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massenhaft stattfindet, daß die Mehrzahl ohne Beschäftigung bleibt und dem bitter­sten Elende prcisgegeben ist. Das Schreiben warnt daher alle Auswanderer, Chicago als Ziel ihrer Reise zu nehmen.

Frankreich.

Pans. DasUniverS" bringt die Nachricht, daß . Jules Simon an den Erzbischof von Parts ein Schreiben wegen der Proclamation der Unfehlbarkeit gerichtet hat. Das ultramontane Blatt ist wüthend, daß der Minister dieses zu thun gewagt hat, und es verlangt, daß die Kammer nun die Sache in die Hand nehme.Da" jo sagt dasUnivers"Herr Iales Simon sich in die Debatte officiell eingemischt hat, so muß die Versammlung, welche souverain ist, das Auftreten ihres Delegirten im Kultusministerium überwachen und beurtheilen. Es wird eine Gelegenheit für die Majorität sein, zu erklären, daß der Artikel des Gesetzes, welcher von den Freidenkern angerufen wird, nie die Autorität ge­habt hat, die man ihm geben will, und daß er außerdem nicht mehr in Kraft ist. Wir zweifeln nicht, daß die katholischen Deputirten, welche in dieser Be- ziehung die nämliche Meinung haben müssen, wie wir, nötigenfalls die Frage tn Anregung bringen werden."

Paris, 28. April. DieRepublique Francaise" äußert über das Votum des Generalstabscomite's, das sich mit 6 gegen 4 Stimmen gegen die Reorgani- i sation dieses Instituts ausgesprochen hat.Sechs Generale", schreibt sie,haben erklärt, daß im bestmöglichen Generalstabe Alles zum Besten bestellt sei, daß unsere Offiziere nichts zu lernen haben, daß die Organisation des Commando's vollkommen und unsere Armee noch immer die erste der Welt durch ihr Wissen sowohl als ihre Tapferkeit sei." Das genannte Blatt weist darauf hin, daß nicht nur die anderen Völker Reformen in ihren militärischen Einrichtungen etnführen, ja, daß auch Preußen sich dieser Sorge nicht enthoben glaubte.Während wir uns benehmen, als wären wir die Sieger gewesen, arbeitet Preußen, als wäre es besiegt worden. Ganz Deutschland ist in ein großes UebungSlager umgewanvelt, in dem neue Erfindungen geprüft und unablässig Experimente gemacht werden Das alte Kriegsmaterial wird umgeformt; Kanonen, die Kanonen, die uns be­siegt haben, werden als ungenügend erklärt und man sucht neue Typen; das Zünd­nadelgewehr wird bet Seite gelegt und man arbeitet unsere eigenen Chaffepotö um; man versucht neue Manöver, man ändert die Taktik, man beschleunigt die Mobilisirung; man findet, daß acht Tage, um in Frankreich einzufallen, zu viel seien und vier oder fünf dazu hinreichen sollten. Während dieser Zeit genießen wir in Frieden die Früchte unserer Erfahrung, wir verfallen von Neuem in unsere süßen Lieblingsgewohnheiten, überlaffen uns der Führung derselben Männer und glauben genug für unseren Ruhm und unsere Sicherheit gethan zu haben, wenn wir die Dinge gerade auf den Punkt, wo sie am 8. Juli 1870 waren, wieder zurückfübren."

Versailles, 30. April. Genton (wegen Theilnahme an der Ermordung des Erzbischofs von Paris und anderer Geißeln verurtheilt) wurde heute Vor­mittag auf der Ebene von Satory füsilirt. Derselbe starb unter dem Rufe:Es lebe die Commune!" Die Zeitungsnachricht, der zufolge die Rebe davon wäre, die Berathung über die Armee-Reorganisation bis nach der Budgetberathung zu vertagen, wird für unrichtig erklärt.

Italien.

gegangen, als der Bau der Schulgebäude. Bis die Schulgebäude fertig wurden, mußten Lehrer und Schüler in einem öffentlichen Gerichtsgebäude untergebracht werden, wo sich bisweilen Verbrecher eingrsperrt fanden und natürlich auch ge­richtliche Obduktionen in denjenigen seltenen Fällen statt hatten, wo bei verdäch- tigen Todesfällen solche nöthig waren. Es befanden sich dann wirklich Schul­personal und Gerichtspersonal hin und wieder, wenn auch nicht in derselben Stube, so doch unter demselben Dache, aber bloß, weil die Schule die Gastfreundschaft des Gerichts genoß und nicht umgekehrt. Von einem Bewachen der Arrestanten durch die Lehrer konnte selbstverständlich nie die Rede sein, und wenn der Unter­richtsminister ein eigenes Schulgebäude anzuweisen vermochte, dann hörte ohne Circular, ohne weitere Verfügung das Zusammenarbeiten von Schule und Gericht unter Einem Dache von selbst aus.

Odessa, 27. April. Der Oberpolizeimeister verbot allen Arbeitern, an den morgen beginnenden Feiertagen auf den Straßen in großen Haufen sich anzu­sammeln. Die Arbeitgeber und Herrschaften wurden verflichtet, die Dienerschaft zu Hause zu halten. In den Straßen werden starke Patrouillen gehen. Diese Maßregeln wurden ergriffen, um eine Wiederholung der vorjährigen Iudenkrawalle zu verhüten.

Riga, 28. April, Morgens. Armitstead Mitchell's große Dampfsägemühle ist in der vergangenen Nacht total abgebrannt. Der Schaden ist ein sehr be­trächtlicher.

Verwischtes.

Darmstadt. Das hiesige Schwurgericht hatte sich am 26. und 27. April mit einer Anklagesache wegen Mords zu beschäftigen. Die Anklage ging dahin, daß die 25jährige Barbara Stürmer, geb. Stock aus Rodheim, zuletzt in Klein-Stein- heim wohnhaft, ihren Ehemann nut Ueberlegenheit und in der Absicht, ihn zu lödten, am 25. Febr. d. I. in der Nähe von Klein-Steinheim in ein etwa 10 Fuß tiefes Wafferloch eines Steinbruches gestoßen und dadurch dessen Tod ver­ursacht habe. Die Beschuldigte, welche mit großer Dreistigkeit auftritt, betrieb das Geschäft einer Lumpensammlerin, während sich ihr Mann redlich und brav als Steinbrecher ernährte. Das Leben der beiden Ehegatten war ein höchst un­glückliches, da die in schlechtem Rufe stehende Frau der Völlerei und Unzucht im hohen Grade ergeben war und in ihr daher, nach verschiedenen Drohungen zu I schließen, der Gedanke reis wurde, ihren Mann aus der Welt zu schaffen. Die Angeklagte gibt bei der Verhandlung nur zu, mit ihrem Manne in Streit ge- rathen zu sein, in Folge dessen sie ihm einen Stoß versetzt, der gegen ihren Willen den Tod des Unglücklichen durch Ertrinken herbeigesührt, während sie in der Vor­untersuchung nach anfänglichem Leugnen zugestanden hatte, daß sie aus Wuth darüber, daß ihr Mann sie geschimpft, denselben in das Wafferloch gestoßen, um ihn los zu werden, daß sie aber sofort versucht, ihn wieder durch eine Stange zu retten. Letzteres scheint indeß in feiner Weise der Fall gewesen zu sein. Die umfangreiche Zeugenvernehmung bot ein scheußliches Bild Der höchsten Rohheit und moralischen Verkommenheit der Angeklagten, wie überhaupt die ganze Ver­handlung überreich an scandalosen Momenten war. Trotz der mit großem Ge­schick geführten Vertheidigung des HofgerichtSaevokaten Ohly sprachen Die Ge- schworenen nach einer Berathung von etwa 10 Minuten Das Schuldig wegen MorDeS aus, worauf der Gerichtshof gegen die Angeklagte die Todesstrafe er-

Ueber Den Umfang des Unheils, welches die tückischen Mächte des Vesuvs anaerichtc! haben, läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Niemand kennt mit Gewißheit die Zahl der Personen, welche, von der Erhabenheit Der Naturerschei­nung ungezogen, sich allzu sorglos Dem treulosen BoDen anvertraut haben. Der­selbe wich an einer Stelle, wo NiemanD Deß gewärtig sein konnte, den unter ihm wühlenden feurigen Massen, nämlich in Der Nähe Des Observatoriums, in welchem Professor Palmieri Die Regungen Des Ungethüms überwachen sollte. Wenn Mi- nisterpräsiDent Lanza gut unterrichtet war, so hätten etwa 200 Menschen Den ToD unter glühender Lava gefunden. In Neapel wußte man indessen nichts von einer bestimmten Zahl. Man vermißte mehrere Fremde in den verschiedenen Hotels und sprach von etwa 60 Verunglückten. Der Schrecken ist allgemein, Da Die Eruption furchtbare Dimensionen angenommen hat. Die Lava ist bis San Se­bastiano vorgedrungen und Die Flecken San Giorgio, Cremano, Torre Annunciata unD Torre Greco sehen sich von Dem Schicksale von Pompeji unD Herculanum bedroht. Der König schickte seinen Adjutanten auf Die Stätte des Unglücks, Lanza und Castagnola werden in Neapel erwartet.

Neapel, 28. April, Nachts 12 Uhr. Der Aschenregen dauert fort, der Vesuv ist ganz eingehüllt und mit den Augen gar nicht wahrzunehmen. Das unterirdische Getöse macht sich in einzelnen heftigen Detonationen bemerkbar.

Neapel, 29. April, 2% Uhr Nachmittags. Der Vesuv zeigt unter Blitzen uno ErDerschütterungen elektrische Erscheinungen, welche Entsetzen in Der Bevölkerung verbreiten. Hier fällt Sandregen. In Massa unD Somma regnet es Lavaschlacken.

Spanien.

Madrid, 29. April. Die Carlisten erlitten mehrere Niederlagen. Aus Der Provinz Saragossa wurDen sie vertrieben.

England.

London, 29. April. Gladstone und Granville theilten Den Parlaments- Häusern mit, General Schenck habe auf Die Anfrage Granville'S geantwortet, er erwarte heute Das Eintreffen Der Antwort des Staatssekretärs Fish.

London, 30. April. Einem Telegramm DerTimes" aus PhilaDelphia zufolge wurde General Schenck instruirt, Lord Granville anzuzeigen, Daß Amerika, falls EnglanD von vornherein gegen Das Princip Der Erhebung tnDirecter SchaDen- ansprüche sich entscheiDe, solchen Beschlüssen beistimmen wolle. Das Schiedsgericht werde die indirekten Ansprüche solchenfalls nicht discutiren. Amerikas Gegenschrift bleibe unverändert, obschon das obige Arrangement die direkten Ansprüche unwirk­sam mache. Es heiße, daß England den Vorschlag annehmen werde.

Rußland.

Petersburg, 25. April. Mit der aus derOstsee-Zeitung" auch in andere Blätter übergegangenen Notiz, wonach in Schullokalen während des Schulunter­richtsLeichensectionen" vorgenommen und außerdem Verbrecher und Vagabunden untergebracht und gar von den Lehrern bewacht worden sein sollten, hat es fol­gende Bewaudtniß: In manchen Gegenden ist das Schulwesen rascher vorwärts

kannte.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 30. April. Israelitische Feiertage, schlechte Berliner Nachrichten, Mangel an Brtheiligung seitens des Privatpnblikums, alles wirkte zusammen, um der Börse an­haltend das Gepräge der Schwachheit zu geben. Auch heute war es wieder Berlin, das auf daS hiesige Geschäft tnsiuirte, während Wien relativ fest kam. Zwar hatte das Geschäft in Specu- lationSeffecten lebhaftere Färbung, was schon an den verschiedenen Schwankungen der Course zu bemerken war; im Ganzen mußten die Preise aber doch wieder unter dem gestrigen Niveau blei­ben. Die zahlreichen Bianco-Verkäufe hier und in Berlin drücken eben doch zu stark. Auch die günstigeren Momente, die io letzterer Zeit wieder für österreichische Bahnen sprechen, blieben un­beachtet und eS fand fast gar kein Geschäft auf diesem Gebiet statt, da Käufer total mangeln. DaS Gleiche gilt von Banken. Die Courie fast sämntlicher Gattungen konnten nicht Stich halten. Am besten hielten sich die alten Werthe dieser Kategorie, wie Darmstädter und Mei­ninger, während dagegen österreichische Nationalbank etliche Gulven nachgeben mußte und bei 871 gehandelt wurde. Prioritäten und Pfandbriefe still. In ruhigem und festem Verkehr bewegte» sich Staatspapiere, wie österreichische Silberrente und süddeutsche Fonds. Loose st ll, da heute jene Elemente fehlten, welche dieses Gebiet sonst besonders gern zu cultiviren pflegen. 1860et Loose waren etwas gefragt, ohne jedoch den Eours zu ändern. Genueser und Oldenburger, sowie Köln Mindener gekauft. Die Nachbörse brachte für SpecuIationSwerlhe wieder höhere Course, in Folge günstiger politischer Nachrichten. Creditactien 347 nach 344*/, und Staatsbahn 385 nach 383V2-

84

Oberhessen

4%

983/4

3V2% 92i/2

Bayer. 5%

1003/8

Amerik. Bonds

1887r

975/8

Stadt Florenz

1881r 993/4

1882r 957/s

1885r 971/8

Oeatr. 1858r 1860r 1864r

fl. 250 v. 1854 84 Prioritätslooee 195 Loose

Borstflnachrichten.

30. April 1872.

Aetien.

Frankf. Bank 1425/8

Frankf. Vereins-Kasse 138

Darmst. Bankact. 462

Wien Bankactien 874

Oest. Creditact. 345

Galizien 264

AelleE.

5O/o östr. F. St. E. B. 384

Lombard. Bahn 2077z '

Ludwigsh.-Bexbach 204

Maxbahn 116

Bayer. Ostbahn 1483/< Rhein-Nahebahn-Act. 49

Hess. Ludwigsb.-Act. 180

Prioritäten.

30/0 öster.Steb.-Prior. 59V4 3°/0 öst. s. Lombard 501/4 30/0 Livorneser 40i/< 50/0 Toscaner 62

5% Elisabeth.-Prior. 837/e do. H. Emiss. 823/4

Anlehen*loo*e.

Kurh. 40 Thlr. Loose 713/4' Nassau 25 fl. 423/4 Braunschweiger 2 M/8 30/o Oldenburg, ä 40Thlr. 393/4 40/g bayr. Pram.-Anl. 1121/2 Ansbacher 7 fl. 4% badische Loose Badische fl. 35 Loose 70

41/2 0/0 1jährige 100

40/g 1jährige 953/« Würtemb. 41/2% Obi. 995/8 Baden 41/30/0 Obi. 0. E. L. 100 Oesterr. Silberrente 63%

Papierrente 57i/2 Spanier, neuest. 30/0 281/2

Geldsorten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. lOSt. 9 5355 Ducaten . . 5 3335 20 Frankenst. 9 2122 Engi. Sorer. 11 4850 Russ. Imper. 9 4042 Dollar in Gold 2 261/,271/,

Preuss. 473% Oblig.

Frankf. 3V2% Obi. 88 Nass. 41/2 °/o Obi. 993/4

Kurhess. 4% 93>/r Gr. Hess. 50/0 Obi. 1033/4

ll eeiieel.

Amsterdam k.

S. 98V«

Augsburg

k.

S.

99</4

Berlin

k.

8.

1O470 96-/4

Bremen

k.

S.

Brüssel

k.

8.

933/4

Hamburg

k.

S.

87 7fl

Leipzig

k.

8.

105

London

k.

8.

1181/3

Lyon

k.

8.

Paris

k.

8.

933/4

Wien

k.

8.

104

ditto

m.

8.

104

ditto Disoonto

1.

4 °/c

8.

1037a