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Derwaltungsrathes, Präsident von Erlanger, Vlcepräsident Fürst Isenburg-Wäch­tersbach, Graf Solms-Laubach, Baron v. Bethmann, W. v. Erlanger, Königs- Wärter, Geil, Lang, Prinz zu Sachsen-Weimar. Ob der Großherzog von Hessen das Fest mit seiner Gegenwart beehren wird, ist noch unbestimmt. Der Festzug wird um 1 Uhr Mittags hier eintnffen, die Rückfahrt wird um 6 Uhr Abends erfolgen. Die Bewilligung der Kosten für das Fest ist eine derartige, daß dasselbe in großartigster Weise ausgeführt werben kann. Don Gießen aus begleitet den Zug ein MusikcorpS. $0

Fulda 25. August. Der zur Eröffnung der oberhefsischen Bahn veran- staltete Festzug ist um 12 Uhr hier eingetroffen. Die Theilnehmer wurden von den Spitzen unserer Behörden begrüßt. Das große Festbiner findet in der Walhalla" statt. Die Straßen sind stellenweise beflaggt.

Kassel, 24 August. Der Minister des Innern hat die Negierungen ange- wiesen, außer den im Reglement vom Jahre 1835 enthaltenen sanitätS-polizeckichen Vorschriften noch besonders folgende Maßregeln gegen die Cholera den OrtSbe- Hörden dringend zu empfehlen: strengste Überwachung der Wochenmärkte und Verkaufsstellen in Bezug auf unreifes Obst und schlechte Nahrungsmittel, durch- gehende gründliche Desinfektion und Reinigung der Höfe, tägliche Desinfektion und möglichst oftmalige Entleerung aller Aborte, Dunggruben, sowie Reinigung aller Gruben und Plätze, tägliches Ausspülen der Rinnsteine mit Wasser, (wäre auch in Gießen sehr zu wünschen), Ernennung von Commissionen, welche täglich diese Desinfektionen und Reinigungen entweder streng überwachen oder selbst aus- führen; Bereithaltung geeigneter Persönlichkeiten zur Pflege etwaiger an der Cholera Erkrankter und Einrichtung von Lokalen zur Aufnahme der Letzteren; Zusawmentreten der Sanitäts - Commissionen, Beförderung der Einrichtung von Suppenanstalten für die Armen.

t Berlin, 23. August. Der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt Berlin entwickelt bekanntlich in der Fürsorge für das Wohl der steuerbedrückten Einwohner eine Eigenart, welche bereits zum Kinderspott geworden ist und es zweifelhaft er- scheinen läßt, ob man sich über die naiven Ungeschicklichkeiten der bezopften Väter der Stadt mehr wundern, oder die hauptstädtische Misere, in welche die Welt- weisheit der Herren vom Rathhause die unglücklichen Bewohner der ersten Stadt im deutschen Reiche getrieben, beklagen soll. Der grenzenlose Bureaukratismus und der Buchstabenglaube, der sich überall im städtischen Collegium breit macht und jede freiere zeitgemäße Strömung hemmt, kann natürlich nie zu einem er­sprießlichen Resultat führen und wo es sich um eine schnelle Wahrnehmung des öffentlichen Wohles handelt, sieht man denn auch die Herren mit der güldenen Kette schneckenhaft hinterherhinken, um in vollster Consequenz immer erst dann den Brunnen zuzudecken, wenn das Kind, d. h. die Bürgerschaft, darin ertrunken ist. Deshalb wundert man sich hier auch gar nicht, wenn heute der Magistrat cs mit höchster Indignation zurückweist, daß man ihm die menschenfreundliche Absicht imputirte, der zum 1. Oktober finster drohenden Wohnungsnoth schon j^tzt näher getreten zu sein, deshalb erträgt man es als etwas ganz Natürliches, wenn trotz der herannahenden Cholera die Präventivmaßregeln sich noch in embryonischem Zustande befinden und die antediluvianischcn Rinnstein-Ausgüsse durch ihre Mias- men die Atmosphäre so stark vergiften, daß eine entschiedene Gefahr in diesen Zu- ständen liegt. In größtem Maße bewegt aber ist die Einwohnerschaft von Berlin durch die entsetzlichen Details, welche eine hiesige Zeitung über die Verwaltung des städtischen PockenhauseS ans Tageslicht brachte. Prof. Dr. Virchow hat sich als Stadtverordneter dieser skandalösen Affaire angenommen, und ihm ist es wohl mit in erster Reihe zu danken, daß der Magistrat durch die Einleitung einer um- fangreichen Untersuchung dem allgemeinen Schrei der Entrüstung gerecht zu werden sich bemüht. Und hierbei werden - leider die Anklagen gegen die Verwal- tung des PockenhauseS nicht nur in allen Stücken bestätigt, sondern die Aus­sagen der Vernommenen geben noch so viel neues Material, baß man kaum für möglich halten sollte, wie dergleichen Zustände in der deutschen Kaiserstadt Berlin im Jahre 1871 möglich sind. Nach übereinstimmenden Aussagen hielt sich der einzige consultirenbe Arzt täglich höchstens eine halbe Stünde in dem mit durch- schnittlich 400 Kranken belegten Lazareth aus; die ReconvaleScenten bekamen den Arzt für gewöhnlich nach ihrer Entfernung aus dem Saale der Schwerkranken nicht mehr zu sehen. Die empörende Behandlung der Schwerkranken mit Zwangs- jacke und Leibgurten wird von allen Vernommenen bestätigt.Wurde in unserem Saale Jemand des Nachts eingefchnallt so sagt einer der Zeugen aus was allerdings fast jede Nacht geschah, damit der Wärter im anstoßenden Zimmer seine Ruhe hatte, dann war eS mit dem Schlafen vorbei; kein Mensch kannte vor dem Gewimmer des Unglücklichen ein Auge zumachen. Die Einrichtung des Locals wird in drastischer Weise geschildert. In dem Pcckenhause, das mehr als jedes andere Lazareth der frischen, gesunden Luft und der Reinlichkeit bedarf, ge­hört Wasser gewissermaßen zu den Luxusartikeln, weil die Kosten für Einführung der Wasserleitung gescheut wurden. Aus demselben Grunde erklärt sich das Fehlen von KlosetS in den Sälen der Schwerkranken und auf den Fluren. Der Abort befindet sich aus dem Hofe und wem die Promenade bis dahin unmöglich ist, der ist auf das Nachtgeschirr unter feinem Bette angewiesen, das nun höchst selten und auch dann nur unter bezüglichen Redensarten der Wärter geleert wird. Während der Nacht sind die Kranken in sämmtlichen Sälen auf einen mitten im Zimmer stehenden Eimer angewiesen. In einer Nacht stellte sich ein vermehrtes Bedürfniß heraus, uns der Ueberfluß des Eimers verbreitete sich in einer pestilenzischen Rlnne durch das Zimmer. Der Wärter wußte sich aber zu helfen, er erschien Morgens mit einem leeren Eimer, nahm den Kaffeetopf von dem nächsten Krankenbette, schöpfte mit diesem unter pöbelhaftem Schimpfen über dieSchweinerei" den Un­rath über, schwengte den Topf nothdürftig mit Wasser aus und Nachmittags erhielt derselbe Kranke in demselben Topf feinen Kaffee. Fast unglaublich klingt es, und dennoch ist es, wie alles Vorstehende actenmäßig con- statrrt, daß im ganzen Pockenlazareth nur eine einzige Diät verabfolgt wird, daß die im heftigsten Delirium Liegenden zu M ttag ebenso gut ihre Kohlrüben be­kamen , wie die ReconvaleScenten, man sollte eS kaum glauben, daß in einer Krankenanstalt unter der Aegide des HauSoaterS ein Kalefactor umhergeht, um die Wünsche der Kranken nach kräftigerer Nahrung, nämlich auf eigene Kosten, zu befriedigen. Das erklärt sich nur aus der nach jeder Richtung hin unzureichen­den Verpflegung, obwohl jeder Kranke pro Tag 15 Sgr. Kur- und Verpflegungs­kosten zu zahlen hat, vie nach der Entlassung mit unnachsichtiger Strenge einge­zogen werden. Eines Tages wurde mit der Einsammlung dieses privaten Ver­pflegungszuschusses ein Sträfling der Stadtvoigtei beauftragt, der mit dem Gelde entwich und den Kranken das Nachsehen ließ. Alles das ist nur möglich dadurch, daß die Hofpitaalen durch die ReconvaleScenten von jeder Verbindung mit der

Außenwelt abgeschnitten sind; mit ihren Verwandten und Freunden können fie nur brieflich communiciren und was letztere ihnen an Lebensmitteln re. zustellen wollen, muß durch die Hand des Hausvaters gehen, der sich selbstverständlich nur gegen Entgeld zu diesem Liebesdienst bereit finden läßt. Befragt, warum fie gegen eine so abnorme Verwaltung nicht sofort Widerspruch erhoben, erklärte die größere Anzahl der Vernommenen, daß sie dadurch ihr LooS nur noch verschlechtert haben würden; Thatsache fei ja, daß die Folge eines solchen Protestes die mehr- tägige Refüsirung der Gaben seitens der Verwandten durch den Hausvater ge­wesen sei. Bemerkenswerth ist, daß viele der Vernommenen die Schuld der Wär­ter mit der Aussage zu mildern suchen, nicht diese, sondern die Verwaltung im Allgemeinen trage die Verantwortung für die schlechte Behandlung der Pocken- hauS-Hospitanten, denn es sei eben nicht möglich, daß 40 Wärter, auf Tag und Nacht vertheilt, den gerechten Wünschen der durchschnittlich 400 Köpfe starken Belegschaft nachkommen können. Der Magistrat wird demnach aus der Unter­suchung nicht besonderen Vortheil ziehen und die Provinzen werden mit Fingern auf dieStadt der Intelligenz" zeigen, in deren Mauern sich ein osficieller Act moderner Barbarei abspielen darf, die an die verwildertsten Gegenden Kaschubiens oder der Walachei erinnert.

t Berlin, 24. August. Um den Reigen der Arbeitseinstellungen zu er­weitern , wollen auch die Schornsteinfeger und die Waschweiber striken. Letztere beabsichtigen dadurch, die ihnen neben der Beköstigung gewahrte durchschnittliche Löhnung von 1520 Sgr. aus 2025 Sgr. täglich zu erhöhen, die Schorn- steinfeger dagegen verlangen die Aufhebung der vor wenigen Jahren auf auSdrück- liches Begehren gewährte Gewerbefreiheit und die Wiedereinführung der Zwangs- kehrbezirke. Wie sich doch die Zeiten ändern.

DerD. R.-A." publizirt die Ernennung des bisherigen Geschäftsträgers und Generalkonsuls für die Republik Mexiko, Legationörath Dr. v. Schloezer, zum außerordenllichen Gesandten und bevollmächtigten Minister des deutschen Reiches bei den Vereinigten Staaten von Amerika. Der frühere Gesandte, Frhr. v. Gerolt, ist bekanntlich zur Disposition gestellt.

Berlin, 24. August. Cholerafälle sind bereits vier in Berlin constatirt worden, von denen zwei einen tödtlichen Ausgang hatten. Auch in Elbing ; jetzt die Cholera ausgebrochen. Nach dem lrtzten Königsberger Cholerabericht sind am 22. August beim Polizeipräsidium angemeldet: erkrankt 90 und gestorben 44 Personen. Am 18. August, dem Jahrestag der Schlacht von Gravelotte, hat der Kaiser in Gastein ein großes Militär-Avancement vollzogen. Wir ent­nehmen demselben u. A. die Beförderung des Prinzen Ludwig von Hessen und des Commandanten von Frankfurt a. M., Generalmajor v. Rauch, zu General­lieutenants.

Potsdam, 24. August. Das deutsche Kronprinzenpaar ist heute morgen ?i/2 Hör hier eingetroffen.

Speyer, 23. August. Der hiesigeAnz." meldet, daß Herr v. Pfeufer gestern Abend sich auf seinen neuen Posten nach München begeben hat. Der Stadtrath hat denselben gestern noch zum Ehrenbürger ernannt. Zur Verherr­lichung seines Weggangs war die Hauptstraße prächtig illuminirt.

Straßburg, 23. August. Aus Mühlhausen erfährt dieStraßb. Ztg.", daß der neue Municipalrath installirt ist und Herr Rentner Schön die provisorische Führung der städtischen Verwaltung übernommen hat.

Paris, 25. August. Nach seiner Rede in der gestrigen Sitzung der National­versammlung begab sich Thiers in ein an den Sitzungssaal grenzendes Zimmer, , um seine Demission schriftlich zu geben; er wurde jedoch hieran von mehreren De- putirten gehindert. Heute herrscht noch eine ziemlich bedeutende Erregtheit in den parlamentarischen Kreisen. Die Mehrzahl der Deputirten aller Parteien find von versöhnlichen Entschlüssen beseelt und entschlossen, die Erneuerung ähnlicher Zwischen­fälle zu vermeiden. In Bezug auf die Prorogationsfrage ist fast eine vollständige Uebereinstimmung erzielt. Wie dieAgence Havas" meldet, wird Herr v. Arnim morgen in Versailles erwartet, um die Verhandlungen über die Zahlung der Kriegskosten und die Räumung der vier an Paris gränzenden Departements dort wieder aufzunchmen. Man hofft, daß die Räumung Ende dieses Monats erfolgt. Das Gerücht von Unruhen in Lyon wird dementirt.

Paris, 25. August. Die meisten Journale bedauern übereinstimmend die gestrigen Vorfälle in der Nationalversammlung. Ein Versailler Artikel diS Journal des Debats" beklagt, daß Thiers nicht sofort zu Anfang der Sitzung erklärt habe, die Regierung acceptire das Amendement Ducrot'S, da alsdann eir< Verständigung mit der Majorität leicht gewesen wäre.

Aufruf.

Die großen Erinnerungstage kehren einer nach dem andern wieder. Wr durchleben von neuem die gewaltige Zeit, von neuem werden die Herzen tief be­wegt; der Siegesjubel drängt sich in die Tagesarbeit hinein, und die (Srinneruti) an die lieben Todten eilt hinaus, mit frischen Kränzen die Gräber der Helden jii schmücken. Wie könnte es auch anders sein! Furchtbar war der Kampfblutig aber herrlich der Steg ruhmvoll Cer Friede.Für solche Barmherzigkeit deL Herrn zu danken und das neu geschenkte Gut des Friedens in aufrichtigem urv demüthigem Geiste zu Seines Namens Ehre zu pflegen, ist unsere gemeinsave Aufgabe." So lautete unseres Kaisers Wort. Jeder, der unser Vaterland lieb!, ist verpflichtet zur Mitarbeit an ihrer Losung. Dazu gehört gewißlich die arS freiem Antriebe unserer Nation hervorgehende Einführung eines alljährlich wieder- kehrendenwahren Volksfestes zum Andenken an vie Großthaten des letzten Kriegs und die Wiederausrichtung des deutschen Reiches", wie es unserem theuern Kaisir eine ungemeine Bcfriedigung gewähren" würde. Schon das Alterthum kann« die Bedeutung solcher Feste und pflegte fie; wir Alle sind davon überzeugt. Ab« keine Zersplitterung! An demselben Tage ein großes nationales Volksfest zrr Nährung des Feuers der Liebe zum Vaterlanve, des Geistes der Einheit und d« Kraft. Nord und Süd reichte sich die Bruderhand zum Riesenkampfe, ganz Deutschland stand da, schlug drein wie ein Mann. All-Deutschland sei nun anh eins in seiner Freude, in seinem Dank!

Die Stimmung neigt immer mehr zur Mahl des 2. Septembers hl". Entscheiden wird uns Alle für diesen Tag. Alljährlich brause an diesem Tage Sieges- und Dankesjubel durch alle Gauen unseres Vaterlandes, auf daß jtotc Deutsche sich sagen kann: Heute feiern mit mir alle Millionen im deutschen Later- lande, Alle reichen mir die Bruderhand, und Alle geloben:

Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Noth uns trennen und Gefahr!"

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