eine Beschränkung des scnst ollen anderen deutschen StaettSbürgern zustehcnden Rechts, sich frd tm Deutschen Reiche zu bewegen und zu Welten, eintreten ließe."
E- war daher von Seiten der Regierung als Zweck des Gesetzes unumwunden bezeichnet, die Störung des ReichSfriedenS durch die einzelnen Mitglieder de- Jesuitenordens unmöglich zu machen, und der Reichstag hat mit großer Mehrheit die Waffen zur Bekämpfung der Reichsfeinde bewilligt.
Don vornherein trat aber derselbe Redner dem auch jetzt in der ultramontanen Presse wiederholten Dorwurf entgegen, es handle sich bei dem Kampfe gegen die Jesuiten um einen Krieg gegen die katholische Religion. Der Jesuitenorden war, ohne Nachtderl für die katholische Kirche, über vierzig Jahre außer Wirk- samkeit gesetzt. Er wurde von dem römischen Stuhle selbst wegen Störung des religiösen Friedens ausgehoben, also aus denselben Beweggründen, die für das Gesetz vom 4. Juli d. I. maßgebend waren; denn in der Aufhebungsbulle des Papstes Clemens XIV. heißt es ausdrücklich: „In Anbetracht, daß es kaum möglich ist, daß, so lange die Gesellschaft Jesu besteht, ein wahrer und dauer- hastcr Friede der Kirche wieder hergestellt werben könne, heben wir mit voller Ueberlegung und sicherer Kenntnißnahme und aus der Fülle apostolischer Macht die erwähnte Gesellschaft auf, löschen sie aus und unterdrücken alle ihre Aemter u. s. w."
Ueber den Sinn des Gesetzes vom 4. Juli und über die daraus erwachsenden Pst chten können die Landesbehörden ebensowenig, wie die Reichsgewalt im Zweifel sein; sie haben deshalb für den allseitigen und wirksamen Vollzug desselben Sorge zu tragen.
Deutschland.
Berlin, 28. Aug. Zu der Frage, ob das Jesuitengesetz eine Unterscheidung zwischen Ordens- und seelsorgerischer Thätigkeit zulasse, schreibt man der ultramontanen „Schlesischen Volkszeitung" aus Thüringen: Nur aus einige jedem Juristen wohlbekannte Jnterpretationsregeln möchten wir unsere allzu empfindlichen Freunde noch aufmerksam machen, denen dieselben bei ihren bisherigen Deductionen offenbar zu wenig Achtung geschenkt haben. Bekanntlich ist es die erste, im Grunde sogar einzige Aufgabe, jeder Interpretation von Gesetzen, die wirkliche Intention des Gesetzgebers festzustcllen: Die Auslegung der einzelnen Ausdrücke des Gesetzes muß dagegen diesem Hauptgesichtspunkte selbstverständlich überall untergeordnet bleiben.... Im vorl egenden Falle kann es aber doch wohl schwerlich von irgend welchem Standpunkte bestritten werben, daß bei dem Erlaß des Jesuitengesetzes alle Faktoren der ReichSgesetzgebung, insbesondere auch die entscheidende Mehrheit sowohl im Reichstage als im BundeSrathe zweifellos die Intention gehabt haben, die vermeintliche reichsfeindliche und staatsgefährliche Wirksamkeit der Jesuiten und sogenannten verwandten Congregationen vom deutschen Reiche für die Folge fern zu hallen. Nun möchten wir aber an jeden ehrlichen Deutschen, die Hand aufs Herz, einfach Vie Frage richten, ob denn nicht sämmtliche für das Gesetz votirende Bundesraths- und Rkichstogsmitglieder, den Fürsten Bismarck und seinen Famulus Wagener nicht ausgenommen, in der That — si venia verbo — wahre Gimpel sein müßten, wenn sie sich zur Erreichung dieses Zweckes wirklich hätten darauf beschränken wollen, den Jesuiten rc. lediglich eine fernere „Ordens- thätigkeit" in demjenigen engeren, gleichsam technischen Sinne zu untersagen, wie sie unsere gegnerischen Freunde verstanden wissen wollen, daneben aber ihre sonstige seelforgliche Thätigkeit im Beichtstühle und auf der Kanzel — bis auf die aus- brücklich verbotenen Missionen — ungestört fortbestehen zu lassen unbedenklich fänden? Das wäre denn doch ein so eclatanter Widerspruch zwischen Mittel und Zweck, daß zu dessen Erklärung auch die wohl ohnehin kaum ernstlich behauptete angebliche Zaghaftigkeit des Herrn Wagener und Coniorten schwerlich auS- reichen dürfte.
Berlin, 39. Aug. Fürst Gvrtschakoff wird am 3. September, von Frank- furt a. M. kommend, hier eintr.ffen. Ein königliche- Salonwagen wird ihm dahin entgegengesandt werden. Die Ankunft des Kaisers von Rußland erfolgt am 5. September, Nachmittags 4 Uhr. Ueber die stattfindenben Festlichkeiten verlautet ferner, daß für den 9. September ein großes Fest im Potsdamer neuen Palais beabsichtigt wird. Im russischen Botschaftshotel finden, nach der „Corr. Stein", wegen Raummangels keine größeren Festlichkeiten statt.
Trier, 28. Aug. Den Redemptoristen ist seitens der königl. Regierung für die Zukunft jede Missionsthätigkeit untersagt. Die katholische Geistlichkeit der Stadt hat zu Gunsten der Patres einen Protest veröffentlicht.
München, 31. Aug. Das „Süddeutsche Correspondenzbureau" meldet: Mit aller Bestimmtheit verlautet, daß der EultuSminister v. Lutz die Entlassung erbeten und erhalten habe. Der Rücktritt des ganzen bisherigen Ministeriums und die Berufung eines Cabtnets Gaffer-Lerchenfeld-Bomhard Lobkowitz dürfte unmittelbar folgen.
Dillingen, 27. Aug. Bei feinem hiesigen Aufenthalte besuchte der deutsche Kronprinz am Namenstage des Königs den protestantischen und katholischen Gottes- dienst. Abends regaline er sein ganzes Ulanenregiment im Hosbräubause. Jeder Mann bekam 4 Maß Bier, Würste und Cigarren. Er scheint seine Pappenheimer zu kennen.
Straßburg, 27. Aug. Die „Straßburger Zeitung" schreibt: Die Optionsfrist naht ihrem Ende und die Franzosen und Franzosenfreunde verdoppeln ihre Anstrengungen, um in der letzten Stunde die noch Schwankenden zu einem Schritte zu verleiten, der auch im günstigsten Falle tief in die gesummten Lebensverhält- Nisse des Betheiligten eingreifen muß, im ungünstigen aber für ibn vcrhängnißvoll werden kann. Gestern noch berichtet der „Gaulois" in feinen Polizeinachrichten von dem traurigen Geschick eines elsässischen Ausgewanderten, der mit seiner Frau und acht Kindern nach Paris gekommen war, ober vergeblich Arbeit suchte und endlich in eine so furchtbare Lage gerieth, daß er sich in einem Anfall von Verzweiflung erhenkte. Und doch hat dosseibe Blatt die Gewissinlosigkeit, an einer anderen Stelle die Elsaß-Lothringer unter Hinweis auf dos nahe Ende der Frist zur Option quand meme auszufordern! Es wird denn auch in diesem Augenblick in Der That allerorts mit Macht optirt; aber zum Glück für die Bevölke- lung haben wir Die beruhigende Gewißheit, Daß diese Optionen der großen Mehr- zahl nach einfach in die Kategorie Des DeclarationSschwinDels fallen. Man belagert die Kreisdirectionen, gibt feine Erklärung ab und geht mit patriotischer Genugtuung nach Hause, um ruhig dort zu bleiben und abo die Option that- sächltch auszuheben. Der beste Beweis, wie wenige von den Optirenden an wirk- liche Auswanderung denken, liegt in dem verhältnißmäßig geringen, im Ganzen kaum über da- normale Maß hinausgehendev Güterwechsel.
Straßburg, 30. Aug. Prinz Friedrich Kart, welcher gestern Abend hier ankam, inspicine heute das 15. Ulanenregiment. — Als erste Rate Der französischen Drei Milliarden fuo gestern 22 Millionen Francs in klingender Münze hier angtkommen
Mülhausen. „Es find jetzt nicht mehr die Franzosen, welche die Deutschen aus dem Elsaß vertreiben, auch nicht die Oesterreicher oder Russen, oder eine Coalition aller dieser Mächre; die Sache macht sich jetzt aus eine ganz andere Art, man braucht dazu keine Kanonen und keine ChaffepotS, folglich auch keine Soldaten; die Deutschen weichen, ohne daß ein Schuß abgefeuert wird." Dat lst dos Loosungswott, welches gegenwärtig in gewissen Volksschichten curstrt und von Mund zu Munde geht. Es findet dort um so lieber Glauben, als der Kampf ohne Blut, Einquartirung, Requisition — kurz ohne alle Kriegsbelästigung ab- geht. Und welche Zauberkraft bewirkt Vas Alles? Ein Eingeweihte, hat es mir unter Dem Siegel strengster Verschwiegenheit mitgetheilt, und ich theile es Ihnen unter Dem gleichen Siegel mit. Die Macht, welche Die Deutschen aus Dem Elsaß vertreibt, sind Die — Jesuiten. Wie sie's anfangen, um Das Weik zu Stande zu bringen, hat mir mein Gewährsmann selbst nicht einmal unter Dem eben berührten Siegel anvertraut, unD ich kann es somit auch unter Derjenigen Cautele Nicht weiter verrathen; „aber — fügte er bei — Die Deutschen stnD diesmal an den Letzten gerathen; es hat sich noch Keiner ungestraft an diesem vergriffen; Ihr werdet sehen, wie bald Der Prüß zum LanD Draus sein wird." Wir stehen also vor einer uahen Zukunft, wo es wieder Wunder über Wunder geben wird. Auch auf anderen Wegen werden Die Wunderioeen Dem Volke fortwährend handgreiflich nohegelegt. So wandern jetzt Colporteure von Haus zu Haus mit Den Worten: „Gin Gruß vom Herrn Pfarrer Landwehrlin, unD Sie möchten Doch Dieses schöne Buch kaufen; es handelt von der Mutter Gottes unD Den großen Wunderwerken, welche sie in Der jüngsten Zeit verrichtet. Es ist ein gar schönes Buch unD kostet nur 15 Sous Die Lieferung unD kommt monatlich auf 30 SouS." Und an Absatz fehlt es nicht. Diese Dinge mögen sich in Der Ferne curios genug ausnehmen; aber ich bitte, nicht übersehen zu wollen, daß sie zur Kennzeichnung Der An- schau^ngsweise, Gedankenrichtung, Bildung oder Unbildung großer Volkswassen hier zu Lande dienen, und daß auch der Aberglaube und Die Dummheit nicht zu nuterschätzende Mächte im Volksleben find.
Oesterreich.
Wien, 26. Aug. Die Sprache d:S Wiener „Vaterland" gegen das deutsche Ruch wird mit jedem Tage verwegener. So lesen wir heute in einem Leitartikel dieses feudal-clenkalen Organes: Ein neues „deutsches Reich" steht heute vor unseren Augm. Es ist nicht entstanden in so erhebender Weise, wie einst Dal Reich Karl'S des Großen, sondern vorbereitet worden durch Den Bruch beschworener Bundestreue, durch Die schmachvolle Allianz mit Dem kirchenräuberischen Königreiche Italien und die Unterstützung ungarischer Hochverräther, durch die völlig rechts- widrige Angliederung Der Länder legitimer Fürsten, Denen nichts zur Last fiel, als jene Mattherzigkeit oder Unfähigkeit in Erfüllung ihrer Deutschen Bundespflichten, deren sich nahezu alle deutschen Klein- und Mittelstaaten schuldig gemacht haben und Denen Preußen zum großen Thüle seine Siege von 1866 zu danken hat.
Aus Agram wird der „Presse" telegraphirt: Zahlreiche Ansiedelungen der Jesuiten sind für Croation angekündigt. Es werden hier zu diesem Zwecke größere Besitzungen angekauft.
Linz, 24. Aug. Bischof Rudigier hat in Sachen des berüchtigten Pater Gabriel em langes Schreiben an das Wiener „Vaterland" gerichtet, worin er u. A. erklärt: „Pater Gabriel hat Die Anna Dunzinger auch gar nicht gestreichelt, veder in noch außer Dem Beichtstühle, weder bei Gelegenheit Der Beichte, noch bei irgenD einer anderen Gelegenheit. Ueberhaupt ist alles, was gegen Den Pater Gabriel in Der Be-chtstuhlgeschichte g sagt und geschrieben wurde, pure Verteum- cung und Pater Gabriel ein durchweg ausgezeichneter unD namentlich in moralischer Beziehung ganz makelloser Mann. Das alles kann ich mit jener Zuverlässigkeit versichern, mit Der überhaupt ein Mensch von einem anderen Menschen in derlei Dingen Zeugniß abzugeoen im Stande ist." Herr Rudigier hat nicht nöthig, nach seinem Tode heilig gesprochen zu werden: ein „sonderbarer Heiliger" ist er schon bei seinen Lebzeiten stets gewesen.
Krakau, 26. A-rg. In Galizien sind neuestens 16 Waggons voll Jesuiten eingetroffen.
Frankreich.
Paris, 28. Aug. Oberst Stoffel ist, wie man jetzt erfährt, in Ruhestand versetzt worden, weil er in der letzten Zeit eine äußerst regierungsfeindliche Ge- finnung zur Schau trug. Jules Favre ist heute zum Prozeß Bazaine als Zeuge verhört worden.
Paris, 28. Aug. Die „Repudlique Franchise" kommt heute nochmals auf die Frage betreffs des Personals Der französischen Polizeiverwaltung zurück und theilt bei dieser Gelegenheit folgende statistische Einzelheiten mit, um darzuthun, Daß dieselbe fast nur ehemalige Bonapartisten in ihren Reihen zählt: DerDirector Der allgemeinen Sicherheit ist De Nerveaux, ehemaliger Bureauchef unter Dem Empire. Der Ehef des ersten Bureau'S (politische Correspondenz, Personal, Affairen, welche Die allgemeine Sicherheit des Staates betreffs) ist De Boislisle, ehemaliger Attache beim Ca'oinet des Präfecten Petri. Die Drei Hauptinspectoren Gopier, de Lathenay und Torrini, sind Die nämlichen, wie unter Dem Empire. In der Provinz gibt es 43 Centralpolizeicommissare; alle sind ehemalige Polizei- commiffare des Empire. Die speciellen Eisenbahnpolizeicommiffare, deren Functionen rein politische sind und deren Zahl 65 beträgt, hatten, mit Ausnahme von zweien. Die nämlichen ober ähnliche Functionen unter dem Empire. Die fpigießen Polizei- c mmissare an Der Grenze sind ohne Ausnahme ehemalige imperialistische Beamte. „Diese Renseignements, so fügt Die R publique Francaise hinzu, „sind vollständig genau und Der Minister des Innern kann sich leicht davon überzeugen."
Paris, 29. Aug. In der heutigen Sitzung der Permanenzcommission erklärte der Minister Des Auswärtigen auf Anfrage PayeS-Duport'S, die französische Regierung habe keine Veranlassung, über Die Ergebnisse Der Drei-Kaiser.Zu.sam- menkunft beunruhigt zu fein, Da sie Das vollste Vertrauen zu Der Weisheit hege, welche Die Zusammenkunft leiten weiDe.
Italien.
Rom. „Fanfulla" erzählt, Daß der Ausfall der städtischen Wahlen ans Den Pgpst einen sehr starken EtnDruck gemacht habe, unD zwar einen viel stärkeren, als Dies bei dem Ausgange Der öffentlichen Disputation zwischen Katholiken und
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