemeinben bes Cantons Genf für alle Zetten mit ber Diocese Lausanne vereinigt unb ber Jurisbictton bes Bischofs von Lausanne unterworfen sinv. '
Ai» s 6 tl 7 B e k a n il t m a ch u ii g.
Mitwirkung des landwirthsch^stlichcn Bezirksvereins Gkß^"verEattete Obs^und"Kon>"»f-"?»?L<r nb Gartenbau-Verein der Provinz Oberhessen unter Obst- und Gemüse-Sorten ersticht^ dieser'Aiisstelluug^^urch^ Änd^ WxW Indem man die Besitzer schön»
Bürgermeister und Lehrer die Bitte, sich hierbei eifrig zu bethei iaen und uameittttch au» fctle^f man insbesondere an die H rren
Die Obstsorten müssen gut verpackt unb mit dem Ä cSnSÄ» r dem ju g°b°n.
eingefanbt werben. Die Transportkosten übernimmt bet Verein. 8 ' 01 Ccm 21 "ctober an Herrn Turnlehrer Rübsamen zu Gießen
Unter dem Bemerken, daß das Ausstellunaslocal am 5. October Normittaa^ 11 UKr r r
hiermit emzuladen. ' 45 " H Uhr, geöffnet wird, erlaubt man sich zu recht zahlreichem Besuche
Gießen, den 20. September 1872.
®er Präsident des Obst- und Gartenbau-Vereins der Provinz Oberbessen- Tvt i v u ,
_______________________ Friedrich Graf zu Solms-Laubach ® ctor landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen: ______ _________ v. Röder.


