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Warum die Regierung de- Präsidenten Grant mit solcher Hartnäckigkeit darauf bestand, daß ihre Forderungen als vom Grund aus unberechtigt erklärt werden sollten; so hat ihr das Genfer Schiedsgericht jedenfalls den Willen gethan, und sie kann sich nicht beklagen.

Noch mehr aber kann die englische Regierung mit dem Genfer Spruch zu- frieden sein, denn sie befand sich in keiner angenehmen Lage.

Nachdem sie sich so sehr damit gebrüstet hatte, durch Abschluß des Wa­shingtoner Vertrages einen Präcedenzfall geschaffen zu haben, die bei künftig ent­stehenden internationalen Verwickelungen gegen jede kriegslustige Politik angerufen werden könne, war sie durch die plötzliche Ausstellung der indirekten Forderungen nicht bloö dem berechtigten Borwurf fahrlässiger Geschäftsführung ausgesetzt wor­den, sie sah sich auch der Gefahr gegenüber, sich durch Zurücktreten von dem Washingtoner Vertrage vor aller Welt compromittiren zu müssen.

Gegen den Vorwurf der Fahrlässigkeit konnte sich das Cabinet Gladstone nicht rechtfertigen. Seine Diplomaten hatten es den geriebenen Geschäftsleuten jenseits des Ocean- gegenüber offenbar an Vorsicht fehlen lassen und einen Ver­trag abgeschlossen, dessen mögliche Ausnützung sie sich nicht klar zu machen ver­standen hatten, und es blieb nichts übrig, als den rabulistischen Forderungen den festen Entschluß der Weigerung entgegen zu setzen. DaS hat das Ministerium Gladstone gethan, mit der vollsten Unterstützung de- Landes und es wird nicht ermangeln, sich seine Standhaftigkeit zu hohem Verdienst anzurechnen. Es wird auch dazu genöthigt sein, da die Torys in ihren neuesten Kundgebungen sehr stark die Nothwendigkeit betonen, daß Großbritannien seine früher so sehr respectirte Machtstellung wieder einnehme.

Die Aladamafrage, in Amerika vielleicht nur als Mittel der Parteiagitation zu so ungeheuren Dimensionen aufgetrieben, schlägt also jetzt zu einem Parteisiege in England um. DaS wäre nun freilich ein höchst komischer AuSgang der ganzen Geschichte und würde dieselbe zu einer politischen Farce stempeln.

Aber man möge nur nicht vergessen, daß im Verlauf dieser Geschichte häufig genug Momente eingetreten waren, welche sie einer tragischeren Wendung sehr nahe führten, indem man Forderung und Ablehnung zu einer Sache des Na- tionalgefühls machte und die Leidenschaften der Massen dafür in Bewegung setzte, und auch diesseits und jenseits Empfänglichkeit genug für eine solche Agitation fand, die, wenn es in der Absicht der Agitatoren gelegen hätte, den jetzigen fried­lichen Ausgang der Verwicklung wohl sehr stark compromittiren konnte.

Deutschland.

Berlin, 30. Juni. Der königlich großbritannische General-Consul Baron Victor v. MaguuS ist gestern Abend gestorben.

Dortmund, 30. Juni. Heute fand hier die große Bergmannsversammlung statt. Das Strikecomite für Dortmund legte sein Mandat nieder, und die Der- sammlung beschloß einstimmig, morgen wieder zu arbeiten.

Dortmund, 2. Juli. DieWestphälische Zeitung" meldet, daß die ge­strige social-demokratische Versammlung gleich nach Beginn durch die Polizei auf- gehoben wurde. Tölke und Richter waren nicht anwesend. Der socialistische vc!i geführt hatte, in der Versammlung verhaftet. Auf den Zechen herrscht Ruhe und Ordnung.

Königsberg, 2. Juli. Der Pfarradministrator StatinSki in Riesenburg wurde seines MilitärseelsorgeamtS durch das Bezirkscommando in Folge eines Be- fehles des KriegsministerS enthoben. Die Katholiken der Wehlauer Garnison er- klärten sich für den AltkatholiciSmuS.

Straßburg, 26. Juni. Heute wurde vom hiesigen Zuchtpolizeigerichte der französische Courier, der vor vierzehn Tagen einen deutschen Militärposten thätlich beleidigte, zu acht Tagen Gefängniß verurtheilt. Die Strafe ist dem über- müthigen jungen Manne, der sich beikowmen ließ, aus Frankreich zurückkehrende elsässische Soldaten wegen ihrer Option für Deutschland zu beschimpfen, recht heilsam.

Oesterreich.

Wien, 28. Juni. DiePresse" äußert über die Verhandlungen zwischen Thiers und dem berliner Cabinet wegen der Räumung:Es muß denn doch unzweifelhaft von segensreichen Wirkungen sein, daß man von beiden Seiten, von französischer und deutscher, einen unverkennbar guten Willen gezeigt hat. Frank­reich erweist sich als ehrlichen Schuldner, Deutschland als rücksichtsvollen Gläu- biger. Die Regierung des Herrn Thiers wird, was sich bis jetzt nur ihre ein- zelnen Mitglieder im Prtvatgespräch zu sagen erlauben durften, ohne des Mangels an Vaterlandsliebe beschuldigt zu werden, offen vor der Nation bekennen dürfen, daß sie bei den Unterhandlungen mit Deutschland dem freundlichsten Entgegen­kommen begegne. Durch die neuen Bedingungen der Räumung wird auch den erbittersten Franzosen bewiesen, daß die Deutschen nicht aus bloßer Herzlosigkeit und Bosheit auf die fortwährende Demüthigung und Peinigung Frankreichs aus- gehen, und daß es dem Kanzler des deutschen Reiches niemals eingefallen ist, Frankreich zu einer Macht zweiten Ranges herabzudrücken oder gar zu zerstückeln. Durch die Zugeständnisse in Betreff der Zahlung der Kriegsentschädigung, zu welchen da» deutsche Reich geneigt ist, sieht sich die französische Regierung zu Dank verpflichtet, denn die ungeheuere Aufgabe, die Schuld von drei Milliarden aufzubringen, ist hier mit Einem Mal um ein Bedeutendes erleichtert. Wenn Deutschland die Bemühungen des Fürsten Bismarck anerkennen muß, ihm einer- seits die Früchte des schweren Krieges zu sichern, andererseits durch weise Schonung des Feindes die Versöhnung anzubahnen, so können die Franzosen Herrn Thiers nicht genug Dank dafür wissen, daß er die Hauptaufgabe seiner Regierung, die Befreiung des Landesgebietes von den Fremden, so unerwartet rasch ihrer Lösung entgegengeführt hat, trotz der tausend Schwierigkeiten, die in der Sache selbst lagen, und trotzdem, daß ihm seine Mühe durch die Mehrheit der Volksvertretung mehr erschwert als erleichtert worden ist."

Wien, 30. Juni. Da»Vaterland" in Wien erhielt, wie e» sagt,von sehr achtbarer Seite aus Bayern Andeutungen, welche daraus hinzuweisen scheinen, daß in Folge der verschiedenen Erfahrungen, welche man im neuen Deutschen Reiche gemacht hat, nunmehr die patriotische Strömung in Bayern wieder in den Vordergrund tritt." In dieser Zuschrift heißt es:Dem Ehrgeize des Kalfer» Wilhelm oder den Gelüsten seines Ministers was leider identisch ist

genügt der Bundesstaat unter preußischer Führung nicht: man will den Einheitsstaat. Schon liegt eine ganze Reihe von Eompetenzüberschrettungen des Deutschen Reichstages vor, der nichts anderes ist, als das willige Organ des Herrn v. Bismarck. Vergebens werben von einigen Vertretern im BunveSrathe Einwürfe gemacht und Bedenken erhoben. Sie finden kein Gehör. Die Theorie wird fort und fort durch ihr entgegengesetzte Thatsachen untergraben. Die süd­deutschen Souveraine sind schon heute zu Schattenbildern herabgedrückt. Nicht dasehrwürdige Deutsche Reich", sondern der französische Cäsarismus feiert dieSseit des Rheines seine Wiedergeburt. Wenn man unter solchen Umständen erfährt, daß selbst am bayerischen Hofe, welcher in hochherziger Illusion den übrigen Fürsten Deutschlands in der Anerkennung des Deutschen KaiserthumS vorausgeeilt ist, die herzliche und vertrauensvolle Stimmung bedeutend abge­nommen hat, und vorzüglich in jenen Sphären, welche durch die Verhältnisse bestimmt scheinen, die königliche Erbschaft der Vorfahren zu hüten, so kann das Niemanden in Erstaunen setzen. Jedoch wird man von dort, vorläufig wenigstens, schwerlich einen entscheidenden Entschluß erwarten dürfen, zumal, wie gesagt, da» Recht der Souveraine im Bundesrath so gut wie vernichtet tst. Man scheint aber in Preußen und auch anderwärts zu vergessen, daß in Bayern eine große, vor zwei Jahren noch über die Majorität des Landtages gebietende und die überwiegende Majorität der Bevölkerung vertretende Partei besteht, welche Alles vorhcrgesehen hat, was eingetroffen ist, und welche daher berufen scheint, nochmals die Vertheidigung der Souverainetät ihres Vaterlandes und ihrer Dynastie zu versuchen. Man scheint zu vergessen, daß das neue Deutsche Kaiserreich keineswegs allseitig anerkannt worden ist." Der Schluß dieserAndeutungen" lautet:Das bayerische Volk steht jetzt, mehr als je zuvor, aus unserer Seite. Der Versuch, Bayern dem preußischen politischen und kirchlichen Vernichtungssystem zu entziehen, muß und wird noch einmal angcstellt werden. Die Phrasen von der Einheit Deutschlands, von deutscher Weltherrschaft u. f. w. verfangen hier desto weniger, als man sich genügend überzeugt hat, daß darunter immer nur das specifisch preußische Interesse gemeint ist. Bayern wirb kaum mehr in die Lage kommen, dem preußischen Ehrgeiz einen Rheinbund entgegenzusetzen, und einen Donaubund wissen die österreichischen Staatsmänner zu verhindern. Ich glaube aber doch, daß Bayern noch immer die Kraft besitzt, die totale Vernichtung seiner Selbst­ständigkeit durch Preußen zu verhindern, wenn es ernstlich will. Man wird sich hier fortan weniger von Schlagwörtern und phantastischen Gesühlsaufwallungen bewegen lassen und das eigene Interesse mehr berücksichtigen."

Klagenfurt, 27. Juni. Heute wurde hier die erste Civilehe geschlossen. Der Vicebürgermeister, welcher die Trauung vornahm, betonte, daß dieselbe gleiche Rechte und gleiche Pflichten wie die kirchliche Eheschließung nach sich ziehe und die Gewissen eben so binde. Die Jesuiten unterhandeln mit dem Conßstorium und dem deutschen Orden, um Gcbäube in Gurk oder Friesach anzukaufen.

Frankreich.

Pans, 29. Juni. Die Zahl der fremden BanquierS, welche die neue Anleihe nach Paris gelockt, ist sehr groß. Der Figaro meint, siehätten wie ein Heuschreckenschwarm die Parißr Hotels überfallen und seien gekommen, um Die französische Regierung zu begaunern." Der Banquier Hirsch (die hiesigen

Iitnnen tyn einenAnalsten" er tst aber von Geburt Oesterreicher und in Belgien naturalisirt) hu da» Gut Beauregard, welches zur Zeit der Ex-Ewpereur für Miss Howard mit 5 Millionen bezahlte, für 800,000 FrcS. angekanft. Das Palais der Prinzessin Mathilde in der Rue de CourcellcS wird jetzt auch öffentlich versteigert. Es ist auf 1,600.000 Frc». geschätzt.

Paris, 30. Juni. Im dritten Bande der Eliquöte über den 18. März be- findet sich u. A. ein Docummt über die Organisation der Streitkräfte der Com- mune. Culturhistorisch merkwürdig ist die Rolle der Kinder und Frauen bei der­selben. 681 Kinder von 16 Jahren und darunter sind der Betheiligung an der Bewegung von Paris beschuldigt worden. Es befanden sich unter ihnen: 235 Kinder von 16 Jahren, 226 von 15 Jahren, 103 von 14 Jahren, 47 von 13 Jahren, 21 von 10 Kahren, 11 von 11 Jahren, 4 von 9 Jahren, 1 Kind von 8 Jahren, 1 von 7 Jahren. 1851 Frauen wurden dem 4. Kriegsgericht überliefert, unter ihnen befanden sich 1832 Französinnen, 5 Deutsche, 2 Jtaliene- rinnen, 6 Belgierinnen, 1 Spanierin, 1 Schweizerin und 4 Polinnen. 221 waren verheirathet und lebten mit ihren Männern; 117 waren verheirathet und lebten im Concubinat; 82 Ledige wohnten allein, 302 im Concubinat und 246 gehörten zu den der Polizei unterworfenen Dirnen; 7 Witwen lebten allein, 76 im Concubinat. Ihre, Profession nach waren sie: 1 Hausbesitzerin, 4 Gon- cierges, 4 Lehrerinnen 3 Hebammen, 10 Hotelbesitzerinnen, 5 Kaffeewirthinnen, 18 Weinwirthinnen, 11 Händlerinnen und Fabrikantinnen, 45 Modistinnen, 3 Ladenmädchen, 37 Ccksettmacherinnen, 44 Hosenmacherinnen, 38 Westenmache'rin- nen, 26 KleidermackMnnen, 78 Tagelöhnerinnen, 26 Posamentirerinnen, 22 Blumenmacherinnen,/31 Stiefelstepperinnen, 29 Handschuhmacherinnen, 4 Costume- machecinnkn, 11 Gtltonnagearbeiterinneri, 49 Matratzenmacherinnen, 57 Wäsche- rlnnen, 39 Weißnchterinnen, 45 Büglerinnen, 5 Zeitungsverkäuferinnen, 56 Auf- Wärterinnen, 16 Krankenwärterinnen, 85 Dienstmädchen, 246 ohne Profession.

Versailles, 28. Juni. Das Univers begleitet die Mittheilung des Moni­teur aus Rom, ) ein definitiver Bruch der diplomatischen Beziehungen de» Vatican» mit Pieußen nahe bevorstehe, mit dem Zusätze:Die Nachrichten deS Moniteur sind nicht unwahrscheinlich.... ES fragt sich nur, wer sich über den Bruch am wcrigsten Glück zu wünschen hat. Es bedarf keines langen Nach- denkens, um Vorhersagen zu können, daß der heilige Stuhl dabei nicht den Kürzeren ziehcr wird."

Versailles, 30. Juni. Das officiklle Journal veröffentlicht beute bereits das gestern ton der National-Versammlung angenommene Gesetz über die Be- steuerung der Werthpopiere.

Versa/lleS, 1. Juli. Nationalversammlung. Der Minister de» Aus- wärtigen, S»musat, theilt den Vertrag mit Deutschland mit und sagt: Die Räumung rmseres Gebiets hängt nur noch von dem Erfolg der bevorstehenden Anleihe ab. welche bei der Lebenskraft unseres EreditS und der Rückkehr unseres Wohlstand/S, zusammenfallend mit dem Frieden Europas und dem Vertrauen, von welchan Europa der Regierung der Republik zahlreiche Beweise gab, nicht zweifelhaf/ ist Der Minister verlangt, die Versammlung möge die Vorlage für vrmglich erklären. Dieselbe beschließt die Dringlichkeit und verweist die Vorlage an die Svreaux, welche morgen darüber berathen werden.