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Temperatur in Gießen, Juni 1872:

Bßrsennachrichten.

2. Juli 1872.

Tag in Saus und Braus. Doch nun die dramatische Episode. Der Leichnam muß weggeschafft werden, sein Geruch möchte ihn verrathm. Sie wollen ein Feld kaufen, finden den Eigner nicht gleich und entschließen sich, den Körper in's Meer zu werfen. Wie war das anzufangen? Ein Faß wird untersucht, ehe es den Hafen verlassen darf. Man kauft einen Reisekoffer, der leichter passirt. Die Beine des Ermordeten werden abgesägt, damit der Leichnam besser Platz finde, und man macht sich auf den Weg. Sie miethen eine Barke, schicken den Ruderburfchen fort und treiben selbst mit ihrer Ladung eine Strecke ins Meer hinaus, da werfen sie den schrecklichen Koffer über Bord und rudern zurück. Doch siehe! der Koffer will nicht untergehen, er schwimmt der Barke nach. Sie halten an, schlagen mit dem Bootshaken Löcher in den Koffer­sarg. Vergebens, der Koffer schwimmt der Furche nach, die das Boot hinter sich zurück­läßt, er nähert sich dem Gestade mit den Mördern. Da wird diesen mit einem Mal Angst, Toledano sieht mit seinem mohamedanischen Fatalismus darin Fingerzeig des Himmels.Gott straft unsere That!" ruft er aus; die andern erschrecken, und sie lassen den Koffer auf den Wellen weiter schauckeln, während sie heimwärts ziehen. Marsseiller Fischer bemerken das sonderbare Ding auf dem Wasser, erfaffen es und bringen es an's Land. So ward die Mordthat entdeckt. Man hatte Grego schon der Flucht beschuldigt und keinerlei Ahnung eines Verbrechens gehabt. Die Mörder hatten ihrerseits seine Habe unter sich vertheilt, der junge Sitbon hatte bereits damit em Geschäft in London gegründet; im Gefängniß war seine erste Frage nach dem Schick­sal seiner versandten Datteln. Das Verhör durch den Untersuchungsrichter ist auf romantische Weise geführt worden. Er hat durch Benutzung des dramatischen Um­standes vom Leichnam, der nicht von den Mördern weichen will, volles Geständniß der scheußlichen That erlangt Der tobte Zeuge klagte die Mörder an wie die Kraniche des Jbykus.

Aetlen.

Frankf. Bank 141V2

Frankf. Vereins-Kasse 1371/4

Darmst. Bankact. 480

Wien Bankaotlen 896

Oest. Creditact. 350

Galizien

4,3° R.

+ 12.55

+ 13,15

+ 20,5

3,46 Par. Zoll.

2,83

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 2. Juli. Der Juli-Coupon macht nunmehr doch seine Wirkung geltend und belebte das Geschäft in außergewöhnlicher Weise. Die Hauptfaifturs der Börse bekamen wieder Fühlung mit der Hausse, und die in letzter Zeit wie Blei auf den Gliedern liegende Mattigkeit war heute ein überwundener Standpunkt. In erster Linie kam diese gehobene Stimmung den internationalen Speculations - Effecten zu Gute von denen Creditactien bei 271 stark gehandelt wurden, und auch Lombarden, hiervon profitirend, mit 219-Vz in größeren Posten verkehrten. In österr. Bahnen machte sich starker Umsatz von Franz-Joseph bemerkbar wahrend außer Elisabeth und Nordwest das Geschäft hierin ziemlich ftagnirte. Deutsche Limen wenig begehrt, nur bessiscke Ludwigsbahn in guter Frage. Banken, bei normalem Verkehr, ruhig, deutsche Effectenbank konnte bei 122 die Nachfrage nicht decken. In Loosen war außer osterr. 1860ern ebenfalls kein nennensweriher Umsatz, Ungarn erholten sich wieder und schließen mit 1 ff Avance. Der amerikanische Effectenmarkt war durch ungünstige Nachrichten aus Newriork etwas gedrückt, die Coupons der Alabama-Chattanoga-Bonds sind laut Kabeldevesche vom 1. Juli unbezahlt geblieben, der Staat verspricht Nachzahlung. Oregon-California bei etwas niederem Cours heute vom Privatcapital gern gekauft.

Geldaorten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. lOSt. 9 5355 Ducaten . . 5 3335 20 Frankenst. 9 2324 Engi. Sover. 11 4951 Ruse. Imper. 9 4244 Dollar in Gold 2 25i/2-26i/3

tbum bekämpfe. \

Wir haben es mit einer Verfolgung zu thuu, die von Weitem vorbereitet i und jetzt ausgebrochen. Es ist der erste Minister einer mächtigen Regierung, < der nach seinem siegreichen Erfolge im Felde nun sich an die Spitze dieser Der- ] solgung stellt. Ich habe ihn wissen lassen und es soll dies kein Geheimmß . sein, alle Welt mag es erfahren, daß ein Triumph ohne Mäßigung nicht von , Dauer ist; daß ein Triumph, der sich in einen Kampf gegen die Wahrheit und < die Kirche einläßt, der größte Wahnsinn ist. Diese Verfolgungen werden unfehlbar den Glanz wie ihre Dauer gefährden. Ich habe ihm vorhalten lassen, wie die ( Katholiken bis auf diesen Augenblick ihrer Regierung ergeben gewesen seien; immer . und immer wieder hätten die Bi chöfe, Priester und hervorragende Laien Mir es : ausgesprochen, wie sie vaS Wohlwollen der Regierung und die Freiheit, der sich die Kirche erfreue, zu schätzen wußten. Ebenso habe die Regierung ihre Zu- sriedcnheit mit der Haltung der Katholiken wiederholt Ausdruck gegeben. Angesichts dieser amtlichen Erklärungen und Zugeständnisse nun, wie ließe es sich begreifen, daß jetzt auf ein Mal die Katholiken sich in Leute verwandelt hätten, die den Gehorsam verweigern, die sich in gefährliche Umtriebe einließen, die auf den Untergang des Staates sannen? Diese Frage habe Ich an den Minister gerichtet; die Antwort erwarte Ich noch immer vielleicht, weil eS auf die Wahrheit keine Antwort giebt.

Erheben wir im Nebligen unseren Blick zu Gott! Stehen wir fest im Vertrauen, halten wir in Eintracht zusammen! Wer weiß, ob nicht bald sich bas Steinchen von der Höhe loslöst, das den Fug des Kolosses zerschmettert. Aber wenn Gott auch zulaffen will, daß weitere Verfolgung kommt die Kirche hat keine F.irchl. Im Gegentheil! In der Verfolgung wird sie ja gelautert, gekräftigt, mit neuer Schöne umkleidet. Ohne Zweifel bedarf es auch in der Kirche hier und da der Reinigung, und eine solche wird am besten ausgeführt durch Verfolgungen, die von mächtigen politischen Gewalten kommen. Warten wir voll Zuversicht ab, was Gott bestimmt. Erweisen wir der Regierung Ehr- furcht und Unterwürfigkeit, so lange sie nichts gegen das Gebot Gottes und der Kirche befiehlt.

Ich segne nun euer Vaterland. Ich segne euch und eure Familien, eure Freunde und alle guten Katholiken Deutschlanos! Möge Gott euch in seinen Schutz nehmen rc." . . , .

Zur Erläuterung der halblauten Prophezeiung des Papstes diene folgende Stelle aus dem Propheten Daniel (2. 34);Solches sähest du, bis daß ein Stein herabgeriffen ward ohne Hände, der schlug das Bild an feine Fuße, die Eisen und Thon waren, und zermalmete sie. Da wurden miteinander zermalmet va« Eisen, Thon, Erz, Silber und Gold, und wurden wie Spreu auf der Sommertenne, und der Wind verwehete sie, daß man ste nirgends mehr finden konnte. Der Stein aber, der das Bild schlug, ward em großer Berg, daß er die ganze Welt füllete." Da haben wir das Schicksal des Deutschen Reiches, wie der Papst es sich in seiner von jesuitischen Aufhetzungen genährten Phantasie auSmalt. Die Genfer Correspondenz und das bayerische Vaterland brauchen uns jetzt nicht mehr als mittelbare Quelle für die Erkenntniß der Hoffnungen und Wünsche zu dienen, denen man sich im Vatikan hingiebt; wir wissen es nunmehr von der höchsten Autorität, wenn diese auch selbst vielleicht mchtS Anderes ist, als wiederum eine Quelle für die Erkenntniß des Strebens einer den hem gen Vater beherrschenden Partei. Wie der Wunsch der Vater des Gedankens, so ist der Gedanke der Vater der Ausführung wo eben die Mittel dazu vorhanden sind Einen beredteren Commentar zu der ReichSgefetzgebung gegen die Jesuiten, als diese offenherzige Rede des Papstes, wird kaum Jemand zu liefern im Stande sein.

Italien.

Als derTelegraph" einen Auszug der Anrede wittheilte, welche der Papst an den deutschen katholischen Leseverein in Rom gerichtet hat, konnte man fast, wenn nicht an eine Mystifikation, so doch an eine Entstellung und liebertreibung klauben. Es wird aber mit der drohenden Sprache, die dem Papste zugeschneben wurde, seine Richtigkeit gehabt haben, denn dieGermania", so wieKöln. Volkszeitung", bringen nach stenographischen Aufzeichnungen folgenden Wortlaut jen-r banIe Hz euch für bic G-fuhle der Anhänglichkeit, die ihr

Mir eben ausgedrücki Hahn Sie stimmen überein mit denjenigen, welche Mir von allen Th-ilen Deutschlands her ausgesprochen wurden und die Mer selber zu einer großen Ermuthigung und Erhebung dienen. Gerade in den jüngsten Tagen noch erhielt Ich Mittheilungen aus Köln, Münster, Paderborn, aus München, Regensburg und vielen anderen Diökcsen Deutschlands. Ich habe daraus entnommen, daß die katholische Bevölkerung eures Vaterlandes die Der- längerung Meines Lebens und Meines Pontifikats an dem jungst verflossenen Jahrestage mit großen Festlichkeiten, mit öffentlichen Gebeten und vor Allem durch eifrigen Empfang der h. Sakramente begangen hat. Wohl, das ist das Mittel, die Verfolgung der Kirche zu hemmen!

Was nun diejenige Verfolgung angeht, die jetzt in eurem Vaterlande aus- gebrochen ist, so stellt ihr entgegen das Gebet und die Standhaftigkeit; gebraucht die Mittel der Presse wie des öffentlichen Mortes; handelt mit eben so viel Be­sonnenheit als Festigkeit. Gott will, daß man die Landesobrigkeit achte und ihr gehorche: allein er will auch, daß man die Wahrheit sage und den ^rr-

Von Frankfurt a. M.

direct

mit jeder Poft

befördere ich, die meiner Annoncen-Expedition zur Vermittlung aufqegebenen Inserate, ohne Anrechnung von Provision oder Porto, zu den Original-Zeitungspreisen an die, für die ver­schiedenen Zwecke .

bestgeeigneten Zeitungen

des In- und Auslandes.

"Meine Provision beziehe ich als officieller Agent von den betreffenden Zeitungen.

Rudolph Rosse,

Annoncen-Expedition

45 Zeil, Frankfurt a. W. Zeil 45

Berlin, Wien, Nürnberg, München, Hamburg, Zurich, Straßburg, BreSlau, Halle a. d. S, Leipzig, Stuttgart, Prag.

Alleinige Inseraten - Pacht:

Fliegende Blätter",Kladderadatsch",Figaro."

niederste................

mittlere.................

Mittel früherer Jahre............

höchste.................

Niederschlag: an 20 Tagen......

im Mittel früherer Jahre: an 14 Tagen . .

Preuss. 4V>o/o Oblig. 1035/g

Frankf. 3Va^/o 0dl. 87

Nass. 41/a% 0dl. 993/< Kurhess. 4% 933/< Gr. Hess. 5% Obi. » 4% , 981/2

äWo , 92i/4

Bayer. 5°/o n 1003/q

41/2% 1jährige 100i/4 40/0 1jährige 95

Würtemb. 41 /a% Obi. 99% Baden 4V-0/g Obi. 0. E. L. 99% Oesterr. Silberrente 65

Papierrente 583/s Spanier, neuest. 3% 29^ Amerik. Bonds 1881r 99%

. _ 1882r 961/4

1885r 971/2

n 1887r 97-/4

Vermischtes.

(Sin araufiaer Mord. der im sonnigen Marseille begangen worden und durch | die besouderm Umständen, welche zur Entdeckung der Thäter führten noch an Interesse | gewinnt, wurde dieser Tage daselbst vor Gericht verhandelt Drei Tunffm m | gemächlicher Freundschaft; der Aeltere war em begüterter Kaufmann von Jahren, | seine Freunde und Landsleute waren erst 20 Ja^re alt / Ö beiben Jüngeren I Jünglinge erst nach unseren Begriffen. Grego, d^ Kaufmann, h t nachdem sie in I mit M und Mitteln; sie waren Makler un Hafenplatze geworden, S

Marseille ihre Erziehung vollendet hatten. Die beiden Jüngeren haßten ^rego aoer um seines Geldes, seines reiferen Alters willen; sie wollten sich a l h tödtcn, er ihnen stets hilfreich war. Der Eine, Toledano

und ev reizte seinen Freund Sitbon gegen ihn auf. Ein kräftiger tun s Unou 0^ j sollte ihnen dabei behilflich sein- Kaltblütig wie die That desch ff ' Straße, ruhiger Berechnung ausgeführt. Man mtethet einen Laden in em« stM« . verschafft sich eine Seidenschnur (türkische Sultans-Wollust!) ble ihn zu

den Tag, an dem Grego grade in Besitz h^mathlicher Gelder g g ' brorreIt einer lustigen Partie im neuen Lokal ein, und schlagt ihn med (Äaufc, plündern sobald er seinen Sitz genommen. Dann gehen dre Mörder ruh g ^^^ringen den die Kasse des Ermordeten, werfen seinen Hausschlüssel ins Meer uno oeroc. h

Aetien.

50/0 östr. F. St. E. B. 366 Lombard. Bahn 2181/2 Ludwigsh.-Bexbaoh 2011/2 Maxbahn 1461/4 Bayer. Ostbahn 141 Rhein-Nahebahn-Act. 45Vs Hess. Ludwigsb.-Act. 181 Oberhessen 827/g__

Prioritäten.

3% öster. Stsb.-Prior. 59</2 30/0 öst. s. Lombard 52 30/0 Livomeser 391/, 50/0 Tosoaner 615/s 5% Elisabeth.-Prior. 853/4 do. II. Emiss. 841/4

Ajiieheneiloose.

Darmstädter fl.50Loose 1825/a r> n 25 53

Kurh. 40 Thlr. Loose 7p/8 Nassau 25 fl. 45 Braunschweiger 21 30/0 Oldenburg, ä 40Thlr. 387/e 40/0 bayr. Präm.-Anl. H3/2 40/0 badische Loose 111 Badische fl. 35 Loose 70 Oestr. fl. 250 v. 1854 1858r Prioritätsloose 1860r Loose 947/s 1864r w

Amsterdam

k. 8. 98i/g

Augsburg

k. 8. 993/4

Berlin

k. 8. 104V8

Bremen

k. 8.

Brüssel

k. 8. 933/4

Hamburg

k. 8. 875/g

Leipzig

k. 8. 105

London

k. 8. 1183/8

Lyon

k. 8.

Paris

k. 8. 931/2

"Wien

k. 8. IO53/4

ditto

m. 8. 1055/6

ditto

1. 8. 1055/g

Dißconto

4%