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und seine frühere feindliche Haltung Rußland gegenüber ist in der Wandlung zu einer rücksichtsvollen, ja, besorgten begriffen, wenigstens läßt die wiederholte Absendung von Gesandtschaften an den russischen Czaaren, die Herausgabe russischer Gefangenen und die anscheinend freiwillige Wiederkehr aus Khiwa flüchtiger Ktr- gisenhäuptlinge darauf schließen. Und was in dieser Beziehung noch zu wünschen ist, das dürfte wohl durch Die jetzt zur Ausführung gekommene Aufstellung eines russischen ObservationScommando's an der khiwaischen Grenze und die Absendung einer 4000 Mann starken Recognoscirungsabtheilung in das Innere der khiwai- fchcn Steppen sich von selbst ergeben. Die Staaten Central-Asiens können unmöglich das Vordringen der Russen verhindern, früher oder später müssen sie sich dem russischen Reiche, dem Träger europäischer Civilisation, anschließen. Angesichts dieses selbstverständlichen Fortschrittes des russischen Einflusses wird es begreiflich, daß in dem englischen Parlament Herr Jstwik über die englische Diplomatie in Asien Klage erhebt und zur Rettung der englischen Interessen die Neutralistrung gewisser Gebiete zwischen den englischen und russischen Besitzungen in Vorschlag dringt. Dieses Mittel dürfte indessen wenig Aussicht auf Erfolg haben, auch spricht sich die „Moskauer Zeitung" entschieden für Ablehnung dieses und ähnlicher Vorschläge au«. — In Moskau wurde zu Ehren der zur polytechnischen Ausstellung delegirten preußischen Deputation am Tage ihrer Abreise von Moskauer Bürgern in Tiestow's Restauration ein solennes Diner gegeben.
Türkei.
Konstantinopel, 29. Juli. Der Khedive ist heute nach Aegypten zurück, gereist. Der aegyptijche Minister des Auswärtigen, Nubar Pascha, bleibt noch einige Tage hier zurück und begiebt sich sodann nach London. Die Ernennung Midhat Pascha's zum Gouverneur von Adrianopel wird als eine Verbannung desselben angesehen; zum Sekretär des Sultans ist Zia-Bay ernannt worden.
Amerika.
Newyork, 31. Juli. Die Feuersbrunst in Hunters-Point zerstörte 40,000 Faß Petroleum und 10 mit Petroleum geladene Schiffe. — Die heutige Arbeiter- eonvention befürwortete die PräsidentfchaftScandidatur Grant'S.
Das Ofsiciercorps der baierischen Garnison zu Sedan veranstaltete am 20. Juli ein Hunderennen mit Hindernissen. Die Hindernisse bestanden aus einem Graben, emer Bretterbarriere und — einer ausgespannten Leine, an welcher Würste hingen. Dem letzteren „Hindernisse" sollen viele Wettkämpfer zum Opfer gefallen sein. Sechs Sieger erhielten neue Halsbänder und wurden mit buntbebändertem Schwänze im Triumph herumgeführt.
Kleine Ursachen, große Wirkungen. Cs dürfte in Marburg in Steyermark nächstens zu einem Preßpro^effe kommen, besten Veranlassung nichts mehr und nichts weniger ist, als die verweigerte Aufklebung einer Briefmarke. Die Sache verhält sich nämlich so: (Sine Dame kam vor einiger Zeit auf das dortige Filialpostamt uud verlangte eine Fünfkreuzermarke für einen von ihr zu erpedirenden Brief. Der Beamte legte die Marke vor die Dame hin. Allein damit war diese nicht zufrieden, sie verlangte, der Postbeamte solle die Marke aufkleben. Dazu sei er nicht verpflichtet, antwortete dieser. Allerdings gehöre das zu den Aufgaben eines Postbeamten, replicirte die Dame. Es kam zu einem ziemlich erregten Wortwechsel, worauf sich beide Parteien unversöhnt und unbeschwichtigt trennten. Damit war aber die Sache noch nicht abgethan. Wenige Tage später rückte die Dame ihrem ungalanten Gegner mit einem „Eingesendet" in der „Marburger Zeitung" an den Leib, worauf die Antwort, in Form eines anderen „Eingesendet", nicht lange auf sich warten ließ. Immer erbitterter wurde der Federkrieg, immer stärker waren die Ausdrücke, die dabei fielen, bis endlich die Dame wie der Postbeamte die Preßklage wegen Ehrenbeleidigung bei Gericht einreichten. So unbedeutend der Gegenstand auch scheint, bildet er seit Wochen fast das einzige Gesprächsthema in Marburg.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 1- August. Der erste Tag des neuen Monats brachte uns eine Hausse, die im Gegensatz zu der Stagnation und Geschäftslosigkeit des abgelaufenen Monats eine ähnliche Wirkung hervorbrachte, wie der erste frische Luftzug nach langanhaltender niederdrückender Hitze. Die geschäftslustige und animirte Stimmung, welche durch die letzten Nachrichten über den Ausfall der französischen Anleihe noch gesteigert wurde, findet eine weitere Vermehrung in den Semesterabschlüsten verschiedener Institute, deren Resultate als günstig bezeichnet werden. In erster Reihe stehen hier Bank- und Creditinstitute, und wurden die Äctien der österreichischen Ereditanstalt heute bis 354% bezahlt bei großen Umsätzen. Besonders lebhaft und mitunter kolossal war aber der Verkehr in jüngeren Bankwerthen. Obenan steht Deutsche Effectenbank bei 130 und Basler Bankverein, welche beide in enormen Beträgen abgenommen wurden. Sehr gesucht und höher waren auch junge Meininger bei 150 und Frankfurter Bankverein bei 144. Oesterreichlsch-deutsche ging ebenfalls 1 Procent höher. Alte Bankactien sehr fest. Von Bahn- werthen wurde österreichische Staatsbahn trotz einer abermaligen Mindereinnahme von 219,000 fi. durch „höhere Mächte" dennoch vorübergehend bis 354 getrieben, also 1% fl- höher als gestern Abend. In Lombarden war das Geschäft ein sehr limitirteS und blieb der CourS unverändert.
Vermischtes.
Berlin- Die verhängnißvollen Wirkungen der Wohnungsnoth auf die Berliner Universitätsverhältnisse zeigen sich leider immer mehr. Einzelne Studenten fangen bereits an, sich in den der Hauptstadt benachbarten kleinen Orten einzuquartiren. So hört man zufällig, daß ein Schüler des Geheimen Raths Langenbeck sich nach Spandau geflüchtet hat und von dort aus den Arbeiter-Eisenbahnzug benutzt, welcher ihn für 1 Silbergroschen täglich nach Berlin hin und nach Spandau dort zurückführt. Aber zu einer solchen Aushülfe mag nicht Jeder greifen, und so erfährt man denn mit Bedauern, daß von den bisher in Berlin studirenden jungen Leuten Abgangszeugnisse für das nächste Semester in ganz ungewöhnlicher Zahl gefordert werden. In Breslau hat man Seitens des Senats Veranstaltung getroffen, um den Studirenden vacante Wohnungen nachzuweisen. Eine gleiche Fürsorge würde in Berlin nicht genügen. Man wird ernsthaft die Rathschläge ins Auge fassen müssen, welche ein Mitglied der Berliner Universität vor einiger Zeit in der Spen. Ztg. gab, wenn man der steten Verminderung der Zahl der Studirenden vorbeugen will.
Köln. Unter den für den Guß der Kaiser-Wilhelm-Domglocke eingelaufenen Anerbietungen befindet sich, wie wir hören, auch eine aus Metz und eine andere aus Italien gekommene.
* Die Wirkungen der augenblicklich herrschenden hohen Temperatur machte sich kürzlich in eigenthümlicher Weise bemerklich. Eine etwa 2000 Pilger zählende Procession, dic sich vier Stunden weit, singend und betend, nach einem berühmten niederrheinischen Wallfahrtsorte bewegte und eine kolossale Kerze mit sich führte, brachte diese, der Mutter Gottes zugedachte fromme Gabe nicht an Ort und Stelle. Dieselbe hatte den heissen Sonnenstrahlen nicht widerstehen können und war aus einander geflossen.
Bonn, 28. Juli. Wie weit Bosheit und Rache gehen, schreibt die Bonner Ztg., davon liefert ein Vorfall, der sich vor wenigen Tagen am Rheinufer hier ereignete, den Beweis. Ein Vergnüngungs-Reisender aus Dresden, der in Bonn das Dampfschiff verließ, hatte über einen der Schiffskellner, welcher ihn übervortheilt hatte, bei dem Dampsschiffs-Conducteur Klage geführt. Letzterer hatte die Beschwerde begründet befunden uud den Kellner nach der Ankunft in Bonn von dem Schiffe entfernt. Während der Reisende am Rheinufer die Weiterfahrt des Dampfschiffes und die Umgebung unserer Stadt betrachtete, nahte sich ihm der entlassene Kellner, umarmte ihn, indem er that, als wenn er ihm etwas zuflüstern wollte, biß ihm ein Ohr gänzlich ab und spie dasselbe auf die Erde Der erschrockene Reisende nahm sein Ohr von der Erde auf, wickelte es sorgfältig in Papier und begab sich in die Klinik, um es wieder annähen zu lassen. Diese Operation und der Heilungsproceß gingen trefflich von Statten, denn vorgestern schon ist der Reisende, dem die Vergnügungstour natürlich sehr verleidet wurde, nach Dresden zurückgekehrt, um zu Hause die gänzliche Heilung abzuwarten. Der Bösewicht sieht seiner Bestrafung entgegen.
Elisabethbahn ging in Folge mehrerer kleineren Kaufaufträge etwas in die Höhe, während in andern österreichischen Bahnen äußerst wenig resp. gar kein Geschäft war. Deutsche Bahnen leblos, aber fest. Nächst den Banken beschäftigte sich die Börse vorwiegend mit österreichischen Renten, die in sehr großen Beträgen umgesetzt und wesentlich höher bezahlt wurden, eine Folge der französischen Anleihe, denn ein Vergleich mit letzterer läßt österreichische Rente weitaus besser erscheinen. Wa« französische Anleihe selbst betrifft, so waren die Umsätze heute weniger umfangreich und stellte sich der EourS auf 88%. Subscriptionsresultate waren bei 3 Fr. 70 CtS. zu haben. Von sonstigen Staatspapieren waren namentlich süddeutsche Fonds begehrt. Türken gingen bei 51% um und verdanken sie diese kleine Aufbesserung der guten Meinung der Berliner Börse für das kommende neue Türkenanlehen. Loose still.
Bßrgennaciifflchtei!.
1. August 1872.
Preuss. 4%% Obiig. 103
Frankl. 3%% Obi. 87
Nass. 4%% Obi. 99%
Kurhess. 4% „ 93%
Gr. Hess. 5% Obi. 101%
„ n 4% n 98%
1 „ 31/8% , 92%
Bayer. 5% „ 100%
„ 4% O/o 1jährige — n 4% 1jährige 95
Würtemb. 4%% Obi. 99%
Baden 4%% Obi. c. E. L. 99%
Oesterr. Silberrente 66% „ P&pierrente 601/4
Spanier, neuest. 3% 29%
Amerik. Bonds 188ir 99%
„ „ 1882r 96%
„ n 1885r 97%
„ „ 1887r 97%
Actlen.
Frankf. Bank 141%
Frankf. Vereins-Kasae 144%
Darmst. Bankaot. 485%
Wien Bankactien 900
Oest. Creditaot. 355
Galizien 257
Aetfießu 5% östr. F. St. E. B. 353 Lombard. Bahn 219% Ludwigsh.-Bexbaoh 201% Maibahn —
Bayer. Ostbahn 139% Rhein-Nahebahn-Aot. 46 Hess. Ludwigsb.-Act. — Oberhessen „ 81%
Prioritäten.
3% öster. Stsb.-Prior. 58% 3% öst. s. Lombard 51% 3% Livomeser 39% 5% Toscaner 62% 5% Elieabeth.-Prior. 85 do. II. Emlss. 84%
AnieherosSooBe, Darmstädter fl.50Loose 193 n „25 „ -
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fl. 45% Braunschweiger — 3% Oldenburg, ä 40ThIr. 39 40/o bayr. Pram.-Anl. 112% 40/0 badische Loose — Badische fl. 35 Loose 70% Oestr. fl. 250 v. 1854 85% 1858r Prioritätsloose 204 1860r Loose —
W64r „ -
Weehael«
Amsterdam k. 8. 97%
Augsburg k. 8. 99%
Berlin k. 8. 104%
Bremen k. 8. 175%
Brüssel k. 8. 92%
Hamburg k. 8. 87%
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 118%
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 92%
Wien k. 8. 105%
ditto m. 8. 105%
ditto 1. 8. 105%
Dlsconto 4 0/0
Geldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57%—5b % Pistolen . . 9 41—48
„ doppelte 9 41—43 Holl. fl. 108t. 9 53—55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenst. 9 21—22 Engi. Sover. 11 48—50 Buss. Imper. 9 42—44 Dollar in Gold 2 24%—25%
Bilge Meiner Anzeiger.
Versteigerungen.
3619) Montag den 5. l. M-, Vormittags 9 Uhr,
soll auf dem hiesigen Rathhaus das Brechen, Fahren und Schlagen von 30 Cubikmeter Ehaussirfteincn, sodann die Lieferung von 50 Cubikmeter Kies versteigert werden.
Gießen, den 2. August 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Vogt. _______
Vergebung von Lieferungen für die Garnison-Verwaltung Gießen.
3606) Donnnersta«, den 8. August d- I. werden in dem Geschäftszimmer der unterzeichneten Verwaltung nachstehende Lieferungen pro 1872-73 mittelst öffentlicher Submission vergeben:
1) die Lieferung des Bettstrohs Vormitt.
10 Uhr,
2) die Lieferung des Zündholzes Vormitt. 10% Uhr,
3) die Reinigung der Kochherde und der Ofenröhren Vormitt. 11 Uhr.
Die Lieferungs-Bedingungen können täglich von den Interessenten daselbst eingesehen werden.
Gießen, den 29. Juli 1872.
Großherzogliche Garnison-Verwaltung.
763) Photographie-Rah-! men und Goldleisten bei
- Wilh. Balser.
NB. Das Einrahmen von Bildern wird schnell und billigst besorgt.__
685) Liebig's Fleischextract, achtes, von Fray Bentos, und Condenstrte Milch von der Anglo-Swiss Condensed Milk- Comp. in Cham (Schweiz), in frischer Sendung, empfehlen 3- A. Busch Söhne.
3616) Dienstag den 6. d. M., Nachmittags 3 Uhr, soll das Graben eines neuen Brunnens, veranschlagt zu 300 fl., Spenglerarbeit, veranschlagt zu 20 fl-, auf hiesiger Bürgermeisterei versteigert werden.
Wieseck, den 1. August 1872.
Großherzogliche Bürgermeisterei Wieseck.
_____________Lang._____________
Stroh-Lieferung für das Landes- Zuchthaus Marienschloß.
3612) Mittwoch den 15. August l. I., Vormittags 10 Uhr, werden dahier 28 Fuder Roggenstrob, unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen, zur Lieferung öffentlich versteigert.
Marienschloß, den 1. August 1872.
Großh. Landes-Zuchthaus-Direction. 1660) Asphaltmastic-Dachpappe, 1870' Scriba. zu Cassel prämiirt, liefert billigst Lcntze's
__= Leucht-Gas- und Dachpappen-Fabrik in,
Einbeck, Prov. Hannover.________________1
3610) Gute Hauspäne sind zu Der= kaufen bet H. Werner, Kaplansgasse.
3568) Handdreschmaschinen, Futter- schtteidmafchinen, Rübenschncidcr, bei j
E m i l P i st o r.
Fellgebotenes.
Neue Holland. Bollhäringe
Emil Fischbach.
ß Eingemachte Gurken empfehlen I. A. Busch Söhne.
643) Thür - und Grab- fchilder, sowie Klingelgriffe und Taffen werden mit beliebiger Schrift angefertigt bei
Wilh. Balser.
(3611) Dr. Schallert's
Hühneraugenpstästerchen
wieder vorräthig bei Carl Frech.
Beste Qualität Wintcrmalz
(3335) empfiehlt Pittharr.
3609) Ein großer, noch fast ganz neuer Schrank mit Glasthüren steht zu verkaufen ; derselbe würde sich als Ladenoder auch als Wirthschaftsschrank sehr gut eignen. Näheres bei
H. Werner, Schreinermeister, Kaplansgasse 227.
1876) Thürschoner in Crystall und Porzellan bei Wilh. Balser-


