Ausgabe 
1.10.1872
 
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ptd6 vretteljährltz 1 ft 12 tt. «tt Bringnlohn. Durch die Post biogen vierteljährig 1 ft 29 ft-

Gießener Anzeiger.

Erscheint täglich, nüi Aus­nahme Sonntags.

Expedition : Lanz lei berg, Lit.'B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Rr. 230.

MMMMi

Dienstag den 1. October

1872.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die Wittwe des Theodor Lotz zu Gießen beabsichtigt, auf dem Grundstücke Flur XVII. Nr. 173, Acker in der Scheppeneck, in der Stadt Gießen eine Firnißsiederei zu errichten.

Es wird dies mit dem Ansügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Plan und Beschreibung auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde offen liegen und daß Einwendungen bei Meidung des Ausschlusses binnen 14 Tagen, vom Tage nach der Ausgabe der diese Bekanntmachung enthaltenden Nummer der Darmstädter Zeitung, bei der unterzeichneten Behörde vorzubringen sind.

Gießen, den 27. September 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. R ö d e r. (4543)

Bekanntmachung, die Ackerbauschule zu Friedberg betreffend.

Der Unterricht in unserer Anstalt beginnt in 2 Abtheilungen am 1. November d. I. und wird von 10 Lehrern ertheilt. Als landw. Fachlehrer bezw. Abtheilungsvorstände sind gewonnen die Herren Dr. Nücker, seither Vorsteher der Ackerbauschule in Reiffenstein und Rückert, seither Lehrer in Rodheim.

Der Unterricht umfaßt folgende Gegenstände:

Wöchentl Stunden.

Untere Abtheilung.

Wöchentl Stunden.

Deutsch ........

4

Herr

Rückert.

Botanik ......

2r

Herr Lehrer Werner.

Schönschreiben......

2

h

Seminarlehrer Wahl.

Physik.......

2

Dr. Uloth.

Geographie.......

2

H

Reallehrer Lang.

Chemie.......

4

Dr. Uloth.

Geschichte.......

2

ff

Lehrer Weinel.

Bau der Hausthiere. . .

2

Dr. Born.

Rechnen........

4

ff

Wahl.

Ackerbau......

v- 4

Rückert.

Geometrie.......

2

ff

Weinel

Obst- und Gartenball . .

1

,, Rückert.

Zeichnen........ 2

Gesteinslehre...... 1

Wöchentl. Stunden.

Lang.

Rückert.

Obere Ab

Thierzucht......

t h e i l u n g.

2 Dr. Nücker.

Wöchentl. Stunden.

Deutsch........

2

Herr

Rückert.

Allgem. u. spec. Pflanzenbau

4

Herr Dr Nücker.

Landwirthschaft!. Rechnen . . Feldmessen, Nivelliren und Plan-

2

ff

Rückert.

Obst- und Gartenbau . . Betriebslehre .....

1 4

Rückert.

i>r. Nücker.

zeichnen......

3

if

Bauaccessist Schnitzel.

Landw. Buchführung . .

1

I)r. Nücker.

Geometrie.......

2

Weinel.

Wiesenbau .....

1

Dr. Nücker.

Physik........

2

ff

Dr. Uloth.

Landw. Maschinenkunde

1

Dr. Nücker.

Chemie........

4

ff

Dr. Nücker.

Thierzucht .....

2

Dr. Nücker.

Zoologie........

2

ff

Rückert.

Volkswirthschaftslehre (

1 Rentamtmann Lindeck.

Botanik........

Thierheilkunde......

2

2

tf

tf

Dr. Uloth. Dr. Born.

Landwirkhschaftsrecht \ '

1

j Kreisasseffor Haas.

Der Ullterricht wird durch Excursionen, Demonstrationen, und mehrere Sammlungen unterstützt. Jeden Abend finden von 79 Uhr Wiederholungs­und Arbeitsstunden unter Aussicht eines Lehrers statt. Aufnahmefähig sind junge Leute im Alter von 1420 Jahren, welche die in einer Volksschule erreich­baren Vorkenntnisse besitzen und mit den practischen Verrichtungen der Landwirthschaft nicht ganz unbekannt sind. Neueintretende werden in die untere Ab- theilung ausgenommen. Die Schüler des Wintercursus 1871/72 rücken in die obere Abtheilung vor, ebenso diejenigen Neueintrctenden, welche durch ein Zeugniß oder eine abzulegende Prüfung als hierzu befähigt erscheinen. Das Verhalten der Schüler in und außerhalb der Schule wird strenge überwacht. Zur Vor­bereitung zur Einjährig-Freiwilligen-Prüfung wird Gelegenheit nachgewiesen. Das Schulgeld beträgt im oberen Cur.us 20 st, im unteren 25 st. Anmeldungen können bei dem unterzeichneten Curatorium erfolgen und werden wegen der räumlichen Einrichtungen möglichst frühzeitig erbeten. Ausführliche, den Lehrplan enthaltende Prospecte sind von den Großherzoglichen Bürgermeistereien, von den Herren Directoren der landw. Bezirksvereine, sowie von uns erhältlich und sind wir zu jeder weiteren Auskunft, gleichwie zur Vermittlung von Wohnungen, gerne erbötig.

Friedberg, im September 1872.

Das Curatorium der Ackerbauschule des landwirthschaftlichen Vereins für Oberheffen zu Friedberg.

Trapp, Liu deck, Haas,

Negierungsrath. Nentamtmann. Kreisassefsor.

Pvlitifcder

T d e i i.

Der neue bayerische Minister der auswärtigen Angelegenheiten.

Herr v. Pfrctzschner stammt aus einer fränkischen Familie und wurde zu Würzburg als Sohn eines verbienttn bayerischen Osficiers geboren, der in den russischen Schneeseldern seine Ergebenheit gegen das Haus Wittelsbach bethä'tigt hatte. Noch als Kind kam v. Pfrctzschner mit seinen Eitern nach München, wo derselbe seine ganze Studienzeit hindurch und noch zwei Jahre nach dem letzten StaatSdiener-Examen sich ununterbrochen aufhielt.

Nicht etwa hohe und höchste Gönnerschaft, sondern der Umstand, vast er in seinem Jahrgang das beste Staatsexamen im ganzen Lande gemocht hatte, ver­schaffte ihm frühzeitig die Stelle emeö Regierungs-Assessors in Ansbach. DoU that er sich im Finanzfach so hervor, daß er bald in's Finanzministerium beru­fen wurde, wo er vom Assessor rasch zum Rath avancirte. Im Jahre 1864 wurde er zuerst Handelsminister, bann war er lange Finanzminister, und jetzt, in der Mitte der fünfziger Jahre stehend, vertraut man ihm die wichtige Rolle des Ministers des Auswärtigen an. Seine in Bayern' ungewöhnlich rasche Carriöre rührt zumeist von seiner großen Gewandtheit im Verkehr und seiner in Bayern seltenen Redefähigkett her, durch die er sich als Ministerialrath im bayerischen Landtag unentbehrlich gemacht und bei vielen Gelegenheiten, z. B. der Münche» ner Industrieausstellung, den Eisenbahnverträgen mtt anderen Staaten rc. hervor- gethan hatte. *

Herr v. Pfretzschner ist vor Allem bayerischer Beamter. Seine Carriöre ! begann erst nach dem Jahre 1848, mit den politischen Bewegungen des deutschen ! Volkes bat er nichts zu thun gehabt. Ausgewachsen tn München, stets lebend in Beamtenkreisen und, obwohl bürgerlicher Herkunft (sein Adel ist Verdienstadel), stets beliebt bei Hofe, gehört er mit se.nem Harzen dem bayerischen Lande und dem bayerischen Königshause. Es ist charakteristisch, daß Herr v. Pfretzschner seiner Zeit nicht einmal dem seligen Großdcutschen Verein angchörte, obwohl die meisten von seinen und Hegnenbcrg's Freund n eifrig an demselben Theil nahmen. Aber so blauwciß auch seine Fahne sein mag er ist ein aufgeklärter Mann und ein durchaus chrenwerther Chararler, der die politischen Nothwendlgketten klar erkennt und der an geschloffenen Verträgen nie ein Jota a'markten wird.

Herr v. Pfretzschner's Ehrenhaftigkeit ist überall im Lande anerkannt, sie zeigt sich im Kleinen in einer fast pedantischen Ehrfurcht vor dem Aw.tSgeheimwß, im Großen in einer Integrität, die auch vor dem Scheine der Benutzung der amtlichen Stellung im persönlichen Interesse zurückschreckt, Beweis, daß der frühere Ministerialrath nie im VerwaltungS.ath der Ostbahn als Regierung-* cowmiffär saß. Diese mehr negativen Tugenden sind begleitet von seltener Schärfe des Verstandes; sein entwickelt.r Sinn für das formelle Recht und sein objektiv leidenschaftsloses Urtheil werden ihn dassuum cuique jederzeit beobachten L|fen, so daß er dem Reiche gibt, was des Reiches ist, und den Ultramou- tonen gegenüber, zu denen er gar keine Hinneigung besitzt dem Staate, was