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Bezug auf die von ihnen gewünschte Evacuation zu gar nichts verpflichtet sind. Wenn wir uns zu Concessionen auf diesem Felde herbeilassen, so thun wir es, weil wir im Grunde viel gemüthlichere Leute sind, als die Herren Franzosen zu glauben sich den Anschein geben, und weil es uns durchaus kein Vergnügen macht, unsere nächsten Zimmernachbarn in dem kleinen Europa zu ärgern, wenn es nicht absolut nothwenvig ist. Sobald unsere Jnteresien hinreichend gesichert sind, wer- den wir den französischen Boden ränmcn und ohne Neid den Franzosen den Spaß lassen, in der einzig guten Gesellschaft, nämlich der ihrigen, zu leben. Die Be- dinguogen aber, unter welchen wir abjiehen werben, denken wir, insofern von den Franzosen eine Aeudcrung der Verträge gewünscht wirb, all-in zu bestimmen, und da« Getose der französischen Presse wirb uns in diesem Vorhaben vielleicht be­stärken, ober nicht zweifelhaft machen.

Deutschland.

Darmstadt, 30. Mai. Nachdem unterm 14. Mai l. I. auch das Groß- herzogliche Eonsulal in Pari» aufgehoben worben ist, sind nunmehr sämmtliche außerdcutscke Großherzoglichc Consulate ausgehoben. Großherzogliche Consulate bezw. Gencralconsulate bestehen nur noch in Leipzig, Hamburg, Frankfurt a. M. und Bremen.

Darmstadt, 31. Mai. Der Rhein, welcher bei Erfelden die Dämme durch­brochen, bedroht die Rheingegend.

Berlin, 29. Mai. Aus Elbing berichten die Elb. Anzeigen:Am Sonn­tag fand in der hiesigen katholischen St. Nicolai - Pfarrkirche bie Annahme der Kinder zur ersten hl. Communion statt. Auch ein Sohn des Herrn Justizraths v. Forckenbeck, des Präsidenten des Abgeordnetenhauses, hatte den Kateckumenen- Unterricht besucht, er wurde aber von Herrn Probst Hoppe von dem Tische des Herrn zurückgewiesen, weil er nicht an bie Unfehlbarkeit des Papstes glauben wollte. Wie wir hören, wirb Herr v. Forckenbeck die Annahme seines Sohnes in Königsberg durch den altkatholischen Pfarrer Grunert bewirken lassen."

Berlin, 30. Mai. Der diesjährige Sommer wird für das Turnen von ganz bcsonbcnr Bedeutung werden. In die kurze Zeit von noch nicht vierzehn Tagen drängen sich verschiedene turnerische Versammlungen und Feste zusammen. Am 30. und 31. Juli wird in Darmstadt die 17. deutsche Turnlehrer-Versamm- lung abgchaltcn und gleichzeitig daselbst bas Denkmal des um das Schulturnen hochverdienten Adolf Spieß enthüllt werden. Vom 3. bis 6. August wirb zu Bonn die Feier des 4. allgemeinen deutschen Turnfestes und wenige Tage daraus zu Berlin die Enthüllung des prachtvollen Standbildes des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn stattfinden.

Potsdam, 29. Mai. Gestern bei der Familientafcl theilte der Kaiser dem Kronprinzen Humbert die Verleihung des Ordens pour le märite an Victor Emanuel mit; der deutsche kaiserliche Kronprinz überbrachte später die Dekoration au den Kronprinzen Humbert.

Codlenz, 28. Mai. Gestern begann der bekannte Proceß gegen den Re­ligionslehrer Beinroth au« Boppard wegen öffentlicher Beleidigung der excommuni- cirten Professoren Dr. Knoodt uno Reinkens vor dem hiesigen Zuchtpolizeigerichte. Der Zuhörerraum war bis zum Erdrücken gefüllt, und vor dem Sitzungssaal so wie aus der Straße hielten sich große Menschenhaufen auf, deren Haltung in Bezug auf Herrn Knoodt nichts Gutes erwarten ließ. Letzterer (Herr Professor Reinkens war nicht bei der Gerichtsverhandlung) beging die Unvorsichtigkeit, gleich nach Vertagung des Processes und Angesichts der drohenden Menge das Gericht«- gebäube zu verlassen. Denn schon beim Heraustreten aus dcm Sitzungssaal wurde Herr Knoodt mit Gebrüll von der Menge empfangen, der Hut wurde ihm ein- geschlagen und er von dem auf ihn einbringenden Pöbel sehr übel behandelt.

Braunschweig, 31. Mai. Friedrich Gerstäcker ist nach kurzer Krankheit heute in der Frühe gestorben.

Göttingen, 27. Mai. DemH. Cour." schreibt man:Nachdem heute Morgen noch eifrig an der Vollendung des Langensalza-Denkmals gearbeitet war, wurden Nachmittags plötzlich die Arbeiten eingestellt. Wie wir hören, ist dies auf höheren Befehl geschehen, weil man bei Ausführung der Denkmals bedeutende Abweichungen von der vorgelegten Zeichnung sich hat zu Schulden kommen lassen, indem die freilich äußerst schlecht gerathenen Köpfe des Königs Georg, seiner Gemahlin und seines Sohne« daran angebracht sind."

Stuttgart, 29. Mai. Im Jnseratentheil des Schwäbischen Merkur erläßt eine Anzahl württewbergischer orthodoxer Geistlicher und Laien einen Protest gegen die unbeschränkte Lehrfreiheit für Prediger, wie die Jenaer Erklärung sie verlange.

München, 30. Mai. Die Frohnleichnamsprocession ging heute in der ge­wohnten Weise von Statten. Der Erzbischof trug das Sanctisfimum; die Be­theiligung der Beamten an dem kirchlichen Scpaugepränge war eine auffallend geringe. Desto zahlrcicher waren die katholischen Bruderschaften und Betvereine vertreten, welche mit lautem Geschrei betend, einander stoßend und drängend das Ende des Zuge« bildeten.

München, 31. Mai. Der Zustand des Ministerpräsidenten hat sich bedeutend verschlimmert und gibt jetzt zu großen Besorgnissen Veranlassung.

Straßburg, 29. Mai. Eine hiesige Correspondenz derFranks. Ztg." theilt mit, daß die beieen Schuldigen an der Mißhandlung des Frhrn. v. Ausseß sich nunmehr entschlossen hätten, sich selbst zu stellen und auf eine Untersuchung des Vorfalls anzutragen.

Frankreich.

Paris, 29. Mai. Das officielle Journal bringt folgende Note:

Das Journal L'Evenement gab in seiner Nummer vom 27. Mai, allerding­unter Vorbehalt, dem Gerüchte Raum, wonach Marschall Dazaine in Versailles nur einer Scheinhast unterworfen wäre und die Erlaubniß hätte, das Haus, wel­ches er Avenue ce Picardie bewohnt, nach Belieben zu verlassen. Die in dieser Hinsicht dem L'Evenement zugegangenen Nachrichten sind vollständig unrichtig.

Gestern wurde in Paris bas Placat angeschlagen, welche« die am 4. Mai in der National-Versammlung von Herrn Auviffret-Pasquier gehaltene Rede ent­hält. Der mit schönen Lettern und auf Befehl der National-Versammlung ge­druckte Mauer-Anschlag hat 25,000 Franken gekostet.

Paris, 30. Mai. Aus Madrid wird gemeldet, baß die durch Serrano mit den Insurgenten in Amoroviela abgeschlossene Convention, welche die zu den Insurgenten übergetretencn Offiziere der königlichen Armee in ihren Chargen und Graden beläßt, große Sensat on errege. Es heißt, daß Serrano, da der König und bie Mehrzahl der Minister die Convention mißbillige, bas Oberkommando nicht behalte, auch daß der Bestand des neuen Ministeriums gefährdet sei, da mehrere Mitglieder nur unter der Bedingung der Ministerpräsibentschaft Serrano'- cingetretcn seien.

Spanien.

Madrid, 30. Mai. General Echague geht heute Abend nach den baskischen Provinzen ab, um Serrano in dem Oberkommando der Nordarmee zu ersetzen. Letzterer wirb im Congrcß Erklärungen über sein Verfahren abgeben.

Frischdäcker ) u Gießen.

Sonntag den 2. Juni- August Noll auf der Mäusburg, Christian Noll Wittwe in der Neustadt und Louis Keil in den Neuenbäuen-

Kirchliche Anzeige

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst.

91m 2 ? Morgens: Pfarrer Landmann

Am - >5un j Nachmittags: Pfarrer Dr. Seel.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 2. bis 8. Juni 1872 besorgt Pfarrer Landmann.

Auszug auü den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.

Getaufte.

Den 26. Mai. Dem Bürger zu Ullendorf a. d. Lahn und Lademeister an der Cöln- Gießener Bahn dahier, Johannes Volk, eine Tochter, Karoline Margarethe Wilhelmine, geboren den 28. April-

Denselben. Dem Bürger und Bäckermeister, Wilhelm Löber, ein Sohn, Wilhelm Christian Karl, geboren den 15. März.

Denselben. Dem Stadtbaumeister dahier, Johannes Stief, ein Sohn, Johann Friedrich, geboren den 20. April.

Beerdigte.

Den 25- Mai. Anna Barbara Hast, geborne Hillebrand, Wittwe des ver­storbenen Bürgers und Kaufmanns, August Gerhard Ludwig Hast, alt 48 I. 3 M- 5 T-, gestorben den 23- Mai,

Denselben. Eine todtgeborne Tochter des Bürgers zu Melbach und Weiß­binders dahier, Philipp Otto, geboren den 24. Mai.

Den 27. Mai- Louise Marie Johanna Karoline Henriette Georgine Möser, des Bürgers und Wirths, Ludwig Möser, eheliche Tochter, alt 1 I. 4 M. 13 T-, ge­storben den 26. Mai-

Den 28. Mai. Karl, ein unehelicher Sohn von hier, alt 13 M-, gestorben den 26. Mai. . ,

Den 29. Mai. Karl Emil Kreiling, des Bürgers und Schneidermeisters, Wilhelm Kreiling, ehelicher Sohn, alt 7 M- 25. T-, gestorben den 27. Mai.

Den 30. Mai. Philipp Jakob Christian Oppermann, Bürger und Friseur dahier, alt 67 I. 4 M. 6 T- gestorben den 28. Mai.

Denselben. Ernst Karl Rühl, Bürger und Buchbindermeister dahier, alt 76 I. 11 M-, gestorben den 29- Mai.

Den 31- Mai. Marie Sophie Karoline Wilhelmine Kröcker, geborne Beinhorn, Ehefrau des Bürgers und Eisenbahnarbeiters, Friedrich Martin Kröcker, alt 59 I, gestorben den 29. Mai- ______________ _______________

Katholische Gemeinde.

Kopulirte.

Den 7. Mai. Clemens August Victor Wirth, Fabrikant zu Oberlößnih, ehelicher Sohn des verstorbenen Notars, Eustachius Wirth zu Mudau; und Louise Katharine Leng, des hiesigen Bürgers und Frachtfuhrenbesitzers, Konrad August Leng, eheliche Tochter.

Getaufte.

Den 5. Mai. Dem Bürger zu Hechingen und Schneider dahier, Otto Kölle, eine Tochter, Mathilde Henriette, geboren den 18. April.

Den 6. Mai. Dem Bürger zu Nieder-Beerbach und Conducteur bei den Ober­hessischen Bahnen, Justus Riehl, ein Sohn, Joseph Anton, geboren den 18. März.

Beerdigte.

Den 15. Mai. Johann Neupert aus Wolfsbach, alt 39 I., gestorb en den 14. Mai.

Den 27. Mai- Marie Anna Dalmart, geborne Klunk, Wittwe des Peter Dalmart, Werkführer dahier, alt 68 I. 8 T., gestorben den 25. Mai.

Allgemeiner Anzeiger.

Besondere Bekanntmachung. Bekanntmachung.

2612) Aus dem städtischen Holzmagazin können neu angefahrene Bohnenstangen, 100 Stück zu 2 fL, an den Tagen Dien­stag , Donnerstag und Samstag, von Mittags 1 Uhr an, bezogen werden.

Gießen, den 28. Mai 1872.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Vogt-

Versteigerungen.

Arbeitsversteigerung.

2654) Montag den 3. Juni, x Vormittags 11 Uhr,

sollen auf dem Rathhause zu Treis an der Lda. die nachfolgenden Arbeiten öffentlich in Accord gegeben werden, als:

1) Steindeckerarbeit an der Kirche, ver­anschlagt zu 136 fL,

2) Wcißbinderarbeit am Schulhause, ver­anschlagt zu 129 fl. 8 fr-,

! 3) Steinfahren, Steinsetzen und Stein­klopfen, veranschlagt zu 157 fl- 20 fr-, ! 4) Grabenarbeiten, veranschlagt zu 66 fl.

10 fn,

5) Planirarbeit, veranschl. zu 66 fl. 40 fr., 6) Chaussirarbeit, n 186 40 7) Steinfahren und Steinsetzen, veran­schlagt zu 246 fl. 40 fr.

Treis a d. Lda., den 31. Mai 1872. Großherzogliche Bürgermeisterei Treis an der Lumda.

I- A. :

L. Hahn, Bezirfsbauaufseher.

2671) Dienstag den 4- Juni, Nachmittags 2 Uhr,

soll in demPfandlocale dahier eineSchwarz- wäldcr Uhr, sowie ein Kasten, meistbietend versteigert werden.

Gießen, den 31. Mai 1872.

Großherzogliches Ortsgericht Gießen.

_______Seminler, Ortsgerichtsmann.

Main - Weser - Bahn.

2672) Es sollen die sämmtlichen Bau­arbeiten excl. der Eisenconstruction zur Her­stellung eines Anbaues für die Billet-