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aus Gründen des anerkannten gemeinsamen Interesses wie der persönlichen Freundschaft.

Diese allein zwar wird durch die bevorstehende persönliche Begegnung bezeugt; aber die Diplomatie der drei Reiche hat sicherlich den Eindruck biese- Ereigntsses zum Voraus berechnet und würde es nicht gebilligt haben, wenn dieser vorhergeseheue Eindruck ihrer Ansicht nicht entspräche: wenn nicht alle Welt darüber aufgeklärt werden sollte, baß jede sriedenSstörerische Absicht einer Eoalition Deutschlands, Oesterreichs und Rußland begegnen würde!

Deutschland.

Darmstadt, 30. Juli. Die sechste Versammlung deutscher Turnlehrer wurde heute im Beisein des Prinzen Ludwig unter dem Vorsitz von Dr. Euler (Berlin) eröffnet. Dieselbe zählte ca. 400 Theilnehmer, darunter 13 aus der Schweiz, 23 aus Oesterreich, 1 aus Frankreich, 1 aus dem Elsaß, 12 aus Berlin. Gleich nach der Eröffnung fand die feierliche Enthüllung des Spieß-Denkmals auf dem hiesigen Simultan-Kirchhofe statt.

Darmstadt, 31. Juli. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnäbigst geruht: am 19. Juli den ordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Landesuniversität Dr. Theodor Langhans auf fein Nachsuchen ans dem Dienste, mit Wirkung vom 30. September 1872 an, zu entlassen.

Berlin, 30. Juli. Wie verlautet, schreibt derRh. Cour.", wird die Entschließung des Kaisers über das weitere Vorgehen gegen den Bischof von Ermeland in nächster Zeit erwartet. Indessen gilt es noch immer für möglich, daß der Cultusminister, dessen Uebereinsttmmung mit dem Fürsten Bismarck außer Zweifel steht, Veranlassung finden würde, sich zu dem Kaiser zu begeben, um die Anträge des Staatsmtnisteriums eingehender, als es in dem Jmmedtatberichte möglich war, zu befürworten.

Der sehr gut unterrichtetenFrk. Pr." entnehmen wir folgende bemerkens- werthe Notiz:Nach der von Völk im Reichstage beantragten und von dem Reichstage bereit- angenommenen Resolution über die obligatorische Civilehe wird diese Frage voraussichtlich bald zu den wichtigsten legislatorischen Ausgaben des Reichstages gehören. Für diese Frage verdient es nun die größte Beachtung, daß das neueste Heft der von Dove und Friedberg herausgegebenenZeitschrift für Kirchenrecht" eine Abhandlung des Professor Schulte in Prag bringt, in welcher dieser tüchtigste Canonist gründlich und ausführlich zeigt, daß die obliga­torische Civilehe auch nach katholischem Glauben (wohlzumerken, auch bet der Lehre von der Ehe als Sacrament und ihrer Unauflöslichkeit) durchaus zulässig sei. Noch mehr fällt aber ins Gewicht, wenn etwa die Herren Jesuiten den Altkatholtken Professor Schulte nicht mehr für eine richtige katholische Autorität gelten lassen wollten, daß der Geheimrath, Professor Bauerband in Bonn, dessen Autorität als katholischen Kirchenrechtslehrer selbst die Jesuiten nicht bemäkeln werden, in dem Jahrgang 1870 desBonner theologischen Literaturblattes" S. 551 ebenfalls die Einführung der obligatorischen Civilehe als nach katholischen Grundsätzen zulässig, unbedingt aber als wünschenswert für den Frieden zwischen Staat und Kirche nachweist."

Wir haben schon zu wiederholten Malen darauf hingewiesen, daß bei dem von der Kirche gegen den modernen Staat heraufbeschworenen Streit schwerlich ein gemeinsames Vorgehen der Mächte zu hoffen ist, daß vielmehr jede Macht für sich, ihrem besonderen Verhältniß zu Bom gemäß, ihre Vertheidigungsmaßregeln s-gcn vtc romrsche Ueberhebung treffen wird. Man hatte freilich gehofft, daß Oesterreich-Ungarn, dessen Ministerium doch durch alle seine Handlungen das Ver­langen nach einem innigen Zusammengehen mit dem deutschen Reich kundgibt, die Gelegenheit des energischen Einschreitens gegen die Jesuiten seitens des deutschen Staates vorübergehen ließ, ohne sich durch irgend welche Unterstützung Deutsch­land zu verpflichten. Um nun in dieser BeziehungEntstellungen oder Mißver- stänvniffen" vorzubeugen, wird dem Vernehmen nach Graf Andraffy in einer nach Berlin gerichteten Darlegung aueeinandersetzen, daß und warum das gemeinsame Ministerium des Auswärtigen sich seither nicht für berufen erachtet habe, in der Behandlung der Jesuttenfrage irgendwie einzugreifen, unter welchen Voraussetzun­gen aber dasselbe zur Action schreiten und zu welchen Zielen es sodann dieselbe leiten werde. Daß man in Wien mit dem Verhalten des Vatikans sehr unzu­frieden ist. geht aus der Nachricht desFanfulla" hervor, der zufolge im Minister- rathe zu Wien beschlossen worden ist, daß für die Zukunft das Haupt der öfter- reichisch-ungarischen Monarchie den Titel kaiserliche und königliche Majestät bei­behalten, dem Titel einerApostolischen Majestät" aber entsagen werde.

Langenschwalbach, 31. Juli. Die Kronprinzessin Margarethe von Italien ist heute von hier nach Ostende abgereist.

Oesterreich.

Aus Wien, 27. Juli, schreibt man derAllgemeinen Zeitung": Der Kaiser kehrt in den allernächsten Tagen nach Ischl zurück und wird, wenn der deutsche Kaiser nach Gastein geht, denselben in Salzburg begrüßen. Im vorigen Jahr fuhr er ihm bis Wels (wo sich die Bahn nach Passau abzweigt) entgegen. Diese Begegnung, im Zusammenhang mit dem Jschler Besuche des deutschen Kron­prinzen, ist ein neues Symptom für die Intimität, wie sie sich immer lebhafter zwischen den Höfen von Wien und Berlin entwickelt und die in dem officiellen Besuch Kaiser Franz Joseph's in Berlin ihre erneute Bekräftigung finden wird. Man wird nicht fehlgehen, wenn man, angesichts dieser wiederholten Begegnungen, der Berliner Reise jetzt eine größere politische Bedeutung als die der bloßen Er- füllung eines Actes höfischer Courtoiste beilegt.

Graz, 27. Juli. Für den 12. bis 17. August ordnete der Fürst-Bischof Zwerger im kirchlichen Verordnungsblatte der Diöcese Seckau zwei große Wall­fahrten nach Mariazell für die Grazer Gläubigen und für die Katholiken des übrigen LandeStheileS an. Der Zweck der Wallfahrt ist,die Erlösung des Papstes aus feinen jetzigen Bedrängnissen vom Himmel zu erflehen." Die Demon- stration wird sehr großartig in Scene gesetzt. Die Geistlichkeit ist unablässig thätig, Tausende von Theilnehmern zu gewinnen. Uebrigens hat der Clexus den Auftrag erhalten, nach Beendigung der Feierlichkeiten an das bischöfliche Ordina­riat zu berichten, wie viele Katholiken in jeder Gemeinde betheiligt sind.

Frankreich.

Paris. DieUnion" enthält folgende wunderliche Note, die ihr, wie ich aus guter Quelle erfahre, von der hiesigen päpstlichen Nunciatur zugegangen ist:Herr v. Bismarck will, um fein Verfolgungssystem zu rechtfertigen, glauben machen,

daß die große katholische Partei Deutschlands gegen die deutsche Einheit consptrlrte. Er denuncirt in seinen Blättern das Oberhaupt der Kirche, als den natürlichen Inspirator dieser angeblichen Arbeit, welche darauf abzielen soll, die kleinen Staaten wiederherzustellen, welche in dem Sturme von 1866 zu Grunde gegangen int>. Es ist außer Zweifel, daß, wenn der Papst ein Urtheil über die Berliner Politik, in so fern es die kleinen deutschen Souverainetäten anlangt, zu fällen hätte, er kein Wort des Lobes aussprechen würde, da Vie Moral und das Recht zu sehr verletzt worden sind; aber nicht ein Wort des heiligen Stuhles ist über die Ereignisse gefallen, welche sich auf der anderen Seite des Rheines zugetragen haben; Pius IX. hat die Berliner Regierung nur bei Gelegenheit der gehässigen Handlungen getadelt, deren Opfer die Katholiken Deutschlands waren. Er ist der gute Hirte, und er konnte denen gegenüber nicht stumm bleiben, die seine Heerde angriffen. Was die große katholische Partei Deutschlands anbelangt, so hat dieselbe keine heiße Liebe für diese Einheit kundgeben können, welche ihr bis jetzt nur Demüthigungen und Beleidigungen eingebracht hat; aber et ist falsch, daß sie eine separatistische Haltung angenommen hat und baß sie an der Wieder­herstellung der durch die Gewalt niedergeworfener Souverainetäten arbeitet. Sie beschrankt sich darauf, ihre auf unwürdige Weise verletzte Rechte und Freiheiten zu vertheidigen. DieCorrespondance de Geneve", deren muthige und beharrliche Aufopferung für die heilige Sache man kennt, war daher nicht wohl inspirirt, als sie die Katholiken Deutschlands als eine große separatistische Partei darstellte. Sie lieferte dadurch Herrn v. Bismarck Beweisgründe und spielte sein Spiel. Der Eifer reicht nicht aus im Dienst einer Sache; man muß geschickt, klarsehend und vorsichtig sein. Der Kanzler hat mit feiner gewöhnlichen Geschicklichkeit die Behauptungen und Ideen derCorrespodance de Genöve" ausgebeutet; die Organe seiner Politik haben mit vollen Händen ihre Beweisgründe daraus geschöpft. Um sich noch mehr Recht zu geben, hat es ihm gefallen, zu behaupten, daß dieCorrespondance de Genöve" sich nur in Folge der Subvention des berühmten Staatssekretärs (Antonelli) halte und daß sie der gewöhnliche Ausdruck seines Gedankens sei. Der Cardinal Antonelli, wir sind ermächtigt dies zu erklären, ist dieser Publication immer fremd geblieben. Die wegen ihrer Absichten, ihrer religiösen Festigkeit und ihres Aufopferungsgeistes der Achtung so würdigen Redacteure derCorrespondance de Genöse" waren durch ein Breve Pius' IX. geehrt worden, dessen Aufmunterungen keinem nützlichen Werk fehlen, aber diese Publication hat weder mit dem heiligen Stuhle, noch seinem Hauptminister die geringste officielle oder officiöse Verbindung. Eine berühmte katholische Zeitschrift, die historisch-politischen Blätter von München, haben mit Entschiedenheit gegen die Beurteilungen derCorrespondance de Genöve" protestirt, aber der Name beL Cardinals Antonelli ist fälschlicher Weise in diese Frage gemischt worden. Die päpstliche Regierung hat fein officielles Blatt mehr, in welchem die irrigen That- sachcn widerlegt werden können; die Berichtigungen sind für die katholischen Journale jedes Mal eine Pflicht, wenn sie die Gelegenheit dazu finden. Herr v. Bismarck kann aus einigen Fehlern, derer, welche er verfolgt, Dortheil ziehen, aber er wird sich nicht rechtfertigen. Die Unklugheit eines Publicisten reicht nicht hin, um Millionen von Menschen in ihrem Glauben zu treffen; der Kanzler sucht Vorwände; er findet deren feine und die Nolle des Nachfolgers wird eine Last auf feinem Namen bleiben."

In Frankreich hat der Erfolg der Subfcription auf die Anleihe jedes andere politische Interesse in den Hintergrund gedrängt, zugleich aber die Köpfe der ohnehin schon exaltirten Franzosen so verdreht, daß man auf eine sofortige , Räumung des ganzen noch von den deutschen Truppen occupirten Terrains hofft. In den von dem Telegraphen gemeldeten im Auslände erfolgten Zeichnungen glaubt man eine Sympathie für Frankreich zu finden, die auch vorhalten würde, wenn die Nation zum Revanchekrieg schreitet. Natürlich gehören die Blätter, welche solchen extravaganten Hoffnungen Ausdruck geben, der äußersten Linken an; Cie der Regierung nahe stehenden Blätter begnügen sich, mit einem gewissen Stolz auf die reichen Hülfsquellen Franfreichs und den daraus sich ergebenden Credit desselben hinzuweifcn.

Paris, 31. Juli. Die Zeichnungen auf die neue Anleihe ergeben, wie endgültig festgestellt ist, 43 Milliarden Francs.

Versailles, 30. Juli. Thiers hat gestern die in der Vertagungscommission von ihm verlangten Erklärungen über die innere Lage abgegeben, und, wie eS heißt, die feste Hoffnung ausgesprochen, daß spätestens in einem Jahre das Gebiet vollständig von den Deutschen geräumt sein ttnrte; im Monat Februar würden vier Departements und die beiden anderen einige Monate später erlöst werden. In der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung kamen die vielbesprochenen LieserungScontracte derRegierung der nationalen Dertheidigung" zur Verhand­lung, bei welchen Gambetta in so weit betheiligt ist, als er den tollsten, unsinnig­sten Abschlüssen seine Unterschrift gab. Es ist aber dabei weniger an Betrug als an grenzenlose Geschäftsunkenntniß und Lüderlichkeit zu denken. So waren vier verschiedene Commissionen und Behörden mit dem Ankauf von Waffen betraut, die einander nicht selten Concurrenz machten. Ja, es kam vor, baß während der einen Commission eine Anzahl Parrot-Kanonen für 36,000 Fr. Angeboten, von vieser aber abgelehnt wurde, eine andere, obwohl ihr diese Thatsache bekannt war, Dafür 75,000 Fr. bezahlte. Auch Gambetta wußte dies und ließ sich trotzdem von Dem Secretär der Commission Mr. Naquet dazu bereden, feine Unterschrift zu geben. Nach einem Telegramm wurde der Commisstonsantrag, welcher einen scharfen Tadel gegen Die Schuldigen enthält, angenommen.

Rußland.

Petersburg, 27. Juli. Das Vorrücken der Russen in Central-Asien be­tätigt sich ununterbrochen. Von dem jüngst in Besitz genommenen Kuldscha, dem Jli- und Turkestan-Gebiete bis zu den Steppen Khiwa's ist ein beständiges Vor­dringen des russischen Einflusses thatsächlich. Die seitens Der chinesischen Regie­rung durch Dsjan-Dsjun-Shun gemachten Ansprüche wegen Herausgabe von Kuldscha müssen erfolglos bleiben, weil der völligen Ohnmacht Der chinesischen Regierung oder richtiger bei ihrem vollkommenen Mangel in jenen Gegenden eS Pflicht Der russischen Regierung ist, zum Schutze ihrer semiojetschen-ki'schen Unter­tanen Die revolutionären Elemente Kuldscha'S in Ordnung zu haben, so wie die feindlichen Angriffe chinesischer und anderer Parteigänger auf Kuldscha durch vor­geschobene Militärposten unmöglich zu machen. Die von Turkestan aus nach Kaschgar unter dem Baron Kaulbarsch entsandte russische Gesandtschaft ist bereits von Jacub Bek, Dem Herrscher dieses Reiches, günstig empfangen worden und die Herstellung guter Verkehrsbeziehungen scheint hier mit Erfolg angebahnt. Der Khan von Khiwa hat in den letzten Jahren auch andere Einsichten gewonnen,

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