Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen
Nr. 222
Sonntag den 24. September
1871
23. September.
und pro gradu doctoris ist, wie für tie übrigen philosophischen Fächer, hier
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Preis tluieijä^rig 1 fi. 11 kr mit ^rtvgnlohn. Durch die Post bezogen Vierteljahrs 1 K. 27 kr.
Wlien, das chemische, physikalische, botanische, mineralogische vnD physiologische, •n Studirenden offen stehen. In dem botanischen Carlen ist eine eigene land- ^rlhschüstliche Aötheilung. Alle übrigen UnioersitätStisciplinen sind ja ebenfalls «ich rem studirenden Landwirth, soweit er sie zur (Gewinnung einer allgemein d'isenschastlichen, historischen und pol tischen Bildung treiben will, jederzeit zugäng- HL; desgleichen ist außer dem Forstinstitut auch noch eine sehr vollständig aut- liiaUfk Deterinäranstalt mit der Universität verbunden. Zur Ablegung von »iit jungen specieü im Fache der Landwirthschast als kameralistischem Gegenstand
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- , , --------i- i-r— Was die praktische AuS-
bildunq der hier studirenden Landwirthe betrifft, so befinden sich sowohl in der jle A I Al h1 h M •/ rx \ * — X _ _ L f - ! z”"*- < • «
Erscheint täglich, mit Äirs nähme Montags.
Expedition: Eanzleiberg Ltt. B. Nr. 1.
t Nicht der Continent allein, sondern auch England ist augenblicklich von der socialen Bewegung in einer Weise ergriffen, die auf die gesummten Jnstitu- tionen des Inselreiches von tiefgreifender Wirkung sein muß. Die Forderungen des L>ocialiSmuS: Verpflichtung des Staates, puffende Beschäftigung für die arbeitsfähigen und ausreichenden Unterhalt für die arbeitsunfähigen Bürger zu ge- wahren, werden allerorten laut erhoben, und die Massen setzen sich dafür überall in Bewegung, zumal in London, dem Sitze der Internationale, wo sie von un- zveifelhaft talentvollen Leuten geleitet werden. Was kann unter solchen Umständen natürlicher fein, als daß eine besonnene und einsichtsvolle Regierung, wie diejenige, au deren Spitze Gladstone steht, darauf ist, Pen arbeitenden klaffen Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, und sie nicht weniger als die übrigen Stände für Vic öffentliche Ordnung zu interessiren. Selbstverständlich hat die Haltung des eng- lischen Premiers, der sich durch seine praktischen Gesetzentwürfe bereits eine gewisse Sympathie bei den Massen erwarb, nicht den Beifall bei der Londoner Presse ge- sunden, was nach den Aeußerungen Gladstone's daraus zu erklären ist, daß diese Presse vorzugsweise die besitzenden Klaffen vertritt. Noch mehr aber als die Organe der Londoner Bourgeoisie ist die „Kreuzzeitung" über die Politik des Henn Gladstone empört, den sie des politischen Radikalismus beschuldigt, welcher „das Volk nur in der unterschiedslosen Masse erkennt und den Einspruch der Besonnenheit nur auf die Selbstsucht res Besitzes oder der Aristokratie schiebt." Was nun diesen Einspruch ter Besonnenheit anlangt, so haben wir denselben in der „Kreuzzeitung" bisher stet» vergebens gesucht; das Blatt, das auf religiösem Gebiete stets der Heuchelei das Wort geredet, auf politischem Gebiete die Wiederherstellung des alten Ueberlebten befürwortet und in der Behandlung der socialen Krage überhaupt kein Geschick und kein Verständniß bewiesen, hat von jeher sich mir da Verdienste erworben, wo cs sich unter die Dictate der Bism^rck'schen Politik beugte. Hätte der leitende Staatsmann im Jahre 1862 und später den Rathschlägen der „Kreuzzeitung" Gehör gegeben, dann hätten wir nimmer tincn norddeutschen Bund und ein deutsches Reich gesehen; daß aber Fürst Bis- marck sich mit dem Geiste des Umsturzes alliirte und auf diese Weise Preußen und ganz Deutschland aus dem Sumpfe des Partikularismus rettete, das ist von de^ Junker- und Pfaffenblatte oft und laut beklagt worden. Die konservative Politik der „Kreuzzeitung", welche Preußen durch die starre Erhaltung des Alten I 9eßtn tie Gefahren der politischen Revolution sichern wollte, würde vcn Hohen- । zellrrnstaat in Trümmer geschlagen haben, wenn sie an maßgebender Stelle adopNrt t borden wäre; aber ebenso, wie sich die politische Neugistaltung Deutschlands gegen bin Willen der „Kreuzzeitung" vollzog, ebenso wird man auch heute nach dem Rath ter „Kreuzzeitung" nicht blos in England, sondern auch in Deutschland in ttr socialen Frage mit den besitzenden Klaffen nicht gegen die Besitzlosen Front lachen.
München, 22. September. Das Programm der Berathung für den Con- grtß der Alikatholcken wurde unter Beziehung und Zustimmung Döllinger'S fest- gestellt; Letzterer wird an den Dera Hungen tveilnehmen.
München, 22. September, Vorm. 9 Ihr. Sorben beginnt die erste vor- beratbendc Katdolikenversammlung. — Gutem Vernehmen nach werden P'of.ssor Michelis und Pater Hyacinthe die Verträge für Frauen und Jungfrauen Mont^s im Museumssaale hallen. Die Ausschließung der Frauen vom Congr.ß geschah
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Gießen, 22. Sept. Die „Augsburger Allgemeine Zeitung" enthält einen Korrespondenz-Artikel aus Gießen, welchen wir hier unverkürzt wiedirgeben: „Es lurfte vielen Lesern der „Allgem. Zeitung" nicht unwichtig sein, zu erfahren, daß «if hiesiger großherzogl. Landesunlversität seit Dem Beginn des Sommcrsemesters !871 ein ordentlicher Lehrstuhl für dos Fach der Landwirthschaft gegründet wor» lm ist. Es ist sonach auf unserer Universität dieses Fach zu einem der übrigen shilosophischen Disciplinen gleichberechtigten erhoben. Als ordentlicher Professor •I Dr. Albr. Thaer aus Berlin berufen, und derselbe hat bereits in diesem Som- »trscmester seine Vorlesungen beginnen können. Gleichzeitig ist ein landwirth- Östliches Institut, ähnlich wie bas schon seit lange hier bestehende Forstinstitut, jn Dar Universität ins Leben gerufen worden. Es haben zur Begründung deffel- trn sowohl die Stände des GroßherzogthumS als auch insbesondere die Statt Hetzen einen Fond und ein Versuchsfeld zur Prüfung von Düngmitteln und Maschinen sowie zu vergleichenden Anstellungen von Pflanzenculturen hergegcben; kie Universität stellt die Räume für Auditorien und Laboratorium. Letzteres ist Otfi „ ls in seiner inneren Einrichtung so weit vorgeschritten, daß im Sommer einige Untersuchungen von den landwirthschaftlichcn Practikanten haben gemacht werden linnen; für das Wintersemester aber wird durch Vermehrung ter Apparate dasselbe 111 ein erhebliches vollständiger werden. Ein wesentlicher Factor zur das land- ^rthschaftliche Studium wird aber an hiesiger Universität noch durch die große kcqnemlichkeit geboten, mittelst welcher die übrigen Universitätsinstitute und Labo-
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Uwgegend treffliche und intensiv betriebene Wirthschaften, deren Dirigenten zum Thetl auch Volontäre zur praktischen Ausbildung bei sich aufnchmen. Die Reich, haltigkeit der klimatischen Abstufungen von der GebirgSwirthschast bis zum Weinbau, von der perennirenden Weide bis zum üppigsten Korn- und Hackfruchtbau, .^/^fültige Viehzucht und -Haltung ergänzen die größeren wirthfchaftlichen Verhältnisse Nordbeutschlands in einem für bas Studium und die allseitige praktische Ausbildung sehr zuträglichen Maße.
Berlin, 21. Sept. Die hier anwesenden Mitglieder der Fortschrittspartei rm preußischen Landtage haben sich dahin geeinigt, in der nächsten Session ent- schleden für die Aufhebung des Zeitungsstempels einzutreten. Der Finanzwinister soll dem Vorhaben nicht feindlich gegenüberstehen.
München, 22. September. Das Programm des Katholikencongresses in
München enthalt folgende Punkte: Wir halten fest an dem alten katholischen Glauben, wie er in der Schrift und Tradition bezeugt ist, sowie an tem alten katholischen CultuS. Wir lassen uns als vollberechtigte Glieder der katholischen Kirche weder aus der Kirchengemeinschaft noch aus den durch dieselbe erwachsenden kirchlichen und bürgerlichen Rechten verdrängen. Wir erklären die über uns wegen der Glaubenstreue verhängten kirchlichen Censuren für gegenstandslos und willkürlich. Vom Standpunkte des im triDcntin^cn Symbolum enthaltenen Glaubensbekenntnisses verwerfen wir die unter dem Papste Pius IX. im Wider- Spruch mit der Kirchenlehre und den Grundsätzen des apostolischen Concils zu- sammengedrachten Dogmen, insbesondere vom unfehlbaren Lehramte und von der höchsten Jurisdiction des Papstes. Wir halten fest an der alten Kirchenverfaffung und verwerfen jeden Versuch, die Bischöfe aus der unmittelbaren selbstständigen Leitung der einzelnen Kirchen zu verdrängen. Dem tridentinischen Canon zufolge bkstcht eine göttlich gestiitete Hierarchie von den Bischöfen, Priestern und Diakonen. Wir bekennen uns zum Primat des römischen Bischofs, wie er auf Grund der Schrift von den Vätern und Concilien anerkannt war. Wir erklären, daß Glaubens- fätze nur im Einklänge mit der heiligen Schrift definirt werden können, und die Lchrenlscheidungen eines Concils in dem unmittelbaren Glaubensbcwußtfein des kathol.;chcn Volkes, in der theologischen Wissenschaft sich als ubereivst mmend mit dem ursprünglichen überlieferten Glauben der Kirche erweisen müssen. Wir wahren der katholischen Laienwelt, dem ClcruS wie der wissenschaftlichen Theologie bei der Feststellung der GlaubenSregeln das Recht des Zeugnisses und ter Einsprache. Wir erstreben eine Reform in der Kirche, welche die heutigen Gebrechen und Mißbräuche im Geiste der alten Kirche beben und die berechtigten Wünsche dcs Volkes auf Theilnahme an den kirchlichen Angelegenheiten erfüllen würde. Der der Kirche von Utrecht gemachte Vorwurf des Jansenismus ist grundlos. Zwischen ihr und uns besteht kein dogmatischer Gegensatz. Wir hoffen auf die Wiedervereinigung mit der griechisch, orientalischen und der russischen Kirche, deren Trennung ohne genügende Ursache eifolgte und in keinem wesentlichen dogmatischen Unterschiede begründet ist. Wir erwarten unter Voraussetzung der angestrebien Reformen und auf dem Wege der Wissenschaft und der fortschreitenden christlichen Cultur all- mählich eine Verständigung mit den übrigen christlichen Consessionen, namentl ch mit den pi0testantifchen und bischöflichen Kirchen Englands und Amerikas. Wir halten bei Heranbildung des Clerus die Pflege der Wissenschaft für unentbehrlich und wünschen die Mitwirkung der weltlichen Obrigkeit zur Heranb ldung eines sittlich frommen, wissenschaftlichen und patriotischen CleruS. Wir verlangen für den niederen Clerus eine würdige, gegen hierarchische Willkür geschützte Stellung und verwerfen die willkürliche Versctzbarkeit des Seelsorgs-Geistlichen. Wir halten zu den die bürgerliche Freiheit und die humanitäre Cultur verbürgenden Verfassungen unserer Länder und erklären, unseren R'gierungcn im Kampfe gegen den im SyllabuS dogmatisirten Ultramontanismus treu und fest zur S.'ite zu stehen. Da offenkundig durch die Jesuiten tie gegenwärtige unheilvolle Zerrüttung verschuldet woiden ist, da dieser Orden seine Machtstellung mißbraucht, um in der Hierarchie, dem Clerus und dem Volke culturfeindliche, staatsgesährliche und anti- nationale Tendenzen zu verbreiten und zu nähren, und da er eine falsche corrum- pirende Moral lehrt, so sprechen wir cs als unsere Ueberzeugung aus, daß Friede, Gedeihen und Eintracht in der Kirche und ein richtiges Veihäitniß zur bürgerlichen Gesellschaft erst möglich ist, wenn ter gemeinschastlichsn Wirksamkeit dieses Ordens ein Ende gemacht wird. Als Glieder ter kathol'chen, durch die vati- canischen Diente noch nicht alterirten Kirche, welcher die Staaten politische Anerkennung und öffentlichen Schutz garantiit haben, halten wir unsere Ansprüche auf olle realen Güter und Besitztitcl ter Kirche aufrecht. München, 2l. Sept. Das Redactions-Comite: Döllinger, ReinkenS, Schulte, Huber, Maaßen Langen Friedrich. ' ö '
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. , »Dcut^chc Retd>Sanje>ger" pubhrfrt eine Bekanntmachung de« Reichs- völlige Weiegcnbeit geboten; ebenso ist auch die b'andwirtbschast ein integri'render hnjUr« «em 7. M-, durch welche das preußische Oberbergamt zu Bonn zum und obligatorischer Theil de« eameralistischen Gramen«. Wa« die praetiiche Au«.
ElsaK-Lothnngen bestimmt hat. Da« Bergrevier Lothringen, bildung der hier studirenden Landwirthe betrifft, so befinden sich sowohl in der mit dem Sitz de« Revierbeamten in Metz, umfaßt da« Departement Lothringen Nähe Gießen«, al« durch die zahlreichen Schienenweae leicht erreichbar in «nv den Kanton Saar-Union-Drühlingrn; da« Bergrcvier Elsaß mit dem Sitze n ^,lt"t.n®,.3e lud,t ,rr,ld)bar' ln
d-e Revierbeamten in Straßburg, die beiden Departements des Elsaß mit Aus skyluß des oben genannten Kantons.


